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Leimzwinge bis 1. Leinen (Bd. 2, Sp. 2014 bis 2017)
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Artikelverweis Die Leimzwinge, plur. die -n, bey den Tischlern, zwey starke Breter mit zwey senkrechten Zapfen, zwey Breter, welche mit ihren Schärfen zusammen geleimet werden sollen, darin zusammen zu zwingen, oder fest zu keilen.

[Bd. 2, Sp. 2015]



 
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-Lein, eine Endsylbe, welche den Hauptwörtern angehänget wird, wenn man aus denselben verkleinernde Wörter bilden will. Das Kindlein, Herzlein, Thierlein, Weiblein, Brieflein, Steinlein u. s. f. ein kleines Kind, Herz, Thier u. s. f. zu bezeichnen. Wenn in der ersten oder zweyten vorher gehenden Sylbe einer der Selbstlaute a, o und u folget, so werden selbige in den meisten Fällen in die verwandten Laute ä, ö und ü verwandelt. Lämmlein, Mägdlein, Männlein, Mäuslein, Städtlein, Häutlein, Fräulein, Bäumlein, Brötlein, Söhnlein, Büchlein, Mütterlein, Rüthlein, Hütlein, Hündlein, Brüderlein, Kämmerlein, Klösterlein u. s. f. In einigen wenigen bleiben diese Selbstlauter unverändert, Maulbeerlein, Alraunlein und noch einige andere, wohin auch die meisten eigenen Nahmen gehören, besonders wenn sie anstatt -lein die Sylbe -el bekommen; Rosel, Charlottel u. s. f. Häuslein oder Häusel, von Haus, folgt nebst noch einigen der Regel.
   Die Endsylben e und en werden vor der Verkleinerung weggeworfen. Fähnlein, Knäblein, Öchslein, Büchslein, Öflein, Küßlein, Küchlein u. s. f. von Fahne, Knabe, Ochse, Büchse, Ofen, Küssen, Kuchen. Wenn sich aber ein Wort auf ein unbetontes l endet, oder vielmehr, wenn die Sylbe, worin sich das l am Ende befindet, unbetont ist, so bleibt das eine l weg. Engelein, Vögelein, Kügelein, Näbelein, Sesselein u. s. f. von Engel, Vogel, Kugel, Nabel, Sessel. Ist hingegen die Sylbe betont, so leidet in den meisten Fällen der Wohlklang, daher man sich alsdann lieber des gleichbedeutenden, aber mehr Hochdeutschen -chen bedienet. Harte Sprecharten machen freylich von Maul, Stuhl, Mäullein, Stühllein u. s. f. Allein, wem es um den Wohllaut zu thun ist, wird diese Diminutiva ohne Bedenken mit Mäulchen, Stühlchen vertauschen.
   Bey der gleichbedeutenden verkleinernden Endung -chen im ersten Bande dieses Wörterbuches, ist bereits angemerket worden, daß die vermittelst der Sylbe -lein gemachten Verkleinerungen der Oberdeutschen Mundart vorzüglich eigen sind, und daher auch in der feyerlichen und höhern Schreibart der Hochdeutschen, welche über dieß die Diminutiva so sehr als möglich vermeidet, den Verkleinerungen auf -chen vorgezogen werden, welche im Hochdeutschen mehr der vertraulichen und geselligen Sprechart eigen sind. S. Adelung Chen.
   Alle eigentliche Diminutiva haben im Deutschen so wie in den meisten andern Sprachen, außer der eigentlichen verkleinernden Bedeutung noch einen doppelten Nebengebrauch, indem sie theils, und zwar am häufigsten, zugleich Ausdrücke der Vertraulichkeit und Zärtlichkeit sind, wo zugleich der harte Nebenbegriff des Hauptwortes verschwindet, ein kleines artiges Närrlein oder Närrchen; zuweilen aber auch der Verachtung. Ein Dichterlein, Kunstrichterlein, ein verächtlicher Dichter oder Kunstrichter. Einige wenige haben durch den Gebrauch auch andere Nebenbegriffe bekommen. So ist Fräulein ein Ehrennahme unverheiratheter adeliger Frauenzimmer geworden; sein Müthlein kühlen, es sind gute Leutlein, haben die Verkleinerung nebst den Neben-Ideen fast völlig verloren.
   Die Verkleinerungen auf -lein sind so wie die auf -chen insgesammt sächlichen Geschlechtes; in der zweyten einfachen Endung bekommen sie ein s und die erste vielfache ist der ersten einfachen alle Mahl gleich.
   In den Oberdeutschen gemeinen Mundarten wird diese Endung überaus sehr verändert. In der Schweiz lautet sie -li, um Nürnberg und in der Oberpfalz -la, in Schlesien -le, la, -aln und ang, um Grünberg in Schlesien -lang, in andern Gegenden -ling, (S. diese Endung,) in der Jüdisch-Deutschen Mundart -lich, im Salzburgischen -lach u. s. f.

