Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lehramt bis Lehre (Bd. 2, Sp. 1983 bis 1984)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Lehramt, des -es, plur. die -ämter. 1) Das Amt, d. i. die Verbindlichkeit und Befugniß, andere zu lehren; ohne Plural. Das gottesdienstliche Lehramt, welches auch nur das

[Bd. 2, Sp. 1984]


Lehramt schlechthin genannt wird. 2) Dasjenige äußere Verhältniß, die Stelle, Bedienung, kraft welcher man dieses Amt, oder diese Verbindlichkeit auf sich hat. In einem öffentlichen Lehramte stehen. Ein gottesdienstliches Lehramt. Ein akademisches Lehramt, eine Professur. Das Lehramt an einer Schule verwalten. Zwey Lehrämter zugleich bekleiden.
 
Artikelverweis 
Die Lēhrārt, plur. die -en, die Art und Weise, wie man andere lehret, oder unterrichtet. Eine gute Lehrart haben. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, die Ordnung in dem Vortrage einer Lehre, oder der zu derselben gehörigen Regeln; mit einem Griechischen Kunstworte die Methode. Die synthetische, mathematische, oder zusammen setzende Lehrart, welche von den Erklärungen und Grundsätzen anfängt. Die analytische oder auflösende, welche von dem zu erweisenden Satze selbst anfängt, und bis auf die Grundsätze und Erklärungen zurück gehet. Die vermischte Lehrart, welche aus Verbindung beyder entstehet.
 
Artikelverweis 
Die Lehrbegierde, plur. inus. 1) Die Begierde andere zu lehren; in welcher Bedeutung doch dieses Wort nicht üblich ist. 2) Die Begierde gelehret zu werden, oder zu lernen, wo es für Lernbegierde gebraucht wird, und ein Überbleibsel der alten Bedeutung des Zeitwortes lehren ist, da es auch lernen bedeutete, S. dasselbe.
 
Artikelverweis 
Lehrbegierig, -er, -ste, adj. et adv. Lehrbegierde besitzend, und darin gegründet, in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes. Ein lehrbegieriger Schüler. Daher die Lehrbegierigkeit, so wohl die Lehrbegierde zu bezeichnen, als auch in engerm Verstande, die Fertigkeit derselben.
 
Artikelverweis 
Der Lehrbegriff, des -es, plur. die -e, der ganze Umfang, und in engerer Bedeutung, ein kurzer Begriff einer Lehre, d. i. der Wahrheiten Einer Art. Besonders der ganze Umfang der Glaubenswahrheiten. Der evangelische, socinianische, Römisch- katholische Lehrbegriff, u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Lehrbogen, des -s, plur. die -bögen, S. Adelung Lehre 1.
 
Artikelverweis 
Der Lehrbraten, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Handwerkern, ein Schmaus, welchen die Lehrlinge geben, wenn sie ausgelernet haben, oder Gesellen werden; das Lehressen.
 
Artikelverweis 
Der Lehrbrief, des -es, plur. die -e, bey den Handwerkern und andern Zunftgenossen, ein Brief, d. i. eine schriftliche Urkunde, daß ein Lehrling sein Handwerk, oder seine Kunst gehörig erlernet habe, welches Zeugniß er bey seiner Lossprechung nach geendigten Lehrjahren erhält. Bey den Jägern wird es ein Lehrabschied genannt.
 
Artikelverweis 
Das Lehrbūch, des -es, plur. die -bücher, ein Buch, worin eine Wissenschaft oder Kunst gelehret wird.
 
Artikelverweis 
Der Lehrbursch, des -en, plur. die -en, bey den Handwerkern und andern Zunftgenossen, ein Bursch, d. i. junger Mensch, so lange er noch in der Lehre stehet, noch die Anfangsgründe des Handwerkes oder der Kunst erlernet; in der niedrigern Sprechart Lehrjunge, in der edlern Lehrling, im Schwabenspiegel Lerenkind. Bey den Jägern wird es in engerer Bedeutung von einem Lehrlinge in dem zweyten Behängen, d. i. in dem zweyten Lehrjahre, gebraucht. Im ersten heißt er Lehrling, Hundsjunge, Jägerjunge, und im dritten Jägerbursch. S. Adelung Lehrling.
 
