Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Leysêgel bis Lichtbaum (Bd. 2, Sp. 2044 bis 2052)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Leysêgel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, schmale Segel, welche man an den verlängerten Rahen wehen lässet, um mehr Wind zu fassen, und welche auch Beysegel, Reffe und Bonniten heißen. Vielleicht von lau, Nieders. leg, falsch, unecht, falsche Segel zu bezeichnen. S. Adelung Laugold und Leg.
 
Artikelverweis 
* Die Lieberēy, plur. die -en, ein aus dem Lat. libraria, nehmlich res oder supellex, gebildetes seltsames Wort, eine Bibliothek zu bezeichnen, welches aber zum Glück veraltet ist, ehedem aber auch Librarey lautete. Es kommt noch 2 Macc. 2, 13 vor.
 
Artikelverweis 
Der Licent, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, aus dem Lat. Licentia, eine in vielen Ländern übliche Benennung derjenigen Abgabe, welche von ausgehenden Waaren ein für alle Mahl gegeben wird, und in weiterer Bedeutung auch wohl von einer jeden Art des Zolles oder der Accise, welche von Waaren entrichtet wird. Der Licent soll zuerst in den Niederländischen Unruhen in der letzten Hälfte des 16ten Jahrh. entstanden seyn, da er zuerst 1572 in der Provinz Seeland für die Erlaubniß gegeben wurde, Waaren in feindliche Länder ausführen zu dürfen, worauf diese Abgabe auch in andern Ländern eingeführet und weiter ausgedehnet wurde. In den Ländern, wo

[Bd. 2, Sp. 2045]


diese Abgabe unter dem Nahmen des Licentes üblich ist, hat man Licent-Einnehmer, Licent-Kammern, Licent-Gerichte u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Licêntiāt, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. licentiare und Licentiatus, auf den Universitäten, derjenige, welcher nach überstandenem Examine Erlaubniß erhalten hat, Doctor zu werden, indessen aber die Vorrechte und Vorzüge eines Doctors bereits genießet.
 
Artikelverweis 
-Lich, eine im Deutschen sehr fruchtbare Ableitungssylbe Bey- und Nebenwörter zu bilden, wovon die erstern, wenn es anders die Sache selbst leidet, nach der ordentlichen Regel compariret werden; Compar. -licher, Superl. -lichste. Diejenigen Wörter, welche diese Sylbe annehmen können, sind,
   I. Zeitwörter, welche insgesammt, einige wenige ausgenommen, die Sylbe en, und wenn sie sich auf -ern oder -eln endigen, nur allein das n, vorher wegwerfen. Sie sind,
   1. Neutra, da denn die daraus gebildeten Bey- und Nebenwörter, 1) die wirkliche Anwesenheit desjenigen Zustandes bezeichnen, welchen das Zeitwort ausdruckt, und mit dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit oft einerley Bedeutung haben. Tauglich, was wirklich taugt, untauglich, behaglich, was behaget, beharrlich, beharrend, ersprießlich, dienlich, schicklich, sehnlich, hinlänglich, schmerzlich, einträglich, ziemlich, sich ziemend, gebührlich, sehr begehrlich seyn. Einige, besonders Oberdeutsche Wörter dieser Art werden nur allein als Nebenwörter gebraucht. Bittlich einkommen, bittend, beschwerlich vorbringen, beschwerend. Es ist mir erinnerlich. Hierher gehören auch die Nebenwörter, welche von den Desiderativis auf -ern gebildet werden, aber größten Theils eben so niedrig sind, als die Zeitwörter selbst. Es ist mir nicht esserlich, es essert mich nicht, ich habe keine Lust zu essen. So auch speyerlich, kotzerlich, tanzerlich u. s. f. Lächerlich und weinerlich sind von ihnen nur allein in der anständigen Sprechart aufgenommen, haben aber auch noch einige Nebenbedeutungen. 2) In einigen bezeichnet es bloß die Möglichkeit, in denjenigen Zustand zu gerathen, welchen das Zeitwort ausdruckt. Ein sterblicher Mensch, der sterben kann und muß, die unsterblichen Götter, einer Sache empfänglich seyn, sie empfangen können, das ist mir nicht dienlich, kann mir nicht dienen.
   2. Activa. Die davon gebildeten Bey- und Nebenwörter werden so wohl im thätigen als leidendlichen Verstande gebraucht.
   1) Im thätigen. (a) Die Handlung, welche das Zeitwort bezeichnet, wirklich verrichtend, so wie die Mittelwörter der gegenwärtigen Zeit. Erbaulich, beförderlich, eine bewegliche Rede, einem hinderlich seyn, ein verächtliches Kopfnicken, ein verderblicher Krieg, ein betrieglicher Mensch, gedeihlich, vergeßlich, verkleinerlich, schrecklich, erfreulich, befremdlich, schädlich u. s. f. Viele Sprachlehrer haben diese thätige Bedeutung getadelt, und sie ganz auszumerzen angerathen, aber ohne einen triftigen Grund anzuführen. Über dieß sind sie zu zahlreich, und zu allgemein eigeführet, als daß man an eine Abschaffung derselben sollte denken können, wenn auch die Zweydeutigkeit mit den folgenden passiven Bedeutungen dazu Bewegungsgrundes genug wäre. (b) Was die Handlung des Zeitwortes thun, dessen Wirkung hervor bringen kann, in welchem Verstande auch viele der schon angeführten gebraucht werden. Erbaulich, was erbauen kann. So auch schmerzlich, erquicklich, ergetzlich u. s. f.
   2) Im leidendlichen Verstande. (a) Was wirklich gethan wird. Merklich, was bemerket wird. Üblich, gebräuchlich, erforderlich, was geübt, gebraucht, erfordert wird, und andere mehr. (b) Was gethan zu werden verdienet. Eine bedenkliche

