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Leidsam bis Leihhaus (Bd. 2, Sp. 2011 bis 2013)
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Artikelverweis * Leidsam, -er, -ste, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, sich leidendlich zu verhalten, und besonders ein Übel mit Geduld zu ertragen; welches aber im Hochdeutschen eben so fremd ist, als das Hauptwort, die Leidsamkeit. Die Gegensätze unleidsam und Unleidsamkeit kommen noch zuweilen vor.
 
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Der Leidtag, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Trauertag, ein Tag, an welchem man um einen Verstorbenen trauert. Die Leidtage waren aus, 1 Mos. 50, 4.
 
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Leidtragend, adj. welches eigentlich das Mittelwort der R. A. Leid tragen ist. Ein Leidtragender, ein Betrübter. Im Hochdeutschen gebraucht man es nur noch in engerer Bedeutung von den nächsten Verwandten eines Verstorbenen, so fern sie um ihn Leid tragen, d. i. trauern.
 
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Das Leidwêsen, des -s, plur. car. das Wehklagen, ein hoher Grad der Trauer, der Betrübniß; im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Das Leidwesen kann sich niemand vorstellen. Zu seinem Leidwesen traf er ihn nicht an. S. Adelung Wesen.
 
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Der Leie, S. Adelung Laie.
 
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Die Leihbank, plur. die -bänke, eine Bank, d. i. gemeine Casse, in welcher andern gegen genugsame Sicherheit Geld geliehen wird, mit einem ausländischen Worte ein Lombard; zum Unterschiede von einer Giro-Bank und Zettelbank. Kleinere Anstalten dieser Art werden nur Leihhäuser genannt.
 
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Der Lēihegróschen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden Obersachsens, eine Abgabe, welche von gewissen Bauergütern anstatt der Lehenware in den vorkommenden Lehensfällen für die Verleihung entrichtet wird.

[Bd. 2, Sp. $+2013$]



 
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Leihen, verb. irreg. act. Imperf. ich liehe, Mittelw. geliehen Imper. leihe; welches in zwey dem Anscheine nach einander entgegen gesetzten Bedeutungen vorkommt.
   1. Des Gebens. 1) * Geben überhaupt, und im engern Verstande schenken; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche sich nur noch in dem zusammen gesetzten verleihen erhalten hat. Leh ihn lib, daß er ihnen das Leben schenkte, Ottfried. Das Isländ. lia bedeutet gleichfalls schenken, geben. 2) In engerer Bedeutung, den Gebrauch ober Nießbrauch einer Sache auf einige Zeit verstatten; wo es von beweglichen Dingen am häufigsten, von unbeweglichen Dingen aber wohl nur allein gebraucht wird, wenn man einem andern den Gebrauch umsonst und unentgeldlich verstattet. Einem sein Haus, seinen Garten, seinen Acker auf acht Tage leihen. Leihe mir dein Pferd, das Buch. Einem Korn, Holz u. s. f. leihen. Lieber Freund leihe mir drey Brote, Luc. 11, 5. Von dem Gelde kann dieses Zeitwort in allen Fällen gebraucht werden, man mag den Gebrauch desselben umsonst oder gegen eine Vergeltung verstatten. Geld auf Pfänder leihen. Einem Geld ohne Zinsen leihen. Sein Vermögen auf Grundstücke leihen. Wenn du Geld leihest meinem Volke, sollt du keinen Wucher auf ihn treiben, 2 Mos. 22, 25. Wohl dem, der gerne leihet, Ps. 112, 5. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen, 5 Mos. 28, 44. Von andern beweglichen und unbeweglichen Dingen, sind, wenn der Nießbrauch vergütet wird, auch die Zeitwörter vermiethen und verpachten üblich. 3) In noch engerer Bedeutung, zu Lehen geben, die Lehen über etwas ertheilen, belehnen; eine nur noch zuweilen bey den Schriftstellern des Lehenrechtes übliche Bedeutung. Das si lihe mir ze lehen, Burckh. von Hohenfels. So man im daz gut lihet, Schwabenspiegel.
   2. Des Nehmens, wo es nur in der vorigen zweyten engern Bedeutung vorkommt, als ein Darlehen bekommen, empfangen. Geld von einem leihen. Das Buch ist nicht mein, ich habe es nur geliehen. Ein geliehenes Pferd, ein entlehntes.
   Das Hauptwort die Leihung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. In der zweyten Bedeutung des Gebens ist dieses Wort vorzüglich im Oberdeutschen und in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen für das gemeinere lehnen üblich; in der Bedeutung des Nehmens aber kommt es wohl nur am häufigsten im gemeinen Leben für lehnen oder entlehnen vor. Indessen ist doch dieser Unterschied nur erst in den neuern Zeiten aufgekommen; denn in den vorigen wurden lehnen und leihen, so wie borgen, so wohl von dem Geben, als von dem Nehmen gebraucht. Der Grund scheinet in der Abstammung zu liegen. Denn leihen, bey dem Kero und Ottfried lihen, in härtern Mundarten, lichen, liegen, (wohin auch das Lat. locare gehöret,) stammet allem Ansehen nach von dem Wallis. Lla, Llaw, die Hand, her, wohin auch unser liefern, so wie das Hebr. 05dc05d505d4 (lavah) leihen und entlehnen, gehören. In dem leihvan, leihen, des Ulphilas, hat sich das v noch erhalten. Das Geben geschiehet so wohl mit der Hand, als das Nehmen. Vermittelst der Ableitungssylbe -nen, ist aus leihen, lehen, lehenen, lehnen gebildet worden, S. dieses Wort.
 
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Der Leiher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leiherinn, eine Person, welche einem andern etwas leihet. Dem Leiher geht es, wie dem Borger, Es. 24, 2. S. Adelung Lehner.
 
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Der Leihetag, des -es, plur. die -e, in den Obersächsischen Bergämter, ein gewisser Tag in der Woche, an welchem die verliehenen Felder bestätiget werden; der Verleihetag.

[Bd. 2, Sp. 2013]



 
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Das Leihhaus, des -es, plur. die -häuser, ein öffentliches Haus, in welchem Geld auf Pfänder geliehen wird; mit einem ausländischen Worte ein Lombard. S. Adelung Leihbank.

 

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