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Lēibwundārzt bis Leichen (Bd. 2, Sp. 1999 bis 2001)
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Artikelverweis Der Lēibwundārzt, des -es, plur. die -ǟrzte, S. Adelung Leib-Chirurgus.
 
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Das Leibzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. in den Criminal-Gerichten, besonders Oberdeutschlandes, das zum Beweise einer begangenen Mordthat von dem Ermordeten in das Gericht gebrachte körperliche Zeichen.
 
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Die Leibzinsen, sing. inus. die Zinsen auf Lebenszeit, siehe Leibrente.
 
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Die Leibzucht, plur. die -züchte, der Unterhalt auf Lebenszeit; ein Wort, welches im Hochdeutschen ungewöhnlicher zu werden anfängt, als das gleichbedeutende Leibgedinge, S. dasselbe. Im Nieders. Lieftocht. Auch der Auszug, d. i. die Wohnung und der Unterhalt, welchen sich ein Meier oder Bauer nach übergebenem Meiergute auf Lebenszeit ausbedinget, wird in vielen Gegenden die Leibzucht, und ein solcher beleibzüchtigter der Leibzüchter, und wenn es eine Person weiblichen Geschlechtes ist, die Leibzüchterinn genannt. Zucht scheinet in dieser Zusammensetzung so wie in Auszug, von ausziehen, ausbedingen, abzustammen, und dasjenige zu bezeichnen, was man sich auf Lebenszeit ausbedinget.
 
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1. * Das Leich, des -es, plur. die -e, ein nur noch in einigen Gegenden, und in einigen Fällen übliches Wort. 1) Ein hohler Raum; in welcher Bedeutung es zunächst zu Lache, Loch u. s. f. zu gehören scheinet. In einer alten handschriftlichen Übersetzung der Sprichwörter Salomonis aus dem Anfange des 15ten Jahrhundertes ist Herczenleich eben das, was in den spätern Zeiten Herzenschrein genannt wurde. In den Wasserkünsten ist das Mundleich das äußerste Stück Rohr, woraus das Wasser senkrecht in die Höhe steiget. 2) Ein ebener Platz. Eine Kegelbahn wird in manchen Gegenden, z. B. in Thüringen, das Kugelleich genannt. Daher das lange Leich, der Langschub, im Gegensatze des kurzen Leiches oder des Kurzschubes. Auch ein Stück Land an der Gränze führet in Thüringen den Nahmen des Leiches. Das Mühlberger Leich, ein solches Stück Landes an der Mühlberger Gränze, wo es aber auch die gleich folgende Bedeutung haben kann. Daher werden in manchen Gegenden auch noch gewisse Gassen das Leich genannt. So ist das Endleich in Erfurt der Nahme einer Gasse, welche ehedem am Ende der Stadt lag. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno bedeutet Leige den Weg, und figürlich eine Reise; wovon allem Ansehen nach das alte Gallische Leuga, und heutige Französische Lieue abstammet. S. Legen, Leiten, zu welchem Geschlechte es zu gehören, und eigentlich einen niedrigen, d. i. ebenen, flachen Ort, und hernach in weiterer Bedeutung eine jede Fläche, einen jeden Ort zu bezeichnen scheinet, wie noch jetzt das Franz. Lieu, und Lat. Locus. Im Angels. ist Lea ein Feld, ein Ort, und Aclea ein Eichelfeld, ein Eichelkamp. 3) Ein Mahl, ein Ziel, gleichfalls nur im gemeinen Leben einiger Gegenden; eine mit der vorigen genau verbundene Bedeutung. So wird dieses Wort in den ländlichen Spielen in Thüringen und Franken gebraucht. Das Leich geben, setzen, das Mahl.

[Bd. 2, Sp. 2000]



 
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2. Das Leich, des -es, plur. inus. der mit einem zähen Schleime vermischte Rogen oder Saine der Fische, Frösche und anderer ähnlichen Wasserthiere, welche keine lebendige Jungen gebähren, und den die Weibchen ihres Gleschlechtes zu gewissen Zeiten auslassen. Fischleich, Froschleich. Auch die Handlung des Leichens wird zuweilen das Leich genannt. Im May sind manche Fische wegen des Leiches am leichtesten zu fangen. Nieders. Look. im Wend. Lejch. S. Adelung Leichen.
 
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Das Leichbegängniß, S. Adelung Leichenbegängniß.
 
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Der Leichdorn, des -es, plur. die -dörner, im gemeinen Leben, eine Benennung eines Hühnerauges, d. i. einer erhabenen und zuweilen spitzigen Erhöhung an den untern Theilen der Füße, und besonders der Zehen, welche aus einer Verhärtung der Nerven entstehet, und eine stechende schmerzhafte Empfindung verursacht. Leichdörner haben. Nieders. Liekdoorn, in einigen Gegenden Lieddorn, von Lied, das Glied, Gelenk, im Dän. Lügtorn, Schwed. Liktorn. Die erste Hälfte dieses Wortes ist das folgende 2. Leiche, so fern es ehedem Fleisch, den fleischigen Theil eines Körpers, bedeutete.
 
