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Lehenstreue bis Lehmgrube (Bd. 2, Sp. 1978 bis 1979)
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Artikelverweis Die Lehenstreue, oder Lehnstreue, plur. car. die Treue, welche der Lehenmann dem Lehenherren schuldig ist; ein Stück der Lehenspflicht.
 
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Die Lehensverêrbung, oder Lehnsverêrbung, plur. die -en, die Vererbung eines Lehens, d. i. die Übertragung desselben auf einen andern, nach seinem Tode.
 
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Die Lehensverwirkung, plur. inus. die Verwirkung eines Lehens, die Begehung eines Fehlers oder Verbrechens, welches den Verlust des Lehengutes nach sich ziehet.
 
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Die Lehentafel, oder Lehntafel, plur. die -n. 1) In einigen Gegenden, ein Lehengericht, S. Adelung Lehenhof. 2) In dem Salzwerke zu Halle wird die wächserne Tafel, worauf die Nahmen der belehnten Pfänner nach altem Gebrauche geschrieben werden, die Lehntafel genannt. Daher in figürlichem Verstande auch das zum Behufe dieser Tafel niedergesetzte Gericht und dessen Versammlung diesen Nahmen führet.
 
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Der Lehenträger, oder Lehnträger, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Lehen im Nahmen eines andern empfänget, und in dessen Nahmen die auf dem Lehen haftenden Obliegenheiten erfüllet. So wird so wohl derjenige, welcher unter mehrern Mitbelehnten die Lehen in ihrer aller Nahmen empfängt, der Lehenträger genannt, als auch derjenige, welcher in Nahmen eines fremden Religions-Verwandten, oder eines außer dem Bezirke des Lehengerichtes ansässigen Lehenmannes die Lehen empfänget, und an dessen Statt die schuldigen Pflichten erfüllet. In einigen Gegenden führet er noch den Nahmen des Ausrichters.
 
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Die Lehenware, oder Lehnware, plur. doch nur von mehrern Summen, die -n, dasjenige Geld, welches der Lehenmann dem Lehenherren bey vorkommenden Lehensfällen und bey Empfangung der Lehen zur Anerkennung seines obern Eigenthumsrechtes entrichtet, welches so wohl von Ritterlehen, als auch von Erbzinsgütern, wenn diese den Nahmen der Lehen führen, gegeben wird. Die hohe Lehnware, welche der Lehenmann bey dem Sterbefalle des Lehenherren entrichtet; zum Unterschiede von der niedern, bey dem Sterbefalle des Lehenmannes. An einigen Orten heißt die Lehenware die Lehen, die Lehensgebühr, der Lehnschatz, das Lehngeld, der Lehngroschen, der Handlohn, die Huldigungslehen, weil sie gleich nach der Huldigung abgestattet wird; bey Bauergütern in Baiern die Anleit, der Anfall, in Elsaß der Ehrschatz, in Schwaben die Weglösin, gleichsam Weglösung, weil das heim gefallene Lehen dadurch von dem Lehenherren wieder weg gelöset wird, im Bremischen die Willigmiethe, bey einigen Meiergütern in Niedersachsen die Umfahrt, der Umsatz, in Österreich das Pfundgeld, in Schlesien der Marktgroschen, an andern Orten die Auffahrt, u. s. f. S. auch Leihkauf. Im mittlern Lat. Laudemium, Relevium, Bretia, Intragium u. s. f. S. auch Sterbelehen und Kauflehen. An einigen Orten wird auch dasjenige Geld, welches der Lehnrichter oder die Beamten des Lehenherren als eine Ergetzlichkeit für die Belehnung bekommen, die kleine Lehnware genannt, da denn jene die größere heißt. An manchen Orten führet nur dasjenige Geld, welches bey Annehmung oder Theilung der Bauergüter dem Lehenherren entrichtet wird,

[Bd. 2, Sp. 1979]


den Nahmen der Lehenware, da denn diese noch von der Sterbelehen unterschieden ist. An andern Orten sind noch andere Einschränkungen üblich.
   Anm. Ware stammet in dieser Zusammensetzung entweder von Wäre, Gewähr her, so daß es eigentlich die Einwilligung oder Bewilligung des Lehenherren, und die darin gegründete Sicherheit des Lehenmannes bezeichnet; oder auch von Waare, so fern es ehedem eine jede Sache von gewissem Werthe, oder ein dem Werthe eines andern Dinges angemessenes Äquivalent bezeichnete.
 
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Der Lehm, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine vermischte aus Thon und Sand bestehende Erdart von gelblicher Farbe, welche zähe ist und im Feuer erhärtet. Die Wände aus Lehm kleiben. Töpferlehm, woraus die Töpfer ihre Geschirre bereiten. Kleiberlehm, die Wände damit auszukleiben. Ziegellehm, woraus die Ziegelsteine gebrannt werden.
   Anm. Im Oberdeutschen Lahm, Lam, in Nieders. Leem, bey dem Notker, wo es aber Schlamm bedeutet, Leim, im Angels. Lam, Lim, im Engl. Loam; in einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, Letten. Entweder wegen der Zähigkeit, als ein Geschlechtsverwandter von Kley, kleiben und Leim, oder auch wegen seiner trüben Farbe, besonders wenn er im Wasser aufgelöset wird, als ein Verwandter von Glumm, oder auch wegen beyder Umstände zugleich; da es denn zu Schlamm, Schleim, dem Griech. λυμα und Latein. Limus gehören würde. Es ist mit Leim, gluten, allerdings genau verwandt, daher es auch in den gröbern Mundarten beständig Leim und Leimen lautet, auch in der Deutschen Bibel in dieser Gestalt vorkommt. Indessen ist doch Lehm in den anständigern Sprecharten am üblichsten. S. auch Letten.
 
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Lehmen, verb. reg. act. mit Lehm ausfüllen, wofür doch kleiben und im Nieders. kleimen üblicher sind.
 
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Der Lehmer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Arbeiter, welcher in Lehm arbeitet, Wände mit Lehm ausfüllet; Lehmklicker.
 
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Lehmern, adj. et adv. aus Lehm verfertiget; im gemeinen Leben leimern. Eine lehmerne Wand, eine Lehmwand.
 
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Die Lehmgrube, plur. die -n, eine Grube, aus welcher Lehm gegraben wird.

 

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