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Leichtigkeit bis Leiden (Bd. 2, Sp. 2005 bis 2009)
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Artikelverweis Die Leichtigkeit, plur. inus. das Abstractum des Beywortes leicht, der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges, da es leicht ist, so wohl im eigentlichen Verstande, als auch in allen figürlichen Bedeutungen des Beywortes, besonders der Zustand, da uns eine Sache leicht wird, wenig Mühe und Anstrengung erfordert. Die Leichtigkeit eines Körpers. Mit großer Leichtigkeit tanzen, sich bewegen. Die Leichtigkeit über alle Gefahren der Welt hinzuschlüpfen. Die Leichtigkeit des Pinsels, des Meißels, des Grabstichels. Die Leichtigkeit zu denken und zu schreiben.
   Nimm für den Dichtertrieb nicht Leichtigkeit zu reimen,
   Kästn. Andere haben dafür das Wort die Leichte einzuführen gesucht, aber ohne alle Noth, und daher auch ohne Erfolg. Die Leichte

[Bd. 2, Sp. 2006]


in der Schreibart entstehet aus der Richtigkeit und Klarheit der Gedanken, und aus der Deutlichkeit des Ausdrucks, Gell.
 
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Leichtlich, adv. auf eine leichte Art, ohne Mühe, ohne Anstrengung, leicht, in den figürlichen Bedeutungen dieses Nebenwortes, und am häufigsten in gemeinen Leben. Wie er die Stadt leichtlich gewinnen möge, Judith 10, 14. Die unsterbliche Speise, die doch wie ein Eis leichtlich zerschmalz, Weish. 19, 20. Daraus man leichtlich spüren konnte, 2 Macc. 3, 17. Es kann leichtlich geschehen. Er wird nicht leichtlich böse.
 
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Der Leichtsinn, des -es, plur. car. 1) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man Dinge aus vorsetzlicher Unterlassung der gehörigen Überlegung geringer schätzet, für unwichtiger hält als sie sind. Sein Glück aus Leichtsinn verscherzen. Jemanden aus bloßem Leichtsinn beleidigen. 2) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man ohne gegründete Ursache, aus bloßer Willkühr, von einer Vorstellung, oder von einem Grundsatze zum andern übergehet. In beyden Fällen wird es auch von der Fertigkeit dieses Zustandes gebraucht, welche aber eigentlich durch das Wort Leichtsinnigkeit ausgedruckt wird. Nieders. Lichtmood. S. Adelung Sinn.
 
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Leichtsinnig, -er, -ste, adj. et adv. Leichtsinn habend, darin gegründet. Ein leichtsinniger Mensch. Leichtsinnige Handlungen, Reden. Nieders. lichtmödig, lichthartig, leichtherzig, Schwed. lättsinnig.
 
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Die Leichtsinnigkeit, plur. die -en. 1) Die Fertigkeit leichtsinnig zu seyn, der Leichtsinn; ohne Plural. 2) Der Leichtsinn selbst, oder der Zustand; auch ohne Plural. 3) Leichtsinnige Handlungen.
 
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Die Leichzeit, plur. inus. diejenige Zeit, in welcher die Fische gemeiniglich zu leichen pflegen; die Leiche, Streichzeit.
 
