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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Leyermann bis -Licht (Bd. 2, Sp. 2044 bis 2048)
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Artikelverweis Der Leyermann, des -es, plur. die -männer, derjenige, welcher ein Geschäft daraus macht, andern auf der Leyer vor- oder aufzuspielen; Nieders. Lirendreyer. Eine solche Person weiblichen Geschlechtes, eine Leyerfrau.
 
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1. Leyern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, auf der Leyer spielen; Nieders. liren. Ingleichen figürlich und im verächtlichen Verstande, auf eine eintönige Art sprechen oder singen. Etwas daher leyern.
 
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2. Leyern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, saumselig in seinen Verrichtungen seyn, zaudern. Den ganzen Tag an etwas leyern. In dieser Bedeutung kommt es schon bey dem Hornegk vor, der es unregelmäßig abwandelt, sie lirten, im Imperf. Es scheinet in dieser Bedeutung zu lau, lauern, Nieders. luren, träge seyn, u. a. dieses Geschlechtes zu gehören. S. Adelung Lauern Anm.
 
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Der Leykauf, S. Adelung Leihkauf.
 
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Der Lēykūchen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Salzkothen, Stücke Schlotten, welche man oben auf den Bort des Herdes und der Salzpfanne legt, damit die Hitze an den Seiten der Pfanne recht hinauf streichen könne. Die erste Hälfte ist vermuthlich das in verschiedenen Gegenden Ober- und Niederdeutschlandes noch übliche Leye, im Nieders. Leiden, welches Schiefer bedeutet, und zu dem Geschlechte der Wörter flach, Platte, Blech u. s. f. gehöret. Leyendecker, Leidendecker ist daher ein Schieferdecker, Leyendach ein Schieferdach, Leidensticken der Griffel zu einer Schreibtafel von Schiefer u. s. f.
 
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Das Leysêgel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Schifffahrt, schmale Segel, welche man an den verlängerten Rahen wehen lässet, um mehr Wind zu fassen, und welche auch Beysegel, Reffe und Bonniten heißen. Vielleicht von lau, Nieders. leg, falsch, unecht, falsche Segel zu bezeichnen. S. Adelung Laugold und Leg.
 
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* Die Lieberēy, plur. die -en, ein aus dem Lat. libraria, nehmlich res oder supellex, gebildetes seltsames Wort, eine Bibliothek zu bezeichnen, welches aber zum Glück veraltet ist, ehedem aber auch Librarey lautete. Es kommt noch 2 Macc. 2, 13 vor.
 
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Der Licent, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, aus dem Lat. Licentia, eine in vielen Ländern übliche Benennung derjenigen Abgabe, welche von ausgehenden Waaren ein für alle Mahl gegeben wird, und in weiterer Bedeutung auch wohl von einer jeden Art des Zolles oder der Accise, welche von Waaren entrichtet wird. Der Licent soll zuerst in den Niederländischen Unruhen in der letzten Hälfte des 16ten Jahrh. entstanden seyn, da er zuerst 1572 in der Provinz Seeland für die Erlaubniß gegeben wurde, Waaren in feindliche Länder ausführen zu dürfen, worauf diese Abgabe auch in andern Ländern eingeführet und weiter ausgedehnet wurde. In den Ländern, wo

[Bd. 2, Sp. 2045]


diese Abgabe unter dem Nahmen des Licentes üblich ist, hat man Licent-Einnehmer, Licent-Kammern, Licent-Gerichte u. s. f.
 
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Der Licêntiāt, des -en, plur. die -en, aus dem mittlern Lat. licentiare und Licentiatus, auf den Universitäten, derjenige, welcher nach überstandenem Examine Erlaubniß erhalten hat, Doctor zu werden, indessen aber die Vorrechte und Vorzüge eines Doctors bereits genießet.
 