[Bd. 2, Sp. 2046]


Sache, ein verächtlicher Mensch, ein bedauerliches Unglück, ein anmerklicher Umstand, eine besorgliche Gefahr, ein erbärmlicher Anblick u. s. f. (c) Noch häufiger aber, was gethan werden kann, so wie die Beywörter auf -bar. Verdaulich, erweislich, ersinnlich, beweglich, glaublich, begreiflich, erdenklich, thunlich, erhörlich bethen, baulich, wohnbar, besorglich u. s. f. Welche in den meisten Fällen im Gegensatze auch das un vor sich leiden; unverdaulich, unerweislich, unbeweglich u. s. f. Ja man kann nach dieser Form auch verneinende Bey- und Nebenwörter machen, wenn gleich ihr Gegensatz in der bejahenden Form nicht üblich ist. Unverbesserlich, unermeßlich, unverletzlich, unaussprechlich, unerbittlich, untadelich, (eigentlich untadellich,) unerforschlich, unergründlich, und tausend andere mehr, deren bejahende Gegensätze verbesserlich, ermeßlich u. s. f. entweder gar nicht, oder doch nur selten vorkommen.
   Anm. Einige wenige Wörter dieser Art scheinen von dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit gebildet zu seyn; flehentlich, hoffentlich, wissentlich, vermessentlich, von flehend, hoffend u. s. f. in welchem Falle man sie auch richtiger mit einem d schreiben würde. Allein da sich dieses t auch im öffentlich und ordentlich findet, ersteres von dem Nebenworte offen, und letzteres vermuthlich von Ordnung, wir auch ein eigenes t euphonicum haben, welches gerne dem n nachgesetzet wird, S. Adelung T: so scheinen sie vielmehr von dem vollständigen Infinitiv gemacht zu seyn, obgleich auch diese Beybehaltung des -en eine Ausnahme von der Regel ist.
   Leserlich und fürchterlich, was gelesen werden kann, was fürchten macht, sind vielleicht die einzigen, welche, vielleicht auch um des Wohllautes willen, noch ein müßiges er annehmen, für leslich, fürchtlich, wenn nicht dieses letzte vielmehr von dem Hauptworte Furcht gemacht ist. Lächerlich, weinerlich, grauerlich, u. a. m. sind nach der Regel von den Desiderativis lächern, weinern, grauern gebildet.
   II. Hauptwörter. Die davon vermittelst dieser Ableitungssylbe gebildeten Bey- und Nebenwörter bezeichnen,
   1. Eine Ähnlichkeit, welches die erste und eigentlichste Bedeutung dieses Wortes ist, und figürlich auch eine in dieser Ähnlichkeit gegründete Sache. Fürstlich leben, wie ein Fürst, königlich speisen, ein herrliches Gastmahl, gräfliche Güter haben, ein männliches Betragen, der kindliche Gehorsam, eine jugendliche Freude, ein väterliches Herz, sehr bürgerlich thun. So auch feyerlich, spöttlich, wunderlich, göttlich, herbstlich, jämmerlich, menschlich, schmerzlich, meisterlich, ehrlich, weltlich u. s. f. Wohin,
   2. Auch diejenigen gehören, welche eine Art und Weise bezeichnen, keine Comparation leiden, und zum Theil nur als Nebenwörter üblich sind. Bildlich, in Gestalt eines Bildes, käuflich, eidlich, nahmentlich, mit Nahmen, das Oberdeutsche nachrichtlich, in Gestalt einer Nachricht, augenblicklich, im Augenblicke, wörtlich, mit Worten, mündlich, mit dem Munde, schriftlich, persönlich u. s. f. Ingleichen jährlich, täglich, monathlich, wöchentlich und stündlich, für alle Jahre, alle Tage, alle Monathe, alle Wochen, alle Stunden, gleichsam jahrweise u. s. f.
   3. Ein Eigenthum, und zuweilen figürlich auch einen darin gegründeten Zustand; gleichfalls ohne Comparation. Die bischöflichen Güter, die fürstliche Würde, die königliche Krone, das gräfliche Wapen, die göttlichen Eigenschaften, die weiblichen Vorrechte, die menschlichen Schwachheiten, häusliche Angelegenheiten, die mitternächtlichen Länder, welche gegen Mitternacht liegen u. s. f. Ohne Zweifel wird diese Ableitungssylbe

[Bd. 2, Sp. 2047]


gemißbraucht, wenn man die damit gebildeten Wörter anstatt des Genitivs eines Hauptwortes gebraucht, so gemein solches auch in vielen Fällen ist. Die churfürstliche Frau Mutter, für, die Frau Mutter des Churfürsten, die fürstlichen Herren Brüder, die Herren Brüder des Fürsten. Oder wohl gar, wenn eine Apposition Statt finden sollte, der königliche Liebhaber, der ein König ist, oder der mit der königlichen Würde begabte Liebhaber. S. Adelung Königlich.
   4. Einen Besitz und eine darin gegründete Eigenschaft; anstatt der Sylbe -ig. Unglücklich, glücklich, Glück, Unglück habend, Holländ. gelukkig, körperlich, einen Körper habend, füglich, räumlich, ehrlich, gefährlich, zuversichtlich u. s. f.
   5. Eine wirkende Ursache, eine Verursachung. Nützlich, rühmlich, löblich, schändlich, schädlich, schimpflich, was Nutzen, Ruhm, Lob u. s. f. bringt, bedenklich, Bedenken verursachend, gefährlich, Gefahr bringend, abscheulich, Abscheu erweckend, erstaunlich u. s. f.
   III. Beywörter, wo diese Sylbe vornehmlich eine doppelte Bedeutung hat.
   1. Bedeutet sie eine Ähnlichkeit, einen dem Begriffe des Beywortes nahe kommenden aber doch geringern Grad. Bräunlich, bläulich, röthlich, schwärzlich, weißlich u. s. f. dem Braunen, Blauen, ähnlich, in diese Farben fallend. Kältlich, ein wenig kalt, kärglich, ein wenig karg, etwas gröblich zerstoßen. So auch süßlich, bitterlich, härtlich, kränklich, länglich, laulich, ältlich, dicklich, breitlich, weichlich, fälschlich, schwächlich, und hundert andere mehr. In vielen Gegenden lautet diese Sylbe, besonders wenn von Farben die Rede ist, licht, und im Oberdeutschen mit Ausstoßung des Hauches let; röthlet, weißlet, schwärzlet u. s. f. Die Schweden sagen auf eben dieselbe Art rödlett, hwitlett, für röthlich, weißlich, welche Ihre von dem noch in dieser Sprache gangbaren Hauptworte Let, Lit, die Farbe, ableitet, und es kann seyn, daß im Deutschen ehedem eben ein solches Hauptwort üblich gewesen, von welchem die gedachten Oberdeutschen Beywörter ihr let, leicht und licht entlehnet haben. Im Hochdeutschen werden sie am häufigsten auf lich gemacht, welches einen eben so guten Verstand gibt. In den Niederdeutschen Mundarten setzet man dafür die Sylbe an voran, anroot, röthlich, ansöt, süßlich, anhart, härtlich u. s. f. S. Ähnlich.
   2. Hat diese Sylbe auch die Kraft, Nebenwörter aus Beywörtern zu bilden, und zwar solche, welche als eine Figur der vorigen Bedeutung, eigentlich eine Art und Weise bedeuten, aber hernach auch sehr häufig für die adverbische Form des Beywortes selbst gebraucht werden. Klärlich, auf eine klare Art, und hernach auch klar, d. i. deutlich, selbst. So auch höchlich, gütlich, sichtbarlich, bitterlich weinen, treulich, gänzlich, erstlich, wahrlich, säuberlich, sicherlich, mißlich, freylich, kühnlich, leichtlich, schwerlich u. s. f. Wo denn dieses lich zuweilen auch solchen Beywörtern angehänget wird, welche vermittelst der Endungen ig, bar, sam und haft zu Beywörtern gebildet worden; gleichfalls in der Absicht, Nebenwörter daraus zu bilden. Ewiglich, inniglich, gnädiglich, listiglich, gehorsamlich, dankbarlich, sichtbarlich u. s. f. Im Hochdeutschen sind diese Nebenwörter größten Theils veraltet, wenigstens in der edlern Schreibart, weil man dafür lieber das Beywort in der adverbischen Form selbst gebraucht; ewig, gnädig, listig, u. s. f. Die Oberdeutsche Mundart, welche die Begriffe und Sylben so gern auf eine unnöthige Art häuft, gebraucht sie noch ohne alle Einschränkung, selbst als Beywörter; ein meineidigliches Betragen, für ein meineidiges, mächtiglich, fleißiglich,

[Bd. 2, Sp. 2048]


brünstiglich u. s. f. Da man denn auch den Beywörtern, welche eigentlich kein ig am Ende haben, vor der Bildung noch ein unnöthiges ig aufzudringen, und an dem lich in der adverbischen Gestalt noch ein en zu hängen pflegt; jämmerlichen, herziglichen, wonniglichen, trauriglichen u. s. f.
   IV. Partikeln, deren doch nur wenige sind. Öffentlich, von offen, widerlich, innerlich, äußerlich, und vielleicht noch einige andere, welche zum Theil aber auch von den gleichlautenden Beywörtern offen, innere, äußere, herkommen können.
   Anm. Man muß die mit dieser Sylbe gemachten Wörter nicht mit denjenigen verwechseln, wo einem mit l sich endigenden Worte das -ig angehänget wird. Adelig, kitzelig, billig, selig, hügelig u. s. f. kommen von Adel, Kitzel, Bill, Sal und Hügel her, und müßten, wenn sie mit dieser Sylbe zusammen gesetzet werden sollten, adellich, kitzellich, hügellich u. s. f. heißen. Indessen gibt es doch auch Fälle, wo bey einem zusammen kommenden doppelten l das eine weggeworfen wird, wie in untadelich. In den Hauptwörtern Zwillich und Drillich ist die letzte Sylbe ein eigenes Hauptwort, welches zu dem Geschlechte des Lat. Licium gehöret.
   Die mit dieser Sylbe verbundenen Wörter verwandeln die Vocale a, o und u der zweyten und dritten Sylbe vom Ende in den meisten Fällen in die verwandten Laute ä, ö, und ü. Erträglich, sträflich, nützlich, körperlich u. s. f. Dagegen viele dieselben unverändert behalten; erbaulich, laulich, wunderlich, sonderlich, ordentlich.
   In sehr vielen Fällen lassen sich aus diesen Beywörtern vermittelst der Ableitungssylbe -keit Hauptwörter bilden; Höflichkeit, Seligkeit, Beharrlichkeit u. s. f. S. -Keit. Ehedem hängte man nur ein e daran, ähnliche Abstracta daraus zu bilden; Armlichi, Notk. Ärmlichkeit, Armuth, Elend, Sangleiche, Melodie, Willeram; welche Form aber veraltet ist. Auch Zeitwörter wußte man aus solchen Bey- und Nebenwörtern zu machen. Guoudlichan, guotlichen, gefallen, bey dem Willeram und Notker, mislichen, mißfallen, bey dem Willeram. Auch diese sind größten Theils veraltet; doch hat man noch die Zeitwörter ehelichen, verherrlichen, und vielleicht noch einige andere.
   Es gilt auch von dieser Ableitungssylbe, was von den meisten übrigen gilt, nehmlich, daß es nicht in unsrer Willkühr stehet, nach eigenem Gefallen neue Wörter vermittelst derselben zu bilden, obgleich in einigen Fällen, welche aber doch der Analogie sehr genau angemessen seyn müssen, dieses Recht erlaubt ist.
   Diese Ableitungssylbe, welche bey den ältern Schriftstellern oft leich, licho, lautet, ist sehr alt, und fast in allen Europäischen Sprachen anzutreffen. Im Angelsächsischen lautet sie lic, im Engl. ly, im Schwed. und Dän. lig, und im Lat. lis, regalis, puerilis u. s. f. Es ist wohl gewiß, daß es eben dasselbe Wort ist, welches mit dem vorgesetzten Gaumenlaute jetzt bey uns gleich lautet, und in vielen der vorhin angezeigten Fälle ist die erste und eigentliche Bedeutung dieses Wortes noch vorhanden, von welcher die übrigen bloß Figuren sind. S. Adelung Gleich. Die Fürwörter solch, talis, und welch, qualis, sind mit Ausstoßung des i gleichfalls daraus gebildet. S. diese Wörter. In jähling und vielleicht noch einigen andern hat sich ein n mit eingeschlichen, S. Ling.
 
Artikelverweis 
-Licht, eine Ableitungssylbe, S. das vorige III. 1.
 
Artikelverweis 
Licht, -er, -este, adj. et adv. welches fast in allen seinen Bedeutungen nur im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart üblich ist, dagegen die edlere dafür hell gebraucht.
   1. Eigentlich, so wohl, 1) viel eigenes Licht habend; hell. Die lichte Sonne, die helle Sonne, im Theuerd. Das Feuer

[Bd. 2, Sp. 2049]


brennt nicht licht. In lichten Brand stecken, Opitz. 2) Von einem fremden Lichte erleuchtet; hell. Der Mond macht die Nacht licht. Eine lichte Wolke. Des Morgens, wenn es licht wird. Ein lichtes Haus. Die Treppe ist sehr licht. Besonders von dem Tage. Bey lichtem Tage. Die vil lichten langen tage, König Conrad der Junge. Als er nun sach den lichten Tag, Theurd. Wo man im gemeinen Leben um des Nachdrucks willen auch wohl noch das hell hinzu zu setzen pflegt. Es ist schon heller lichter Tag.
   2. Figürlich. 1) Von Farben; gleichfalls für hell. Lichte Farben, im Gegensatze der dunkeln. Lichtbraun, lichtroth, lichtblau u. s. f. für hellbraun, hellroth, hellblau. 2) Ein lichter Kopf, in der anständigern Sprechart, ein heller Kopf, welcher viele deutliche und klare Begriffe hat, oder fähig ist, bald deutliche und klare Begriffe von einer Sache zu bekommen. Es wird licht im Verstande, wenn man anstatt der dunkeln deutliche Begriffe bekommt. S. auch das folgende Hauptwort. 3) Weit, weitläufig; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Lichte Maschen, bey den Fischern und Jägern, weitläufige, welche große leere Zwischenräume haben. Daher ist bey den Jägern der lichte Zeug eine allgemeine Benennung so wohl der Garne und Netze, als auch der Tuch- und Federlappen; zum Unterschiede von dem finstern Zeuge, wozu die Tücher und Blahen oder Planen gerechnet werden. Ein lichtes Holz, ein lichter Wald, im Forstwesen, worin die Bäume sehr weitläufig stehen. Einen Wald licht machen, die Bäume heraus schlagen. Daher werden auch die Laubhölzer im Forstwesen lichte Hölzer genannt, weil die Bäume in solchen weitläufiger stehen, und folglich auch mehr Licht durchlassen, als in den Nadelhölzern, welche daher auch Schwarzhölzer, oder finstre Hölzer heißen. Auch das Lichte wird daselbst so wohl von einem angetriebenen Schlage, als auch überhaupt von dem Freyen, einem nicht mit Waldung bewachsenen Platze gebraucht. 4) Im Lichten, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck, die Breite oder Weite einer Öffnung, ja den innern Raum überhaupt zu bezeichnen; eine Fortsetzung der vorigen Figur. Ein Schiff hat 12 Ellen im Lichten, wenn es so viel Ellen breit oder weit ist. Ein Fenster ist im Lichten vier Fuß weit, im Gegensatze der Höhe. Ein Zimmer ist im Lichten 18 Fuß lang und 16 breit, im innern Raume, die Wände nicht mit gerechnet. 5) Jemanden an den lichten Galgen henken, in den niedrigen Sprecharten, an den öffentlichen Galgen, der von jedermann gesehen wird.
   Anm. Im Nieders. lecht. S. das folgende.
 
