Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
oder das Leuchel bis Leuchtthurm (Bd. 2, Sp. 2037 bis 2039)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der oder das Leuchel, des -s, plur. inus. eine Pflanze. S. Adelung Knoblauchskraut.
 
Artikelverweis 
Die Leuchte, plur. die -n, Diminut. das Leuchtchen, Oberd. Leuchtlein. 1) * Ein jeder leuchtender Körper, ein Licht, eine Lampe u. s. f. eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Das reinste Öhl zur Leuchten (Leuchte) daß man allezeit oben in die Lampen thue, 2 Mos. 27, 20. Und so in andern Stellen mehr.
   Ihr hellen Leuchten in der Nacht,
   Ihr Sterne, preiser Gott,
   Cram. 2) In engerer Bedeutung, eine Laterne, besonders im Nieders. wo es Luchte lautet; Dän. Lychte, Schwed. Lykta, Isländ. Luktarn, im Finnländ. Lyhty.
 
Artikelverweis 
1. Leuchten, verb. reg. act. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, wo es verschneiden, castriren, bedeutet, und besonders von dem Verschneiden der Lämmer gebraucht, oft aber auch leichten geschrieben und gesprochen wird. Die Verschneidung selbst, und die Zeit, da selbige geschiehet, heißt alsdann die Leuchte. Die Sylbe ten bezeichnet in sehr vielen Fällen ein Intensivum. Das einfachere aber ungewöhnliche leuchen oder leichen scheint zu lachen, schneiden, hauen, und schlagen zu gehören. Im Angels. ist Leahtre, und im Schwed. ohne Hauchlaut Lyte, ein Laster, eigentlich ein körperlicher

[Bd. 2, Sp. 2038]


Fehler. S. Adelung Laster. Frisch hat irgend wo Leichtung gefunden, welches er durch Schafschur erkläret.
 
Artikelverweis 
2. Leuchten verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Licht von sich geben, die umstehenden Sachen helle machen. 1) Eigentlich. Sieben Lampen, daß sie gegen einander leuchten, 2. Mos. 25, 37. Ein Feuer des Nachts zu leuchten, Ps. 77, 39. Lasset euer Licht leuchten, Matth. 5, 16. Der Mond leuchtet des Nachts, die Sonne des Tages. Die Sonne leuchtet allen, die auf Erden wohnen. Zuweilen auch für scheinen, glänzen. Von Gold und Edelsteinen leuchten, sehr glänzen. Aber noch leuchtet kein glücklich Gestirn dem Liebling der Musen, Deutschland, in dir, Zachar. In engerer Bedeutung ist leuchten und wetterleuchten im gemeinen Leben blitzen. Es leuchtet, es blitzet. 2) Figürlich. Mit einem hohen Grade der Deutlichkeit erkannt werden. Das leuchtet allen in die Augen. Aus den Geschöpfen leuchtet die Macht Gottes hervor. Überall leuchtet Eitelkeit und Selbstruhm durch, Sonnenf. In der höhern Schreibart auch wohl mit der vierten Endung, als ein Activum.
   So blühet wenigstens des Himmels reine Jugend,
   Ihr Antlitz leuchtet Lieb, und ihre Brust flammt Tugend,
   Weiße. II. Als ein Activum, welches doch im Passivo wenig gebraucht wird, ein Licht vortragen, vorhalten. 1) Eigentlich. Einem leuchten. Den Gästen (oder auch die Gäste) die Treppe hinunter leuchten, ihnen (oder sie) nach Hause leuchten. Leuchte hierher, halte das Licht hiehrher. Einem zu etwas leuchten. 2) Figürlich, eine hohen Grad der deutlichen Erkenntniß gewähren; in der höhern Schreibart.
   Den Blöden leuchtet sein Verstand,
   Weiße. Daher die Leuchtung, welches doch in den zusammen gesetzten Wörtern üblicher ist als in dem einfachen, außer daß der Blitz im gemeinen Leben einiger Gegenden die Leuchtung genannt wird.
   Anm. Bey den alten Oberdeutschen Schriftstellern liuchtan, im Nieders. luchten, bey dem Ulphilas liuhtjan, wo lauhatjan auch blitzen bedeutet, im Angels. lyhtan, im Engl. to light, im Dän. lyse. Die Endung ten bezeichnet eine Intension. Das einfachere leuchen ist noch in dem Lat. lucere kenntlich. S. Adelung Licht und Lohe.
 