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-Lich, eine im Deutschen sehr fruchtbare Ableitungssylbe Bey- und Nebenwörter zu bilden, wovon die erstern, wenn es anders die Sache selbst leidet, nach der ordentlichen Regel compariret werden; Compar. -licher, Superl. -lichste. Diejenigen Wörter, welche diese Sylbe annehmen können, sind,
   I. Zeitwörter, welche insgesammt, einige wenige ausgenommen, die Sylbe en, und wenn sie sich auf -ern oder -eln endigen, nur allein das n, vorher wegwerfen. Sie sind,
   1. Neutra, da denn die daraus gebildeten Bey- und Nebenwörter, 1) die wirkliche Anwesenheit desjenigen Zustandes bezeichnen, welchen das Zeitwort ausdruckt, und mit dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit oft einerley Bedeutung haben. Tauglich, was wirklich taugt, untauglich, behaglich, was behaget, beharrlich, beharrend, ersprießlich, dienlich, schicklich, sehnlich, hinlänglich, schmerzlich, einträglich, ziemlich, sich ziemend, gebührlich, sehr begehrlich seyn. Einige, besonders Oberdeutsche Wörter dieser Art werden nur allein als Nebenwörter gebraucht. Bittlich einkommen, bittend, beschwerlich vorbringen, beschwerend. Es ist mir erinnerlich. Hierher gehören auch die Nebenwörter, welche von den Desiderativis auf -ern gebildet werden, aber größten Theils eben so niedrig sind, als die Zeitwörter selbst. Es ist mir nicht esserlich, es essert mich nicht, ich habe keine Lust zu essen. So auch speyerlich, kotzerlich, tanzerlich u. s. f. Lächerlich und weinerlich sind von ihnen nur allein in der anständigen Sprechart aufgenommen, haben aber auch noch einige Nebenbedeutungen. 2) In einigen bezeichnet es bloß die Möglichkeit, in denjenigen Zustand zu gerathen, welchen das Zeitwort ausdruckt. Ein sterblicher Mensch, der sterben kann und muß, die unsterblichen Götter, einer Sache empfänglich seyn, sie empfangen können, das ist mir nicht dienlich, kann mir nicht dienen.
   2. Activa. Die davon gebildeten Bey- und Nebenwörter werden so wohl im thätigen als leidendlichen Verstande gebraucht.
   1) Im thätigen. (a) Die Handlung, welche das Zeitwort bezeichnet, wirklich verrichtend, so wie die Mittelwörter der gegenwärtigen Zeit. Erbaulich, beförderlich, eine bewegliche Rede, einem hinderlich seyn, ein verächtliches Kopfnicken, ein verderblicher Krieg, ein betrieglicher Mensch, gedeihlich, vergeßlich, verkleinerlich, schrecklich, erfreulich, befremdlich, schädlich u. s. f. Viele Sprachlehrer haben diese thätige Bedeutung getadelt, und sie ganz auszumerzen angerathen, aber ohne einen triftigen Grund anzuführen. Über dieß sind sie zu zahlreich, und zu allgemein eigeführet, als daß man an eine Abschaffung derselben sollte denken können, wenn auch die Zweydeutigkeit mit den folgenden passiven Bedeutungen dazu Bewegungsgrundes genug wäre. (b) Was die Handlung des Zeitwortes thun, dessen Wirkung hervor bringen kann, in welchem Verstande auch viele der schon angeführten gebraucht werden. Erbaulich, was erbauen kann. So auch schmerzlich, erquicklich, ergetzlich u. s. f.
   2) Im leidendlichen Verstande. (a) Was wirklich gethan wird. Merklich, was bemerket wird. Üblich, gebräuchlich, erforderlich, was geübt, gebraucht, erfordert wird, und andere mehr. (b) Was gethan zu werden verdienet. Eine bedenkliche

[Bd. 2, Sp. 2046]