Artikelverweis 
Die Lehre, plur. die -n, von dem Zeitworte lehren.
   1. Ein bey verschiedenen Handwerkern und Künstlern übliches Wort, wo es überhaupt ein Modell, Muster, ein Werkzeug, die Größe oder Beschaffenheit eines Dinges zu untersuchen, es darnach zu bestimmen, u. s. f. bedeutet.
   1) Eigentlich. Bey den Feuerwerkern ist die Lehre, das Lehr, das Kugellehr, und verderbt das Kugelöhr, ein eisernes

[Bd. 2, Sp. 1985]


Blech, worin die Größe der Kugeln ausgeschnitten ist, ihren Durchmesser darnach zu bestimmen. Bey den Maurern wird das Bogengerüst, oder das hölzerne Gerüst, Gewölber und Bogen darüber aufzuführen, der Lehrbogen, die Bogenlehre, oder nur die Lehre schlechthin genannt. Bey den Schlössern ist die Lehre bald ein eiserner Stift, bald auch ein Loch, um zu sehen, ob verschiedene Löcher von gleicher Größe sind, oder ob verschiedene Dörner oder Stifte einerley Stärke haben; Franz. Calibre. Bey eben denselben wird auch ein kleines Werkzeug, welches mit der Stellschraube hin und her geschoben werden kann, allerley Öffnungen damit zu messen, und welches die Stelle eines Stangenzirkels vertritt, die Lehre genannt. Ein ähnliches Werkzeug derselben, welches gleichfalls diesen Nahmen führet, dienet dazu, die Röhren in den Schlüsseln zu probieren, ob sie recht gerade sind. Ja alle stählerne Muster, Schilder, Schlüssellöcher und Bleche danach auszuhauen, führen bey ihnen den Nahmen der Lehren. Die Jäger und Fischer nennen das Strickholz oder Strickbret, vermittelst dessen die Maschen gestricket werden, die Lehre. Bey den Seilern ist die Lehre ein Rechen mit kleinen hölzernen Zähnen, zwischen welchen die Spinnfäden geleitet werden. Auch die Bildhauer pflegen ihre Modelle oder Muster Lehren zu nennen. In der Landwirthschaft einiger Gegenden, wird auch der Vorsteckkeil hinten an dem Walterchen, vermittelst dessen die Räder des Pfluges gestellet werden, von einigen die Lehre genannt. In diesem Verstande lautet es bald die Lehre, bald der Leher, und der Lehrer, bald aber auch das Lehr, dagegen es von andern mit zwey e die Leere geschrieben wird. Allein, wer siehet nicht, daß es so wie die folgenden Bedeutungen von dem Zeitworte lehren abstammet? Schon bey dem Kero ist Leera ein Werkzeug, Instrument.
   2) Figürlich, der Zustand eines Dinges, da es der Vorschrift, dem Maße gemäß ist, ohne Plural; in welcher Bedeutung es besonders bey den Müllern üblich ist, bey welchen der Stein in die Lehre gebracht wird, wenn man ihn in das Gleichgewicht bringet. Der Stein liegt in der Lehre, wenn er im Gleichgewichte liegt.
   2. In weiterer Bedeutung.
   1) Der Vortrag einer Wahrheit. (a) Im engsten Verstande, eine Regel des Verhaltens. Jemanden eine gute Lehre geben. Einem allerley gute Lehren beybringen. Das soll mir eine Lehre seyn. Laß dir das zur Lehre dienen. Chrysipps Unglücksfälle sind für uns Lehren vom Himmel. (b) In weiterer Bedeutung, der Vortrag einer Erkenntniß, eine in Worten vorgetragene Wahrheit. Allerley neue Lehren aufbringen. (c) Figürlich, der ganze Umfang oder Zusammenhang aller Vorschriften oder Wahrheiten Einer Art, eine Doctrin; ingleichen ein Buch, welches denselben enthält. Die Glaubenslehre, Tugendlehre oder Sittenlehre, die Arzeneylehre, die Vernunftlehre, Rechtslehre, die Sprachlehre u. s. f. Die Mathematik ist die Lehre von der Größe der Körper. In engerer Bedeutung wird die Glaubenslehre zuweilen nur schlechthin die Lehre genannt. In der Lehre nicht richtig seyn. Die reine Lehre.
   2) Der Zustand, da man lehret, oder gelehret wird; ohne Plural. (a) In einigen Gegenden führet die Katechisation den Nahmen der Kinderlehre. (b) Der Zustand, da man gelehret wird, oder lernet; eine besonders bey den Handwerkern und andern Zunftverwandten übliche Bedeutung. Ein Mensch ist bey allen zünftigen Anstalten so lange in der Lehre, als er die Anfangsgründe eines Handwerkes oder einer Kunst erlernet, bis er los gesprochen oder zum Gesellen erkläret wird. S. Adelung Lehrbursch.

[Bd. 2, Sp. 1986]


Bey einem Meister oder Künstler in der Lehre seyn, ein Handwerk oder eine Kunst bey ihm erlernen. Einen Knaben bey jemanden in die Lehre thun oder geben. Einen Knaben in die Lehre nehmen. Bey einem in der Lehre stehen. Aus der Lehre laufen. Von dem Zustande, wo man in Wissenschaften oder freyen unzünftigen Künsten unterrichtet wird, ist dieses Wort nicht üblich.
   Anm. Schon bey dem Kero Leru, bey dem Ottfried, der es auch für Doctrina gebraucht, Lera, im Isidor Lerunga, im Nieders. Leere, im Angels. Laera, im Engl. Lere, Lerry. S. Adelung Lehren.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: