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Lēerbếcher bis Lêgangel (Bd. 2, Sp. 1968 bis 1969)
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Artikelverweis Der Lēerbếcher, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein kleines hölzernes Gefäß, womit der Zeug aus dem Löcherbaume geleeret, d. i. geschöpfet wird. S. Adelung Leerfaß.
 
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1. Die Leere, S. Adelung Lehre.
 
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2. Die Leere, plur. inus. von leer, der Zustand, da ein Ding oder Ort leer ist; ingleichen ein leerer Raum. Pracht und Größe lassen oft eine schreckliche Leere in der Seele zurück, Sonnenf.
 
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Leeren, verb. reg. act. leer machen; am häufigsten in der höhern Schreibart, wofür im gemeinen Leben ausleeren üblicher ist. Die Becher, die Gläser leeren, sie austrinken.
   Erfülle, was der Krieg geleert,
   Erfüll uns die Provinzen,
   Raml.
   Indeß der Überfluß auf jede seiner Spuren
   Ein ganzes Füllhorn leert,
   Raml. Bey dem Stryker laeren.
 
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Das Lēerfáß, des -sses, plur. die -fässer, bey den Papiermachern, ein Eimer mit einem Handgriffe, die gestampften Lumpen damit aus dem Löcherbaume zu schöpfen. S. Adelung Leerbecher.
 
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Lêffeln, S. Adelung Läffeln.
 
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Die Lêfze, plur. die -n, ein im Oberdeutschen für Lippe übliches Wort, welches im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt, außer daß man es zuweilen von großen ungestalten Lippen, ingleichen von den herab hangenden Lippen der Thiere gebraucht, welche Bedeutung in der Endung ze gegründet zu seyn scheinet. Ein Hund mit großen herab hangenden Lefzen. Indessen ist diese Nebenbedeutung dem Worte nicht wesentlich, indem es im Oberdeutschen, da wo es gangbar ist, in allen, selbst in den von Herrn Stosch verworfenen Fällen für unser Lippe üblich ist, auch bey dem Kero, Notker, Willeram und andern häufig dafür gebraucht wird. Wenn es 1 Mos. 11, 1 heißt, die Welt habe einerley Zunge und Sprache gehabt, so stehet dafür in den ältern Bibeln des 15ten Jahrhundertes, sie sey eines Lefzens oder Lepsens gewesen, und in dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird Lippe als ein dort unverständliches Wort durch Lefftze erkläret;

[Bd. 2, Sp. 1969]


hundert anderer Beyspiele zu geschweigen. In einigen obgleich wenigen Fällen wird es im Hochdeutschen auch figürlich gebraucht, wo das Wort Lippe nicht so gangbar ist. So wird das nieder gedrückte schräge Feld über dem Aufschnitte einer Flöte die Oberlefze, das kleinere Feld aber die Unterlefze genannt. Ja im Oberd. kommt es zuweilen von einem jeden Rande vor.
   Anm. Bey dem Kero und Notker Lefsa, bey dem Willeram nur Leffa, bey den Schwäbischen Dichtern und spätern Oberdeutschen Schriftstellern mit versetztem Zischlaute Lespe und Lesfe. S. Adelung Lippe.
 
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Die Lêfzenschnêcke, S. Adelung Schwimmschnecke.
 
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Das Lêg, des -es, plur. inus. im Hüttenbaue, ein metallisches Gemenge aus Kupfer, Eisen und Arsenik, welches sich bey dem Machen des Schwarzkupfers zwischen der Schlacke und dem Schwarzkupfer leget, und eben das ist, was bey der Bleyarbeit die Speise genannt wird; das Kupferleg. Es wird von vielen Leech oder Lech geschrieben und gesprochen, scheinet aber von dem Zeitworte legen abzustammen, welches in vielen gemeinen Mundarten statt des hellen e gleichfalls ein dunkeles hat.
 
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* Lêg, -er, -este, oder Lêge, -r, -ste, adj. et adv. welches nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist, wo es eigentlich niedrig bedeutet, in welchem Verstande es vorzüglich im Niederdeutschen vorkommt. Das Wasser ist leg, niedrig. Leges Wasser ist daselbst besonders der niedrigste Wasserstand bey der Ebbe. Leges Land, niedrig, tief gelegenes Land, im Gegensatze des hohen. Das Legmohr, ein niedriges Mohrland, im Gegensatze des Hochmohres. Figürlich wird es daselbst auch theils für kraftlos, unschmackhaft gebraucht, leges Bier, ein leger Mensch, der keine Kräfte hat; theils für kränklich, leg aussehen; theils für schlimm, böse, wo auch Leger als ein Hauptwort für Noth, schlechte Umstände, üblich ist; theils aber auch für verächtlich, niedrig, jemanden sehr leg halten.
   Anm. Im Dänischen für niedrig lav, im Schwed. låg, im Holländ. laeg, im Engl. low, im Isländ. lagr. Im Schwed. ist Lagd ein niedriger Ort, im Holländ. Leeghde. Die Niedersachsen sprechen es gemeiniglich mit einem dunkeln, die gemeinen Oberdeutschen Mundarten aber mit einem hellen e aus. Es ist das Stammwort von dem Zeitworte legen. In dem zusammen gesetzten donlege, abhängig, scheinet lege mehr die Bedeutung des Zeitwortes zu haben, weil don gleichfalls tief bedeutet, gleichsam sich niederwärts legend, d. i. neigend; so wie im Theuerdanke in eben diesem Verstande, aber in anderer Betrachtung, anleg vorkommt, d. i. sich aufwärts legend oder erstreckend:
   Das dahin ist ein böser weg
   Stickel und gar wenig anleg,
   Theuerd. Kap. 47. Im Hochdeutschen muß man beyde Richtungen durch abhängig ausdrucken, welches man in den Mundarten nicht nöthig hat.
 
Artikelverweis Die
Lêgangel, plur. die -n, bey den Fischern, eine Art Angeln, welche aus bloßen Angelhaken und Schnüren bestehen, und in das Wasser gelegt werden, damit die durchgehenden Fische daran anbeißen mögen, Nachtschnüre, weil sie gegen die Nachtzeit gelegt werden; zum Unterschiede von der Angelruthe.

 

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