Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lieber bis Liebeshandel (Bd. 2, Sp. 2058 bis 2060)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Lieber. 1. Der Comparativ des Bey- und Nebenwortes lieb, welcher vornehmlich als ein Nebenwort gebraucht wird, einen höhern Grad der Neigung zu einer Sache oder Veränderung zu bezeichnen, als zu einer andern, wo es den Comparativ zu gern abgibt, so wie am liebsten den Superlativ. Mein Herz wollte lieber alles für dich leiden, als dich verlassen, S. Adelung Lieb. Wo es denn auch häufig figürlich für vielmehr, potius, gebraucht wird. Sie hätten lieber meine Tochter auch zu der galanten Lebensart anführen wollen, Gell. Ich weiß, daß sie sechzig sind Warum nicht lieber achtzig? ebend. Ingleichen mit einer Ellipse für, es ist besser. Lieber das schwächliche Kind um seiner Bosheit willen bis auf das Blut gestraft, als in ihm ein unseliges Geschöpf aufwachsen zu lassen, ebend. Lieber alles verloren, als die Ehre. Lieber todt, als ungetreu. Nieders. lever, leverst. 2. Der Vocativ des Adjectives lieb, besonders so fern er die Stelle einer Interjection vertritt, jemanden auf eine freundschaftliche, vertrauliche Art anzureden. Lieber, laß nicht Zank seyn, 1 Mos. 13, 8. Da sprach der Dirnen Vater zu dem Mann: Lieber, bleibe über Nacht, Richt. 19, 6. Denn sie sprach, lieber, laß mich auflesen, Ruth 2, 7.
   Ey lieber, geht doch gleich und bringt ihn eilend her,
   Günther. Es ist in dieser Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur selten vorkommt, das Beywort lieb, worunter Freund oder ein anderes Hauptwort verstanden werden muß; ob es gleich unabänderlich gebraucht wird, ohne Unterschied so wohl des Geschlechtes, als der Zahl.
 
Artikelverweis Der
Liebesapfel, des -s, plur. die -äpfel, eine Art des Nachtschattens, S. Adelung Goldapfel.
 
Artikelverweis 
Der Liebesbrief, des -es, plur. die -e, Diminut. das Liebesbriefchen, in der engsten Bedeutung des Wortes Liebe, eine verliebter Brief, ein Brief, worin man einer Person andern Geschlechtes seine Liebe erkläret oder versichert.
 
Artikelverweis 
Der Liebesdienst, des -es, plur. die -e, in der zweyten Bedeutung des Wortes Liebe, ein Dienst, welchen man jemanden aus Liebe, und in engerer Bedeutung aus Liebe allein, ohne Belohnung leistet. Jemanden einen Liebesdienst thun, erweisen.
 
Artikelverweis 
Das Liebesfieber, des -s, plur. ut nom. sing. in der engsten Bedeutung des Wortes Liebe, diese Leidenschaft, wenn sie mit einem schleichenden Fieber verbunden ist; Febris amatoria. S. Adelung Jungfernsucht. Artet der Trieb zum Beyschlafe in Wuth

[Bd. 2, Sp. 2060]


und Unsinn aus, so wird er auch wohl die Liebeswuth genannt; Furor uterinus.
 
Artikelverweis 
Die Liebesflamme, plur. die -n, die Liebe unter dem Bilde einer Flamme betrachtet, ein hoher Grad der Liebe, in der zweyten und dritten Bedeutung; ein Ausdruck, welcher den Dichtern der vorigen Zeiten sehr gewöhnlich war.
 
Artikelverweis 
Das Liebesgedicht, des -es, plur. die -e, in der dritten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebtes Gedicht, ein Gedicht, dessen Inhalt die Liebe zu dem andern Geschlechte ist.
 
Artikelverweis 
Die Liebesgeschichte, plur. die -n, eine solche Geschichte oder Erzählung.
 
Artikelverweis 
Der Liebesgott, des -es, plur. die -götter, Fämin. die Liebesgöttinn, in der Mythologie der Griechen und Römer, erdichtete göttliche Wesen, welche der Liebe zu dem andern Geschlechte vorgesetzet waren. In engerer Bedeutung führet Cupido den Nahmen des Liebesgottes und Venus den Nahmen der Liebesgöttin.
 
Artikelverweis 
Das Liebesgras, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, ein Nahme des mittlern Zittergrases, welches auf den trocknen Wiesen wächset; Briza media L. S. Adelung Peterskorn.
 
Artikelverweis 
Der Liebeshandel, des -s, plur. die -händel, in der dritten Bedeutung des Wortes Liebe, ein verliebter Handel, eine verliebte Unterhandlung.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: