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Leichenträger bis Leichteich (Bd. 2, Sp. 2002 bis 2004)
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Artikelverweis Der Leichenträger, des -s, plur. ut nom. sing. diejenigen, welche die Leiche zu Grabe tragen.
 
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Das Leīchentūch, des -es, plur. die -tǖcher, ein schwarzes, an einigen Orten auch weißes Tuch, womit der Sarg der Leiche bey dem Begräbnisse bedeckt wird; im Nieders. und Oberd. das Baartuch, weil es zugleich die Todtenbahre bedecket.
 
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Der Leichenwagen, des -s, plur. ut nom. sing. ein besonderer Wagen, worauf die Leichen zu Grabe gefahren werden.
 
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Der Leichenzug, des -es, plur. die -züge, der feyerliche Zug der Leichenbegleiter und diese selbst, als ein Collectivum.
 
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Das Leichhuhn, S. Adelung Huhn 1. und Uhu.
 
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Der Leichkarpfen, des -s, plur. ut nom. sing. in der Landwirthschaft, Karpfen, welche zum Leichen, oder zur Fortpflanzung ihres Geschlechtes in die Streichteiche gesetzet werden; Streichkarpfen.
 
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Der Leichnam, des -es, plur. die -e. 1) * Der menschliche Leib oder menschliche Körper, er sey todt oder lebendig; in welcher weitern, im Hochdeutschen jetzt veralteten Bedeutung Liihhamin im Isidor, Lihhamu im Kero, Lichamon bey dem Ottfried, Lichama im Angelsächsischen, Liekam im Niedersächsischen, Legneme im Dänischen, und Lekamen im Schwedischen, von dem Leibe eines lebendigen Menschen vorkommen. Notker nennet daher die Menschwerdung Christi Lichamhasti. Das Frohnleichnamsfest, in der Römischen Kirche, das Fest des Leibes Christi. Es scheinet, daß diese Bedeutung in einigen Hochdeutschen Gegenden noch jetzt üblich ist. Wenigstens singt noch Opitz:
   In eurem Leichnam ist zwar alle Zierlichkeit,
   Doch auch nicht wenig steht vom Himmel trefflich weit. Sie ist zuvor kommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbniß, Marc. 14, 8. Und will eure Leichnam vor den Bildern todt schlagen lassen, Ezech. 6, 4. Denn der sterbliche Leichnam beschweret die Seele, Weish. 10, 15. 2) In engerer Bedeutung, in welcher es im Hochdeutschen nur allein üblich ist, wird es nur in der edlen und anständigen Schreibart gebraucht, den Leib eines Verstorbenen zu bezeichnen, wo es sich zugleich weiter erstreckt, als das Wort Leiche, indem es einen solchen todten Körper zu allen Zeiten bezeichnen kann. Der erblaßte Leichnam. Der Leichnam eines Heiligen.
   Anm. Die erste Sylbe in diesem Worte ist unstreitig das vorige 2. Leiche. Die letzte -nam, welche, wie aus dem obigen erhellet, ehedem nur ham und am lautete, ist noch dunkel. Hickes erkläret sie durch ahma, Geist, (S. Adelung Athem,) und Sommer durch hama, Haut, Decke, (S. Heim,) worin ihm Wachter beyfällt, der das Wort durch eine sterbliche Hütte, domicilium terrenum et corporale, erkläret. Ihre ist zweifelhaft, bringt aber, wenn die Bedeutung eines todten Körpers die erste und eigentliche seyn sollte, das Isländ. hamur, exuviae, in Vorschlag, so daß Leichnam eigentlich einen todten Körper bedeuten würde. Übrigens war für Leichnam bey den Angelsachsen auch Fleschama üblich, so wie sie die Brust Ferhtccsa, den Koben, d. i. Sitz, Behältniß des Lebens, nannten, welches Sommers Ableitung zu bestätigen scheinet.
 
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Die Leichprêdigt, S. Adelung Leichenpredigt.
 
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Leicht, -er, -este, adj. et adv. welches dem schwer entgegen gesetzet ist, und im eigentlichsten und schärfsten Verstande nur

[Bd. 2, Sp. 2003]


von solchen Körpern gesagt werden könnte, welche den Mittelpunct der Schwere gleichsam von selbst zu fliehen scheinen. Aus dieser Ursache nennt man die Dünste, das Feuer, eine Feder u. s. f. leicht. Allein, da es dergleichen völlig leichte Körper in der Natur nicht gibt, so ist dieses Wort nur ein beziehender Ausdruck, diejenige Eigenschaft eines Körpers zu bezeichnen, da er einen geringern Grad der Schwere hat, oder mit weniger Empfindung der Mühe von dem Schwerpuncte entfernet werden kann, als ein anderer ähnlicher, oder als ein anderer von eben derselben Größe.
   1. Eigentlich. In diesem Verstande sagt man ein Stein sey schwer, das Holz aber leicht, weil eine gleich große Masse von diesem mit weniger Mühe gehoben werden kann, als von jenem. Am häufigsten ist die Empfindung der Mühe der Maßstab, welcher das Schwere und Leichte bestimmet. Eine leichte Bürde. Einem eine Last leicht machen. So leicht wie eine Feder. In etwas engerer Bedeutung, leichter als sich gebühret. Leichte Ducaten. Der Louis d'or ist um vier Aß zu leicht. Leichtes Geld, auch im weitern Verstande, welches nicht von dem gehörigen Gehalte ist. Leichtes Gewicht, welches leichter als gehörig ist; ingleichen ohne diesen Nebenbegriff, ein Gewicht, welches leichter ist, als ein anderes eben derselben Art. So wird das Kramergewicht an einigen Orten leichtes Gewicht genannt, weil das Pfund von diesem Gewichte um einige Loth leichter ist, als das so genannte schwere oder Fleischergewicht.
   2. Figürlich. 1) Ein leichtes Kleid, eine leichte Kleidung, welche aus dünnerm Zeuge verfertiget ist, oder wozu weniger Zeug als gewöhnlich genommen worden. Leicht gekleidet gehen. 2) Das Herz wird uns leicht, wenn es von einem großen Grame, von einer großen Sorge oder Furcht befreyet wird; im Gegensatze des schwer. 3) In Rücksicht auf die zur Bewegung erforderliche Mühe. (a) Wozu wenig Mühe, wenig Anstrengung, wenig Überwindung erfordert wird. Das ist leicht zu sagen, leicht zu thun, leicht zu begreifen, leicht zu errathen; im Oberd. ohnschwer. Eine leichte Kunst, eine leichte Sache. Das ist mir ein Leichtes. Das wird mir leicht, fällt mir leicht, kommt mir leicht an. Das kann ich ihnen leicht sagen, das kann ich leicht thun. Es wird ihm leichter werden, uns zu verlassen, als wir denken. Da ich ihn kenne, so ist es mir leicht, seine Gesinnung zu errathen. Der Weg zu uns ist nicht so leicht zu gehen, Gell. Eine leichte Schreibart, welche leicht zu verstehen ist. Ein leichtes Gedicht. Eine leichte Sprache, welche leicht zu erlernen ist. Dazu kannst du leicht kommen, ohne viele Mühe. (b) Was wenig Zwang, wenig Anstrengung verräth, doch oft mit dem folgenden Nebenbegriffe der Geschwindigkeit. Eine leichte Stimme, in der Musik, welche wenig Zwang erfordert und verräth. Ein leichter Pinsel, eine ungezwungene, kühne und fertige Hand des Mahlers. Eine leichte Manier, im Gegensatze der mühsamen, gezwungenen. 4) In Rücksicht auf die zur Bewegung erforderliche Zeit, ohne doch den Nebenbegriff der geringern Mühe auszuschließen. (a) Leicht auf den Füßen, leicht von Füßen seyn, sich mit geringer Mühe schnell bewegen können. Sehr leicht tanzen. Die leichte oder leicht bewaffnete Reiterey, im Kriegswesen, im Gegensatze der schweren oder schwer bewaffneten. Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt, Gell.
   Sanft spielt ein leichter Wind auf dem vergoldten Teich,
   Willam. Wie leicht vergessen sie etwas! wie bald. (b) Besonders als ein Nebenwort allein. Er wird leicht zornig, bald, und ohne große Reitzung zu bedürfen. Cajus wird so leicht nicht böse. Das kann leicht kommen, leicht geschehen, ist sehr wohl möglich.

[Bd. 2, Sp. 2004]


Sie können leicht denken, daß mir alle Gelassenheit verging. Das Geld gibt sich leicht aus. Nach einer noch weitern Figur ist nicht leicht zuweilen so viel als sehr selten. Eine so edle Liebe habe ich nicht leicht unter zwo Schwestern gesehen, Gell.
   Schlau war er, listig, und verschlagen,
   Und gab nicht leicht was Alberns an,
   Bernh. Da es denn im gemeinen Leben häufig versetzt wird. Ihr dürft mit leicht etwas geben, so thue ichs, wenn ihr mir nur etwas gebet, so soll es mir nicht schwer ankommen, es zu thun. Man mag mir leicht ein gutes Wort geben, so verrathe ich alles. 5) Oft bezeichnet es intensive einen geringen Grad der innern Stärke überhaupt; gleichfalls im Gegensatze des schwer. Ein leichter Schmerz, eine leichte Empfindung, eine leichte Strafe. Eine leichte Mühe. Das läßt sich mit leichter Mühe thun. 6) Leichtsinnig, unbeständig; doch nur im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, wo es auch für leichtfertig gebraucht wird. Er ist sehr leicht, d. i. leichtsinnig, unbeständig.
   Anm. Bey dem Ottfried liht, bey dem Willeram lihto, im Angels. leoht, im Nieders. licht, im Engl. light, im Wend. lohak, im Böhm. lehky. Andere Sprachen und Mundarten kennen den Hauchlaut in diesem Worte nicht, wie das Schwed. lätt, Dän. lät, Isländ. liettr, und Wend. lieden. Es scheinet zunächst den Begriff der Geschwindigkeit zu haben, und zu dem Geschlechte der Wörter locker, Flocke, flackern, fliehen, leise u. s. f. zu gehören, ohne das Lat. levis, levare, so wie das Niederdeutsche liften, von der Verwandtschaft auszuschließen, weil der Übergang der Hauch- und Blaselaute in einander etwas sehr gewöhnliches ist.
 
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Die Leichte, plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes, S. Adelung Leichtigkeit.
 
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Der Leichteich, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, ein Teich, worein die Karpfen zum Leichen gesetzet werden, S. Adelung Streichteich.

 

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