Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Leichtfêrtigkeit bis Leid (Bd. 2, Sp. 2005 bis 2006)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Leichtfêrtigkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, die Eigenschaft, da man leichtfertig ist, doch am häufigsten nur noch in der letzten Bedeutung, die Fertigkeit, andern mit Vorsatz und ungereitzt einen Possen zu spielen; ohne Plural. 2) Handlungen, welche aus dieser Fertigkeit herrühren, darin gegründet sind. In beyden Fällen kommt es zuweilen auch in der vierten figürlichen Bedeutung vor.
 
Artikelverweis 
Leichtflüssig, -er, -ste, adj. et adv. leicht in den Fluß gerathend, leicht zu schmelzen; besonders im Hüttenbaue. Leichtflüssiges Erz, leichtflüssige Metalle. Im Gegensatze des strengflüssig.
 
Artikelverweis 
Leichtfüßig, -er, -ste, adj. et adv. leicht zu Fuße, schnell; in der dichterischen Schreibart. Der leichtfüßige Hirsch, Zachar.
 
Artikelverweis 
Leichtgläubig, -er, -ste, adj. et adv. geneigt, etwas leicht zu glauben, d. i. geneigt, oder Fertigkeit besitzend, eine Sache ohne vorher gegangene hinlängliche Prüfung um des bloßen Zeugnisses eines andern willen für wahr zu halten, und darin gegründet. Leichtgläubig seyn. Ein leichtgläubiger Mensch. Daher die Leichtgläubigkeit.
 
Artikelverweis 
Die Leichtigkeit, plur. inus. das Abstractum des Beywortes leicht, der Zustand, die Eigenschaft eines Dinges, da es leicht ist, so wohl im eigentlichen Verstande, als auch in allen figürlichen Bedeutungen des Beywortes, besonders der Zustand, da uns eine Sache leicht wird, wenig Mühe und Anstrengung erfordert. Die Leichtigkeit eines Körpers. Mit großer Leichtigkeit tanzen, sich bewegen. Die Leichtigkeit über alle Gefahren der Welt hinzuschlüpfen. Die Leichtigkeit des Pinsels, des Meißels, des Grabstichels. Die Leichtigkeit zu denken und zu schreiben.
   Nimm für den Dichtertrieb nicht Leichtigkeit zu reimen,
   Kästn. Andere haben dafür das Wort die Leichte einzuführen gesucht, aber ohne alle Noth, und daher auch ohne Erfolg. Die Leichte

[Bd. 2, Sp. 2006]


in der Schreibart entstehet aus der Richtigkeit und Klarheit der Gedanken, und aus der Deutlichkeit des Ausdrucks, Gell.
 
Artikelverweis 
Leichtlich, adv. auf eine leichte Art, ohne Mühe, ohne Anstrengung, leicht, in den figürlichen Bedeutungen dieses Nebenwortes, und am häufigsten in gemeinen Leben. Wie er die Stadt leichtlich gewinnen möge, Judith 10, 14. Die unsterbliche Speise, die doch wie ein Eis leichtlich zerschmalz, Weish. 19, 20. Daraus man leichtlich spüren konnte, 2 Macc. 3, 17. Es kann leichtlich geschehen. Er wird nicht leichtlich böse.
 
Artikelverweis 
Der Leichtsinn, des -es, plur. car. 1) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man Dinge aus vorsetzlicher Unterlassung der gehörigen Überlegung geringer schätzet, für unwichtiger hält als sie sind. Sein Glück aus Leichtsinn verscherzen. Jemanden aus bloßem Leichtsinn beleidigen. 2) Derjenige Zustand des Gemüthes, da man ohne gegründete Ursache, aus bloßer Willkühr, von einer Vorstellung, oder von einem Grundsatze zum andern übergehet. In beyden Fällen wird es auch von der Fertigkeit dieses Zustandes gebraucht, welche aber eigentlich durch das Wort Leichtsinnigkeit ausgedruckt wird. Nieders. Lichtmood. S. Adelung Sinn.
 
