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Leihen bis Leimbaum (Bd. 2, Sp. 2012 bis 2014)
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Artikelverweis  Leihen, verb. irreg. act. Imperf. ich liehe, Mittelw. geliehen Imper. leihe; welches in zwey dem Anscheine nach einander entgegen gesetzten Bedeutungen vorkommt.
   1. Des Gebens. 1) * Geben überhaupt, und im engern Verstande schenken; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche sich nur noch in dem zusammen gesetzten verleihen erhalten hat. Leh ihn lib, daß er ihnen das Leben schenkte, Ottfried. Das Isländ. lia bedeutet gleichfalls schenken, geben. 2) In engerer Bedeutung, den Gebrauch ober Nießbrauch einer Sache auf einige Zeit verstatten; wo es von beweglichen Dingen am häufigsten, von unbeweglichen Dingen aber wohl nur allein gebraucht wird, wenn man einem andern den Gebrauch umsonst und unentgeldlich verstattet. Einem sein Haus, seinen Garten, seinen Acker auf acht Tage leihen. Leihe mir dein Pferd, das Buch. Einem Korn, Holz u. s. f. leihen. Lieber Freund leihe mir drey Brote, Luc. 11, 5. Von dem Gelde kann dieses Zeitwort in allen Fällen gebraucht werden, man mag den Gebrauch desselben umsonst oder gegen eine Vergeltung verstatten. Geld auf Pfänder leihen. Einem Geld ohne Zinsen leihen. Sein Vermögen auf Grundstücke leihen. Wenn du Geld leihest meinem Volke, sollt du keinen Wucher auf ihn treiben, 2 Mos. 22, 25. Wohl dem, der gerne leihet, Ps. 112, 5. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen, 5 Mos. 28, 44. Von andern beweglichen und unbeweglichen Dingen, sind, wenn der Nießbrauch vergütet wird, auch die Zeitwörter vermiethen und verpachten üblich. 3) In noch engerer Bedeutung, zu Lehen geben, die Lehen über etwas ertheilen, belehnen; eine nur noch zuweilen bey den Schriftstellern des Lehenrechtes übliche Bedeutung. Das si lihe mir ze lehen, Burckh. von Hohenfels. So man im daz gut lihet, Schwabenspiegel.
   2. Des Nehmens, wo es nur in der vorigen zweyten engern Bedeutung vorkommt, als ein Darlehen bekommen, empfangen. Geld von einem leihen. Das Buch ist nicht mein, ich habe es nur geliehen. Ein geliehenes Pferd, ein entlehntes.
   Das Hauptwort die Leihung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. In der zweyten Bedeutung des Gebens ist dieses Wort vorzüglich im Oberdeutschen und in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen für das gemeinere lehnen üblich; in der Bedeutung des Nehmens aber kommt es wohl nur am häufigsten im gemeinen Leben für lehnen oder entlehnen vor. Indessen ist doch dieser Unterschied nur erst in den neuern Zeiten aufgekommen; denn in den vorigen wurden lehnen und leihen, so wie borgen, so wohl von dem Geben, als von dem Nehmen gebraucht. Der Grund scheinet in der Abstammung zu liegen. Denn leihen, bey dem Kero und Ottfried lihen, in härtern Mundarten, lichen, liegen, (wohin auch das Lat. locare gehöret,) stammet allem Ansehen nach von dem Wallis. Lla, Llaw, die Hand, her, wohin auch unser liefern, so wie das Hebr. 05dc05d505d4 (lavah) leihen und entlehnen, gehören. In dem leihvan, leihen, des Ulphilas, hat sich das v noch erhalten. Das Geben geschiehet so wohl mit der Hand, als das Nehmen. Vermittelst der Ableitungssylbe -nen, ist aus leihen, lehen, lehenen, lehnen gebildet worden, S. dieses Wort.
 
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Der Leiher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiherinn, eine Person, welche einem andern etwas leihet. Dem Leiher geht es, wie dem Borger, Es. 24, 2. S. Adelung Lehner.
 
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Der Leihetag, des -es, plur. die -e, in den Obersächsischen Bergämter, ein gewisser Tag in der Woche, an welchem die verliehenen Felder bestätiget werden; der Verleihetag.

[Bd. 2, Sp. 2013]



 
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Das Leihhaus, des -es, plur. die -häuser, ein öffentliches Haus, in welchem Geld auf Pfänder geliehen wird; mit einem ausländischen Worte ein Lombard. S. Adelung Leihbank.
 
