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Lêrchenwagen bis 1. Lêsen (Bd. 2, Sp. 2030 bis 2032)
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Artikelverweis Der Lêrchenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein grün angestrichener Wagen, die bey dem Lerchenstreichen gefangenen Lerchen darauf nach Hause zu führen.
 
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Die Lêrnbegierde, plur. inus. die Begierde etwas zu lernen. Daher lernbegierig. S. Adelung Lehrbegierde und Lehrbegierig.
 
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Lêrnen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert. Es kommt in doppelter Gestalt vor. I. In mehr activer Bedeutung, für lehren, in welchem Verstande es in der anständigen Schreib- und Sprechart veraltet ist, im gemeinen Leben aber noch häufig vorkommt.
   So wolt er im der vil zeigen
   Und lernen eine newe monier,
   Theuerd. Kap. 71. Ich will euch lernen, was ihr thun sollt, 2 Mos. 4, 15; wo doch bessere Ausgaben lehren haben. Lernen sie mir nur die Liebe erst kennen, Gell. für lehren sie mich u. s. f. Bey den Handwerkern lernet der Meister einen Lehrburschen, wenn er ihm sein Handwerk beybringet; einen Lehrburschen auslernen, ihn die gesetzte Zeit hindurch bis zu Ende unterrichten und anführen. Bey dem Zeitworte lehren ist schon angemerket worden, daß lehren und lernen ursprünglich ein und eben dasselbe Zeitwort sind, und daher auch von je her häufig für einander gesetzt worden. Eben so bedeutet das Griech. μαθιτευειν, das mittlere Lat. discere, das Franz. apprendre, das Schwed. lära, und das Nieders. lere, so wohl lehren als lernen.
   II. In mehr neutraler Bedeutung, Fertigkeit, und in weiterm Verstande, unbekannte Kenntnisse und Begriffe zu bekommen suchen. 1) Im engsten und vermuthlich eigentlichsten Verstande, im Gedächtnisse zu behalten suchen, und zwar zunächst durch mehrmahliges lautes Hersagen, welches lehren, so fern es ursprünglich laut hersagen bedeutet hat, zu bezeichnen scheinet; hernach aber auch, auf jede andere Art. Etwas auswendig lernen. Seine Lection lernen. Einem Kinde etwas zu lernen aufgeben. Ein Lied, einen Psalm lernen. Lernet sie (die Gebote,) und behaltet sie, 5 Mos. 5, 1. 2) In weiterer Bedeutung, Fertigkeit in einer Sache zu erlangen suchen. Ein Handwerk, eine Kunst, eine Wissenschaft lernen. Eine Sprache lernen. Das Kind lernt gehen. Lesen, schreiben, tanzen, zeichnen, singen lernen. Etwas von sich selbst lernen. Bey einem Meister lernen, das Handwerk bey ihm zu erlernen suchen. Etwas von einem lernen. Wo es oft auch absolute stehet, für nützliche Fertigkeiten zu erlangen suchen. Der Knabe will nichts lernen. Er hat nichts gelernt. Lerne vor ehe du andere lehrest, Sir. 18, 20. Er hat etwas gelernt und wird sein Glück gewiß machen, Gell. 3) In noch weiterm Verstande, unbekannte Kenntnisse und Begriffe erlangen und zu erlangen suchen. Sie lerneten der Heiden Werk, Ps. 106, 35. Lauter Böses von jemanden lernen. Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig, Matth. 11, 29. Man muß lernen, so lange man lebt. Etwas durch die Übung, aus der Erfahrung lernen. Jemanden kennen lernen. Lerne aus andrer Leute Schaden klug werden. Jetzt lernete er über sein eigenes Herz erröthen. So lernt ich mich mit wenigem begnügen, Gell.
   Durch eignes Leiden lernte sie
   Beym Leiden anderer zerfließen,
   Gotter. Das lernt sich bald, wird bald erlernet. Was man nicht kann, das lernt sich, wenn man nur Lust hat, Weiße.
   Anm. Dieses Zeitwort kommt in dem Gebrauche größten Theils mit lehren überein. Es wird so wie dieses mit dem bloßen Infinitiv des Zeitwortes verbunden, wie aus den obigen Beyspielen erhellet. Nur in den zusammen gesetzten Zeiten scheinet es gleichgültig zu seyn, ob man alsdann lernen im Infinitiv stehen lässet, nach dem Muster der Zeitwörter heißen, sehen, hören, mögen, wollen u. s. f. oder ob man der gewöhnlichern Form folget, weil man von beyden Beyspiele findet. Seitdem ich ihn habe kennen lernen, oder kennen gelernet. Wer die Natur einer jeden Sache hat kennen, und die Weisheit, Kunst und Macht, die sich in allen natürlichen Dingen zeiget, bemerken lernen, Gell. Sie haben die Unschuld unsrer Liebe kennen gelernet, Cron. Indessen gibt es viele Fälle, in welchen der Infinitiv in der vergangenen Zeit anstatt des Mittelwortes das Gehör beleidiget. Wird man wohl, z. B. gerne sagen: bey wem haben sie tanzen lernen? Das Kind hat erst vor vier Wochen gehen lernen u. s. f. Daher

[Bd. 2, Sp. 2032]


es scheinet, als wenn sich diese Form mit dem Zeitworte kennen noch am besten vertrüge.
   Dieses Zeitwort lautet, so fern es discere bedeutet, schon bey dem Kero lirnan, bey dem Ottfried und dessen Zeitgenossen lernen und gilernen, im Angels. leornan, im Engl. to learn. Bey dem Zeitworte lehren ist bereits bemerket worden, daß es vermittelst der vermuthlich hier intensiven Ableitungssylbe -nen von diesem Worte gebildet worden, daher es auch in der Schweiz und andern Oberdeutschen Gegenden noch lehrnen geschrieben und gesprochen wird.
 
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Lêsbar, adj. et adv. fähig gelesen zu werden. Das Chinesische ist einem Deutschen nicht lesbar. Ingleichen, fähig mit Verstande, mit Unterhaltung gelesen zu werden. Ein Buch ist nicht lesbar, wenn man entweder nicht verstehet, was man lieset, oder keine Unterhaltung dabey findet. So auch die Lesbarkeit. S. Leserlich, welches noch davon verschieden ist.
 
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Die Lếsche, Lếschen u. s. f. S. in Lösch-
 
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Die Lêse, plur. die -n, von dem Zeitworte lesen, colligere.
   1) Die Handlung, da man etwas zusammen lieset; ohne Plural. Am häufigsten in den Zusammensetzungen Weinlese, welche auch nur die Lese schlechthin genannt wird, Öhllese, Nachlese u. s. f. 2) Was man zusammen gelesen hat; in welchem Verstande es nur in einigen Kartenspielen üblich ist; wo es theils die mit einem höhern Blatte gestochenen Karten der übrigen Mitspieler bedeutet, drey Lesen haben, d. i. drey Stiche; theils aber auch, und zwar im Singular allein, die meisten Stiche. Die Lese haben, die meisten Stiche haben.
 
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Das Lsebūch, des -es, plur. die -bǖcher, von lesen, legere. 1) Ein Buch, worin man zum Vergnügen, zum Zeitvertreibe lieset. 2) Auf hohen Schulen, ein Buch, worüber ein Collegium gelesen, welches zum Grunde einer Vorlesung gelegt wird.
 
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Das Lêsebrêt, des -es, plur. die -er, bey den Leinwebern und Zeugmachern, ein Bret mit vielen Löchern, vermittelst dessen die Fäden auf den Scherrahmen gelesen werden. S. 1. Lesen.
 
