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Leistenhode bis Leiterbaum (Bd. 2, Sp. 2022 bis 2025)
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Artikelverweis Die Leistenhode, plur. die -n, eine dritte überzählige Hode, welche sich zuweilen in der Leiste oder Weiche eines Menschen befindet.
 
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Das Leistenholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Adelung Leiste 1. 1).
 
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Der Leistenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerker, welcher die Leisten für die Schuhmacher verfertiget. S. der Leisten.
 
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Der Leitarm, des -es, plur. die -e, in dem Bergbaue, diejenige Kunststange, welche in den Schacht nicht senkrecht nieder, sondern quer hinein gehet. Vielleicht weil sie die übrigen

[Bd. 2, Sp. 2023]


Kunststangen nach den andern Ort hin leitet oder weiset. Siehe Leitstämpel.
 
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Das Leitband, des -es, plur. die -bänder, ein breites Band, Kinder, welche noch nicht gehen können, daran zu leiten; das Führband, Gängelband, der Laufzaum, Nieders. mit Ausstoßung des t, Leeband.
 
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1. Die Leite, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein langes nicht gar weites Faß zu bezeichnen, welches anstatt des Spundes eine große Öffnung hat, Fische damit auf einem Wagen zu verführen, die Weinbeeren aus dem Weinberge darin nach Hause zu fahren, u. s. f. Im Oberdeutschen die Laite, in Franken die Legte. Der Begriff des hohlen Raumes scheinet der herrschende zu seyn, da es denn zu Lade und den damit verwandten Wörtern gehören würde, S. dasselbe. Im Schwed. ist Lada eine Scheuer.
 
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2. Die Leite, plur. die -n, ein in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, sehr bekanntes Wort, die sanft abhängige Seite eines Berges oder Hügels zu bezeichnen, wo es auch wohl die Leiten lautet. Unden für an des pergs leyten, Theuerd. Kap. 36. Die Buschleite, eine mit Buschholz bewachsene Bergseite. Die Hageleite, Holzleite, Waldleite, wenn sie mit hochstämmigem Holze bewachsen ist. Die Sommerleite, die mittägige Bergseite, im Gegensatze der Winterleite, der mitternächtigen. In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein sanfter abhängiger Berg oder Hügel selbst eine Leite genannt.
   Anm. Im Schwed. Lid. Wohl nicht unmittelbar aus dem Lat. Latus. Der sanfte Abhang oder die Richtung nach der Tiefe hin, ist so wohl in diesem Worte, als auch in dem an andern Orten dafür üblichen Lehne, der Stammbegriff. S. das folgende Zeitwort Leiten und das Beywort Lege. Lege, niedrig, Lehne und Leite sind nur in den Ableitungslauten unterschieden.
 
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Leiten, verb. reg. welches seinem ganzen Umfange nach in einer doppelten Bedeutung vorkommt.
   1. * Als ein Neutrum, für gehen; eine im Hochdeutschen längst veraltete Bedeutung, von welcher sich aber noch sehr häufige Spuren finden. Im Isidor ist arliudan hinaus gehen, und bey dem Kero kalidan weggehen.
   Sid er 'nan thar uberuuant,
   Ioh leitta in ander art land, nachdem er ihn überwunden hatte, und in ein anderes Land gezogen war, Ottfried B. 5, Kap. 4, V. 103; wo es in Schilters Ausgabe, wie auch Ihre bemerket, irrig durch ducebat übersetzt ist. Liess der Heidine man obar si lidan, ließ die heidnischen Soldaten über sie hingehen, in dem alten Gedichte auf den König Ludwig. Das alte Gothische leithan, Angels. lithan, Schwed. lida, Isländ. leita, Holländ. lyden, bedeuten gleichfalls gehen, wohin auch das Griech. λιαζομαι, ich gehe, komme, und ελευθω, ich komme, gehören. Im Nieders. ist verleden noch für verwichen, vergangen, von der Zeit üblich; anderer zu geschweigen.
   II. Als ein Activum oder vielmehr Factitivum, gehen machen, d. i. die Richtung der Bewegung eines Gehenden, und in weiterer Bedeutung die Richtung einer Bewegung, und zwar die ganze Bewegung hindurch, bestimmen.
   1. In mehr eigentlichem Verstande. Ein Kind am Führ- oder Leitbande leiten. Einen Blinden bei der Hand leiten. Jemanden auf den rechten Weg leiten, mit der vierten Endung, Ursache seyn, daß er auf den rechten Weg komme; dagegen leite mich auf rechter Bahn, Ps. 27, 11, ich bin dein Gott der dich leitet auf dem Wege, den du gehest, Es. 48, 17, mit der dritten, schon die Anwesenheit auf diesem Wege voraus

[Bd. 2, Sp. 2024]


setzen. Der Stern leitete die Weisen aus Morgenlande, S. Adelung Leitstern. Einen Hund, einen Ochsen am Stricke leiten, S. Leithund. Das Wasser in das Thal, in einen Garten leiten. Einen Fluß um die Stadt leiten. Den Faden auf die Spule leiten. Bey den Jägern leitet der Habicht ein Feldhuhn, wenn er es wegführet. Leiten setzt, wie Herr Stosch bemerket, freylich voraus, daß derjenige, welcher geleitet wird, dieser Leitung bedürfe, weil er ohne dieselbe nicht im Stande ist zu gehen, oder den Weg zu finden. Allein es läßt sich doch nicht in allen den Fällen gebrauchen, wo dieser Begriff Statt findet, und ich glaube, daß sich die Fälle, wo man führen gebrauchen müsse, bloß durch die Übung zu erlernen sind, weil sie bloß von dem Eigensinne des Gebrauches abhangen. So sagt man: eine Armee führen, eine Herde führen, einen Dieb zum Galgen führen, den Ochsen zur Schlachtbank führen, die Transcheen bis an den Hauptwall führen, einem Kinde die Hand führen u. s. f. In welcher und hundert andern Fällen das Zeitwort leiten nicht hergebracht ist, obgleich in einigen sogar der Begriff des Festhaltens zugegen ist, der doch dem Worte leiten nicht wesentlich anklebet. Ehedem wurde es auch häufig für geleiten und begleiten gebraucht; einen Reisenden leiten, ihn zur Sicherheit begleiten, ihn geleiten. Woraus zugleich der ehemahlige weite Umfang dieses Zeitwortes erhellet, wovon der heutige Gebrauch nur noch ein schwacher Überrest ist.
   2. In mehr figürlichem Verstande, die Richtung der Veränderungen eines Dinges bestimmen. Eines Gewissen leiten, oder führen. Eine Intrigue leiten. Jemanden zum Guten leiten, wofür anleiten beynahe üblicher ist. Sich von jemanden in allen Stücken leiten lassen. Gehorsam gegen die Leitungen Gottes, gegen die von ihm herrührende Bestimmung unserer Veränderungen, welche auch die Führung genannt wird. Ein Wort von einem andern herleiten, zeigen, glauben, daß es von demselben herstamme, S. Adelung Ableiten. Alle seine Empfindungen werden von Liebe geleitet. Ein dunkles Gefühl der Glückseligkeit leitete ihn. Der Trieb der Schamhaftigkeit wird nur auf das äußerliche der Handlung- geleitet, Gell. So auch die Leitung.
   Anm. In der thätigen Bedeutung schon von des Kero Zeiten an leitan, im Nieders. leiden, im Angels. lädden, läden, im Dän. lede, im Isländ. leida, im Schwed. leda, im Engl. to lead, bey den Krainerischen Wenden ladam, ich leite. Zu den Ahnherren dieses alten Wortes gehöret vornehmlich das im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Leit, Leige, der Weg, die Reise, Holländ. Ley, Schwed. Led, Angels. Late, Isländ. Leid, wovon Geleit noch häufig im Theuerdanke vorkommt. Auf ein pös geleyt hat der Knecht euch geführt, Kap. 20. Das Geleyt was scharpf, stickel an all hab, Kap. 40. Es kann dieses Wort mit lege, niedrig, tief, und Lehne und Leite, der Abhang, Eines Geschlechtes seyn; es kann aber auch seinen Ursprung der unmittelbaren Nachahmung des Schalles eines Gehenden zu danken haben. S. Adelung Leicht, Geleise, 2. Leite, Gleiten u. s. f.
 
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Der Leiter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiterinn, von dem Zeitworte leiten, eine Person, welche eine andere leitet. Die Leiter dieses Volks sind Verführer, und die sich leiten lassen, sind verlohren, Es. 9, 16. Sie sind blind und blinde Leiter, Matth. 15, 14. Wehe euch verblendete Leiter, Kap. 23, 16. Und vermissest dich zu seyn ein Leiter der Blinden, Röm. 2, 19. Im Isidor Lididh, bey dem Ottfried Leitir, bey dem Stryker Laiter.
 
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Die Leiter, plur. die -n, Diminut. das Leiterchen, Oberd. Leiterlein.

[Bd. 2, Sp. 2025]



   1. Eigentlich, ein bewegliches Werkzeug, welches aus zwey senkrechten Stangen mit dazwischen befindlichen horizontalen Sprossen bestehet, vermittelst desselben in die Höhe zu steigen. Eine Leiter an die Mauer legen, oder lehnen, zum Hinansteigen. Auf die Leiter steigen. Die Leiter hinauf oder hinan steigen. Eine Stadt, den Wall mit Leitern besteigen, vermittelst derselben. S. Adelung Sturmleiter, Feuerleiter, Baumleiter, Gartenleiter u. s. f. Die Strickleiter, ein solches ganz aus Stricken bestehendes Werkzeug. Die Beweglichkeit, und die statt der Stufen in der Leiter befindlichen Sprossen unterscheiden sie von einer Treppe. Indessen gibt es auch tragbare Werkzeuge dieser Art, welche mit Stufen versehen sind, und doch Leitern heißen; dergleichen z. B. die Bücherleitern sind, daher die Beweglichkeit oder Tragbarkeit das Unterscheidungsmerkmahl zu seyn scheinet. Im Bergbaue werden die Leitern Fahrten genannt.
   2. Figürlich, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt. 1) Die Leitern an einem Bauerwagen, die Wagenleitern, welche zu beyden Seiten des Wagens horizontal auf den Achsen liegen und sich an die Rungen, und bey den Rüsewagen auch an die Stämmleisten lehnen, dienen, die Dinge, welche man auf den Wagen ladet, zu halten. 2) Die Leiter bey der Tortur, ist ein einer Leiter ähnliches Werkzeug der Folter, auf welches der Inquisit mit rückwärts gebundenen Händen ausgedehnet wird. Den Inguisiten auf die Leiter ziehen oder spannen. S. Adelung Folter. 3) Die Schrotleiter, welche auch nur die Leiter schlechthin heißt, bestehet aus zwey horizontalen starken Bäumen, welche an den Enden und zuweilen auch in der Mitte durch Querhölzer befestiget sind, volle Fässer darauf in den Keller gleiten zu lassen. 4) Die Gradleiter an den Thermometern, Barometern u. s. f. die mit kurzen Querstrichen angedeuteten und mit Zahlen versehenen Grade; nach dem Latein. Scala. 5) Bey den Jägern werden einfache spiegelicht oder viereckig gestrickte Garne Leitern genannt. Die Laufleitern oder Steckleitern sind solche niedrige Garne, welche zum Abwehren der Feldhühner vor die Tücher gesteckt werden. S. auch Geleiter. 6) Die Leiter in der Mühle, dasjenige Gerüst, worin der Rumpf stehet, und an welchem auch die Winde befindlich ist.
   Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung bey dem Notker Leitero, im Schwabensp. der Laiter, im Nieders. Ledder, im Holländ. Ladder, im Engl. Ladder, im Pohln. Letra. Es ist allem Ansehen nach von leiten, so fern es im Neutro ehedem gehen bedeutete, gebildet, ein Werkzeug zu bezeichnen, vermittelst dessen man in die Höhe gehet, oder steiget. Da es bey dem Kero mit vorgesetzten Hauchlaute auch Hleitar und im Angels. Hläddr lautet, so erhellet daraus die Verwandtschaft mit unserm Klettern, S. dieses Wort.
 
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Der Leiterbaum, des -es, plur. die -bäume, die starken Seitenstangen oder Bäume an einer Leiter, zwischen welchen sich die Sprossen befinden; die Leiterstange. Nieders. Ledderbalken; bey dem Kero Hleitarpaum.

 

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