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-Len bis Lêndenstein (Bd. 2, Sp. 2026 bis 2027)
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Artikelverweis  -Len, eine Ableitungssylbe, Zeitwörter damit von andern Zeitwörtern so wohl als Hauptwörtern zu bilden, welches vermittelst einer Zusammenziehung aus -elen oder -eln entstanden ist. S. -Eln. Man muß indessen diese Sylbe nicht mit denjenigen Zeitwörtern auf -len verwechseln, in welchen das l zum Stamme gehöret, daher daselbst bloß die Endung -en Statt findet, dergleichen hohlen, hehlen, spulen und andere mehr sind.
 
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Die Lênde, plur. die -n, Diminut. das Lendchen. 1) Die obere Fläche der hintersten Theile des Schmerbauches über der Hüfte und dem Gesäße; welchen Theil man bey heftigen Arbeiten

[Bd. 2, Sp. 2027]


oder starken Bewegungen mit einem breiten Gurte zu umgeben pflegt, um sich die Arbeit zu erleichtern. Von den Lenden bis an die Hüften, 2 Mos. 28, 42. Um die Lenden gegürtet seyn, Kap. 12, 11. 2) In weiterer Bedeutung wird die Hüfte, ja das ganze Dickbein im gemeinen Leben sehr häufig die Lende genannt. Ein Thier schleppt die Lenden nach, wenn es an den obern Theilen der hintern Füße lahm ist. S. Adelung Lendenlahm. Anm. Bey dem Kero, der es aber auch für Niere gebraucht, Lenti, bey dem Raban Maurus Lendi, im Isidor Laendi, im Nieders. Lende, im Dän. Länd, im Schwed. Länd, im Isländ. und Angels. Lend, im Finnländ. Landet, im Wallis. Llwyn. Es scheinet eigentlich die Seite zu bedeuten, da es denn mit dem Latein. Latus Eines Geschlechtes seyn würde; das n ist in mehrern Fällen ein Erbtheil nieselnder Mundarten. Im Böhmischen heißt daher die Lende nur Ledwi, und bey den Krainerischen Wenden Ladja. Ja selbst in alten Oberdeutschen Bibelübersetzungen werden die Nieren Lewte, Leute genannt. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des d einen Gaumen- oder Zischlaut, wie das im gemeinen Leben vieler Gegenden übliche Lanke, Flanke, die Seite am Unter- oder Hinterleibe des thierischen Körpers, bey dem Kero Lancho, das Franz. Longe, Ital. Longia, Lonza, Engl. Loyn, Griech. λαγων; alle in der Bedeutung der Lende, wie das Latein. Lumbus, nach welchem die Lende im Isidor auch Lumlo heißt.
 
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Lênden, sich wenden, S. Adelung Landen, Anm.
 
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Die Lêndenader, plur. die -n, in der Anatomie, ein Nahme verschiedener Adern, welche Äste der Hohlader sind, und über die Lenden hingehen; Venae lumbares.
 
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Der Lêndenbraten, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen langen und schmalen Stücklein Fleisch, welche inwendig an dem Rückgrathe des geschlachteten Viehes in den Gegenden der Lenden über den Hüften und Nieren heraus geschnitten, und gebraten werden; in einigen Gegenden der Mehrbraten. Bey dem Rindviehe ist der Lendenbraten der untere Theil des Rückgrathes mit dem daran befindlichen Fleische, welcher gleichfalls als ein Braten zugerichtet wird. Raban Maurus nennet in der Mitte des achten Jahrhundertes die Nieren Lendibraton.
 
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Der Lêndengries, des -es, plur. car. Gries, d. i. grobkörniger Sand, so fern er sich in der Gegend der Lenden und besonders in den Nieren der thierischen Körper erzeuget; Nierengries.
 
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Der Lếndenknochen, des -s, plur. ut nom. sing. bey einigen ein Nahme des Hüftknochens, S. dieses Wort, und Lende 2.
 
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Die Lêndenkrankheit, plur. inus. ein Nahme, welchen die Englische Krankheit zuweilen führet, weil sie unter andern auch die Lenden, d. i. die Hüften, angreift.
 
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Lêndenlahm, adj. et adv. lahm in der Gegend der Lenden, d. i. an den Hüften; hüftenlahm, S. dieses Wort, Nieders. lendenlaam und laamlenned, lurrenlaam, von Lurre, der Schenkel, Hüftknochen.
 
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Der Lêndenschmêrz, des -ens, plur. die -en, ein Schmerz in den Lendenmuskeln, welcher von einer scorbutischen Schärfe herrühret, welche sich daselbst gesetzt hat; Lumbago, das Lendenweh.
 
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Der Lêndenstein, des -es, plur. die -e, ein Stein, welcher sich in der Gegend der Lenden der thierischen Körper erzeuget; der Nierenstein, weil die Nieren der eigentliche Sitz desselben sind, S. dieses Wort.

 

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