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Liebreitz bis Liederdichter (Bd. 2, Sp. 2063 bis 2064)
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Artikelverweis Der Liebreitz, des -es, plur. die -e, ein angenehmer Reitz, von lieb, so fern es in der ersten passiven Bedeutung so viel als angenehm ist, oder vielmehr von dem Hauptworte Liebe, zur Liebe reitzend, eine Eigenschaft, eine Fertigkeit, welche fähig ist, Liebe in andern zu erwecken. Der Liebreitz der Tugend. Ihr anmuthsvollen Kinder, mit jedem Liebreitz der Mutter geschmückt, Geßn. Wo das Herz bescheiden ist, da theilt es unsern äußerlichen Handlungen den der Bescheidenheit eigenen Liebreitz unbemerkt in allen Fällen mit, Gell. Der Liebreitz, der uns früh verbunden, Haged.
   Die thränenden Augen, die keichende Brust,
   Entkräften den Liebreitz, verscheuchen die Lust,
   Haged. So richtig dieses Wort auch zusammen gesetzt ist, so klebt demselben doch immer etwas Widriges an, vermuthlich, weil es von den Dichtern der vorigen Zeiten so sehr gemißbraucht worden. Über dieß sagt das kürzere Reitz in engerer Bedeutung eben dasselbe, und wird daher auch lieber und häufiger für jenes gebraucht.
 
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Liebreitzend, -er, -ste, adj. et adv. zur Liebe reitzend, wofür doch auch das einfache reitzend üblicher ist. Liebreitzend von Gesicht, Haged.
 
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Der Liebste, die Liebste, S. Adelung Lieb.
 
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Der Liebstöckel, des -s, plur. inus. der Nahme einer Pflanze, welche einen hohlen fetten und starken Stängel treibt, eine scharfe, stinkende Wurzel hat, und in den Apotheken gebraucht wird; Ligusticum Levisticum L. Dieses Gewächs ist auf dem Apenninischen Gebirge einheimisch, von woher es mit seinem Nahmen in unsere Gärten gekommen ist. Sein eigentlicher Nahme ist Ligusticum, von der Landschaft Liguvien, wie Plinius versichert, in welcher es auf den Apenninen sehr häufig wächst; bey dem Dioskorides λιγυσικον, woraus Galens λιβυσικον, das spätere Lat. Levisticum, und unser Liebstöckel, welches schon in den Monseeischen Glossen Lubistechal lautet, entstanden sind. Im Nieders. heißt dieses Gewächs Leverstock, im Dän. Loestilk, im Franz. Liveche, im Engl. Lovage, im Böhm. Libecek.
 
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Liebwêrth, -er, -este, adj. ein nur noch in dem Briefstyl des gemeinen Lebens übliches Beywort, für lieb und werth. Liebwertheste Ältern. Liebwerthe Frau Muhme. Als ein Nebenwort ist es nicht gebräuchlich.
 
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1. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein nur in einigen Gegenden, z. B. Meißens, übliches Wort, einen Tisch, und besonders den Tisch, oder die Bank zu bezeichnen, worauf die Fleischer ihr Fleisch feil haben. So heißt es in einer der neuesten Dresdener Fleischer-Ordnungen: Die Fleischer sollen das gute und schlechte Fleisch nicht unter einander auf das Liet (Lied) legen. Er soll es auf die Bank oder Liet bringen. S. Laden, das Hauptwort, zu dessen Geschlechte es zu gehören scheinet.
 
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2. * Das Lied, des -es, plur. die -er, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, ein Glied, ein Gelenk, und einen vermittelst eines Gelenkes oder Gewindes beweglichen Deckel zu bezeichnen. S. Adelung Glied und Augenlied.
 
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3. Das Lied, des -es, plur. die -er, Diminut. Liedchen, im Plural auch wohl Liederchen, Oberd. Liedlein. 1) In der eigentlichsten und weitesten Bedeutung, alles was gesungen wird, melodisch hervor gebrachte Töne; in welcher Bedeutung, doch nur in der höhern Schreibart, die melodischen Töne mancher Vögel ein Lied oder Lieder genannt werden. Die Nachtigall singt ihr zährtliches Lied. 2) In engerer Bedeutung, ein jedes zum

[Bd. 2, Sp. 2064]


Singen bestimmtes Gedicht. Das hohe Lied Salomonis. In dieser Bedeutung pflegt man nur noch in der dichterischen Schreibart ein jedes Gedicht zuweilen ein Lied zu nennen. 3) In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein zum Singen bestimmtes Gedicht, welches Empfindungen schildert, besonders wenn es in Strophen abgetheilet ist, welche insgesammt nach Einer Melodie gesungen werden können; zum Unterschiede von einer Ode, einem Psalme u. s. f. Ein geistliches Lied, welches auch in engerer Bedeutung ein Gesang, Nieders. ein Salm, genannt wird. Ein weltliches Lied. Das Schäferlied, Heldenlied, Trinklied, Hochzeitlied, Siegeslied, Loblied, Morgenlied u. s. f. Davon kann ich auch ein Liedchen singen, figürlich, ich habe solches auch erfahren. Das ist das Ende vom Liede, das ist der Beschluß, der letzte Ausspruch, wobey es bleiben soll; wofür man im geschmacklosen Scherze auch wohl umgekehrt sagt, das ist das Lied vom Ende. Anm. Bey dem Ottfried und Notker Lied, bey andern Lioth, im Nieders. Leed, im Isländ. Liod, im mittlern Lat. Leudus. Gottsched leitete es von dem vorigen Lied, Glied, her, weil es aus Strophen, als so vielen Gliedern und Gelenken bestehe. Allein es ist wohl unstreitig, daß es zu dem Geschlechte der Wörter laut, Laute, lauten u. s. f. gehöret, und überhaupt den melodischen Klang der Stimme ausdruckt. Bey dem Ottfried heißen daher Lieder im Plural noch Ludila, und das Isländ. Liod bedeutet auch die Musik überhaupt.
 
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Das Līederbūch, des -es, plur. die -bǖcher, ein Buch, worin Lieder, besonders Lieder weltlichen Inhaltes enthalten sind; zum Unterschiede von einem Gesangbuche, welches nur zum Gottesdienste bestimmte geistliche Lieder enthält.
 
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Die Liederbühne, plur. die -n, in dem Bergbaue, von dem Zeitworte liedern, eine Bühne, worauf die Sätze in den Wasserkünsten geliedert werden.
 
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Der Liederdichter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liederdichterinn, ein Dichter, welcher vorzüglich Lieder dichtet, oder gedichtet hat.

 

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