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Lichtschnuppe bis Lieb (Bd. 2, Sp. 2054 bis 2055)
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Artikelverweis Die Lichtschnuppe, plur die -n, der ausgebrannte Docht von einem Lichte, welcher auch nur die Schnuppe, und in Niedersachsen das Ösel genannt wird; bey dem Apherdian der Lucken. S. Adelung Schnuppe.
 
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Der Lichtschreiber, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Lichtkammer.
 
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Der Lichtspieß, des -es, plur. die -e, bey dem Lichtziehen, kleine hölzerne Spießchen, woran die Dochte, welche zu Lichtern gezogen werden sollen, angereihet werden.
 
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Der Lichtstếcher, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Lichtknecht.
 
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Der Lichtstock, des -es, plur. die -stöcke, im gemeinen Leben einiger Gegenden, der Nahme eines Leuchters, besonders wenn derselbe ganz einfach und grob aus Holz bereitet ist. S. Adelung Leuchter.
 
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Der Lichtstrahl, des -es, plur. die -en, das Licht in Ansehung seiner Bewegung von dem leuchtenden Körper betrachtet,

[Bd. 2, Sp. 2055]


die geraden Linien, in welcher sich die Theilchen der Lichtmaterie von dem leuchtenden Körper fortbewegen, oder doch als fortbewegend gedacht werden.
 
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Lichtvoll, -er, -este, adj. et adv. voll Lichtes. Eine lichtvolle Wolke. Auch im figürlichen Verstande, voll deutlicher und klarer Begriffe, voll Deutlichkeit. Eine lichtvolle Idee, eine klare Vorstellung.
 
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Die Lichtwand, plur. die -wände, im Hüttenbaue, zwey schwache gebrochene Mauern oder Steine auf den Futtermauern des Stichofens, hinter welchen zu ihrer Haltung noch andere Mauern aufgeführet werden. Etwa weil sie im Lichten des Ofens, d. i. in dessen Breite, stehen? Oder von dem Nieders. licht, leicht, wegen ihrer Schwäche oder Dünne?
 
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Das Lichtziehen, des -s, plur. car. von der Redensart Lichte oder Lichter ziehen, die Handlung da man Lichter ziehet, d. i. durch mehrmahlige Eintauchung des Dochtes in den geschmolzenen Talg nach und nach Lichter hervor bringet.
 
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Der Lichtzieher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Lichtzieherinn, eine Person, welche ein Geschäft daraus macht, Lichter zu ziehen.
 
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Lieb, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist.
   1. In leidendlicher Bedeutung. 1) Angenehm, was mit einem merklichen Grade des Vergnügens empfunden wird; wo es als ein Beywort nur in einigen Fällen, besonders des gemeinen Lebens und der vertraulichen Sprechart üblich ist. Das ist gar ein liebes Kind, er ist ein lieber Mann, sie ist gar eine liebe Frau, wo man in der edlern Sprechart angenehm oder liebenswürdig gebrauchen würde. O, sie sind ein lieber Mann, ich will auch ihrer gedenken, Weiße.
   Ich weiß ein liebes Weib für dich,
   Gell. Auch im Neutro als ein Hauptwort, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Ich weiß nichts als Liebes und Gutes von ihm. S. Adelung Gut. Sie thut ihm Liebes und kein Leides sein Lebenlang, Sprichw. 31, 12. Es geht mehr Liebes als Schönes zur Kirche, mehr angenehme als wirklich schöne Personen. Ingleichen als ein Nebenwort. Es ist mir lieb, daß du kommst. Auch mit dem Infinitiv und dem Worte zu. Es ist mir lieb zu hören, zu sehen, zu vernehmen. Das ist mir nicht lieb zu hören. Laß dir das lieb seyn. Mit etwas für lieb, oder fürlieb nehmen, S. Fürlieb. Es mag ihm lieb oder leid seyn. Lassen sie sich ihre kleine Halsstarrigkeit lieb seyn, Gell. Ingleichen im Comparativo. Er möchte lieber schlafen als essen. Es wäre mir lieber, er wäre gar nicht gekommen. Und im Superlativo. Das thut er am liebsten. Von einem demüthigen Retter läßt sich auch das störrige Laster am liebsten retten, Gell.
   2) In engerm Verstande, was man liebt und hoch schätzet, dessen Besitz man mit Vergnügen empfindet und daher zu erhalten sucht; in der höhern Schreibart geliebt. Mein lieber Freund. Lieber Bruder. Der liebe Gott, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck. Unsere liebe Frau, eine in der Römischen Kirche übliche Benennung der Jungfrau Maria. Seine liebsten Sachen in Sicherheit bringen. Das ist mir das liebste auf der Welt. Das liebe Brot, ein gleichfalls im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck, weil das Brot das unentbehrlichste und daher auch schätzbarste Nahrungsmittel ist. Das liebe Geld. Ihr treibet die Weiber meines Volks aus ihren lieben Häusern, Mich. 2, 9. Nesseln

