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Leistbügel bis Leitarm (Bd. 2, Sp. 2019 bis 2022)
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Artikelverweis Der Leistbügel, des -s, plur. ut nom. sing. an den Rüstwagen, ein breiter eiserner Bügel mit zwey Ringen, in deren einem die Leiste und in dem andern die Runge steckt, die Wagenleiter daran zu hängen, und welcher auch die Wiede genannt wird, wenn er bloß von einer jungen Weide geflochten ist.
 
Artikelverweis 
Die Leiste, plur. die -n, in einigen Gegenden auch der Leist des -en, plur. die -en, oder der Leisten, des-s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Leistchen, Oberdeutsch Leistlein, ein Wort, welches nur noch in einigen Fällen üblich ist, einen

[Bd. 2, Sp. 2020]


langen und nach Verhältniß seiner Länge dünnen oder schmahlen Körper zu bezeichnen.
   1. In weiterer Bedeutung. 1) Einen langen und nach Verhältniß seiner Länge dünnen Körper. So ist an den Rüstwagen die Leiste, Stämmleiste oder das Leistenholz, ein langes unten gerades, oben aber gekrümmtes rundliches Holz, unten mit einem Ringe, vermittelst dessen es hinter der Lünse an die Achse gesteckt wird. Das obere Ende ist spitzig und trägt den einen Ring des Leistbügels. Sie dienet bey Lastwagen die Leitern zu tragen, damit nicht die ganze Last auf den Rungen allein ruhe. Die Sperrleiste ist ein horizontales an beyden Enden mit Ringen versehenes Holz, welches die Leitern aus einander hält. Hierher gehöret auch das mittlere Latein. Licia, Franz. Lice, Ital. Lizza, Liccia, ein Pfahl, eine Pallisade, und Liciae, Franz. Lices, Schranken, und andere ähnliche Wörter mehr. Die leisten des helmes bey dem Stryker scheinen die Stangen zu seyn, welche das gitterförmige Visier ausmachen. 2) Einen langen schmalen Körper, oder einen solchen Theil eines Körpers. In diesem Verstande ist die Leiste oder Querleiste bey den Holzarbeitern ein langes schmales Holz, welches in die Quere über zwey Breter befestiget wird, sie zusammen zu halten, oder auch über ein Bret, das Werfen zu verhindern. Nieders. Klaspe, Engl. Clasp. Die breiten Säume, ingleichen die Borten an den Kleidern wurden ehedem häufig Leisten genannt, und an einigen Orten führen sie diesen Nahmen noch. Goldene Leisten, goldene Borten. Ein Kleid mit Leisten verbrämen, mit Borten. Der grobe Rand oder angeschrotene Saum an den Tüchern führet bey den Tuchmachern noch den Nahmen der Leiste oder Sahlleiste, dagegen er von andern die Anschrote, das Schrot, das Zettelende, und im Nieders. die Egge, Sulfegge genannt wird; im mittlern Lat. Lista. Ja ehedem wurde ein jeder Rand, Rahm oder Saum eine Leiste, Nieders. Liste, genannt, in welcher Bedeutung dieses Wort mit dem Dänischen Liste, Schwed. Angels. und Engl. List, Franz. Le, Lez und Lisiere, Finnländ. Liewe, überein kommt, und, obgleich ohne Grund, von einigen von unserm letzt, Griech. λοισθος, abgeleitet worden. Bey den Buchdruckern werden lange und nach Verhältniß schmale Stöcke, oder in Holz geschnittene Figuren, Leisten, und, so fern sie für das Ende eines Buches oder Abschnittes bestimmt sind, Schlußleisten oder Final-Leisten genannt. Im mittlern Lateine ist Lista terrae ein langes schmales Stück Landes oder Feldes, im Böhmischen List, das Blatt an einer Pflanze, vermuthlich zunächst ein solches langes schmales Blatt, und im Schwed. La, Lad, ein Schleyer, eine Binde, Isländ. Land.
   2. In engerer Bedeutung. 1) Mit dem Nebenbegriffe der Erhabenheit, lange schmale erhabene Theile eines Körpers. Dergleichen zur Zierde dienende Einfassungen, so wohl in der Mitte als am Rande eines Körpers, führen sehr häufig den Nahmen der Leisten; Engl. Ledge, Pohln. Listwa. Und sollt eine Leiste umher machen (um den Tisch) einer Hand breit hoch, und einen güldenen Kranz um die Leiste her, 2 Mos. 25, 25; Kap. 37, 12, 14. Es war aber das Gestühle also gemacht, daß es Seiten hatte zwischen den Leisten, 1 Kön. 7, 28, 29, 35. In den Säulenordnungen und daher entlehnten Bauzierathen bekommen diese Leisten nach Maßgebung ihrer runden oder flachen Erhabenheit, Größe u. s. f. allerley besondere Nahmen. Bey den Pferden wird der erhabene Theil des hintern Schenkels, welcher sich im Gehen dem Bauche nähert, so wohl die große Maus oder der große Muskel, als auch die Leiste oder der Leist genannt. In einem andern Verstande ist die Leiste oder der Leist eine Krankheit des Pferdefußes, wenn

[Bd. 2, Sp. 2021]


die Knorpeln an dem obern Rande des Hufbeines zu Knorpeln werden, an der Fessel so wohl der Vorder- als Hinterfüße, welche das Pferd oft lahm macht. Einem Pferde wächset der Leist, wenn es diese Krankheit bekommt. Da dieselbe im Franz. la Forme genannt wird, so muß entweder die Franz. Benennung aus einer Verwechselung dieses Wortes mit dem folgenden Leisten entstanden seyn, oder es ist auch der Deutsche Nahme selbst nichts weiter als eine Figur des folgenden Wortes. Indessen werden in einigen Oberdeutschen Gegenden alle harte Schwielen an den Händen oder Füßen Leisten, Ital. Liste callose genannt. 2) Mit dem Nebenbegriffe der Vertiefung, lange schmale Vertiefungen. Dahin gehören die Hohlleisten, Kehlleisten oder Hohlkehlen, eingebogene Rinnen zur Zierde an oder um einen Körper. Das Geleise, oder die dem Wege von dem Rade eingedrückte tiefe Spur, heißt in vielen Gegenden Oberdeutschlandes die Leiste. Fotläst ist im Angels. die Spur, der Eindruck des Fußes in die Erde. Die tiefen Rinnen an dem menschlichen Unterleibe nach den Schamtheilen zu sind im gemeinen Leben unter dem Nahmen der Leisten bekannt, daher die dünne Seite des Unterleibes, die Weiche, auch wohl in weiterer Bedeutung die Leiste genannt wird. S. Adelung Leistenbruch.
   Anm. Aus allem erhellet, daß der Begriff der Länge und Dünne oder Schmäle in diesem Worte der herrschende ist, und daß es allem Ansehen nach zu dem Geschlechte der Wörter Latte, Laden, lang, Lehne, so fern es eine Lünse bedeutet u. a. m. gehöret. S und t gehen, wie bekannt ist, sehr häufig in einander über, und das n ist in sehr vielen Fällen nichts andres, als ein Einschiebsel nieselnder Mundarten. S. auch Liste.
 
Artikelverweis 
Der Leisten, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches ehedem, 1) * die Gestalt eines Dinges überhaupt, und die verhältnißmäßige Gestalt, die Taille besonders, bedeutete; von welcher im Hochdeutschen veralteten Bedeutung Frisch folgende Beyspiele anführet. Matthesius sagt von einem geformten Glase, daß es seinen geformten Leist oder Proportion habe. Ein Spanisches Roß, ob es gleich klein von Leist, ist es doch adelich von Gestalt, Kraus im Gestüttgarten. 2) In engerer Bedeutung, eine Form, ein Muster, ein Vorbild. Ein Pfarrer soll ein Bildner und Leist sin zu Leben sinen Unterthanen, Leo Jud bey dem Frisch. Auch in dieser Bedeutung ist es bis auf einige wenige Fälle veraltet. Bey den hohen Öfen wird die vertiefte Form, worin bey dem Abstechen die Gans geformt wird, noch der Leisten genannt. Am bekanntesten ist es von der hölzernen Form des untern Fußes, über und nach welcher die Schuhmacher die Schuhe verfertigen; der Leisten oder Schuhleisten. Den Schuh über den Leisten schlagen. Alle diese Leute sind über Einen Leisten geschlagen, figürlich, sie sind alle von Einer Denkungsart. Alle Leute über Einen Leisten schlagen, sie auf einerley Art behandeln, oder nach einer andern eben so niedrigen Figur, sie über Einen Kamm scheren.
   Anm. In dieser letzten Bedeutung im Engl. Last, im Holländ. und Nieders. Leest, im Angels. Dän. und Schwed. Läst, im Böhm. Lista. Die Abstammung ist noch ungewiß. So fern es die Form eines Fußes bedeutet, leiten einige es von dem Angels. Läst, die Fußsohle, und dem Ulphilanischen laistjan, gehen, her. Allein, da es ehedem unstreitig eine jede Form, ein jedes Muster bezeichnet hat, so lässet Wachter es von dem veralteten leisen, nachahmen, abstammen; eine Ableitung, welche allen Beyfall verdienete, wenn nur dieses Zeitwort selbst erwiesen wäre. S. indessen Ließpfund und List.
 
Artikelverweis 
1. Leisten, verb. reg. act. 1) Bey den Webern, die Leiste oder Sahlleiste an ein Tuch weben, S. Adelung Leiste 1. 2). 2) Bey

[Bd. 2, Sp. 2022]


den Fuhrleuten, die Leitern eines Rüstwagens leisten, sie an die Leiste hängen, S. Leiste 1. 1)
 
Artikelverweis 
2. Leisten, verb. reg. act. welches ehedem überhaupt, thun, eine Veränderung hervor bringen, bedeutet zu haben scheinet. Noch wurd es fro leiste diu schone des ich si bete, Reinmar der Alte. Jetzt gebraucht man es nur noch für bewerkstelligen, durch die That wirklich machen. Leisten, was man versprochen hat, welche R. A. doch im Hochdeutschen wenig mehr gehöret wird, so wie die: ich habe es versprochen, aber ich kann es nicht leisten, d. i. nicht halten, erfüllen. Der Menschenfreund bestrebt sich nicht nur, andern dasjenige zu leisten, was das Gesetz buchstäblich befiehlt, und also gerecht zu seyn, u. s. f. Gell. Kann ich zweifeln, daß ich dem, für den mein Herz in mir spricht, insbesondere das leisten soll, was ich mir nach den Regeln der Billigkeit von ihm wünsche und verspreche? ebend. Besonders mit einigen Hauptwörtern, doch nur mit solchen, welche die Verbindung mit diesem Zeitworte bereits hergebracht haben, denn willkührlich lässet sich dasselbe nicht gebrauchen. Dem Landesherren die Huldigung, seinen Obern den schuldigen Gehorsam, einem Befehle Folge leisten. Einem nützliche Dienste leisten, ihm Schutz, Hülfe, hülfliche Handreichung leisten. Die Gewähr für etwas leisten, Bürgschaft, Sicherheit leisten. Einem die schuldige Pflicht leisten, 1 Cor. 7, 3. Widerstand leisten, sich widersetzen. Einem Gesellschaft leisten. Christus hat für uns die vollkommenste Genugthuung geleistet. Hingegen wird man jetzt nicht gern mehr sagen, sein Versprechen leisten, einem allerley Gefälligkeiten leisten, sein Gelübd leisten, 3 Esr. 4, 46. In engerer Bedeutung gebrauchte man es ehedem sehr häufig für, sich als Bürge oder Geißel persönlich stellen, wo denn auch die Leistung diese persönliche Stellung, das Einlager, der Einritt war. Der Bürge soll leisten mit einem Pferde, d. i. sich stellen, die Bürgschaft vollziehen.
   Daher die Leistung, in den obigen Fällen.
   Anm. Schon bey dem Ottfried und Notker leisten, im Angels. laestan, im Nieders. lösten, alle in der Bedeutung des Latein. praestare. Die Abstammung ist ungewiß. Die Endung -ten kann eine Intension bedeuten; aber es ist auch möglich, daß das t zum Stamme gehöret. Vielleicht kommt es von lösen her, sich von einer Verbindlichkeit durch die That selbst los machen, obgleich leisten einen weitern Umfang der Bedeutung hat; vielleicht von Leise, Leiste, die Spur, das Geleise, bey dem Ulphilas ist laistgan gehen, auf dem Fuße nachgehen; vielleicht auch von Los, so fern es ehedem die Vergeltung, den Lohn überhaupt bedeutete.
 
Artikelverweis 
Der Leīstenbrúch, des -es, plur. die -brche, in einigen Gegenden, ein Bruch (Hernia) in demjenigen Theile des menschlichen Unterleibes, welcher die Leiste genannt wird; der Weichenbruch, Bubonocele, Hernia inguinalis. S. Adelung Leiste 2. 2).
 
Artikelverweis 
Der Leistenhobel, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Holzarbeitern, ein Hobel, allerley Leisten damit zu verfertigen.
 
Artikelverweis 
Die Leistenhode, plur. die -n, eine dritte überzählige Hode, welche sich zuweilen in der Leiste oder Weiche eines Menschen befindet.
 
Artikelverweis 
Das Leistenholz, des -es, plur. die -hölzer, S. Adelung Leiste 1. 1).
 
Artikelverweis 
Der Leistenschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerker, welcher die Leisten für die Schuhmacher verfertiget. S. der Leisten.
 
Artikelverweis 
Der Leitarm, des -es, plur. die -e, in dem Bergbaue, diejenige Kunststange, welche in den Schacht nicht senkrecht nieder, sondern quer hinein gehet. Vielleicht weil sie die übrigen

[Bd. 2, Sp. 2023]


Kunststangen nach den andern Ort hin leitet oder weiset. Siehe Leitstämpel.

 

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