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Leibhaft bis Lēibkūchen (Bd. 2, Sp. 1996 bis 1997)
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Artikelverweis  Leibhaft, oder Leibhaftig, adj. et adv. 1) * Körperlich, mit einem Körper versehen; eine veraltete Bedeutung, in welcher in dem 1483 gedruckten Buche der Natur die Körper leibhaftige Dinge genannt werden. 2) In engerer Bedeutung, mit einem organischen Körper bekleidet, auf eine sinnliche, körperliche Art. Alle Fülle der Gottheit wohnet in Christo leibhaftig, Col. 2, 9, σωματικως. In leibhafter Gestalt. Er ist mir leibhaftig erschienen. Von dem Teufel leibhaftig (körperlich) besessen seyn. Wo es 3) figürlich oft für wirklich, wahr, auf eine sinnlich überzeugende Art stehet. Er ist der leibhafte Teufel, ein wirklicher, eingefleischter Teufel. Er spielt den leibhaftigen Pedanten. Er ist es leibhaftig, wirklich, in körperlicher Gestalt. Sie ist das leibhafte Bild ihrer Mutter.
   Du würdest dich gewiß leibhaftig sehen können,
   Opitz. Anm. So fern Leib ehedem das Leben bedeutete, kommt liphaft bey dem Ottfried und Notker für lebendig, und liphaften für lebendig machen vor.
 
Artikelverweis Die
Leibhênne, plur. die -n, S. Adelung Leibgeld.
 
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Der Leibhêrr, des -en, plur. die -en, der Eigenthumsherr eines Leibeigenen, der Herr in Ansehung seiner Leibeigenen.
 
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Die Leibhêtze, plur. die -n, im Jagdwesen, die zu einer Hetze gehörigen Hetzhunde, welche der Herr der Jagd zur Sauhetze für sich behält, und sie in seiner Gegenwart los hetzen lässet. S. Adelung Leib. 3. 3).
 
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Das Leibhuhn, des -es, plur. die -hühner, S. Adelung Leibgeld.
 
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Der Leibhund, des -es, plur. die -e, ein Hund, welchen ein vornehmer Herr beständig um seine Person hat, zum Unterschiede von einem Kammerhunde. Auch ein Hund, welchem man vorzüglich gewogen ist. S. Adelung Leib, 3. 3).
 
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* Leibig, -er, -ste, adj. et adv. welches nur im gemeinen Leben so wohl von Thieren als Menschen gebraucht wird, gut bey Leibe, mit Fett und Fleische wohl versehen, fleischig. In ableibig, im Oberdeutschen für todt, hartleibig, u. s. f. hat es andere Bedeutungen.
 
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Der Leibjäger, des -s, plur. ut nom. sing. ein Jäger, welcher bey der Jagd beständig um die Person eines vornehmen Herren ist, der Leibschütz; zum Unterschiede von einem bloßen Hofjäger oder Hofschützen.
 
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Der Leibknêcht, des -es, plur. die -e, an den Höfen, ein Knecht in dem Reitstalle, welcher die Leibpferde des Herren in seiner Aufsicht hat; zum Unterschiede von den Sattelknechten.
 
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Die Leibkräuserinn, plur. die -en, eben daselbst, eine Hofbediente, welche die Manschetten und andere Krausen des Herren oder seiner Gemahlinn in ihrer Besorgung hat, und welche

[Bd. 2, Sp. 1997]


nach einer verderbten Aussprache an manchen Höfen die Leibgrößerinn genannt wird.
 
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Der Lēibkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, z. B. in Preußen, ein rundes aus feinem Weitzenmehle gebackenes Brot, welches an dem Neujahrstage gebacken und verkauft oder verschenkt wird. Da man nach einem alten Aberglauben die Nahmen der Personen, an welche man diese Brote verschenken will, vor dem Backen auf dieselben aufkleben lässet, und dann glaubt, daß derjenige in diesem Jahre sterben werde, dessen Kuchen geborsten ist, so scheinet hier Leib entweder die Person oder auch das Leben zu bedeuten, wenn es nicht vielmehr das alte Leib, Brot, ist, einen Brotkuchen damit zu bezeichnen. S. Adelung Leib 1.

 

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