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Lichtvoll bis Lieben (Bd. 2, Sp. 2055 bis 2058)
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Artikelverweis  Lichtvoll, -er, -este, adj. et adv. voll Lichtes. Eine lichtvolle Wolke. Auch im figürlichen Verstande, voll deutlicher und klarer Begriffe, voll Deutlichkeit. Eine lichtvolle Idee, eine klare Vorstellung.
 
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Die Lichtwand, plur. die -wände, im Hüttenbaue, zwey schwache gebrochene Mauern oder Steine auf den Futtermauern des Stichofens, hinter welchen zu ihrer Haltung noch andere Mauern aufgeführet werden. Etwa weil sie im Lichten des Ofens, d. i. in dessen Breite, stehen? Oder von dem Nieders. licht, leicht, wegen ihrer Schwäche oder Dünne?
 
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Das Lichtziehen, des -s, plur. car. von der Redensart Lichte oder Lichter ziehen, die Handlung da man Lichter ziehet, d. i. durch mehrmahlige Eintauchung des Dochtes in den geschmolzenen Talg nach und nach Lichter hervor bringet.
 
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Der Lichtzieher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lichtzieherinn, eine Person, welche ein Geschäft daraus macht, Lichter zu ziehen.
 
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Lieb, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist.
   1. In leidendlicher Bedeutung. 1) Angenehm, was mit einem merklichen Grade des Vergnügens empfunden wird; wo es als ein Beywort nur in einigen Fällen, besonders des gemeinen Lebens und der vertraulichen Sprechart üblich ist. Das ist gar ein liebes Kind, er ist ein lieber Mann, sie ist gar eine liebe Frau, wo man in der edlern Sprechart angenehm oder liebenswürdig gebrauchen würde. O, sie sind ein lieber Mann, ich will auch ihrer gedenken, Weiße.
   Ich weiß ein liebes Weib für dich,
   Gell. Auch im Neutro als ein Hauptwort, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Ich weiß nichts als Liebes und Gutes von ihm. S. Adelung Gut. Sie thut ihm Liebes und kein Leides sein Lebenlang, Sprichw. 31, 12. Es geht mehr Liebes als Schönes zur Kirche, mehr angenehme als wirklich schöne Personen. Ingleichen als ein Nebenwort. Es ist mir lieb, daß du kommst. Auch mit dem Infinitiv und dem Worte zu. Es ist mir lieb zu hören, zu sehen, zu vernehmen. Das ist mir nicht lieb zu hören. Laß dir das lieb seyn. Mit etwas für lieb, oder fürlieb nehmen, S. Fürlieb. Es mag ihm lieb oder leid seyn. Lassen sie sich ihre kleine Halsstarrigkeit lieb seyn, Gell. Ingleichen im Comparativo. Er möchte lieber schlafen als essen. Es wäre mir lieber, er wäre gar nicht gekommen. Und im Superlativo. Das thut er am liebsten. Von einem demüthigen Retter läßt sich auch das störrige Laster am liebsten retten, Gell.
   2) In engerm Verstande, was man liebt und hoch schätzet, dessen Besitz man mit Vergnügen empfindet und daher zu erhalten sucht; in der höhern Schreibart geliebt. Mein lieber Freund. Lieber Bruder. Der liebe Gott, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck. Unsere liebe Frau, eine in der Römischen Kirche übliche Benennung der Jungfrau Maria. Seine liebsten Sachen in Sicherheit bringen. Das ist mir das liebste auf der Welt. Das liebe Brot, ein gleichfalls im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck, weil das Brot das unentbehrlichste und daher auch schätzbarste Nahrungsmittel ist. Das liebe Geld. Ihr treibet die Weiber meines Volks aus ihren lieben Häusern, Mich. 2, 9. Nesseln

[Bd. 2, Sp. 2056]


werden wachsen, da jetzt ihr liebes Götzensilber stehet, Hos. 9, 6.
   Er nahm die Reise vor und sah schon mit Vergnügen
   Die liebe Stadt auf einem Berge liegen,
   Gell.
   Das liebe kleine Bäumchen hier,
   Das einst gepflanzet ward mit mir,
   Weiße. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart pflegt der Begriff der Liebe und der Schätzung in manchen Fällen mehr oder weniger zu verschwinden. Es kam ein liebes Gewitter. Auf der lieben Erde liegen.
   Durchs liebe Ungefähr, das mancher Glücksstern ist,
   Michäl.
   Das ich mochte geleben manchen lieben tag,
   Kaiser Heinrich. Ingleichen als ein Nebenwort. Bey einem lieb und werth seyn. Deine Gesundheit ist mir lieb. So lieb dir dein Leben ist. Personen, denen wir lieb sind, ist unsere Traurigkeit nur dann erträglich, wenn wir uns ihnen mit Fülle des Herzens entdecken. Glauben sie wohl, daß mir ihr Glück lieb ist?
   Die erste und dritte Staffel des Beywortes werden auch häufig als Hauptwörter gebraucht. Mein Lieber, meine Liebe, d. i. mein lieber Freund, meine liebe Freundinn. In der niedrigen Sprechart sagt man auch im ungewissen Geschlechte etwas Liebes haben, eine geliebte Person. Der Liebste, die Liebste, werden häufig so wohl von verehlichten, als auch von unverehlichten Personen zweyerley Geschlechtes gebraucht, wenn sie einander lieben. Im ersten Falle, wo man auch wohl Eheliebster und Eheliebste sagt, ist Liebster und Liebste anständiger, als das geringere und gemeinere Mann und Frau, aber geringer als das höhere Gemahl und Gemahlinn. Ihr Herr Liebster. Die Frau Liebste. Von unverehlichten Personen ist es besonders im gemeinen Leben sehr häufig, sie mögen sich nun unschuldig und in rechtmäßiger Absicht, oder auf eine verbothene Art lieben. Ehedem sagte man in diesem Verstande auch das Lieb. S. Adelung Liebchen.
   2. In thätiger Bedeutung, wirklich liebend; in welcher Bedeutung es doch nur als ein Nebenwort mit den Zeitwörtern haben, bekommen und gewinnen üblich ist. Jemanden lieb haben, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, wofür in der anständigern lieben üblich ist. Sein Kind lieb haben. Das Geld lieb haben, geitzig seyn. Den sie so lieb wie sich und wohl noch lieber hatte, Gell. Eine Person oder Sache lieb bekommen, in der anständigern Sprechart lieb gewinnen, Liebe, Neigung zu derselben bekommen. Weil mein Herz die Gottesfurcht über alles lieb gewann, Hermes.
   Anm. Bey dem Ottfried, im Tatian u. s. f. liob, liub, beym Notker in der zweyten Staffel liebra, im Nieders. leef, im Angels. leof, im Engl. leef, lief, im Schwed. ljuf, im Isländ. liufr, bey dem Ulphilas liubs, im Pohln. luby, im Wendischen, wo es auch schön bedeutet, luba. Das Lat. libet und libitus sind unstreitig damit verwandt, (S. Adelung Belieben,) und nach Ihre ist das Griech. φιλος nur durch Versetzung der Sylben daraus entstanden. S. Lieben. Das biblische lieben Brüder, lieben Leute, für liebe, ist wider die Sprachrichtigkeit und verdiente nicht auf den Kanzeln beybehalten zu werden. S. die Sprachlehre.
 
Artikelverweis 
Liebäugeln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, mit den Augen liebkosen, seine Liebe gegen eine

[Bd. 2, Sp. 2057]


Person andern Geschlechtes mit den Augen an den Tag legen. Mit einer Person liebäugeln.
   Nur Herr von Baum manchmahl liebäugelt nach der Kunst
   Bald um Belindens Herz bald um Clorinnens Gunst,
   Zachar. Nieders. gliemken, anglimken, ögeln.
 