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Leid, adv. welches ehedem in einem größern Umfange der Bedeutung üblich war als jetzt, indem es, 1) * einen jeden beträchtlichen Grad der unangenehmen Empfindung und eine solche Eigenschaft der Dinge bedeutete, welche dieselbe verursacht. So wurde es z. B. für häßlich, der äußern Gestalt nach, für ekelhaft, beschwerlich, zornig, Ekel, Abscheu empfindend u. s. f. gebraucht, von welchen Bedeutungen, in denen es auch als ein Beywort üblich war, so wohl im Deutschen, als in den verwandten Sprachen noch häufige Beyspiele vorkommen. Die leiden Gäste, die beschwerlichen, unangenehmen, in einem alten Schriftsteller bey dem Frisch. Noch sagt man im gemeinen Leben: ein erzwungener Leid ist Gott leid, wird von Gott gemißbilliget, verabscheuet. Das Schwed. led, Isländ. leidur, Angelsächs. lath, bedeuten so wohl zornig, als auch häßlich, in Ansehung der äußern Gestalt, welche letzte Bedeutung die davon abstammenden Franz. laid und Ital. laido noch haben. In Boxhorns Glossen ist leidlich abscheulich, leidlichen verabscheuen, und Leidsami der Abscheu, und bey dem Kero ist leidsam abscheulich. S. auch Verleiden. 2) Jetzt ist es nur in engerer Bedeutung, einen geringern Grad von Gram, Unruhe, Furcht und Reue empfindend, üblich; in welchen Fällen es aber auch nur noch im gemeinen Leben, und am häufigsten in einigen bereits eingeführten R. A. vorkommt. Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, 2 Sam. 1, 26; ich empfinde Gram, Kummer, um deinen Verlust, dein Verlust dauert mich. Darum lasset uns das leid seyn, und Gnade suchen mit Thränen, Judith 8, 12; lasset uns Reue empfinden. Für sie ist mir nur leid, ich befürchte nur, daß ihr etwas Böses widerfahre. Man hatte mir ein Bißchen leid vor ihnen gemacht, man hatte mir einigen Widerwillen, einiges Mißtrauen gegen sie beyzubringen gesucht. Es thut mir leid, es reuet mich, es kränket mich. Für dich ist mir nur leid, bange. Lassen sie sich nicht leid

[Bd. 2, Sp. 2007]


seyn, Weiße, fürchten sie sich nicht. Lassen sie es sich nicht leid seyn, bereuen sie es nicht.
   Anm. Verschiedene Sprachlehrer geben dieses Wort in seiner heutigen Gestalt für ein Beywort aus, welches nur in der ersten und vierten Endung üblich sey. Allein warum nennen sie es nicht lieber gerade zu ein Nebenwort, da es sich doch nur allein den Zeitwörtern beygesellet? Die zweyte und dritte Staffel waren ehedem üblich; jetzt höret man sie nur noch in der niedrigen Sprechart. S. das folgende.
 
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Das Leid, des -es, plur. car. welches in den meisten Fällen nur im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, und auch hier am häufigsten in einigen einmahl angenommenen Fällen gebraucht wird.
   1. Haß, Widerwillen; nur noch in einigen wenigen Fällen des gemeinen Lebens. Ich rede es ihm weder zu Liebe noch zu Leid. Ich sage es niemanden zu Leide, aus Haß; wo es aber auch die folgende Bedeutung der Beleidigung, der Kränkung erträget. Das Nieders. Leide ist für Haß in mehrern Fällen gangbar, und das Angels. Laetthe bedeutete gleichfalls Haß.
   2. Unangenehme Empfindung.
   1) Überhaupt, und in so fern sie einem andern verursacht wird, besonders wenn sie ihm unverschuldeter Weise verursacht wird, Beleidigung, Unrecht; wo man im gemeinen Leben so wohl sagt, einem ein Leid thun, als, ihm etwas zu Leide thun, als endlich auch, ihm Leides thun, in der zweyten Endung. Ich habe ihm kein Leid gethan. Es soll dir kein Leides, oder nichts zu Leide geschehen. Ich hab euch ja kein Leids gethan, Gell.
   Venus grämt sich ja, was ist
   Leides ihr geschehn?
   Gleim. Er hat mir vile ze Laithe getan, in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter. Swas mir leides ist geschehen, Ditmar von Ast. In Lieb und Leid, in guten und bösen Umständen. Dem Gerechten geschiehet kein Leid, Sprichw. 12, 21. Wer Gott fürchtet, dem widerfähret kein Leid, Sir. 33, 1. Thut meinen Propheten kein Leid, 1 Chron. 17, 22.
   Sich ein Leides thun, bedeutet im gemeinen Leben, Hand an sich selbst legen, sich selbst umbringen. Sprich, ich wollte mir ein Leides thun, Gell. Ich thäte mir ein Leides, wenn sie nicht mein Schwiegersohn werden sollten, Weiße.
   2) In engerer Bedeutung, Wehklagen, und figürlich, Gram, Kummer, Betrübniß, Traurigkeit. (a) Überhaupt. Ich werde mit Leide hinunter fahren in die Grube, 1 Mos. 37, 35. Und ward aus dem Sieg des Tages ein Leid unter dem ganzen Volk, 2 Sam. 19, 2. Ich habe ihr Geschrey gehöret -ich habe ihr Leid erkannt, 2 Mos. 3, 7. Wo ist wehe, wo ist Leid? Sprichw. 23, 29. Vor Leid sterben, Tob. 6, 16. Freude für Leid geben, Kap. 7, 20. Und so in andern Stellen mehr, wo auch die R. A. Leid tragen, d. i. Gram, Kummer, Betrübniß überhaupt empfinden, häufig vorkommt. Reue und Leid über die Sünde empfinden. Einem sein Leid klagen, seinen Kummer. Vor Leid vergehen. Im Leide vergehen, vor Leid sterben u. s. f. S. Adelung Beyleid. (b) In engerer Bedeutung, Betrübniß um einen Verstorbenen. (α) Um jemanden Leid tragen, seinen Tod bedauern.
   Der Büsche traurig Grün scheint Leid um euch zu tragen,
   Cron. Einem das Leid klagen, in einigen Gegenden, ihm condoliren, ihm sein Beyleid bezeigen. Das Leid einnehmen, in einigen Gegenden, die Condolenz, bey einem Begräbnisse. Figürlich, (β) die Trauerkleidung; doch nur im gemeinen Leben, so wohl

[Bd. 2, Sp. 2008]


Ober- als Niederdeutschlandes. Im Leide gehen, in der Trauer. Das volle Leid, das Halbleid, das Kleinleid. (γ) Das Leichenbegängniß, die Leichenbegleitung; gleichfalls nur im gemeinen Leben einiger Gegenden. Im Leide gehen, in der Leichen-Procession. Das Leid begleiten, die Leiche. Ein vornehmes Leid, eine vornehme Leiche. Ein Männerleid, eine männliche Leiche, ein Weiberleid, eine weibliche Leiche. Daher in einigen Gegenden auch die Zusammensetzungen Leidbitter, Leidbrief, Leidfrau, Leidhaus, Leidkleid, Leidflor u. s. f. für Leichenbitter, Trauerbrief, Klagefrau, Trauerhaus, Trauerkleid, Trauerflor u. s. f. üblich sind.
   Anm. Für Gram, Betrübniß, Schmerz; schon bey dem Ottfried Leid und Leidlust, und bey dem Willeram Leit. Im Nieders. Leed und Leyd, im Schwed. Led, im Wallis. Alaeth, im Dän. Lee, Leede; welche aber auch theils körperliche Krankheit, theils Widerwärtigkeit und Unfälle bedeuten. Es scheinet, daß dieses Wort zunächst entweder den lauten Ausbruch der Schmerzen des Leibes und des Gemüthes, oder auch den Ausdruck derselben in den Gesichtszügen bedeutet. In dem letztern Falle würde die Bedeutung des Nebenwortes, da es für häßlich, widerwärtig gebraucht wurde, die erste und eigentliche seyn; im erstern Falle aber würde es zu laut und dessen Verwandtschaft gehören.
 
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Der Leidbitter, des -s, plur. ut nom. sing. siehe das vorige. 2. 2) (b).
 
Artikelverweis 
Leiden, verb. irreg. act. Imperf. ich litte, litt, Mittelw. gelitten, Imperat. leide.
   1. Eigentlich, ein Übel, welches man nicht verhindern kann, mit Unlust empfinden. So wohl mit ausdrücklicher Benennung des Übels. Große Schmerzen leiden. Hunger und Durst, Frost und Hitze leiden. Noth, Mangel leiden. Gewalt, Verfolgung, Verspottung, Verachtung leiden. Unrecht leiden. Seine verdiente Strafe leiden. Als auch absolute, mit Verschweigung des Übels. Der Kranke leidet sehr, empfindet viele Schmerzen. Wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper. Wer leidet, muß verzeihen. Der leidende Theil. Von andern viel leiden müssen, Verfolgung, Verachtung, Ungemach. Mein Herz leidet bey dieser verstellten Zärtlichkeit mehr als du glaubst. Leiden und dafür danken ist die beste Hofkunst.
   2. In weiterer Bedeutung, doch nur in einigen Fällen, mit Verschwindung des Nebenbegriffes der Unlust, so daß bloß der Begriff der Verursachung des Übels von außen übrig bleibet. Schiffbruch leiden. Schaden, Verlust, Nachtheil leiden. Ingleichen absolute. Dein Bruder würde bey diesem Handel leiden, d. i. zu kurz kommen, Nachtheil leiden. Ehre und Tugend leiden allerdings darunter. Bey einem solchen Betragen leidet die ganze Ordnung des Staates.
   3. Etwas ohne Unlust, ohne Widerwillen empfinden. 1) Eigentlich. Das kann ich leiden. So warm du es leiden kannst. Ich kanns leiden, meinetwegen mag es geschehen. Das Schreyen kann ich unmöglich leiden. Er kann diesen Menschen nicht vor Augen leiden. Jemanden um sich leiden können, auch, ihn nicht ungern um sich haben. Im Grunde mag sie ihn wohl leiden können, nicht ungern sehen. In welcher Bedeutung auch das Mittelwort gelitten mit dem Zeitworte seyn gebraucht wird. Er ist in diesem Hause wohl gelitten, man siehet ihn daselbst gerne. Dieß macht bey aller Welt gelitten. 2) Figürlich, verstatten, der Sache selbst, den Umständen, den Absichten gemäß seyn. Dieser Wein leidet kein Wasser. So viel die Umstände leiden. Die Sache leidet keinen Verzug. Wenn Zeit und Ort es so gelitten hätten.

[Bd. 2, Sp. 2009]



   4. Im weitesten Verstande leidet dasjenige Ding, oder ist dasjenige Ding der leidende Theil, in welchem eine Veränderung von einem andern hervor gebracht wird; da denn leiden dem thun entgegen gesetzt ist. So ist das Eisen auf dem Amboße, oder auch der Amboß selbst, der leidende Theil, im Gegensatze des Hammers. Und in dieser Bedeutung ist in der Sprachkunst das Passivum oder die leidende Gattung der Zeitwörter, diejenige Gattung, da sie das Verhältniß bey einer von andern hervor gebrachten Veränderung bezeichnen, im Gegensatze der thätigen oder des Activi. Der leidende Gehorsam, in der Theologie, welcher gegen den beschließenden Willen Gottes, so wie der thätige gegen den befehlenden geübt wird.
   5. Geschehen lassen, daß etwas sey oder geschehe, es nicht hindern; eine Fortsetzung der vorigen ersten und dritten Bedeutung. In diesem Lande wird kein Wucher gelitten. Dieses kann nicht gelitten werden. In den Preußischen Landen werden alle Religionen gelitten. Sollte ich das von ihm leiden?
   6. * Sich leiden, geduldig seyn; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung.
   Ein Siech sich billig leiden soll,
   Auf Hofnung daß ihm bald werd wohl, Narrenschiff bey dem Frisch. Halt fest und leide dich, Sir. 2, 2. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi, 2 Tim. 2, 3.
   Anm. Bey dem Willeram lidan, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno lidin, im Nieders. liden, im Schwed. lida, im Dän. lide. Ihre bemerket, daß daß Lat. latum des Zeitwortes fero hierher gehöret, so wie das Perf. tuli von dulden, ehedem dolen, ist, und fero, ferre, zu unserm bären, tragen, gehöret. Es war ehedem auch im gemeinen Sprachgebrauche von weiterm Umfange, und wurde, so wie das Griech. πασχειν, von einer jeden auch angenehmen Veränderung gebraucht. Ehedem hatte man auch ein Activum leiden, welches unmittelbar von Leid abstammete, und Leid, d. i. Unlust, verursachen bedeutete, und schon bey dem Notker leidon lautet.
 
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Das Leiden, des -s, plur. ut nom. sing. welches statt des Hauptwortes Leid in der ersten Bedeutung des vorigen Verbi gebraucht wird, der merkliche Grad der Unlust über ein Übel, welches man nicht hindern kann. Das war ein Leiden! im gemeinen Leben, das war ein Wehklagen, ein Krummer. Seine Leiden ließen mich zuerst eine zärtliche Freundschaft gegen ihn fassen. Krankheiten und Schmerzen, Mangel und Armuth; Verachtung und Schmach u. s. f. werden, wenn sie mit Unlust empfunden werden, häufig Leiden genannt. Das äußere Leiden, in der Theologie, welches in der Empfindung der Verschlimmerung seines Zustandes in der sichtbaren Welt bestehet; im Gegensatze des innern Leidens. Geduldig im Leiden seyn. Im engsten Verstande wird zuweilen nur die Empfindung eines unverschuldeten Übels ein Leiden genannt, da es denn einer Strafe und Plage entgegen gesetzet ist.

 

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