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1. Die Leiche, plur. inus. die Zeit, wenn die leichenden Thiere zu leichen pflegen; ingleichen die Handlung des Leichens selbst. Die Karpfenleiche, Hechtleiche, Froschleiche. Die Fische treten in die Leiche, wenn sie anfangen zu leichen.
 
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2. Die Leiche, plur. die -n, ein Wort, welches ehedem in einem weitern Umfange der Bedeutung gebraucht wurde als jetzt. Es bedeutete. 1. * Fleisch, die fleischigen muskulösen Theile des thierischen Körpers. In diesem Verstande lautet es im Isidor, selbst in der figürlichen biblischen Bedeutung, Liihhe, bey dem Ulphilas Leik, im Finnländischen noch jetzt Liha, im Wallach. Leike, und schon im Arab. Lachma. Im Deutschen ist es in diesem Verstande veraltet, außer daß noch Leichdorn, und das Nieders. Likteken, Fries. Licklaven, eine Narbe, das Andenken derselben erhält. Aus eben dieser Ursache heißt der Krebs im Schwed. Likmask, der Aussatz im Isländ. Likthraa, und ein Aussätziger im Angels. Lic-throvere. 2. * Der menschliche Leib oder Körper, er sey todt oder lebendig; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher Lichi noch bey dem Ottfried, Liche bey dem Notker, Leik bey dem Ulphilas, und Lic im Angelsächsischen vorkommen. Eine Leiche in der heutigen Bedeutung pflegte man alsdann eine todte Leiche zu nennen. 3. In engerer Bedeutung, der Körper eines verstorbenen Menschen, ehedem in dem weitesten Verstande, dessen dieses Wort nur fähig ist; daher die Leiber der verstorbenen Heiligen in den Gräbern im Angels. Leika heißen. Jetzt gebraucht man es im Deutschen nur, wie schon Herr Stosch bemerket, im engern Verstande von dem Körper eines Verstorbenen vor seiner Beerdigung, von einem todten Körper, so fern er beerdiget werden soll; und zwar 1) eigentlich. Eine Leiche im Hause haben. Er ward so blaß wie eine Leiche. Das Schlachtfeld liegt voller Leichen. Die Leiche beschicken, ankleiden u. s. f. Mit der Leiche gehen, nehmlich zu Grabe. Die Leiche begleiten, sie zum Grabe begleiten. Die Nadler pflegen, vermuthlich im Scherze, die mißrathenen Nadelknöpfe, und die Schriftsetzer ausgelassene Stellen, Leichen zu nennen. 2) Figürlich, das Leichenbegängniß, eine nur in einigen Gegenden übliche Bedeutung. Eine Leiche anstellen, halten. Doch sagt man auch im Hochdeutschen, zur Leiche bitten, zum Leichenbegängnisse. Zur Leiche gehen. Eine vornehme Leiche, ein vornehmes Leichenbegängniß.
   Anm. Es scheinet zunächst die weiche Beschaffenheit des Fleisches auszudrucken, und mit diesem Worte Eines Geschlechtes zu seyn, welches allem Ansehen nach nur durch Vorsetzung des Blaselautes daraus gebildet worden. S. auch Leichnam.

[Bd. 2, Sp. 2001]



 
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Leichen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und im Hochdeutschen nur allein von denjenigen Wasserthieren gebraucht wird, welche keine lebendige Jungen gebären, die Eyer, den Samen auslassen. Die Fische, die Frösche leichen, wenn den Weibchen die Eyer abgehen, welche von den Männchen durch Weglassung des Samens befruchtet werden, daher das Leich einem zähen Schleime ähnlich siehet.
   Anm. Im Nieders. löken, im Schwed. leka. Sonst wird das Leichen auch streichen, im Nieders. geten, schaden, von scheten, schießen, der Leich Schot, und die Leichzeit Schadeltied genannt. Es scheinet, daß der flüssige zähe Schleim, der die Eyer zusammen hängt, den Grund zu dieser Benennung abgegeben; so daß dieses Wort zu dem Geschlechte der Wörter Lache, Lake, Lauge, vielleicht auch zu Kley u. a. m. gehören würde. Wahr ist es, daß in einigen gemeinen Mundarten leichen auch spielen, scherzen, selbst wollüstig scherzen, bedeutet, ingleichen täuschen, betriegen, wovon Frisch Beyspiele anführet, welche Bedeutungen auch das Schwed. leka hat, welches über dieß noch auf einem Instrumente spielen, ingleichen streiten, fechten bedeutet. Aber alsdann scheinet es zunächst zu läcken, springen, vielleicht auch zu 2. Lecken zu gehören. S. diese Wörter. Die Schreibart laichen hat nichts als die rauhe Oberdeutsche Mundart für sich.

 

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