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Liebesgras bis Liebkosen (Bd. 2, Sp. 2060 bis 2061)
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Artikelverweis Das Liebesgras, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des mittlern Zittergrases, welches auf den trocknen Wiesen wächset; Briza media L. S. Adelung Peterskorn.
 
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Der Liebeshandel, des -s, plur. die -händel, in der dritten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebter Handel, eine verliebte Unterhandlung.
 
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* Das Liebeskind, des -es, plur. die -er, eine noch im gemeinen Leben übliche Benennung eines unehelichen, aus verbotener Liebe gezeugten Kindes.
 
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Der Līebeskuß, des -sses, plur. die -küsse, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, in der ältern christlichen Kirche, ein Kuß, welchen man einander bey der Begegnung, oder auch bey gewissen feyerlichen Gelegenheiten zur Versicherung der brüderlichen Liebe gab.
 
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Das Liebesmahl, des -es, plur. die -mähler, oder -mahle, in eben dieser Bedeutung und gleichfalls nur in der ersten christlichen Kirche, gemeinschaftliche Mahlzeiten zur Erhaltung der Liebe und Vertraulichkeit, mit welchen die Haltung des Abendmahles verknüpft ist.
 
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Der Liebestrank, des -es, plur. die -tränke, ein gemeiniglich aus abergläubigen Mitteln bestehender Trank, vermittelst dessen man eine Person andern Geschlechtes zur Liebe zu reitzen sucht, Philtrum; im gemeinen Leben auch der Nachlauf, weil er verursachen soll, daß die Person, welche ihn bekommt, der andern nachlaufen muß.
 
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Das Liebeswêrk, des -es, plur. die -e, ein Werk, d. i. eine Verrichtung, welche man aus Liebe zu des andern Wohlfahrt oder Erhaltung unentgeldlich übernimmt. So ist die Befreyung eines andern aus einer Lebensgefahr ein Liebeswerk oder Werk der Liebe.
 
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Die Liebeswuth, plur. car. S. Adelung Liebesfieber.
 
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Der Liebhaber, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Liebhaberinn, ein aus der R. A. lieb haben gebildeter Ausdruck, eine Person, welche eine andere Sache oder Person lieb hat, oder liebt. 1. Überhaupt, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe. Du hast es (das Land) gegeben dem Samen Abrahams deines Liebhabers ewiglich, 2 Chron. 20, 7. Die Schläge des Liebhabers meynens recht gut, Sprichw. 27, 6; d. i. des Freundes, weil es dem Hasser entgegen gesetzet ist. Denn alle deine (des Jojakim) Liebhaber sind umbracht, Jer. 22, 20; für Freunde. In dieser allgemeinen Bedeutung ist es größten Theils veraltet, außer daß in der Kanzelberedsamkeit noch zuweilen Liebhaber des göttlichen Wortes vorkommen. An häufigsten gebraucht man es, 2. in einigen besondern Bedeutungen. 1) In der dritten engsten Bedeutung des Wortes Liebe

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ist es eine Person, welche sich um die Liebe einer Person andern Geschlechtes bewirbt, oder dieselbe auch schon besitzt, ohne die sittliche Beschaffenheit dieser Liebe zu bestimmen. So können so wohl unverheirathete Personen, auch ohne Absicht einander zu heirathen, als auch Ehegatten Liebhaber oder Liebhaberinnen seyn. Im gemeinen Leben werden dafür die Ausdrücke Liebster und Liebste gebraucht. 2) In weiterer Bedeutung heißt derjenige ein Liebhaber, welcher einen vorzüglichen Grad des Vergnügens an Dingen gewisser Art und deren Besitze findet. Ein Liebhaber von der Jagd, von Pferden, von Hunden, von Landkarten, von Gemählden seyn. Eine Liebhaberinn vom Spiele, vom Putze u. s. f. Es kommt auf den Liebhaber an, es kommt darauf an, daß sich jemand findet, welcher eine vorzügliche Neigung zu dieser Sache trägt. Eben so ist in den schönen Künsten der Liebhaber, Ital. Dilettante, derjenige, welcher eine vorzügliche Neigung zu diesen Künsten und den Kunstwerken träget, ohne selbst ein Künstler zu seyn. Nicht alle Liebhaber sind zugleich Kenner. 3) In der weitesten Bedeutung wird oft ein jeder Käufer ein Liebhaber genannt. Einen Liebhaber zu etwas abgeben, es kaufen wollen, darum handeln. Diese Waare findet keine Liebhaber mehr.
 
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Die Liebhaberey, plur. doch nur von mehrern Arten, die -en, welches in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes, obgleich nicht in deren ganzen Umfange gebraucht wird, die vorzügliche sinnliche Neigung zu dem Besitze einer Sache, welche keinen erweislichen oder merklichen Nutzen hat. So ist die Begierde Bücher zu sammeln, bey solchen, welche sie nicht gebrauchen können oder wollen, eine bloße Liebhaberey. Ob man gleich nicht sagen kann, daß diesem Worte ein verächtlicher Nebenbegriff anklebe, so ist es doch ein zweydeutiger Ausdruck, welcher in den meisten Fällen die Abwesenheit des begreiflichen Nutzens mit einschließet; welcher Nebenbegriff von der Ableitungssylbe -ey herzurühren scheinet, welche am häufigsten niedrige und verächtliche Fertigkeiten zu bezeichnen pflegt.
 
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Liebkosen, verb. reg. act. seine Liebe und Zährtlichkeit gegen eine Person durch Streicheln, Küsse und ähnliche Handlungen an den Tag legen; Franz. caresser. Der Hund liebkoset seinen Herren, wenn er ihm seine Neigung durch Lecken, Schmiegen u. s. f. an den Tag leget. Eine Mutter liebkoset ihr Kind, durch Küsse, Streicheln u. s. f. Das Kind seine Amme, der Liebhaber seine Geliebte u. s. f. Figürlich wird es auch wohl von andern thätigen Beweisen der Zärtlichkeit gebraucht. Von dem Schicksale geliebkoset werden. Daher die Liebkosung, plur. die -en, dergleichen Handlungen.
   Anm. In einem alten Deutsch-Latein. Vocabulario von 1482 liebekosen, welches daselbst auch durch flinstern erkläret wird. Die erste Hälfte des Wortes ist keinem Zweifel unterworfen. Die letzte wird gemeiniglich, und freylich sehr wahrscheinlich, für das größten Theils veraltete kosen, reden, gehalten, S. Adelung Kosen und Köhren. Liebkosen würde also eigentlich auf eine zärtliche, verliebte Art mit jemanden reden bedeuten. Allein ich zweifele, ob es in diesem Falle vorkommen wird, indem es, so wie das Franz. caresser, welches dasselbe eigentlich ausdruckt, fast nur allein von den oben gedachten zärtlichen Handlungen gebraucht wird; und in diesem Falle müßte man für kosen wohl ein anderes Stammwort suchen. Vielleicht ist es küssen, welches in manchen Mundarten nur ein einfaches s hat, so daß liebkosen zärtlich küssen bedeuten würde, von welcher Handlung es wirklich am häufigsten gebraucht wird. Im Schwedischen für liebkosen nur kuska üblich, welches Ihre zwar auch von kosen, schwatzen, ableitet, aber auch von kyssa, küssen, abstammen kann. Im Niedersächsischen heißt liebkosen liberlocken, locken,

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und mit vorgesetztem Gaumenlaute kluckern, bey ältern Oberdeutschen Schriftstellern aber liebeln. So viel ich weiß, wird liebkosen jederzeit mit der vierten Endung verbunden. Herr Stosch und einige andere geben ihm die dritte, einer Person liebkosen, welche Verbindung sich auf die Herleitung von kosen, reden, zu gründen scheinet. Allein, daß diese dritte Endung unrichtig ist, siehet man deutlich, wenn das Zeitwort in das Passivum versetzet wird, wo es die erste Endung erfordert. Das Kind wurde geliebkoset, ist geliebkoset worden. Erforderte es im Activo die dritte, so müßte es auch im Passivo heißen, dem Kinde wurde geliebkoset; welche Art zu sprechen doch ganz ungewöhnlich ist.

 

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