Artikelverweis 
Das Licht, des -es, plur. die -er, Diminut. das Lichtchen, im Plural auch wohl Lichterchen, Oberd. Lichtlein; ein Wort, welches so wohl die leuchtende Materie, als einen mit derselben begabten Körper von bestimmter Gestalt bedeutet.
   1. Die leuchtende Materie, die dadurch verursachte Helle und die Eigenschaft mancher Körper, vermittelst der in ihnen befindlichen Lichtmaterie zu leuchten, d. i. die umstehenden Körper sichtbar zu machen; in allen diesen Fällen ohne Plural.
   1) Eigentlich. (a) Überhaupt. Das zuerst von Gott erschaffene Licht, lux primigenia. Die Sonne streuet das Licht auf ihr ganzes Planeten-System aus. Die Geschwindigkeit des Lichtes berechnen. Die Lampe gibt ein stilleres Licht als die Talglichter. Der Mond hat ein entlehntes Licht. Die Weber gebrauchen bey ihrer Arbeit ein helles Licht. Das Licht und Recht in dem Brustschmucke des hohen Priesters, 2 Mos. 28, 30, welches einige durch glänzende und echte Steine erklären. Der Ofen geht zu Lichte, im Hüttenbaue, wenn er helle brennt. (b) In engerer Bedeutung.

[Bd. 2, Sp. 2050]


α) Das durch die Sonnenstrahlen bey Tage verursachte Licht. Ein Haus hat viel, hat wenig Licht, wenn es gehörig hell in demselben ist oder nicht. Die Treppe hat zu wenig Licht. Das Licht fällt durch das Fenster herein. Einem das Licht verbauen. Etwas gegen das Licht halten. Wenn ich es bey dem Lichte besehe, auch figürlich, wenn ich es genau untersuche. Auf eine ungewöhnliche Art heißt es bey dem Opitz:
   Wann daß man ihr Red und Thun zum Lichtern halt. Jemanden im Lichte stehen, durch seinen Körper die Lichtstrahlen aufhalten, im gemeinen Leben auch, ihm im Lichten stehen, da es denn das vorige Beywort seyn würde. Sich selbst im Lichte stehen, figürlich, seinen Vortheil selbst verhindern. Gehe mir aus dem Lichte, entferne dich, damit die Lichtstrahlen ungehindert auf mich fallen können. Jemanden hinter das Licht führen, figürlich, ihn hintergehen, betriegen. Zwischen zwey Lichten, oder unter Lichts, im gemeinen Leben, in der Dämmerung. Mit anbrechendem Lichte, Tage. Das Licht der Welt erblicken, geboren werden. Bey den Mahlern stehet ein Gemählde in einem falschen Lichte, wenn das Licht, welches durch das Fenster fällt, es nicht so beleuchtet, daß alle Theile desselben hinlänglich gesehen werden. Daher sagt man auch figürlich, etwas in einem falschen Lichte sehen, oder betrachten, nicht aus dem gehörigen Gesichtspuncte.
   Und alles wird nunmehr im andern Licht gesehn, Wiel. β) In einigen Fällen wird hingegen das künstliche Licht einer Lampe, eines Talglichtes u. s. f. nur schlechthin das Licht genannt. Bey Lichte arbeiten, studiren. γ) Im gemeinen Leben wird der Schein des Mondes, und der Mond selbst in Ansehung seines Scheines, sehr häufig das Licht genannt. Das volle Licht, der Vollmond. Das neue Licht, das erste Viertel. Im zunehmenden Lichte. Bey gutem Lichte Holz fällen, in einem guten Mondsviertel.
   2) Figürlich. (a) Im Gegensatze der Dunkelheit oder Verborgenheit. Etwas ans Licht bringen, es bekannt machen, da es vorher verborgen war. Das Licht scheuen, sich scheuen bekannt zu werden. Eine des Lichtes unwürdige Schmähschrift, der Bekanntmachung. Wer arges thut, der hasset das Licht, Joh. 3, 20. (b) Deutliche, klare Erkenntniß. Ich muß mehr Licht in der Sache haben. Einem in einer Sache Licht geben. Licht bekommen. Jetzt gehet mir ein Licht in der Sache auf, jetzt bekomme ich einen deutlichen oder klaren Begriff von derselben. Daher in der Bibel die heilsame Erkenntniß göttlicher Wahrheiten so oft ein Licht genannt wird. Das Licht des Verstandes, dessen Eigenschaft oder Fähigkeit, uns deutliche Begriffe zu gewähren. Der Verstand führt uns fehl und verläßt uns zu eben der Zeit, wo wir seines Lichtes am meisten bedürfen, Gell. (c) Das Licht des Lebens, das Lebenslicht, das Leben, die Lebenskraft; eine den Dichtern der vorigen Zeiten sehr gewöhnliche Figur. Einem das Lebenslicht ausblasen, ihn umbringen. (d) Das Licht ist schon von den ältesten Zeiten her das Bild der Gottheit, besonders in den Morgenländern; daher Gott auch in der Bibel so oft ein Licht genannt wird, besonders wegen seiner vollkommnen Einsicht aller Dinge.
   2. Ein mit Licht, d. i. leuchtender Materie, Lichtmaterie, begabter Körper. 1) Eigentlich (a) Überhaupt, wo ein jeder Körper, welcher die umstehenden Dinge sichtbar macht, und so fern er dazu geschickt ist, ein Licht genannt wird. Gott machte zwey große Lichter, ein groß Licht, das den Tag regiere, und ein klein Licht, das die Macht regiere, dazu auch die Sterne, I. Mos. I, 16. Die Lichter des Himmels, die leuchtenden Weltkörper. Ein Windlicht, eine Windfackel. Das

[Bd. 2, Sp. 2051]


Irrlicht. (b) In engerer Bedeutung, eine kleine aus Unschlitt, Wachs oder einem ähnlichen festen fetten Körper bereitete und mit einem Dochte versehene gerade Fackel. Ein Talglicht, oder Unschlittlicht, zum Unterschiede von einem Wachslichte. In noch engerer und gewöhnlicherer Bedeutung führen die Talglichter nur schlechthin den Nahmen der Lichter, zum Unterschiede von den Wachslichtern, welche in vielen Gegenden nur allein Kerzen genannt werden. S. dieses Wort. Lichter ziehen, gießen. Gegossene Lichter, zum Unterschiede von den gezogenen. Das Licht anzünden, putzen, auslöschen. Das Licht auf den Tisch setzen. Einem das Licht zu etwas halten, auch figürlich, ihm in einer bösen Sache hülfliche Hand leisten. Dem Teufel muß man zwey Lichter anbrennen, ein unter dem großen Haufen üblicher Grundsatz, welcher ein Überrest eines alten Aberglaubens bey den Leichen der Verstorbenen ist. Ein Pfund Lichter. Die Violine schweigt, es stirbt der Lichter Glanz, Zachar. 2) Figürlich. (a) Bey den Jägern werden die Augen des Hirsches so wohl die Lichter als die Seher genannt. Bey den Dichtern der vorigen Zeiten war es sehr gewöhnlich, die Augen, besonders ihrer Schönen, Lichter zu nennen. (b) Die weiße Ader, woran das Herz und Geräusch hängt, wird so wohl im gemeinen Leben als bey den Jägern die Lichtader, und das Licht schlechthin genannt; vermuthlich wegen ihrer weißen Farbe. (c) Bey den Mahlern heißen die heller gemahlten Theile eines Gemähldes die Lichter, zum Unterschiede von den Schatten. (d) Bey vielen, besonders bey den Dichtern, ist es ein Liebkosungswort, eine geliebte Person damit anzureden; wo es doch nur allein im Singular üblich ist. (e) Alles wodurch wir eine deutliche oder klare Vorstellung bekommen, wird oft ein Licht genannt; gleichfalls nur im Singular allein. Daher man, (f) auch Personen, welchen eine Art von Wahrheiten viele deutliche oder klare Begriffe zu danken hat, Lichter zu nennen pflegt. Ein Licht der Kirche. Ihr Lichter dieser Welt, Gryph. Newton und Leibnitz, diese Lichter des menschlichen Geschlechtes.
   Anm. 1. So fern dieses Wort die Lichtmaterie, oder leuchtende Eigenschaft eines Dinges bedeutet, hat es keinen Plural. Wenn es aber einen bestimmten mit Lichtmaterie begabten Körper bedeutet, lautet es im Hochdeutschen überhaupt ohne Ausnahme die Lichter. Nur in der zweyten eigentlichen Bedeutung eines solchen leuchtenden Körpers haben einige neuere Sprachlehrer Zweifel zu erregen gesucht, und behauptet, das Wort Licht habe im Plural Lichter, so oft es ein brennendes Licht von Talg oder Wachs bedeutet, Lichte aber, wenn es nicht als brennend vorgestellet werde. Daher sage man richtig, die Lichter putzen, und Lichte ziehen oder gießen, ein Pfund Lichte u. s. f. Allein ein solcher Unterschied zwischen einem zu einem gewissen Gebrauche bestimmten, und wirklich gebrauchten Körper ist wohl bey keinem Worte in der ganzen Sprache anzutreffen, und über dieß ohne allen begreiflichen Nutzen. Dieß allein hätte diese Herren schon von der Unrichtigkeit ihrer Regel überführen können. Vermuthlich sind sie dadurch irre geworden, daß in manchen Gegenden, wo sich die Sprache der Oberdeutschen Mundart nähert, der Plural nach Oberdeutscher Mundart, welche die meisten Hochdeutschen Plurale in er auf e macht, (S. 4. -Er,) wirklich Lichte lautet. Aber alsdann lautet es so, die Lichter mögen brennen oder nicht, und in manchen Gegenden, selbst in Meißen, höret man beyde Arten des Plurals ohne Unterschied gebrauchen; woraus aber weiter nichts folgt, als daß in solchen Gegenden beyde Mundarten vermischt sind. Wenn wollte man fertig werden, wenn man aus allen solchen Vermischungen Regeln machen wollte?