[Bd. 2, Sp. 2016]


Bübla, Büble, Bübli, Bübaln, Büblang u. s. f. für Büblein. Die häufigste Zusammenziehung, welche fast in allen Oberdeutschen Gegenden gangbar ist, geschiehet in -el, und wenn ein n vorher gehet, im Österreichischen u. s. f. in -del; Steindel, Mandel, Hähndel, Hahndel, für Steinlein, Männlein, Hähnlein. Oft bleibt auch von dieser Sylbe weiter nichts als ein bloßes l übrig; Wörtl, Klösterl, für Wörtel oder Wörtlein, Klösterlein. Die Hochdeutschen haben manche dieser Wörter auf -el gleichfalls angenommen, Mädel für Mägdlein, von Mad, Magd, Mündel, Ferkel u. s. f. welche man aber mit derjenigen Endung nicht verwechseln muß, wo el ein Werkzeug, ein handelndes Object u. s. f. bedeutet, S. -El.
   Bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern, z. B. dem Kero, Ottfried, Notker, Willeram u. a. wo doch überhaupt die verkleinernden Formen selten sind, lautet diese Endung beständig lin. Sie kommt mit den verkleinernden Endungen der Lateiner lus und culus überein, und gehöret außer allem Streite zu dem noch in dem Nieders. und andern nördlichen Sprachen üblichen Worte lehn, leen, mager, klein, ja zu unserm klein selbst, welches, so wie das Angelsächs. hlean, bloß durch Vorsetzung des Hauch- und Gaumenlautes daraus gebildet worden. S. das Beywort 1. Lehne und Klein.
 
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Der Lein, des -es, plur. inus. diejenige Pflanze, welche unter dem Nahmen des Flachses am bekanntesten ist, (S. dieses Wort,) doch unter verschiedenen Einschränkungen. 1) Die Pflanze selbst, so lange sie noch auf dem Felde stehet, und grün ist, führet im gemeinen Leben, besonders Nieder-Deutschlandes, den Nahmen des Leines. Der Lein stehet gut. Den Lein jäten. Im Hoch- und Oberdeutschen ist dafür hingegen auch Flachs üblich, S. dieses Wort. 2) Am üblichsten ist dieses Wort von dem Samen dieser Pflanze, welcher überall den Nahmen des Leines so wohl als des Leinsamens führet. Lein säen, bauen. Aus Lein Öhl schlagen lassen. 3) * Ehedem wurden auch die aus den Fasern dieser Pflanze bereiteten Dinge, besonders aber die Leinwand, Lein genannt; in welcher Bedeutung es bey uns veraltet ist, außer daß das Beywort leinen, Leinbödig, Leindrucker u. s. f. selbige noch erhalten haben. Im Tatian heißt das rauchende Docht Lin riohhenti. Das Griech. λινον, Lat. Linum, Span. Lino, Bretagnische Llin, u. a. m. haben eben diese Bedeutung.
   Anm. Hieraus erhellet zugleich, daß der Nahme dieser Pflanze sehr alt ist, und aus ältern Sprachen auf uns fortgepflanzet worden, daher fast alle Europäische Sprachen denselben aufzuweisen haben. Im Niedersächs. lautet er Lien, im Schwed. Lin, Ital. Lino, im Slavon. und Wend. Len, Lan, im Wallachischen Llinu, im Alban. Lli. Wenn es ausgemacht wäre, daß mit dem Nahmen dieser Pflanze auf den zur Bedeckung und Bekleidung gemachten Gebrauch gesehen worden: so würde derselbe mit dem Lat. Lana, Wolle, dem alten Gallischen Linna, ein Kleid, u. a. Eines Geschlechtes seyn.
 
Artikelverweis 
Der Leinbau, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden, der Flachsbau.
 
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Der Leinbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme einer Art Ahornes, welche auch unter dem Nahmen der Rüster, Waldäsche, Lenne und Lehne bekannt ist; Acer platanoides L. S. 1. die Lehne. In einigen Gegenden lautet er Leimbaum, Leinahre, Linbaum.
 
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Das Leinblatt, des -es, plur. inus. eine Pflanze, welche in den trockenen Berggegenden Europens wächset, und den Blättern nach dem Leine oder Flachse ähnlich ist; Thesium L. Bergflachs.

[Bd. 2, Sp. 2017]



 
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Leinbödig, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben, besonders der Zeug-Fabriken, üblich ist. Ein leinbödiger Zeug, der einen leinenen Boden oder Aufzug hat.
 
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Der Leindotter, der Nahme einer Pflanze, S. Adelung Flachsdotter.
 
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Der Leindrucker, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher bunte Figuren auf Leinwand druckt, und vollständiger der Leinwanddrucker genannt wird. S. Adelung Lein 3.
 
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Die Leine, plur. die -n, Diminut. das Leinchen, eine Benennung, eines dünnen langen hänfenen oder flächsenen Strickes, welcher stärker ist als eine Schnur, schwächer, länger und anständiger als ein Strick, dünner als ein Seil, ein Tau u. s. f. Eine Leine, die Wäsche darauf zu hängen, die Wäschleine oder Zeugleine; die Gezelte damit zu befestigen, die Gezeltleine oder Zeltleine; die Pferde vor dem Wagen oder Pfluge damit zu regieren, die Pferdeleine, Ackerleine; die Jagdtücher und Netze damit zu befestigen, die Jagdleine, wohin die Hauptleinen, Oberleinen, Unterleinen, Windleinen u. s. f. gehören; starke Angeln daran zu befestigen, die Angelleine, zum Unterschiede von der schwächern Angelschnur u. s. f.
   Anm. Im Nieders. Angels. Engl. und Dän. Line, im Schwed. und Isländ. Lina, im Griech. λινον, im Lat. Linea, im Franz. Ligne, im Böhm. und Pohln. Lano, im Lettischen Lyna. Es kann seyn, daß dieses Wort von dem vorigen Lein, Flachs, abstammet, weil die Leinen am häufigsten aus Hanf oder Flachs verfertiget werden. Es kann aber auch seyn, daß der Begriff der Länge der herrschende ist, da es denn nicht so wohl von dem Lat. Linea, eine Linie, abstammen, als vielmehr mit demselben von einer gemeinschaftlichen ältern Mundart herkommen, und mit lang Eines Geschlechtes seyn würde. In der anständigern Sprechart gebraucht man für das gemeinere Leine lieber das in vielen Fällen gleich bedeutende Seil. Bey den Oberdeutschen Jägern aber ist dafür auch Arche üblich.
 
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1. Leinen, verb. reg. act. welches in einigen Oberdeutschen Mundarten für lehnen üblich ist, S. dieses Wort.

 

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