Sache, ein verächtlicher Mensch, ein bedauerliches Unglück, ein anmerklicher Umstand, eine besorgliche Gefahr, ein erbärmlicher Anblick u. s. f. (c) Noch häufiger aber, was gethan werden kann, so wie die Beywörter auf -bar. Verdaulich, erweislich, ersinnlich, beweglich, glaublich, begreiflich, erdenklich, thunlich, erhörlich bethen, baulich, wohnbar, besorglich u. s. f. Welche in den meisten Fällen im Gegensatze auch das un vor sich leiden; unverdaulich, unerweislich, unbeweglich u. s. f. Ja man kann nach dieser Form auch verneinende Bey- und Nebenwörter machen, wenn gleich ihr Gegensatz in der bejahenden Form nicht üblich ist. Unverbesserlich, unermeßlich, unverletzlich, unaussprechlich, unerbittlich, untadelich, (eigentlich untadellich,) unerforschlich, unergründlich, und tausend andere mehr, deren bejahende Gegensätze verbesserlich, ermeßlich u. s. f. entweder gar nicht, oder doch nur selten vorkommen.
   Anm. Einige wenige Wörter dieser Art scheinen von dem Mittelworte der gegenwärtigen Zeit gebildet zu seyn; flehentlich, hoffentlich, wissentlich, vermessentlich, von flehend, hoffend u. s. f. in welchem Falle man sie auch richtiger mit einem d schreiben würde. Allein da sich dieses t auch im öffentlich und ordentlich findet, ersteres von dem Nebenworte offen, und letzteres vermuthlich von Ordnung, wir auch ein eigenes t euphonicum haben, welches gerne dem n nachgesetzet wird, S. Adelung T: so scheinen sie vielmehr von dem vollständigen Infinitiv gemacht zu seyn, obgleich auch diese Beybehaltung des -en eine Ausnahme von der Regel ist.
   Leserlich und fürchterlich, was gelesen werden kann, was fürchten macht, sind vielleicht die einzigen, welche, vielleicht auch um des Wohllautes willen, noch ein müßiges er annehmen, für leslich, fürchtlich, wenn nicht dieses letzte vielmehr von dem Hauptworte Furcht gemacht ist. Lächerlich, weinerlich, grauerlich, u. a. m. sind nach der Regel von den Desiderativis lächern, weinern, grauern gebildet.
   II. Hauptwörter. Die davon vermittelst dieser Ableitungssylbe gebildeten Bey- und Nebenwörter bezeichnen,
   1. Eine Ähnlichkeit, welches die erste und eigentlichste Bedeutung dieses Wortes ist, und figürlich auch eine in dieser Ähnlichkeit gegründete Sache. Fürstlich leben, wie ein Fürst, königlich speisen, ein herrliches Gastmahl, gräfliche Güter haben, ein männliches Betragen, der kindliche Gehorsam, eine jugendliche Freude, ein väterliches Herz, sehr bürgerlich thun. So auch feyerlich, spöttlich, wunderlich, göttlich, herbstlich, jämmerlich, menschlich, schmerzlich, meisterlich, ehrlich, weltlich u. s. f. Wohin,
   2. Auch diejenigen gehören, welche eine Art und Weise bezeichnen, keine Comparation leiden, und zum Theil nur als Nebenwörter üblich sind. Bildlich, in Gestalt eines Bildes, käuflich, eidlich, nahmentlich, mit Nahmen, das Oberdeutsche nachrichtlich, in Gestalt einer Nachricht, augenblicklich, im Augenblicke, wörtlich, mit Worten, mündlich, mit dem Munde, schriftlich, persönlich u. s. f. Ingleichen jährlich, täglich, monathlich, wöchentlich und stündlich, für alle Jahre, alle Tage, alle Monathe, alle Wochen, alle Stunden, gleichsam jahrweise u. s. f.
   3. Ein Eigenthum, und zuweilen figürlich auch einen darin gegründeten Zustand; gleichfalls ohne Comparation. Die bischöflichen Güter, die fürstliche Würde, die königliche Krone, das gräfliche Wapen, die göttlichen Eigenschaften, die weiblichen Vorrechte, die menschlichen Schwachheiten, häusliche Angelegenheiten, die mitternächtlichen Länder, welche gegen Mitternacht liegen u. s. f. Ohne Zweifel wird diese Ableitungssylbe

[Bd. 2, Sp. 2047]


gemißbraucht, wenn man die damit gebildeten Wörter anstatt des Genitivs eines Hauptwortes gebraucht, so gemein solches auch in vielen Fällen ist. Die churfürstliche Frau Mutter, für, die Frau Mutter des Churfürsten, die fürstlichen Herren Brüder, die Herren Brüder des Fürsten. Oder wohl gar, wenn eine Apposition Statt finden sollte, der königliche Liebhaber, der ein König ist, oder der mit der königlichen Würde begabte Liebhaber. S. Adelung Königlich.
   4. Einen Besitz und eine darin gegründete Eigenschaft; anstatt der Sylbe -ig. Unglücklich, glücklich, Glück, Unglück habend, Holländ. gelukkig, körperlich, einen Körper habend, füglich, räumlich, ehrlich, gefährlich, zuversichtlich u. s. f.
   5. Eine wirkende Ursache, eine Verursachung. Nützlich, rühmlich, löblich, schändlich, schädlich, schimpflich, was Nutzen, Ruhm, Lob u. s. f. bringt, bedenklich, Bedenken verursachend, gefährlich, Gefahr bringend, abscheulich, Abscheu erweckend, erstaunlich u. s. f.
   III. Beywörter, wo diese Sylbe vornehmlich eine doppelte Bedeutung hat.
   1. Bedeutet sie eine Ähnlichkeit, einen dem Begriffe des Beywortes nahe kommenden aber doch geringern Grad. Bräunlich, bläulich, röthlich, schwärzlich, weißlich u. s. f. dem Braunen, Blauen, ähnlich, in diese Farben fallend. Kältlich, ein wenig kalt, kärglich, ein wenig karg, etwas gröblich zerstoßen. So auch süßlich, bitterlich, härtlich, kränklich, länglich, laulich, ältlich, dicklich, breitlich, weichlich, fälschlich, schwächlich, und hundert andere mehr. In vielen Gegenden lautet diese Sylbe, besonders wenn von Farben die Rede ist, licht, und im Oberdeutschen mit Ausstoßung des Hauches let; röthlet, weißlet, schwärzlet u. s. f. Die Schweden sagen auf eben dieselbe Art rödlett, hwitlett, für röthlich, weißlich, welche Ihre von dem noch in dieser Sprache gangbaren Hauptworte Let, Lit, die Farbe, ableitet, und es kann seyn, daß im Deutschen ehedem eben ein solches Hauptwort üblich gewesen, von welchem die gedachten Oberdeutschen Beywörter ihr let, leicht und licht entlehnet haben. Im Hochdeutschen werden sie am häufigsten auf lich gemacht, welches einen eben so guten Verstand gibt. In den Niederdeutschen Mundarten setzet man dafür die Sylbe an voran, anroot, röthlich, ansöt, süßlich, anhart, härtlich u. s. f. S. Ähnlich.
   2. Hat diese Sylbe auch die Kraft, Nebenwörter aus Beywörtern zu bilden, und zwar solche, welche als eine Figur der vorigen Bedeutung, eigentlich eine Art und Weise bedeuten, aber hernach auch sehr häufig für die adverbische Form des Beywortes selbst gebraucht werden. Klärlich, auf eine klare Art, und hernach auch klar, d. i. deutlich, selbst. So auch höchlich, gütlich, sichtbarlich, bitterlich weinen, treulich, gänzlich, erstlich, wahrlich, säuberlich, sicherlich, mißlich, freylich, kühnlich, leichtlich, schwerlich u. s. f. Wo denn dieses lich zuweilen auch solchen Beywörtern angehänget wird, welche vermittelst der Endungen ig, bar, sam und haft zu Beywörtern gebildet worden; gleichfalls in der Absicht, Nebenwörter daraus zu bilden. Ewiglich, inniglich, gnädiglich, listiglich, gehorsamlich, dankbarlich, sichtbarlich u. s. f. Im Hochdeutschen sind diese Nebenwörter größten Theils veraltet, wenigstens in der edlern Schreibart, weil man dafür lieber das Beywort in der adverbischen Form selbst gebraucht; ewig, gnädig, listig, u. s. f. Die Oberdeutsche Mundart, welche die Begriffe und Sylben so gern auf eine unnöthige Art häuft, gebraucht sie noch ohne alle Einschränkung, selbst als Beywörter; ein meineidigliches Betragen, für ein meineidiges, mächtiglich, fleißiglich,

[Bd. 2, Sp. 2048]


brünstiglich u. s. f. Da man denn auch den Beywörtern, welche eigentlich kein ig am Ende haben, vor der Bildung noch ein unnöthiges ig aufzudringen, und an dem lich in der adverbischen Gestalt noch ein en zu hängen pflegt; jämmerlichen, herziglichen, wonniglichen, trauriglichen u. s. f.
   IV. Partikeln, deren doch nur wenige sind. Öffentlich, von offen, widerlich, innerlich, äußerlich, und vielleicht noch einige andere, welche zum Theil aber auch von den gleichlautenden Beywörtern offen, innere, äußere, herkommen können.
   Anm. Man muß die mit dieser Sylbe gemachten Wörter nicht mit denjenigen verwechseln, wo einem mit l sich endigenden Worte das -ig angehänget wird. Adelig, kitzelig, billig, selig, hügelig u. s. f. kommen von Adel, Kitzel, Bill, Sal und Hügel her, und müßten, wenn sie mit dieser Sylbe zusammen gesetzet werden sollten, adellich, kitzellich, hügellich u. s. f. heißen. Indessen gibt es doch auch Fälle, wo bey einem zusammen kommenden doppelten l das eine weggeworfen wird, wie in untadelich. In den Hauptwörtern Zwillich und Drillich ist die letzte Sylbe ein eigenes Hauptwort, welches zu dem Geschlechte des Lat. Licium gehöret.
   Die mit dieser Sylbe verbundenen Wörter verwandeln die Vocale a, o und u der zweyten und dritten Sylbe vom Ende in den meisten Fällen in die verwandten Laute ä, ö, und ü. Erträglich, sträflich, nützlich, körperlich u. s. f. Dagegen viele dieselben unverändert behalten; erbaulich, laulich, wunderlich, sonderlich, ordentlich.
   In sehr vielen Fällen lassen sich aus diesen Beywörtern vermittelst der Ableitungssylbe -keit Hauptwörter bilden; Höflichkeit, Seligkeit, Beharrlichkeit u. s. f. S. -Keit. Ehedem hängte man nur ein e daran, ähnliche Abstracta daraus zu bilden; Armlichi, Notk. Ärmlichkeit, Armuth, Elend, Sangleiche, Melodie, Willeram; welche Form aber veraltet ist. Auch Zeitwörter wußte man aus solchen Bey- und Nebenwörtern zu machen. Guoudlichan, guotlichen, gefallen, bey dem Willeram und Notker, mislichen, mißfallen, bey dem Willeram. Auch diese sind größten Theils veraltet; doch hat man noch die Zeitwörter ehelichen, verherrlichen, und vielleicht noch einige andere.
   Es gilt auch von dieser Ableitungssylbe, was von den meisten übrigen gilt, nehmlich, daß es nicht in unsrer Willkühr stehet, nach eigenem Gefallen neue Wörter vermittelst derselben zu bilden, obgleich in einigen Fällen, welche aber doch der Analogie sehr genau angemessen seyn müssen, dieses Recht erlaubt ist.
   Diese Ableitungssylbe, welche bey den ältern Schriftstellern oft leich, licho, lautet, ist sehr alt, und fast in allen Europäischen Sprachen anzutreffen. Im Angelsächsischen lautet sie lic, im Engl. ly, im Schwed. und Dän. lig, und im Lat. lis, regalis, puerilis u. s. f. Es ist wohl gewiß, daß es eben dasselbe Wort ist, welches mit dem vorgesetzten Gaumenlaute jetzt bey uns gleich lautet, und in vielen der vorhin angezeigten Fälle ist die erste und eigentliche Bedeutung dieses Wortes noch vorhanden, von welcher die übrigen bloß Figuren sind. S. Adelung Gleich. Die Fürwörter solch, talis, und welch, qualis, sind mit Ausstoßung des i gleichfalls daraus gebildet. S. diese Wörter. In jähling und vielleicht noch einigen andern hat sich ein n mit eingeschlichen, S. Ling.
 
Artikelverweis 
-Licht, eine Ableitungssylbe, S. das vorige III. 1.

 

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