[Bd. 2, Sp. 2052]



   Anm. 2. Dieses Wort lautet im Isidor und Kero Lecht, bey dem Ottfried und im Tatian Licht, im Nieders. Lucht, und wenn es ein Talg- oder Wachslicht bedeutet, Lecht, im Angels. Lecht, im Engl. Light, bey dem Ulphilas Ljuhath, im Wallis. Llug. Andere Sprachen stoßen den Hauchlaut ganz aus, wie das Lettische Luti, und noch andere lassen dieses t in den verwandten Zischer übergehen, wie das Dän. Lius, Lys, Schwed. Ljus und Isländ. Lios. Das Lat Lux hat so wohl den Hauch- als Zischlaut. Es ist ein sehr altes Wort, welches mit dem Zeitworte leuchten zu dem großen Geschlechte der Wörter Blitz, Glanz, gleißen, bleich, blaß, blinken, bloß, Lohe, Blick, lugen, sehen, und hundert anderer gehöret, wohin auch die Lat. lucere, diluculum der zweyten Sylbe nach, das Griech. λευκος, bleich, λοχνος, lucerna, λυκ, die Morgendämmerung, u. a. m. zu rechnen sind.
 
Artikelverweis 
Die Lichtader, plur. die -n. 1) Die weiße Ader bey dem Wildbret und geschlachteten Thieren, woran das Herz und Geräusch hänget, S. Adelung Licht 2. 2) (b). 2) Bey den Pferden, eine Ader am Kopfe in der Gegend der Schläfe, welche ein Ast der Lungenader ist, und von den Pferdeärzten bey Beschädigungen der Lichter, d. i. der Augen, geöffnet wird; die Kollerader, weil man sie auch im Koller zu schlagen pflegt.
 
Artikelverweis 
Die Lichtarbeit, plur. die -en, diejenige Arbeit, welche bey einem künstlichen Lichte verrichtet wird, zum Unterschiede von der Tagearbeit. S. Adelung Licht. 1. 1) (b) β).
 
Artikelverweis 
Der Lichtbaum, des -es, plur. die -bäume, ein Ostindischer und Amerikanischer Baum, dessen schotenartige Früchte die Gestalt eines gezogenen Lichtes haben; Rhizophora Mangle L.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: