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Lein bis Leinen (Bd. 2, Sp. 2016 bis 2017)
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Artikelverweis Der Lein, des -es, plur. inus. diejenige Pflanze, welche unter dem Nahmen des Flachses am bekanntesten ist, (S. dieses Wort,) doch unter verschiedenen Einschränkungen. 1) Die Pflanze selbst, so lange sie noch auf dem Felde stehet, und grün ist, führet im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, den Nahmen des Leines. Der Lein stehet gut. Den Lein jäten. Im Hoch- und Oberdeutschen ist dafür hingegen auch Flachs üblich, S. dieses Wort. 2) Am üblichsten ist dieses Wort von dem Samen dieser Pflanze, welcher überall den Nahmen des Leines so wohl als des Leinsamens führet. Lein säen, bauen. Aus Lein Öhl schlagen lassen. 3) * Ehedem wurden auch die aus den Fasern dieser Pflanze bereiteten Dinge, besonders aber die Leinwand, Lein genannt; in welcher Bedeutung es bey uns veraltet ist, außer daß das Beywort leinen, Leinbödig, Leindrucker u. s. f. selbige noch erhalten haben. Im Tatian heißt das rauchende Docht Lin riohhenti. Das Griech. λινον, Lat. Linum, Span. Lino, Bretagnische Llin, u. a. m. haben eben diese Bedeutung.
   Anm. Hieraus erhellet zugleich, daß der Nahme dieser Pflanze sehr alt ist, und aus ältern Sprachen auf uns fortgepflanzet worden, daher fast alle Europäische Sprachen denselben aufzuweisen haben. Im Niedersächs. lautet er Lien, im Schwed. Lin, Ital. Lino, im Slavon. und Wend. Len, Lan, im Wallachischen Llinu, im Alban. Lli. Wenn es ausgemacht wäre, daß mit dem Nahmen dieser Pflanze auf den zur Bedeckung und Bekleidung gemachten Gebrauch gesehen worden: so würde derselbe mit dem Lat. Lana, Wolle, dem alten Gallischen Linna, ein Kleid, u. a. Eines Geschlechtes seyn.
 
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Der Leinbau, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, der Flachsbau.
 
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Der Leinbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme einer Art Ahornes, welche auch unter dem Nahmen der Rüster, Waldäsche, Lenne und Lehne bekannt ist; Acer platanoides L. S. 1. die Lehne. In einigen Gegenden lautet er Leimbaum, Leinahre, Linbaum.
 
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Das Leinblatt, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche in den trockenen Berggegenden Europens wächset, und den Blättern nach dem Leine oder Flachse ähnlich ist; Thesium L. Bergflachs.

[Bd. 2, Sp. 2017]



 
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Leinbödig, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders der Zeug-Fabriken, üblich ist. Ein leinbödiger Zeug, der einen leinenen Boden oder Aufzug hat.
 
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Der Leindotter, der Nahme einer Pflanze, S. Adelung Flachsdotter.
 
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Der Leindrucker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher bunte Figuren auf Leinwand druckt, und vollständiger der Leinwanddrucker genannt wird. S. Adelung Lein 3.
 
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Die Leine, plur. die -n, Diminut. das Leinchen, eine Benennung, eines dünnen langen hänfenen oder flächsenen Strickes, welcher stärker ist als eine Schnur, schwächer, länger und anständiger als ein Strick, dünner als ein Seil, ein Tau u. s. f. Eine Leine, die Wäsche darauf zu hängen, die Wäschleine oder Zeugleine; die Gezelte damit zu befestigen, die Gezeltleine oder Zeltleine; die Pferde vor dem Wagen oder Pfluge damit zu regieren, die Pferdeleine, Ackerleine; die Jagdtücher und Netze damit zu befestigen, die Jagdleine, wohin die Hauptleinen, Oberleinen, Unterleinen, Windleinen u. s. f. gehören; starke Angeln daran zu befestigen, die Angelleine, zum Unterschiede von der schwächern Angelschnur u. s. f.
   Anm. Im Nieders. Angels. Engl. und Dän. Line, im Schwed. und Isländ. Lina, im Griech. λινον, im Lat. Linea, im Franz. Ligne, im Böhm. und Pohln. Lano, im Lettischen Lyna. Es kann seyn, daß dieses Wort von dem vorigen Lein, Flachs, abstammet, weil die Leinen am häufigsten aus Hanf oder Flachs verfertiget werden. Es kann aber auch seyn, daß der Begriff der Länge der herrschende ist, da es denn nicht so wohl von dem Lat. Linea, eine Linie, abstammen, als vielmehr mit demselben von einer gemeinschaftlichen ältern Mundart herkommen, und mit lang Eines Geschlechtes seyn würde. In der anständigern Sprechart gebraucht man für das gemeinere Leine lieber das in vielen Fällen gleich bedeutende Seil. Bey den Oberdeutschen Jägern aber ist dafür auch Arche üblich.
 
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1. Leinen, verb. reg. act. welches in einigen Oberdeutschen Mundarten für lehnen üblich ist, S. dieses Wort.
 
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2. * Leinen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, und gleichfalls nur in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten für thauen, aufthauen üblich ist. Die Sonne leinet das Eis auf, thauet es auf. Es leinet, es thauet. Im Nieders. lautet es lüen, lühen, welches das Stammwort zu seyn scheinet, von welchem das Oberd. leinen vermittelst der Sylbe -nen gebildet worden. Die Sonne lüet stark, schmelzet den Schnee. Der Schnee lüet weg, schmilzet weg. Es scheinet zu lau, und mit demselben zu linde, Schwed. len, Angels. lith, dem Latein. lenis und Griech. λυειν, auflösen, zu gehören.
 
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Leinen, adj. et adv. von dem Hauptworte Lein, und zwar in dessen dritten Bedeutung, aus den gesponnenen Fäden des Flachses, und in weiterer Bedeutung auch, des Hanfes, bereitet; im Gegensatze des wöllen und seiden. Ein leinener Zug. Leinenes Garn. Leinene Strümpfe, wofür doch zwirnene im Hochdeutschen üblicher ist. Am Werft oder Eintracht (Eintrag) es sey leinen oder wöllen, 3 Mos. 13, 48. Ingleichen aus Leinwand verfertiget; leinwanden. Ein Kleid, es sey wöllen oder leinen, 3 Mos. 13, 47. Ein leinenes Kleid, leinene Beinkleider, ein leinener Kittel. Dieses Beywort wird im gemeinen Leben häufig verkürzt gebraucht, als wenn es unabänderlich wäre, in welcher Gestalt es auch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt. Und sollt ihnen leinen (leinene) Niederkleider machen, 2 Mos. 28, 42. Der Priester soll seinen leinen (leinenen) Rock anziehen, 3 Mos. 6, 10, und so in andern Stellen mehr. Leinen Zeug, leinen Geräth. In weiterer Bedeutung bedeutete es in der Deutschen Bibel auch aus

[Bd. 2, Sp. $+2018$]


rohen, ungesponnenen Fäden des Flachses oder Hanfes bereitet. Leinene Seile, Esth. 1, 6. Eine leinene Schnur, Ezech. 40, 3; wofür aber im Hochdeutschen flächsen oder hänfen üblich ist.
   Anm. Bey dem Ottfried linin, mit lininemo duache, linin tuoch bey dem Windbeck, lininu lachan im Tatian, im Angels. linen, im Engl. und Nieders. linnen.

 

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