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Leiter bis Leitnagel (Bd. 2, Sp. 2024 bis 2026)
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Artikelverweis Der Leiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiterinn, von dem Zeitworte leiten, eine Person, welche eine andere leitet. Die Leiter dieses Volks sind Verführer, und die sich leiten lassen, sind verlohren, Es. 9, 16. Sie sind blind und blinde Leiter, Matth. 15, 14. Wehe euch verblendete Leiter, Kap. 23, 16. Und vermissest dich zu seyn ein Leiter der Blinden, Röm. 2, 19. Im Isidor Lididh, bey dem Ottfried Leitir, bey dem Stryker Laiter.
 
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Die Leiter, plur. die -n, Diminut. das Leiterchen, Oberd. Leiterlein.

[Bd. 2, Sp. 2025]



   1. Eigentlich, ein bewegliches Werkzeug, welches aus zwey senkrechten Stangen mit dazwischen befindlichen horizontalen Sprossen bestehet, vermittelst desselben in die Höhe zu steigen. Eine Leiter an die Mauer legen, oder lehnen, zum Hinansteigen. Auf die Leiter steigen. Die Leiter hinauf oder hinan steigen. Eine Stadt, den Wall mit Leitern besteigen, vermittelst derselben. S. Adelung Sturmleiter, Feuerleiter, Baumleiter, Gartenleiter u. s. f. Die Strickleiter, ein solches ganz aus Stricken bestehendes Werkzeug. Die Beweglichkeit, und die statt der Stufen in der Leiter befindlichen Sprossen unterscheiden sie von einer Treppe. Indessen gibt es auch tragbare Werkzeuge dieser Art, welche mit Stufen versehen sind, und doch Leitern heißen; dergleichen z. B. die Bücherleitern sind, daher die Beweglichkeit oder Tragbarkeit das Unterscheidungsmerkmahl zu seyn scheinet. Im Bergbaue werden die Leitern Fahrten genannt.
   2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. 1) Die Leitern an einem Bauerwagen, die Wagenleitern, welche zu beyden Seiten des Wagens horizontal auf den Achsen liegen und sich an die Rungen, und bey den Rüsewagen auch an die Stämmleisten lehnen, dienen, die Dinge, welche man auf den Wagen ladet, zu halten. 2) Die Leiter bey der Tortur, ist ein einer Leiter ähnliches Werkzeug der Folter, auf welches der Inquisit mit rückwärts gebundenen Händen ausgedehnet wird. Den Inguisiten auf die Leiter ziehen oder spannen. S. Adelung Folter. 3) Die Schrotleiter, welche auch nur die Leiter schlechthin heißt, bestehet aus zwey horizontalen starken Bäumen, welche an den Enden und zuweilen auch in der Mitte durch Querhölzer befestiget sind, volle Fässer darauf in den Keller gleiten zu lassen. 4) Die Gradleiter an den Thermometern, Barometern u. s. f. die mit kurzen Querstrichen angedeuteten und mit Zahlen versehenen Grade; nach dem Latein. Scala. 5) Bey den Jägern werden einfache spiegelicht oder viereckig gestrickte Garne Leitern genannt. Die Laufleitern oder Steckleitern sind solche niedrige Garne, welche zum Abwehren der Feldhühner vor die Tücher gesteckt werden. S. auch Geleiter. 6) Die Leiter in der Mühle, dasjenige Gerüst, worin der Rumpf stehet, und an welchem auch die Winde befindlich ist.
   Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung bey dem Notker Leitero, im Schwabensp. der Laiter, im Nieders. Ledder, im Holländ. Ladder, im Engl. Ladder, im Pohln. Letra. Es ist allem Ansehen nach von leiten, so fern es im Neutro ehedem gehen bedeutete, gebildet, ein Werkzeug zu bezeichnen, vermittelst dessen man in die Höhe gehet, oder steiget. Da es bey dem Kero mit vorgesetzten Hauchlaute auch Hleitar und im Angels. Hläddr lautet, so erhellet daraus die Verwandtschaft mit unserm Klettern, S. dieses Wort.
 
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Der Leiterbaum, des -es, plur. die -bäume, die starken Seitenstangen oder Bäume an einer Leiter, zwischen welchen sich die Sprossen befinden; die Leiterstange. Nieders. Ledderbalken; bey dem Kero Hleitarpaum.
 
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Die Leitersprosse, plur. die -n, die Sprossen an einer Leiter.
 
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Die Leitertonne, plur. die -n, bey den Kürschnern, eine zwischen zwey Bäumen oder Bohlen, welche die Gestalt einer Leiter haben, horizontal aufgehängte Tonne, welche überall mit langen hölzernen Nägeln ausgeschlagen ist, die Felle darin mit heißem Sande zu trocknen.
 
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Der Leiterwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein auf den Seiten mit Leitern versehener gemeiner Wagen.
 
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Der Leitfaden, des -s, plur. die -fäden, eine figürliche Benennung eines Dinges, vermittelst dessen man sich in seinem Verhalten bestimmen oder leiten lässet. Die Figur stammet aus

[Bd. 2, Sp. 2026]


der Griechischen Mythologie her, von dem Theseus, welcher sich vermittelst eines Knäuel Garnes aus dem Labyrinthe half.
 
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Das Leitfeuer, des -s, plur. ut nom. sing. in der Feuerwerkskunst, brennbare in eine lange Linie angebrachte Materialien, in eine lange Linie gestreuetes Schießpulver, das Feuer damit an einen entfernten Ort zu leiten; das Lauffeuer.
 
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Der Leithammel, des -s, plur. die -hämmel, in der Landwirthschaft, ein abgerichteter, gemeiniglich mit einer Glocke versehener Hammel, welcher vor der ganzen Herde hergehet, dem Schäfer oder dessen Hunde auf den ersten Wink folget, und dadurch die ganze Herde leitet; Nieders. Bellhammel, Holländ. Bellhamel, Belleman, von der Belle, d. i. Glocke oder Schelle, Franz. Clocheman. S. Adelung Bellhammel.
 
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Der Leithund, des -es, plur. die -e, Fämin. die Leithündinn, in der Jägerey, ein Jagdhund, welcher von dem Jäger beständig am Hängeseil geleitet wird, das Wild vermittelst der Fährte auszuforschen und zu bestätigen, und dadurch gleichsam den Jäger auf die Fährte des Hirsches zu leiten. Er ist der vornehmste Hund in der Jägerey, und die ganze Stütze der Kunst des Jägers. Im mittlern Lat. Canis ductor, im Schwabensp. Laithund, in den alten Baierischen Gesetzen Leitihunt. Bey den Jägern führet der Leithund gemeiniglich den eigenthümlichen Nahmen Waldmann, so wie die Hündinn Waldinn und Hela genannt wird.
 
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Der Leitnagel, des -s, plur. die -nägel, im Bergbaue, ein Nagel in dem so genannten Hunde, unten zwischen den zwey vordern Nägeln, welcher den Hund gleichsam leitet, daß er nicht von der Spur oder dem Gestänge abweichen kann.

 

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