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Lêtterwêchsel bis Leuchte (Bd. 2, Sp. 2035 bis 2037)
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Artikelverweis Der Lêtterwêchsel, S. Adelung Buchstabenwechsel.
 
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Lêtticht, adj. et adv. dem Letten ähnlich. Ein lettichter Boden. Nieders. ankleiig.
 
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Lêttig, adj. et adv. Letten enthaltend, aus Letten bestehend. Ein lettiger Boden.
 
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1. Die Lêtze, plur. die -n, ein nur in einigen Oberdeutschen Gegenden übliches Wort, eine Vertheidigung an der Gränze, eine Landwehre, und hernach auch wohl eine jede Gränze zu bezeichnen. S. Frischens Wörterbuch. Wohl nicht, wie dieser glaubt, von lat, spät, und letzte, man müßte es denn von dem davon abstammenden noch im Niedersächsischen üblichen latten, hindern, ableiten wollen; sondern vermuthlich von letzen, welches nicht nur laedere, sondern auch wehren, vertheidigen, bedeutete. Im Theuerdanke kommt daher Lytz von einem Gewehr, einem Werkzeuge der Vertheidigung und des Angriffes vor. S. Verletzen.
 
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2. Die Lêtze, plur. die -n, ein im Hochdeutschen sehr ungewöhnlich gewordenes Wort. Es bedeutet, 1) ein Geschenk, welches man bey seinem Abschiede einem andern zum Andenken oder zur Ergetzlichkeit macht. Welches Geld man ihnen zur Letze verehrete, Bluntschli. Frisch führet eine Stelle aus Wurstisens Baseler Chronik an, worin dieses Wort Lezine lautet. Das laß ich dir zur Letze, in einem alten Kirchenliede, wofür man gemeiniglich singt, das laß ich dir zur Letzte, als wenn es das Wort letzt, ultimus, wäre. Vermuthlich gehöret auch die im gemeinen Leben übliche R. A. zu guter letzt hierher, da sie denn eigentlich zu guter Letze heißen müßte, d. i. zum freundlichen Abschiede. 2) Ein Überbleibsel, ein Überrest; eine nur noch im Oberdeutschen übliche Bedeutung, von welcher Frisch eine Stelle aus Ryffs Spiegel der Gesundheit anführet. S. 2. Letzen.
 
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1. Lêtzen, verb. reg. act. laedere, ingleichen sich wehren, siehe Verletzen.
 
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2. Lêtzen, verb. reg. act. vergnügen, erfreuen, belustigen; ein in dem gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen veraltetes Wort, welches nur noch zuweilen bey den Dichtern vorkommt. 1) Überhaupt.
   Du letzest mir mein Leben,
   Opitz.
   Wer seinen Muth will letzen
   Mit schneller Jagd und Hetzen,
   Opitz.
   Mein Auge wird sich wohl
   An den Belügern letzen,
   Opitz.
   Sie wird sich wohl einmahl am Bilde letzen wollen,
   Gell.
   Wenn sie (die Götter) Ambrosia
   Und Nectar letzen soll,
   Weiße.
   So können sie ja selbst
   Mit eignen Augen sehn, wie uns der Kuß
   Von ihren Schönen letzt,
   Weiße. 2) In engerer Bedeutung, sich mit einem andern letzen, sich bey dem Abschiede noch Ein Mahl mit ihm vergnügen.
   Mein Freund, ich komme bald, mich noch mit dir zu letzen,
   Günth.
   Wie einander umarmend, bey einem schleunigen Marsche
   An den Ecken der Straßen die Krieger und Mägde sich letzen,
   Zachar. Daher die noch im Oberdeutschen gangbaren Wörter der Letzkuß, der Abschiedskuß, die Letzpredigt, die Abschiedspredigt, der Letzschmaus u. s. f.
   Anm. Unsere Sprachforscher, welche nur allein die letzte engere Bedeutung von diesem Worte gekannt, oder solche doch für die erste eigentliche gehalten haben, leiten es von dem folgenden Worte letzt ab. Allein, es ist unstreitig von einem weitern Umfange, und stammet allem Ansehen nach mit laetari, lactus, u. s. f. aus Einer gemeinschaftlichen ältern Quelle her, so wie getzen, in ergetzen, zu dem Geschlechte des Wortes gaudere gehöret.
 
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Lêtzt, adj. et adv. welches von Dingen gebraucht wird, welche kein anderes Ding ihrer Art nach sich haben, so wohl der Zeit, als dem Orte und der Ordnung nach; im Gegensatze des erst. 1) Der Zeit nach. Der letzte Tag im Jahre. Er ist immer der letzte, kommt am spätesten. Immer das letzte Wort haben wollen. Jetzt komme ich zum letzten Mahle. Der letzte Tag meines Lebens. Oft auch nur beziehungsweise, was bis jetzt noch kein anderes Ding nach sich hat. Das letzte Mahl, da ich ihn sahe. Der letzte Krieg, der vorige, seit welchem kein anderer Krieg gewesen ist. Besonders von Dingen, welche einen Sterbenden betreffen. Der letzte Wille, das Testament. In den letzten Zügen liegen, im gemeinen Leben, im Begriffe zu sterben seyn. Die letzte Öhlung, in der Römischen Kirche. Einem die letzte Ehre erweisen, seiner Beerdigung beywohnen. Du hießest uns zu deinem Lager kommen, um den letzten Segen zu empfangen. Ingleichen was das Ende der sichtbaren Körperwelt und ihres gegenwärtigen Zusammenhanges betrifft. Das letzte Gericht, das jüngste. Die vier letzten Dinge. 2) Dem Orte nach. Der letzte Baum auf dem Felde. Portugall ist das letzte Land in Europa gegen Abend. 3) Der Ordnung und der damit verknüpften Würde, dem Vorrathe u. s. f. nach. In einer Prozession der letzte seyn. Liebe und Haß sind zwey Leidenschaften, wovon die erste oft strafbar wird, die letzte aber es fast jederzeit ist. Der letzte, höchste Endzweck. Das ist das letzte Geld, was ich habe, oder das ist mein letztes. Den letzten Ausspruch thun, welcher keine Widersetzung leidet.
   Anm. Als ein Nebenwort kommt es außer dem zusammen gesetzten zuletzt selten vor. Doch gebraucht man im gemeinen Leben letzt für neulich, jüngst, der Zeit nach, wofür doch letztens und letztlich üblicher sind. S. diese Wörter. In der höhern Schreibart leitet das Beywort auch die zweyte Endung nach sich. Wie zufrieden wird der letzte meiner Tage seyn, wenn u. s. f. Obgleich dieses Wort der eigentliche Superlativ von lat, spät, ist, so macht man doch, so wie von erst und mehr, oft einen neuen Comparativ davon, und zwar nicht nur, wenn nur zwey Glieder vorhanden sind; Cajus und Sempronius, ersterer

[Bd. 2, Sp. 2037]


war arm, letzterer aber reich; sondern auch, wenn man die nächst vorher gegangene Sache bezeichnen will. Der letztere Krieg. So machten auch die Lateiner von dem Superlativ proximus den Comparativ proximior, von postremus und minimus die neuen Superlative postremissimus, minimissimus. Den bestimmten Artikel kann dieses Wort außer dem jetzt gedachten Comparativ nicht leicht entbehren, ob man ihn gleich in den Kanzelleyen oft weglässet, wenn es ohne Hauptwort stehet, und die nächst vorher gemeldete Sache oder Person bezeichnet. In einigen R. A. hat man in der vertraulichen Sprechart auch das Hauptwort die Letzt oder die Letzte. Es gehet auf die Letzte, es gehet zum Ende. Zu guter Letzt, zum Beschluß, S. 2. Letze. Auf die Letzte (endlich, am Ende) machen sie mir wohl noch alles weiß. Eben so sagt man im gemeinen Leben, in der Erst, für anfänglich.
   Bey den ältern Fränkischen und Oberdeutschen Schriftstellern lautet dieses Wort lezest, lezist, im Angels. laesta, im Griech. λοισθος. Es ist der Superlativ von dem noch im Nieders. üblichen lat, spät, oder auch von unserm laß, langsam, spät, träge, daher es ohne Zusammenziehung latest oder lassest heißen sollte. Der Comparativ findet sich unter andern auch in dem Nieders. Worte Laterndag, welches in Niederdeutschen Urkunden mehrmahls vorkommt. Frisch hält ihn für den achten Tag nach dem Feste eines Heiligen, Haltaus aber für den Sonnabend. Allein Hr. J. P. Wöhner zeigt in einer kleinen Schrift, de vera significatione vocis Laterndag, daß es von lat, spät, komme, und den folgenden Tag bedeute.
 
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Lêtztens, adv. der Zeit, welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und für neulich, jüngst, oder von solchen Dingen gebraucht wird, welche seitdem kein anderes ihrer Art nach sich gehabt haben. Als ich ihn letztens sahe. In der anständigern Sprechart sind dafür letzthin und letztlich üblicher. Letzthin gab sie ihr ein Buch, Gell. neulich. Als ich ihn letztlich sprach. Im Oberdeutschen wird dieses letztlich auch für zuletzt, endlich, gebraucht, in welchem Verstande es auch einige Hochdeutsche angenommen haben. Da dieß alles nichts fruchten wollte, so hat Gott letztlich die Schande der Christen kund gemacht.
 
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Der oder das Leuchel, des -s, plur. inus. eine Pflanze. S. Adelung Knoblauchskraut.
 
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Die Leuchte, plur. die -n, Diminut. das Leuchtchen, Oberd. Leuchtlein. 1) * Ein jeder leuchtender Körper, ein Licht, eine Lampe u. s. f. eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher es noch mehrmahls in der Deutschen Bibel vorkommt. Das reinste Öhl zur Leuchten (Leuchte) daß man allezeit oben in die Lampen thue, 2 Mos. 27, 20. Und so in andern Stellen mehr.
   Ihr hellen Leuchten in der Nacht,
   Ihr Sterne, preiser Gott,
   Cram. 2) In engerer Bedeutung, eine Laterne, besonders im Nieders. wo es Luchte lautet; Dän. Lychte, Schwed. Lykta, Isländ. Luktarn, im Finnländ. Lyhty.

 

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