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2. Die Leiche bis Leichenkosten (Bd. 2, Sp. 2000 bis 2001)
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Artikelverweis  2. Die Leiche, plur. die -n, ein Wort, welches ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung gebraucht wurde als jetzt. Es bedeutete. 1. * Fleisch, die fleischigen muskulösen Theile des thierischen Körpers. In diesem Verstande lautet es im Isidor, selbst in der figürlichen biblischen Bedeutung, Liihhe, bey dem Ulphilas Leik, im Finnländischen noch jetzt Liha, im Wallach. Leike, und schon im Arab. Lachma. Im Deutschen ist es in diesem Verstande veraltet, außer daß noch Leichdorn, und das Nieders. Likteken, Fries. Licklaven, eine Narbe, das Andenken derselben erhält. Aus eben dieser Ursache heißt der Krebs im Schwed. Likmask, der Aussatz im Isländ. Likthraa, und ein Aussätziger im Angels. Lic-throvere. 2. * Der menschliche Leib oder Körper, er sey todt oder lebendig; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Lichi noch bey dem Ottfried, Liche bey dem Notker, Leik bey dem Ulphilas, und Lic im Angelsächsischen vorkommen. Eine Leiche in der heutigen Bedeutung pflegte man alsdann eine todte Leiche zu nennen. 3. In engerer Bedeutung, der Körper eines verstorbenen Menschen, ehedem in dem weitesten Verstande, dessen dieses Wort nur fähig ist; daher die Leiber der verstorbenen Heiligen in den Gräbern im Angels. Leika heißen. Jetzt gebraucht man es im Deutschen nur, wie schon Herr Stosch bemerket, im engern Verstande von dem Körper eines Verstorbenen vor seiner Beerdigung, von einem todten Körper, so fern er beerdiget werden soll; und zwar 1) eigentlich. Eine Leiche im Hause haben. Er ward so blaß wie eine Leiche. Das Schlachtfeld liegt voller Leichen. Die Leiche beschicken, ankleiden u. s. f. Mit der Leiche gehen, nehmlich zu Grabe. Die Leiche begleiten, sie zum Grabe begleiten. Die Nadler pflegen, vermuthlich im Scherze, die mißrathenen Nadelknöpfe, und die Schriftsetzer ausgelassene Stellen, Leichen zu nennen. 2) Figürlich, das Leichenbegängniß, eine nur in einigen Gegenden übliche Bedeutung. Eine Leiche anstellen, halten. Doch sagt man auch im Hochdeutschen, zur Leiche bitten, zum Leichenbegängnisse. Zur Leiche gehen. Eine vornehme Leiche, ein vornehmes Leichenbegängniß.
   Anm. Es scheinet zunächst die weiche Beschaffenheit des Fleisches auszudrucken, und mit diesem Worte Eines Geschlechtes zu seyn, welches allem Ansehen nach nur durch Vorsetzung des Blaselautes daraus gebildet worden. S. auch Leichnam.

[Bd. 2, Sp. 2001]



 
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Leichen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und im Hochdeutschen nur allein von denjenigen Wasserthieren gebraucht wird, welche keine lebendige Jungen gebären, die Eyer, den Samen auslassen. Die Fische, die Frösche leichen, wenn den Weibchen die Eyer abgehen, welche von den Männchen durch Weglassung des Samens befruchtet werden, daher das Leich einem zähen Schleime ähnlich siehet.
   Anm. Im Nieders. löken, im Schwed. leka. Sonst wird das Leichen auch streichen, im Nieders. geten, schaden, von scheten, schießen, der Leich Schot, und die Leichzeit Schadeltied genannt. Es scheinet, daß der flüssige zähe Schleim, der die Eyer zusammen hängt, den Grund zu dieser Benennung abgegeben; so daß dieses Wort zu dem Geschlechte der Wörter Lache, Lake, Lauge, vielleicht auch zu Kley u. a. m. gehören würde. Wahr ist es, daß in einigen gemeinen Mundarten leichen auch spielen, scherzen, selbst wollüstig scherzen, bedeutet, ingleichen täuschen, betriegen, wovon Frisch Beyspiele anführet, welche Bedeutungen auch das Schwed. leka hat, welches über dieß noch auf einem Instrumente spielen, ingleichen streiten, fechten bedeutet. Aber alsdann scheinet es zunächst zu läcken, springen, vielleicht auch zu 2. Lecken zu gehören. S. diese Wörter. Die Schreibart laichen hat nichts als die rauhe Oberdeutsche Mundart für sich.
 
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Der Leichenacker, S. Adelung Gottesacker.
 
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Das Leichenbegängniß, des -sses, plur. die -sse, die feyerliche Bestattung eines Verstorbenen zur Erde, zum Unterscheide von dem nicht so feyerlichen Begräbnisse; die Leichenbestattung, und wenn selbige mit einem besondern feyerlichen Gepränge verbunden ist, das Leichengepränge. Im gemeinen Leben ist auch das einfachere Begängniß und im Oberd. das Leichenbesingniß üblich. S. Adelung Begängniß.
 
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Die Leichenbegleitung, plur. die -en, die Begleitung einer Leiche zum Grabe. Ingleichen diejenigen Personen, welche eine Leiche zum Grabe begleiten, als ein Collectivum. Einzelne Personen heißen Leichenbegleiter und Leichenbegleiterinnen.
 
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Der Leichenbitter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Leichenbitterinn, eine Person, welche dazu verordnet ist, andere zur Leichenbegleitung zu bitten; in einigen Gegenden Leidbitter, Nieders. Dodenbidder, Doonbidder.
 
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Die Leichenfackel, plur. die -n, Fackeln, welche bey einem nächtlichen Leichenbegängnisse den Begleitern leuchten; Trauerfackeln.
 
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Das Leichengedicht, des -es, plur. die -e, ein Gedicht, welches bey Gelegenheit einer Leiche, oder auf das Absterben einer Person verfertiget wird; das Trauergedicht, und wenn es eine Ode ist, die Trauerode, Leichenode, im gemeinen Leben das Leichen-Carmen oder Trauer-Carmen.
 
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Das Leichengerüst, des -es, plur. die -e, ein zierliches Gerüst, worauf bey vornehmen Leichen der Sarg unter einem Baldachin stehet, und mit allerley Mahler- und Bildhauerarbeiten ausgeschmücket ist; Lat. Castrum doloris, Franz. Catafalque.
 
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Das Leichenhuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Adelung Huhn 1. und Uhu.
 
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Die Leichenkosten, sing. inus. die zu einem Leichenbegängnisse oder auch nur zu einem Begräbnisse erforderlichen Kosten.

 

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