Artikelverweis † Das
Liebchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur noch in den niedrigen Sprecharten übliches Wort, eine geliebte Person zu bezeichnen, welche man außer der Ehe liebet; einen Liebsten, eine Liebste.
   Mein Liebchen ging mit mir ins Feld,
   Haged. Ehedem war auch das Lieb in dieser Bedeutung sehr gangbar.
   Dafur han ich mir ein schones lieb erkorn,
   Graf Conrad von Kirchberg.
   Min lib mag mich gerne zu der linden bringen,
   Heinrich von Veldig.
   Justine
   Dein allerwehrtstes Lieb,
   Opitz.
   Die Röthe so mein Lieb in ihren Wangen hat,
   Opitz.
   Kommt, kommt zu meinem Lieb auf ihren Rosenmund,
   Opitz. In Boxhorns Glossen wird Libiu durch Mulier gratiosa erklärt. S. auch das folgende.
 
Artikelverweis 
Liebden, ein Abstractum, mit welchem sich nur noch fürstliche so wohl vermählte, als verwandte und nicht verwandte Personen, mit den Fürwörtern Euer oder im Schreiben Ew. Deine, Ihre, anzureden pflegen. Fürstliche Personen gleiches Standes pflegen sich mit Ew. Liebden anzureden, und königliche und kaiserliche Personen geben bloß fürstlichen entweder diesen Titel gleichfalls, oder, wie besonders von dem Kaiser in einigen Fällen geschiehet, nur Deine Liebden. Es bedeutet so viel als geliebt, und ist unser heutiges Liebe, mit welchem noch auf den Kanzeln die Prediger ihre Gemeine anzureden pflegen. Eure Liebe oder eure christliche Liebe wolle u. s. f. Im Theuerdanke wird die Königinn nur Euer Lieb angeredet. Im Ober- und Niederdeutschen sind mehrere Abstracta mit der Endung de üblich, welche im Hochdeutschen nur ein e haben; und im Nieders. ist so wohl Leeste als Leve für Liebe üblich. In den mittlern Zeiten wurde Agape auf ähnliche Art gebraucht. Aichinger und einige andere Sprachlehrer halten Liebden für den Plural; allein das n scheint vielmehr ein bloßer müßiger Oberdeutscher Anhang zu seyn.
 
Artikelverweis 
Die Liebe, plur. car. das Abstractum des Bey- und Nebenwortes lieb, welches nur allein in dessen thätigen Bedeutung üblich ist. 1) In der weitesten Bedeutung, der Gemüthsstand, da man sich an dem Genusse oder Besitze einer Sache vergnüget. Die Liebe zum Weine, zum Gelde, zur Wahrheit, zur Freyheit u. s. f. Lust und Liebe zu einem Dinge u. s. f. 2) In etwas engerer Bedeutung ist es der Gemüthsstand, da man sich an jemandes Wolfahrt vergnüget und selbige auf das möglichste zu befördern sucht. Eine reine, unschuldige Liebe. Die unerlaubte, eigennützige Liebe. Die blinde Liebe, welche bloß aus einem natürlichen Triebe entstehet, oder doch die Neigung nicht nach den Graden der Beschaffenheit des Gegenstandes abmisset. Die eheliche Liebe. Die Liebe Gottes, so wohl, welche Gott gegen seine Geschöpfe heget, als auch die Liebe der Menschen gegen Gott, oder die Fertigkeit sich an Gott über alles zu belustigen, wodurch oft alle Pflichten gegen Gott ausgedruckt werden. Liebe zu jemanden tragen, gegen ihn hegen. Seine Liebe auf etwas werfen. Jemandes Liebe erwecken, ihn zur Liebe reitzen. Jemanden viele Liebe beweisen, ihm viele Proben seiner Liebe geben. Thun sie mir die Liebe und

[Bd. 2, Sp. 2058]


sagen es nicht. Etwas aus Liebe thun, im Gegensatze dessen, was aus Zwang geschiehet. Thun sie es mir zu Liebe, aus Liebe zu mir. Werden sie mir zur (zu) Liebe munter, Gell. 3) In der engsten Bedeutung ist es die Leidenschaft, oder das zu einer Fertigkeit gewordene Verlangen nach dem Besitze oder Genusse einer Person andern Geschlechtes, da sie denn so wohl rechtmäßig und geordnet, als unrechtmäßig und ungeordnet seyn kann. Liebe gegen eine Person empfinden. Die Liebe erlischt, so bald man aufhört zu hoffen und zu fürchten.
   Anm. Daß es auf den Kanzeln noch zuweilen im Concreto gebraucht werde, geliebte Personen zu bezeichnen, ist schon bey dem Worte Liebden bemerket worden. Es lautet bey dem Ottfried Liabe, bey der Winsbeckinn Lieb, im Nieders. Leeve und Leefte, im Angels. Leof, Lynisse, im Engl. Love. S. Adelung Lieben. Es kommt indessen in den ältern und mittlern Zeiten nicht so häufig vor, als das gleichbedeutende, jetzt aber veraltete Minne. S. dasselbe.
 
Artikelverweis 
* Liebeln, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und das Diminutivum des folgenden Zeitwortes ist, aber im Hochdeutschen nur im verächtlichen Verstande üblich ist. Es bedeutet liebkosen und kommt besonders bey den Schlesischen Dichtern des vorigen Jahrhundertes vor.
   Kann die Deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen;
   Kann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, güteln, kürmeln, lachen,
   Logau.
   Da vor Freuden alles wiebelt,
   Da mit Gleichem Gleiches liebelt,
   Logau. Im Oberdeutschen liebelt der Hund seinen Herren, wenn er ihm schmeichelt. S. Adelung Läffeln, welches vermuthlich aus diesem Worte gebildet ist.
 
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Lieben, verb. reg. act. welches, 1. eigentlich, mit der Hand streicheln bedeutet zu haben scheinet. In dieser Bedeutung kommt es noch bey den Jägern vor, welche einen Hund lieben, wenn sie ihn streicheln, und ihn ablieben, wenn sie ihn mit Streicheln von der Fährte weglocken. Alberus in seinem 1540 heraus gegebenen Lexico erkläret das vorige Diminutivum liebeln ausdrücklich durch streicheln, mulcere, palpare. »Den Leithund lieben oder ablieben heißt: der Jäger nimmt den Leithund an sich streichet mit flacher Hand ihm die Augen brav aus dem Kopf, patschelt oder klopfet ihn sänftiglich an der rechten Seite am Hals und an den Flähmen, fähret ihm mit der Hand sittsam über den Rücken« u. s. f. Carl von Heppe in der praktischen Abhandlung von dem Leithunde S. 7. Bey dem Opitz ist zulieben schmeicheln, und einlieben einschmeicheln. S. die Anmerkung. 2. Figürlich. 1) Liebe zu oder gegen etwas empfinden, im gemeinen Leben lieb haben, in allen drey Bedeutungen des Wortes Liebe. Gott lieben. Ein Kind lieben. Er liebt den Wein gar sehr. Wüßtest du, Phillis, wie sehr mein Herz dich liebt! Salomo liebte viele ausländische Weiber, 1 Kön. 11, 2. Das Mittelwort der vergangenen Zeit wird in der edlern Schreibart auch häufig als ein Hauptwort gebraucht. Ein Geliebter, eine Geliebte, eine geliebte Person; besonders für das niedrigere Liebster und Liebste. 2) Neigung zu einer Veränderung empfinden, etwas gern thun, als ein Neutrum, und nach dem Muster des Französischen aimer; ein in der Deutschen Sprache fremder Gebrauch, welcher sich nur bey einigen Schriftstellern als eine unzeitige Nachahmung des Französischen findet.
   Viel Lieben von dem Strand auf einen hinzuschauen,
   Der in Gewitters Noth die strenge See muß bauen,
   Opitz. Schach Gebal war kein kriegerischer Fürst, aber er liebte seine Leibwache schön geputzt zu sehen, Wiel.
   Das Hauptwort die Liebung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. Im Nieders. leeven, im Holländ. lieven, im Angels. lufian, im Engl. to love. Im Krainerischen ist lubem ich liebe, und im Böhm. libati küssen. Um der ersten Bedeutung willen ist es sehr wahrscheinlich, daß es von dem veralteten Laf, die Hand, abstammet, und eigentlich streicheln bedeutet. Die Niedersachsen haben davon noch das Zeitwort leeven, welches nicht nur lieben, sondern auch geben bedeutet, und wovon unser liefern abstammet. S. dasselbe. Ehedem wurde es auch für belieben gebraucht, S. dasselbe. Im Schwed. ist ljufwa sich jemandes Liebe oder Freundschaft erwerben.

 

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