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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Leisten bis 2. Die Leite (Bd. 2, Sp. 2021 bis 2023)
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Artikelverweis  1. Leisten, verb. reg. act. 1) Bey den Webern, die Leiste oder Sahlleiste an ein Tuch weben, S. Adelung Leiste 1. 2). 2) Bey

[Bd. 2, Sp. 2022]


den Fuhrleuten, die Leitern eines Rüstwagens leisten, sie an die Leiste hängen, S. Leiste 1. 1)
 
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2. Leisten, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt, thun, eine Veränderung hervor bringen, bedeutet zu haben scheinet. Noch wurd es fro leiste diu schone des ich si bete, Reinmar der Alte. Jetzt gebraucht man es nur noch für bewerkstelligen, durch die That wirklich machen. Leisten, was man versprochen hat, welche R. A. doch im Hochdeutschen wenig mehr gehöret wird, so wie die: ich habe es versprochen, aber ich kann es nicht leisten, d. i. nicht halten, erfüllen. Der Menschenfreund bestrebt sich nicht nur, andern dasjenige zu leisten, was das Gesetz buchstäblich befiehlt, und also gerecht zu seyn, u. s. f. Gell. Kann ich zweifeln, daß ich dem, für den mein Herz in mir spricht, insbesondere das leisten soll, was ich mir nach den Regeln der Billigkeit von ihm wünsche und verspreche? ebend. Besonders mit einigen Hauptwörtern, doch nur mit solchen, welche die Verbindung mit diesem Zeitworte bereits hergebracht haben, denn willkührlich lässet sich dasselbe nicht gebrauchen. Dem Landesherren die Huldigung, seinen Obern den schuldigen Gehorsam, einem Befehle Folge leisten. Einem nützliche Dienste leisten, ihm Schutz, Hülfe, hülfliche Handreichung leisten. Die Gewähr für etwas leisten, Bürgschaft, Sicherheit leisten. Einem die schuldige Pflicht leisten, 1 Cor. 7, 3. Widerstand leisten, sich widersetzen. Einem Gesellschaft leisten. Christus hat für uns die vollkommenste Genugthuung geleistet. Hingegen wird man jetzt nicht gern mehr sagen, sein Versprechen leisten, einem allerley Gefälligkeiten leisten, sein Gelübd leisten, 3 Esr. 4, 46. In engerer Bedeutung gebrauchte man es ehedem sehr häufig für, sich als Bürge oder Geißel persönlich stellen, wo denn auch die Leistung diese persönliche Stellung, das Einlager, der Einritt war. Der Bürge soll leisten mit einem Pferde, d. i. sich stellen, die Bürgschaft vollziehen.
   Daher die Leistung, in den obigen Fällen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried und Notker leisten, im Angels. laestan, im Nieders. lösten, alle in der Bedeutung des Latein. praestare. Die Abstammung ist ungewiß. Die Endung -ten kann eine Intension bedeuten; aber es ist auch möglich, daß das t zum Stamme gehöret. Vielleicht kommt es von lösen her, sich von einer Verbindlichkeit durch die That selbst los machen, obgleich leisten einen weitern Umfang der Bedeutung hat; vielleicht von Leise, Leiste, die Spur, das Geleise, bey dem Ulphilas ist laistgan gehen, auf dem Fuße nachgehen; vielleicht auch von Los, so fern es ehedem die Vergeltung, den Lohn überhaupt bedeutete.
 
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Der Leīstenbrúch, des -es, plur. die -brche, in einigen Gegenden, ein Bruch (Hernia) in demjenigen Theile des menschlichen Unterleibes, welcher die Leiste genannt wird; der Weichenbruch, Bubonocele, Hernia inguinalis. S. Adelung Leiste 2. 2).
 
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Der Leistenhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Holzarbeitern, ein Hobel, allerley Leisten damit zu verfertigen.
 
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Die Leistenhode, plur. die -n, eine dritte überzählige Hode, welche sich zuweilen in der Leiste oder Weiche eines Menschen befindet.
 
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Das Leistenholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Adelung Leiste 1. 1).
 
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Der Leistenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerker, welcher die Leisten für die Schuhmacher verfertiget. S. der Leisten.
 
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Der Leitarm, des -es, plur. die -e, in dem Bergbaue, diejenige Kunststange, welche in den Schacht nicht senkrecht nieder, sondern quer hinein gehet. Vielleicht weil sie die übrigen

[Bd. 2, Sp. 2023]


Kunststangen nach den andern Ort hin leitet oder weiset. Siehe Leitstämpel.
 
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Das Leitband, des -es, plur. die -bänder, ein breites Band, Kinder, welche noch nicht gehen können, daran zu leiten; das Führband, Gängelband, der Laufzaum, Nieders. mit Ausstoßung des t, Leeband.
 
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1. Die Leite, plur. die -n, ein nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein langes nicht gar weites Faß zu bezeichnen, welches anstatt des Spundes eine große Öffnung hat, Fische damit auf einem Wagen zu verführen, die Weinbeeren aus dem Weinberge darin nach Hause zu fahren, u. s. f. Im Oberdeutschen die Laite, in Franken die Legte. Der Begriff des hohlen Raumes scheinet der herrschende zu seyn, da es denn zu Lade und den damit verwandten Wörtern gehören würde, S. dasselbe. Im Schwed. ist Lada eine Scheuer.
 
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2. Die Leite, plur. die -n, ein in den gemeinen Mundarten, besonders Oberdeutschlandes, sehr bekanntes Wort, die sanft abhängige Seite eines Berges oder Hügels zu bezeichnen, wo es auch wohl die Leiten lautet. Unden für an des pergs leyten, Theuerd. Kap. 36. Die Buschleite, eine mit Buschholz bewachsene Bergseite. Die Hageleite, Holzleite, Waldleite, wenn sie mit hochstämmigem Holze bewachsen ist. Die Sommerleite, die mittägige Bergseite, im Gegensatze der Winterleite, der mitternächtigen. In weiterer Bedeutung wird auch wohl ein sanfter abhängiger Berg oder Hügel selbst eine Leite genannt.
   Anm. Im Schwed. Lid. Wohl nicht unmittelbar aus dem Lat. Latus. Der sanfte Abhang oder die Richtung nach der Tiefe hin, ist so wohl in diesem Worte, als auch in dem an andern Orten dafür üblichen Lehne, der Stammbegriff. S. das folgende Zeitwort Leiten und das Beywort Lege. Lege, niedrig, Lehne und Leite sind nur in den Ableitungslauten unterschieden.

 

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