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Das Lêseholz, des -es, plur. inus. Holz, welches an dürren Zweigen, Spänen u. s. f. im Walde aufgelesen wird; Raffholz.
 
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Der Lêsemeister, des -s, plur. ut nom. sing. 1) In den Klöstern einiger Gegenden, der Vorleser, Lector; von lesen, legere. 2) In einigen Oberdeutschen Weinländern, z. B. in Österreich, eine beeidigte Person, welche die Aufsicht über die Weinlese, und die Einnahme des davon schuldigen Zehnten hat.
 
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1. Lêsen, verb. irreg. act. ich lese, (Oberd. ich lies,) du liesest, er lieset, wir lesen u. s. f. Imperf. ich las; Mittelw. gelesen; Imperat. lies, (Oberd. lese). Es bedeutet überhaupt, von mehrern Dingen Einer Art eines nach dem andern wegnehmen, oder aufheben; wo es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. Auf dem Acker Ähren lesen, zusammen lesen, auflesen. Holz lesen, auflesen. Wein lesen, die reifen Weintrauben nach einander abbrechen, S. Adelung Weinlese. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Matth. 7, 16. Die Steine von dem Acker lesen. Das Unreine aus den Erbsen, Linsen u. s. f. lesen. In vielen Fällen ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich geworden. Da ging einer aufs Feld, daß er Kraut läse, 2 Kön. 4, 39, suchte, hohlte. Erdbeeren, Heidelbeeren lesen, im Oberd. wofür man im Hochdeutschen lieber pflücken sagt. So auch,
   So lise ich bluomen do rife nu lier,
   Walth. von der Vogelweide, für pflücken. Ingleichen figürlich, auf solche Art reinigen, leer machen. Den Weinberg lesen, die Trauben in demselben. Wenn du deinen Weinberg gelesen hast, 5 Mos. 24, 21.

[Bd. 2, Sp. 2033]


Den Acker lesen, die Steine von demselben ablesen. Den Salat lesen, die verdorbenen Blätter aufsuchen und wegnehmen. Erbsen, Linsen, Reiß, Hirse u. s. f. lesen, das Unreine einzeln hinweg nehmen. Wolle lesen. Im Nieders. verlesen. Bey den Webern werden die Fäden gelesen, wenn die Fäden des Aufzuges aus einander gelesen und in Ordnung gebracht werden.
   Das Hauptwort die Lesung wird nur in einigen Zusammensetzungen gebraucht, in welchen lesen zugleich von einem weitern Umfange der Bedeutung ist, als jetzt das einfache Zeitwort hat. Anm. Schon bey dem Kero lesan, im Nieders. lesen, im Engl. to lease, im Schwed. läsa, im Angels. lesan, im Lat. legere, colligere, im Griech. λεγειν. Merkwürdig ist es allerdings, daß dieses Zeitwort mit dem folgenden nicht nur in der Conjugation überein kommt, sondern auch in allen Europäischen Sprachen mit demselben gleichlautend ist. Indessen ist doch bey dem sehr einfachen Gange der menschlichen Begriffe, besonders in denjenigen Zeiten, in welche der Ursprung der Wörter fällt, kein scheinbarer Grund vorhanden, sie beyde von Einem Stamme herzuleiten. Denn daß einige das folgende lesen so erklären, als wenn es eigentlich die Buchstaben, Sylben und Wörter zusammen lesen oder sammeln bedeute, ist mehr ein witziger Einfall, als eine der Analogie der Sprache gemäße Ableitung. Vielleicht stammet das gegenwärtige Zeitwort von los, lösen ab, (in einigen Oberdeutschen Gegenden wird es wirklich lösen gesprochen;) alsdann wäre dessen Verwandtschaft mit verlieren, welches im Nieders. ehedem nur lesen lautete, Engl. to leese, lose, loose, Angels. losgan, leosan, bey dem Ulphilas liusan, sehr leicht begreiflich. S. Adelung Verlieren.

 

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