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2. Leuchten bis Leumund (Bd. 2, Sp. 2038 bis 2039)
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Artikelverweis  2. Leuchten verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Licht von sich geben, die umstehenden Sachen helle machen. 1) Eigentlich. Sieben Lampen, daß sie gegen einander leuchten, 2. Mos. 25, 37. Ein Feuer des Nachts zu leuchten, Ps. 77, 39. Lasset euer Licht leuchten, Matth. 5, 16. Der Mond leuchtet des Nachts, die Sonne des Tages. Die Sonne leuchtet allen, die auf Erden wohnen. Zuweilen auch für scheinen, glänzen. Von Gold und Edelsteinen leuchten, sehr glänzen. Aber noch leuchtet kein glücklich Gestirn dem Liebling der Musen, Deutschland, in dir, Zachar. In engerer Bedeutung ist leuchten und wetterleuchten im gemeinen Leben blitzen. Es leuchtet, es blitzet. 2) Figürlich. Mit einem hohen Grade der Deutlichkeit erkannt werden. Das leuchtet allen in die Augen. Aus den Geschöpfen leuchtet die Macht Gottes hervor. Überall leuchtet Eitelkeit und Selbstruhm durch, Sonnenf. In der höhern Schreibart auch wohl mit der vierten Endung, als ein Activum.
   So blühet wenigstens des Himmels reine Jugend,
   Ihr Antlitz leuchtet Lieb, und ihre Brust flammt Tugend,
   Weiße. II. Als ein Activum, welches doch im Passivo wenig gebraucht wird, ein Licht vortragen, vorhalten. 1) Eigentlich. Einem leuchten. Den Gästen (oder auch die Gäste) die Treppe hinunter leuchten, ihnen (oder sie) nach Hause leuchten. Leuchte hierher, halte das Licht hiehrher. Einem zu etwas leuchten. 2) Figürlich, eine hohen Grad der deutlichen Erkenntniß gewähren; in der höhern Schreibart.
   Den Blöden leuchtet sein Verstand,
   Weiße. Daher die Leuchtung, welches doch in den zusammen gesetzten Wörtern üblicher ist als in dem einfachen, außer daß der Blitz im gemeinen Leben einiger Gegenden die Leuchtung genannt wird.
   Anm. Bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern liuchtan, im Nieders. luchten, bey dem Ulphilas liuhtjan, wo lauhatjan auch blitzen bedeutet, im Angels. lyhtan, im Engl. to light, im Dän. lyse. Die Endung ten bezeichnet eine Intension. Das einfachere leuchen ist noch in dem Lat. lucere kenntlich. S. Adelung Licht und Lohe.
 
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Der Leuchter, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person oder ein Ding, welche leuchten. 1) Von einer Person, welche einer andern ein Licht vorträgt, sagt man nur im Scherze, der Leuchter geht voran. 2) Ein Ding, welches leuchtet, wo es doch nur figürlich von demjenigen Werkzeuge oder Gestelle gebraucht wird, auf welches das zum Brennen bestimmte Licht, oder die Kerze gesteckt wird. Ein messingener, hölzerner, zinnerner Leuchter. Ein Altarleuchter, Kronenleuchter, Arm- oder Wandleuchter, Drahtleuchter, Handleuchter, Hangeleuchter u. s. f. Am häufigsten bezeichnet dieses Wort die gewöhnlichen Tischleuchter, welche aus einem breiten Leuchterfuße, einem geraden Schafte und einer Tille bestehen, in welche das Licht gesteckt wird. In der Deutschen Bibel, z. B. 4 Mos. 8, 3, wird auch ein solches Gestell zu einer oder mehrern Lampen mehrmahls ein Leuchter genannt, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen veraltet ist.
   Anm. Im Nieders. Luchter. Bey den ältern Schriftstellern kommt dieses Wort, welches freylich eigentlich das Licht selbst bezeichnen sollte, nicht vor. Ottfried, Notker und Willeram nennen einen Leuchter so wohl als eine Laterne und Lampe Lichtfaz, ersterer aber auch einen Leuchter Kerzistal; ja Kerzenstock und Kerzenstall kommen im Oberdeutschen noch im vorigen Jahrhunderte

[Bd. 2, Sp. 2039]


vor. In dem 1523 zu Basel gedruckten N. T. Luthers wird Liechtstar als ein unbekanntes Wort durch Leuchtern, Lutzern erkläret; woraus zu erhellen scheinet, daß die Sylbe -er in Leuchter, nicht so wohl die Ableitungssylbe -er ist, welche ein Werkzeug, oder auch ein handelndes Ding bedeutet, sondern das alte Arn, Ern, ein Ort, Platz, Behältniß, welches auch in dem Worte Laterne zum Grunde lieget, welche im Angels. Licht ern heißt, S. Adelung Laterne; daher es denn eigentlich Leuchtern oder die Leuchtäre heißen sollte. Übrigens heißt ein Leuchter im Schwed. Ljusstake, im Isländ. Liososticka, bey dem Ulphilas Luzerna statha, im Angels. Candel-Staf, im Engl. Candlestick, und schon im Tatian Kentilastab.
 
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Der Leuchterstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl oder Gestell, einen Leuchter darauf zu stellen; mit einem Franz. Ausdrucke ein Gueridon, wofür andere das zweydeutige Leuchterfuß gebraucht haben, welches doch eigentlich den Fuß an einem Leuchter bedeutet.
 
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Das Leuchtfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, so fern es dazu bestimmt ist, andern zu leuchten, dergleichen an einigen Orten auf hohen Bergen oder Thürmen an den Küsten zum Behuf der Seefahrer unterhalten werden. S. Adelung Leuchtthurm, und Leuchtröhre.
 
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Die Leuchtkugel, plur. die -n, in der Feuerwerkskunst, eine Feuerkugel, welche man an einen Ort wirft, den man bey der Nacht erleuchten will; zum Unterschiede von den Dampf- und Stinkkugeln.
 
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Die Leuchtpfanne, plur. die -n, eine eiserne erhöhete Pfanne, worin man Talg, Harz, Späne u. s. f. brennet, einen Ort unter freyem Himmel damit bey der Nacht zu erleuchten.
 
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Die Leuchtröhre, plur. die -n, bey den Bäckern, eine Röhre, oder ein Loch an der Seite des Ofens, worin Holz angezündet wird, den Ofen zu erleuchten; das Leuchtloch. An andern Orten brennet statt dessen zur rechten Hand vor dem Mundloche ein Leuchtfeuer.
 
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Der Leuchtthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm an der Küste, worauf ein Feuer unterhalten, oder auch große Lampen in Laternen angesteckt werden, den Seefahrenden zu leuchten; Feuerthurm, Feuerwarte, im Niedersächsischen eine Bake, Blüse.
 
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Die Leuer, bey den Vogelstellern, S. Adelung Leyer.
 
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Leugnen, S. Adelung Läugnen.
 
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* Der Leumund, des -es, plur. inus. ein im Hochdeutschen veraltetes Wort. Es bedeutete, 1) ein jedes Gerücht, in welcher Bedeutung es schon im Tatian Liumunt lautet: inti liumunt uzgieng thurah alle thie lantscaf. 2) In engerer Bedeutung, das allgemeine Gerücht, die allgemeine Meinung von jemandes moralischen Beschaffenheit; der Ruf. In einem guten, in einem bösen Leumunde seyn. 3) In noch engerer Bedeutung, der gute Ruf, der gute Nahme, im Gegnsatze des Unleumund. Jemandes Leumund kränken. Schwecht sein Leumat, Hans Sachs. Ingleichen Ruhm, Ehre, daher liumhaftig schon bey dem Willeram für berühmt vorkommt.
   Anm. Wachter und Frisch haben dieses Wort schon so gut aus einander gesetzet, daß wenig hinzu zu setzen ist. Leumund stammet von dem längst veralteten Zeitworte leumen, leimen, her, Isländ. liuman, schallen, tönen, rufen, und mit dem Hauchlaute Hliumur, der Schall, Angels. Hlem, wohin auch das Lat. clamare und Clamor, und das Engl. Clame, Anspruch, gehören. Auf eben dieselbe Art stammet das gleichbedeutende Ruf von rufen, und das Lat. Fama von dem Griech. φμι ab. Die Sylbe und vertritt die Stelle der Endung der Abstractorum -de, der Leumund, für die Leumde, oder vielmehr,

[Bd. 2, Sp. 2040]


sie ist aus dieser Endung verderbt. Für Leumund findet man in den ältern Zeiten auch Lummit, Lumot, in dem Schwabenspiegel Leumden, bey dem Hornegk Lewet, bey dem Logau Leumuth, und in den um das Jahr 1400 übersetzten Sprüchen Salomonis gar Lewt, Leut: Und guet Lewt faistet daz gepain, Kap. 15, 30. Auf ähnliche Art sagt man für Armuth in einigen Gegenden Ärmde, für Jugend in Holland Jeugde, für Tugend Teugde u. s. f. S. Adelung Verleumden.

 

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