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Der Leihkauf, des -es, plur. die -käufe. 1) Diejenige Gewohnheit, da unter gemeinen Leuten nach getroffenem Kaufe oder geschlossenem Handel so wohl der Käufer als Verkäufer zusammen legen, und mit einander trinken. Leihkauf trinken. Den Leihkauf geben, die Kosten tragen. In einigen Gegenden ist es ein förmlicher Schmaus, welcher sogar beym Verkaufe der Güter gegeben wird. 2) Zuweilen wird auch das Angeld, welches der Käufer dem Verkäufer zur Sicherheit des geschlossenen Kaufes oder Handels entrichtet, der Leihkauf genannt; besonders so fern es hernach von beyden Theilen zur Ergetzlichkeit angewandt wird. 3) In andern Gegenden hingegen ist der Leihkauf ein gewisses Geld, welches bey neu erkauften lehenbaren Bauergütern dem Lehenherren entrichtet, und am häufigsten die Lehenware, sonst aber auch die Kauflehen, die Anfahrt, der Markgroschen u. s. f. genannt wird. S. Adelung Lehenware.
   Anm. Im Schwed. wo dieses Wort das Angeld bedeutet, lautet es Lidköp, Lödköp, woraus zugleich die Abstammung deutlicher erhellet aus dem Deutschen. Es ist aus Kauf und dem noch im Schwed. üblichen Lid, Angels. Lith, bey dem Ulphilas Lye, zusammen gesetzt, welches eine Art eines berauschenden Getränkes, Cider, war. Ottfried gebraucht Lid von einem jeden Getränke, und Notker von einem jeden flüssigen Körper. Leihkauf bedeutet also ein Geld, welches zu Ehren des geschlossenen Kaufes vertrunken wird, und in den Lübeckischen Statuten bey dem Haltaus v. Leykauf wird es ausdrücklich durch Mercipotus übersetzt. S. Adelung Weinkauf, welches in eben diesem Verstande üblich ist.
 
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Das Leilaken, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben einiger Gegenden, besonders Oberdeutschlandes, das Betttuch. Die erste Hälfte ist entweder aus Leib oder Leiche, der Leib, verderbt, für Leiblaken, Leichlaken, oder sie stammet auch von dem noch in einigen Gegenden üblichen lein, liegen, ab, ein Laken oder Tuch zu bezeichnen, worauf man lieget. Schon im Schwabenspiegel heißt es Lilachen.
 
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1. Der Leim, oder Leimen, eine gelbe zähe Erde, S. Adelung Lehm.
 
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2. Der Leim, des-es, plur. doch von mehrern Arten, die -e. 1) Überhaupt, ein jeder flüssiger, klebriger Körper, welcher nach dem Erhärten zwey Körper oder Flächen mit einander verbindet; in welcher allgemeinen Bedeutung es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Der Vogelleim, ein solcher aus dem Mistelbeeren oder Rinden der Stechpalmen gemachter zäher Körper, kleine Vögel damit zu fangen. Die Mahler pflegen auch einen solchen zähen Körper, welchen sie aus Gummi oder auch aus Honig zu den Goldgründen verfertigen, gleichfalls einen Leim zu nennen. 2) In engerer Bedeutung, ein aus gewissen thierischen Theilen gesottener Leim; zum Unterschiede von dem Gummi, Kleister, Kitt, Pappe u. s. f. Der gemeine Leim oder Tischlerleim, welcher aus Ochsenfüßen und Häuten, Schaffüßen und Schafhäuten gesotten wird. Der Pergamentleim, welchen man aus den Abgängen des Pergamentes bereitet. Der Buchbinderleim oder Mundleim, welcher nur mit dem Munde befeuchtet werden darf, und aus den reinsten Abgängen des Pergamentes bereitet wird. S. auch Haufenblase, welche ein aus Fischblasen gesottener Leim ist und daher auch Fischleim heißt. Das Schreibpapier hat keinen Leim, wenn es nicht gehörig geleimet worden.
   Anm. Im Nieders. Liem, im Angels. Lim, im Engl. Lime, im Dän. Liim, im Schwed. Lim, im Isländ. Lijm. Es ist mit Lehm ein und eben dasselbe Wort, und Eines Geschlechtes

[Bd. 2, Sp. 2014]


mit klamm, Schlamm, Schleim, Kley, kleben u. s. f. S. diese Wörter.
 
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Die Leimahre, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme des gemeinen Ahornes; Acer pseudoplatanus L. S. 1. die Lehne.
 
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Die Leimbank, plur. die -bänke, bey den Vogelstellern, eine Bank, oder ein Gestell, worauf sie die Leimruthen stecken, um selbige hin und her zu tragen.
 
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Der Leimbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) S. 1. die Lehne. 2) Bey den Jägern führet auch die Leimstange diesen Nahmen.

 

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