[Bd. 2, Sp. 2056]


werden wachsen, da jetzt ihr liebes Götzensilber stehet, Hos. 9, 6.
   Er nahm die Reise vor und sah schon mit Vergnügen
   Die liebe Stadt auf einem Berge liegen,
   Gell.
   Das liebe kleine Bäumchen hier,
   Das einst gepflanzet ward mit mir,
   Weiße. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart pflegt der Begriff der Liebe und der Schätzung in manchen Fällen mehr oder weniger zu verschwinden. Es kam ein liebes Gewitter. Auf der lieben Erde liegen.
   Durchs liebe Ungefähr, das mancher Glücksstern ist,
   Michäl.
   Das ich mochte geleben manchen lieben tag,
   Kaiser Heinrich. Ingleichen als ein Nebenwort. Bey einem lieb und werth seyn. Deine Gesundheit ist mir lieb. So lieb dir dein Leben ist. Personen, denen wir lieb sind, ist unsere Traurigkeit nur dann erträglich, wenn wir uns ihnen mit Fülle des Herzens entdecken. Glauben sie wohl, daß mir ihr Glück lieb ist?
   Die erste und dritte Staffel des Beywortes werden auch häufig als Hauptwörter gebraucht. Mein Lieber, meine Liebe, d. i. mein lieber Freund, meine liebe Freundinn. In der niedrigen Sprechart sagt man auch im ungewissen Geschlechte etwas Liebes haben, eine geliebte Person. Der Liebste, die Liebste, werden häufig so wohl von verehlichten, als auch von unverehlichten Personen zweyerley Geschlechtes gebraucht, wenn sie einander lieben. Im ersten Falle, wo man auch wohl Eheliebster und Eheliebste sagt, ist Liebster und Liebste anständiger, als das geringere und gemeinere Mann und Frau, aber geringer als das höhere Gemahl und Gemahlinn. Ihr Herr Liebster. Die Frau Liebste. Von unverehlichten Personen ist es besonders im gemeinen Leben sehr häufig, sie mögen sich nun unschuldig und in rechtmäßiger Absicht, oder auf eine verbothene Art lieben. Ehedem sagte man in diesem Verstande auch das Lieb. S. Adelung Liebchen.
   2. In thätiger Bedeutung, wirklich liebend; in welcher Bedeutung es doch nur als ein Nebenwort mit den Zeitwörtern haben, bekommen und gewinnen üblich ist. Jemanden lieb haben, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, wofür in der anständigern lieben üblich ist. Sein Kind lieb haben. Das Geld lieb haben, geitzig seyn. Den sie so lieb wie sich und wohl noch lieber hatte, Gell. Eine Person oder Sache lieb bekommen, in der anständigern Sprechart lieb gewinnen, Liebe, Neigung zu derselben bekommen. Weil mein Herz die Gottesfurcht über alles lieb gewann, Hermes.
   Anm. Bey dem Ottfried, im Tatian u. s. f. liob, liub, beym Notker in der zweyten Staffel liebra, im Nieders. leef, im Angels. leof, im Engl. leef, lief, im Schwed. ljuf, im Isländ. liufr, bey dem Ulphilas liubs, im Pohln. luby, im Wendischen, wo es auch schön bedeutet, luba. Das Lat. libet und libitus sind unstreitig damit verwandt, (S. Adelung Belieben,) und nach Ihre ist das Griech. φιλος nur durch Versetzung der Sylben daraus entstanden. S. Lieben. Das biblische lieben Brüder, lieben Leute, für liebe, ist wider die Sprachrichtigkeit und verdiente nicht auf den Kanzeln beybehalten zu werden. S. die Sprachlehre.

 

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