Artikelverweis 
Leichtsinnig, -er, -ste, adj. et adv. Leichtsinn habend, darin gegründet. Ein leichtsinniger Mensch. Leichtsinnige Handlungen, Reden. Nieders. lichtmödig, lichthartig, leichtherzig, Schwed. lättsinnig.
 
Artikelverweis 
Die Leichtsinnigkeit, plur. die -en. 1) Die Fertigkeit leichtsinnig zu seyn, der Leichtsinn; ohne Plural. 2) Der Leichtsinn selbst, oder der Zustand; auch ohne Plural. 3) Leichtsinnige Handlungen.
 
Artikelverweis 
Die Leichzeit, plur. inus. diejenige Zeit, in welcher die Fische gemeiniglich zu leichen pflegen; die Leiche, Streichzeit.
 
Artikelverweis 
Leid, adv. welches ehedem in einem größern Umfange der Bedeutung üblich war als jetzt, indem es, 1) * einen jeden beträchtlichen Grad der unangenehmen Empfindung und eine solche Eigenschaft der Dinge bedeutete, welche dieselbe verursacht. So wurde es z. B. für häßlich, der äußern Gestalt nach, für ekelhaft, beschwerlich, zornig, Ekel, Abscheu empfindend u. s. f. gebraucht, von welchen Bedeutungen, in denen es auch als ein Beywort üblich war, so wohl im Deutschen, als in den verwandten Sprachen noch häufige Beyspiele vorkommen. Die leiden Gäste, die beschwerlichen, unangenehmen, in einem alten Schriftsteller bey dem Frisch. Noch sagt man im gemeinen Leben: ein erzwungener Leid ist Gott leid, wird von Gott gemißbilliget, verabscheuet. Das Schwed. led, Isländ. leidur, Angelsächs. lath, bedeuten so wohl zornig, als auch häßlich, in Ansehung der äußern Gestalt, welche letzte Bedeutung die davon abstammenden Franz. laid und Ital. laido noch haben. In Boxhorns Glossen ist leidlich abscheulich, leidlichen verabscheuen, und Leidsami der Abscheu, und bey dem Kero ist leidsam abscheulich. S. auch Verleiden. 2) Jetzt ist es nur in engerer Bedeutung, einen geringern Grad von Gram, Unruhe, Furcht und Reue empfindend, üblich; in welchen Fällen es aber auch nur noch im gemeinen Leben, und am häufigsten in einigen bereits eingeführten R. A. vorkommt. Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, 2 Sam. 1, 26; ich empfinde Gram, Kummer, um deinen Verlust, dein Verlust dauert mich. Darum lasset uns das leid seyn, und Gnade suchen mit Thränen, Judith 8, 12; lasset uns Reue empfinden. Für sie ist mir nur leid, ich befürchte nur, daß ihr etwas Böses widerfahre. Man hatte mir ein Bißchen leid vor ihnen gemacht, man hatte mir einigen Widerwillen, einiges Mißtrauen gegen sie beyzubringen gesucht. Es thut mir leid, es reuet mich, es kränket mich. Für dich ist mir nur leid, bange. Lassen sie sich nicht leid

[Bd. 2, Sp. 2007]


seyn, Weiße, fürchten sie sich nicht. Lassen sie es sich nicht leid seyn, bereuen sie es nicht.
   Anm. Verschiedene Sprachlehrer geben dieses Wort in seiner heutigen Gestalt für ein Beywort aus, welches nur in der ersten und vierten Endung üblich sey. Allein warum nennen sie es nicht lieber gerade zu ein Nebenwort, da es sich doch nur allein den Zeitwörtern beygesellet? Die zweyte und dritte Staffel waren ehedem üblich; jetzt höret man sie nur noch in der niedrigen Sprechart. S. das folgende.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: