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Liebhaber bis Liebreitzend (Bd. 2, Sp. 2060 bis 2063)
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Artikelverweis Der Liebhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liebhaberinn, ein aus der R. A. lieb haben gebildeter Ausdruck, eine Person, welche eine andere Sache oder Person lieb hat, oder liebt. 1. Überhaupt, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe. Du hast es (das Land) gegeben dem Samen Abrahams deines Liebhabers ewiglich, 2 Chron. 20, 7. Die Schläge des Liebhabers meynens recht gut, Sprichw. 27, 6; d. i. des Freundes, weil es dem Hasser entgegen gesetzet ist. Denn alle deine (des Jojakim) Liebhaber sind umbracht, Jer. 22, 20; für Freunde. In dieser allgemeinen Bedeutung ist es größten Theils veraltet, außer daß in der Kanzelberedsamkeit noch zuweilen Liebhaber des göttlichen Wortes vorkommen. An häufigsten gebraucht man es, 2. in einigen besondern Bedeutungen. 1) In der dritten engsten Bedeutung des Wortes Liebe

[Bd. 2, Sp. 2061]


ist es eine Person, welche sich um die Liebe einer Person andern Geschlechtes bewirbt, oder dieselbe auch schon besitzt, ohne die sittliche Beschaffenheit dieser Liebe zu bestimmen. So können so wohl unverheirathete Personen, auch ohne Absicht einander zu heirathen, als auch Ehegatten Liebhaber oder Liebhaberinnen seyn. Im gemeinen Leben werden dafür die Ausdrücke Liebster und Liebste gebraucht. 2) In weiterer Bedeutung heißt derjenige ein Liebhaber, welcher einen vorzüglichen Grad des Vergnügens an Dingen gewisser Art und deren Besitze findet. Ein Liebhaber von der Jagd, von Pferden, von Hunden, von Landkarten, von Gemählden seyn. Eine Liebhaberinn vom Spiele, vom Putze u. s. f. Es kommt auf den Liebhaber an, es kommt darauf an, daß sich jemand findet, welcher eine vorzügliche Neigung zu dieser Sache trägt. Eben so ist in den schönen Künsten der Liebhaber, Ital. Dilettante, derjenige, welcher eine vorzügliche Neigung zu diesen Künsten und den Kunstwerken träget, ohne selbst ein Künstler zu seyn. Nicht alle Liebhaber sind zugleich Kenner. 3) In der weitesten Bedeutung wird oft ein jeder Käufer ein Liebhaber genannt. Einen Liebhaber zu etwas abgeben, es kaufen wollen, darum handeln. Diese Waare findet keine Liebhaber mehr.
 
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Die Liebhaberey, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, welches in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, obgleich nicht in deren ganzen Umfange gebraucht wird, die vorzügliche sinnliche Neigung zu dem Besitze einer Sache, welche keinen erweislichen oder merklichen Nutzen hat. So ist die Begierde Bücher zu sammeln, bey solchen, welche sie nicht gebrauchen können oder wollen, eine bloße Liebhaberey. Ob man gleich nicht sagen kann, daß diesem Worte ein verächtlicher Nebenbegriff anklebe, so ist es doch ein zweydeutiger Ausdruck, welcher in den meisten Fällen die Abwesenheit des begreiflichen Nutzens mit einschließet; welcher Nebenbegriff von der Ableitungssylbe -ey herzurühren scheinet, welche am häufigsten niedrige und verächtliche Fertigkeiten zu bezeichnen pflegt.
 
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Liebkosen, verb. reg. act. seine Liebe und Zährtlichkeit gegen eine Person durch Streicheln, Küsse und ähnliche Handlungen an den Tag legen; Franz. caresser. Der Hund liebkoset seinen Herren, wenn er ihm seine Neigung durch Lecken, Schmiegen u. s. f. an den Tag leget. Eine Mutter liebkoset ihr Kind, durch Küsse, Streicheln u. s. f. Das Kind seine Amme, der Liebhaber seine Geliebte u. s. f. Figürlich wird es auch wohl von andern thätigen Beweisen der Zärtlichkeit gebraucht. Von dem Schicksale geliebkoset werden. Daher die Liebkosung, plur. die -en, dergleichen Handlungen.
   Anm. In einem alten Deutsch-Latein. Vocabulario von 1482 liebekosen, welches daselbst auch durch flinstern erkläret wird. Die erste Hälfte des Wortes ist keinem Zweifel unterworfen. Die letzte wird gemeiniglich, und freylich sehr wahrscheinlich, für das größten Theils veraltete kosen, reden, gehalten, S. Adelung Kosen und Köhren. Liebkosen würde also eigentlich auf eine zärtliche, verliebte Art mit jemanden reden bedeuten. Allein ich zweifele, ob es in diesem Falle vorkommen wird, indem es, so wie das Franz. caresser, welches dasselbe eigentlich ausdruckt, fast nur allein von den oben gedachten zärtlichen Handlungen gebraucht wird; und in diesem Falle müßte man für kosen wohl ein anderes Stammwort suchen. Vielleicht ist es küssen, welches in manchen Mundarten nur ein einfaches s hat, so daß liebkosen zärtlich küssen bedeuten würde, von welcher Handlung es wirklich am häufigsten gebraucht wird. Im Schwedischen für liebkosen nur kuska üblich, welches Ihre zwar auch von kosen, schwatzen, ableitet, aber auch von kyssa, küssen, abstammen kann. Im Niedersächsischen heißt liebkosen liberlocken, locken,

[Bd. 2, Sp. 2062]


und mit vorgesetztem Gaumenlaute kluckern, bey ältern Oberdeutschen Schriftstellern aber liebeln. So viel ich weiß, wird liebkosen jederzeit mit der vierten Endung verbunden. Herr Stosch und einige andere geben ihm die dritte, einer Person liebkosen, welche Verbindung sich auf die Herleitung von kosen, reden, zu gründen scheinet. Allein, daß diese dritte Endung unrichtig ist, siehet man deutlich, wenn das Zeitwort in das Passivum versetzet wird, wo es die erste Endung erfordert. Das Kind wurde geliebkoset, ist geliebkoset worden. Erforderte es im Activo die dritte, so müßte es auch im Passivo heißen, dem Kinde wurde geliebkoset; welche Art zu sprechen doch ganz ungewöhnlich ist.
 
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Lieblich, -er, -ste, adj. et adv. von dem Beyworte lieb, in dessen ersten passiven Bedeutung, was mit einem merklichen Grade des Vergnügens empfunden wird, wo es von der Empfindung durch alle Sinne gebraucht werden kann. Ein lieblicher Geruch, I Mos. 8, 21. Liebliche Harfen und Psalter, Ps. 81, 3. Eine liebliche Gestalt, Hohel. 2, 14. Die Weisheit ist lieblicher denn Wein, Sir. 40, 20. Lieblich ist diese Gegend, lieblich des Abends Kühlung, Geßn. O, die du lieblicher bist, als der thauende Morgen, ebend. Siehe, wie lieblich es ist, auf diesem Hügel zu wohnen, ebend. Hier sammle ich liebliche Gerüche, ebend. Wie der liebliche Mond mich anlächelt! O, verzögere noch deine Stunden! Weiße.
   Anm. Schon bey dem Ottfried liublich, im Dän. liflig, im Schwed. ljuflig, im Angels. luflice, im Engl. lovely, im Böhm. liby. Das Nieders. leefliken hingegen bedeutet liebreich.
 
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Die Lieblichkeit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft eines Dinges, da es lieblich ist; ohne Plural. 2) Zuweilen auch liebliche Dinge selbst.
 
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Der Liebling, des -es, plur. die -e, eine Person, welche von einer andern mit vorzüglicher Zärtlichkeit geliebt wird; so wohl in der zweyten, als dritten Bedeutung des Hauptwortes Liebe, und von beyden Geschlechtern. Johannes war der Liebling Christi, die Pompadour der Liebling Ludwigs XV. Mißtraue der Eitelkeit, die dir sagt, daß deine Reitzungen groß genug sind, einen unbeständigen Liebling getreu und beständig zu machen, Dusch. Der Liebling der Musen. Daher die Zusammensetzungen Lieblingsideen, Lieblingsthorheiten, Lieblingssünden, Lieblingslaster, Lieblingstugenden, Ideen, Thorheiten, Sünden, Laster u. s. f. welche man mit vorzüglichem Vergnügen heget und begehet. S. -Ling.
 
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Lieblos, -er, -este, adj. et adv. in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, der Liebe, d. i. der pflichtmäßigen Fertigkeit sich an der Vollkommenheit andrer zu belustigen, und selbige möglichst zu befördern, beraubt, und in dieser Gesinnung gegründet. Gegen jemanden lieblos seyn, handeln. Ein liebloser Mensch, ein liebloses Betragen.
 
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Die Lieblosigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Fertigkeit, da man lieblos ist, die Fertigkeit, die Beförderung des Nutzens anderer aus Mangel der Liebe zu versäumen; ohne Plural. Die Lieblosigkeit gegen Gott, die Fertigkeit, sich an andern Dingen mehr als an Gott zu vergnügen. 2) Dergleichen einzelne Handlungen.
 
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Liebreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Liebe, in der zweyten Bedeutung dieses Hauptwortes, d. i. einen hohen Grad der Liebe gegen andere besitzend, doch am häufigsten nur in engerer Bedeutung, so fern sich derselbe durch Worte, Stimme, Geberden und Handlungen äußert; ingleichen, in dieser Gemüthsstellung gegründet. Ein liebreicher Mann. Ein Herr, welcher gegen seine Unterthanen sehr liebreich ist. Ein

[Bd. 2, Sp. 2063]


liebreiches Betragen. Liebreiche Mienen. Zuweilen auch von andern thätigen Beweisen dieser Gesinnung. Das Glück ist nicht so liebreich gegen sie gewesen, als die Natur, Gell.
 
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Der Liebreitz, des -es, plur. die -e, ein angenehmer Reitz, von lieb, so fern es in der ersten passiven Bedeutung so viel als angenehm ist, oder vielmehr von dem Hauptworte Liebe, zur Liebe reitzend, eine Eigenschaft, eine Fertigkeit, welche fähig ist, Liebe in andern zu erwecken. Der Liebreitz der Tugend. Ihr anmuthsvollen Kinder, mit jedem Liebreitz der Mutter geschmückt, Geßn. Wo das Herz bescheiden ist, da theilt es unsern äußerlichen Handlungen den der Bescheidenheit eigenen Liebreitz unbemerkt in allen Fällen mit, Gell. Der Liebreitz, der uns früh verbunden, Haged.
   Die thränenden Augen, die keichende Brust,
   Entkräften den Liebreitz, verscheuchen die Lust,
   Haged. So richtig dieses Wort auch zusammen gesetzt ist, so klebt demselben doch immer etwas Widriges an, vermuthlich, weil es von den Dichtern der vorigen Zeiten so sehr gemißbraucht worden. Über dieß sagt das kürzere Reitz in engerer Bedeutung eben dasselbe, und wird daher auch lieber und häufiger für jenes gebraucht.
 
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Liebreitzend, -er, -ste, adj. et adv. zur Liebe reitzend, wofür doch auch das einfache reitzend üblicher ist. Liebreitzend von Gesicht, Haged.

 

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