Artikelverweis 
Der Leuchter, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person oder ein Ding, welche leuchten. 1) Von einer Person, welche einer andern ein Licht vorträgt, sagt man nur im Scherze, der Leuchter geht voran. 2) Ein Ding, welches leuchtet, wo es doch nur figürlich von demjenigen Werkzeuge oder Gestelle gebraucht wird, auf welches das zum Brennen bestimmte Licht, oder die Kerze gesteckt wird. Ein messingener, hölzerner, zinnerner Leuchter. Ein Altarleuchter, Kronenleuchter, Arm- oder Wandleuchter, Drahtleuchter, Handleuchter, Hangeleuchter u. s. f. Am häufigsten bezeichnet dieses Wort die gewöhnlichen Tischleuchter, welche aus einem breiten Leuchterfuße, einem geraden Schafte und einer Tille bestehen, in welche das Licht gesteckt wird. In der Deutschen Bibel, z. B. 4 Mos. 8, 3, wird auch ein solches Gestell zu einer oder mehrern Lampen mehrmahls ein Leuchter genannt, in welchem Verstande es aber im Hochdeutschen veraltet ist.
   Anm. Im Nieders. Luchter. Bey den ältern Schriftstellern kommt dieses Wort, welches freylich eigentlich das Licht selbst bezeichnen sollte, nicht vor. Ottfried, Notker und Willeram nennen einen Leuchter so wohl als eine Laterne und Lampe Lichtfaz, ersterer aber auch einen Leuchter Kerzistal; ja Kerzenstock und Kerzenstall kommen im Oberdeutschen noch im vorigen Jahrhunderte

[Bd. 2, Sp. 2039]


vor. In dem 1523 zu Basel gedruckten N. T. Luthers wird Liechtstar als ein unbekanntes Wort durch Leuchtern, Lutzern erkläret; woraus zu erhellen scheinet, daß die Sylbe -er in Leuchter, nicht so wohl die Ableitungssylbe -er ist, welche ein Werkzeug, oder auch ein handelndes Ding bedeutet, sondern das alte Arn, Ern, ein Ort, Platz, Behältniß, welches auch in dem Worte Laterne zum Grunde lieget, welche im Angels. Licht ern heißt, S. Adelung Laterne; daher es denn eigentlich Leuchtern oder die Leuchtäre heißen sollte. Übrigens heißt ein Leuchter im Schwed. Ljusstake, im Isländ. Liososticka, bey dem Ulphilas Luzerna statha, im Angels. Candel-Staf, im Engl. Candlestick, und schon im Tatian Kentilastab.
 
Artikelverweis 
Der Leuchterstuhl, des -es, plur. die -stühle, ein Stuhl oder Gestell, einen Leuchter darauf zu stellen; mit einem Franz. Ausdrucke ein Gueridon, wofür andere das zweydeutige Leuchterfuß gebraucht haben, welches doch eigentlich den Fuß an einem Leuchter bedeutet.
 
Artikelverweis 
Das Leuchtfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feuer, so fern es dazu bestimmt ist, andern zu leuchten, dergleichen an einigen Orten auf hohen Bergen oder Thürmen an den Küsten zum Behuf der Seefahrer unterhalten werden. S. Adelung Leuchtthurm, und Leuchtröhre.
 
Artikelverweis 
Die Leuchtkugel, plur. die -n, in der Feuerwerkskunst, eine Feuerkugel, welche man an einen Ort wirft, den man bey der Nacht erleuchten will; zum Unterschiede von den Dampf- und Stinkkugeln.
 
Artikelverweis 
Die Leuchtpfanne, plur. die -n, eine eiserne erhöhete Pfanne, worin man Talg, Harz, Späne u. s. f. brennet, einen Ort unter freyem Himmel damit bey der Nacht zu erleuchten.
 
Artikelverweis 
Die Leuchtröhre, plur. die -n, bey den Bäckern, eine Röhre, oder ein Loch an der Seite des Ofens, worin Holz angezündet wird, den Ofen zu erleuchten; das Leuchtloch. An andern Orten brennet statt dessen zur rechten Hand vor dem Mundloche ein Leuchtfeuer.
 
Artikelverweis 
Der Leuchtthurm, des -es, plur. die -thürme, ein Thurm an der Küste, worauf ein Feuer unterhalten, oder auch große Lampen in Laternen angesteckt werden, den Seefahrenden zu leuchten; Feuerthurm, Feuerwarte, im Niedersächsischen eine Bake, Blüse.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: