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Leene bis Lêfzenschnêcke (Bd. 2, Sp. 1967 bis 1969)
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Artikelverweis Die Leene, ein wildes Schwein weiblichen Geschlechtes, siehe 2. Lehne.
 
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Leer, -er, -ste, adj. et adv. unausgefüllt, unbesetzt. 1. Eigentlich. 1) Im eigentlichsten Verstande vielleicht, von hohlen Räumen und allen Gefäßen. Ein leerer Krug, ein leeres Faß, ein leerer Beutel. Das Glas ist leer. Eine leere Nuß, welche keinen Kern hat. Die Stadt wird von Menschen leer. Das ganze Haus stehet leer, unbewohnt. Eine Stube leer machen, die Dinge, welche sie anfüllen, ausräumen. Leeres Stroh dreschen, welches keine Körner enthält; ingleichen figürlich, eine vergebliche Arbeit thun. Ein leerer Raum, das Leere, im schärfsten Verstande, in welchem sich gar keine Körper, folglich auch keine Luft oder Lichttheilchen befinden. Leere Taschen haben. Mit leeren Händen kommen, ohne Geld, ohne Geschenke. Auch nur allein leer kommen, leer weggehen, d. i. mit leeren Händen. Leer bey etwas ausgehen, nichts bekommen. Ein leerer Magen, ein hungeriger. Bey einem leeren Magen kann sichs unmöglich lieben, Rab. 2) Von ebnen Flächen, mit keinen andern Dingen besetzt, ledig. Ein leerer Wagen. Der Wagen fähret leer wieder zurück. Die Erde war wüste und leer, 1 Mos. 1, 2. Ein leeres, unbeschriebenes, Papier. Einen leeren Platz lassen. Den Tisch leer machen. Es ist kein Platz mehr leer. Der Stuhl steht leer.

[Bd. 2, Sp. 1968]



   2. Figürlich in einigen besondern Fällen. 1) Von Wissenschaften oder nützlichen Kenntnissen leer. Ein leerer Kopf, auch ein solcher Mensch. Der leerste Kopf in der ganzen Stadt. 2) Leer von nährender Kraft. Krebse sind eine leere Speise. Es schmeckt so leer, so kraftlos. 3) Leer von Wirkung, von Nachdruck. Ein leerer Schall, der keine Bedeutung hat; ingleichen der keine Wirkung hat. Leere Worte, ohne Empfindung, ohne Kraft, ohne Wirkung. Leere Versprechungen. Leere Drohungen. Das Wort soll nicht leer wiederkommen, Es. 55, 11. 4) Leer von Gründlichkeit. Leere Besuche. Eine leere Pracht, ein leeres Gepränge. Der Stolze würde trostlos seyn, wenn die Welt das leere Schattenspiel seines Hochmuthes sähe, Gell. 5) Leer von Empfindungen. Wer ist der, von dem er spricht, daß er meine Liebe hätte? Kann er meinem leeren Herzen so etwas zutrauen? 6) Seines Besitzers beraubt. Es ist keine Stelle in dem Collegio leer. In andern Fällen ist dafür ledig üblich. 7) Leer von Geschäften. Leere Stunden, die uns unser Stand und Beruf frey läßt, Gell. Das Leere der Zeit ausfüllen. 8) Ein leerer Monath, in der Zeitrechnung, ein Mondenmonath, welcher 29 Tage hat.
   Anm. Im Oberd. lär und in einigen Gegenden lar, bey dem Notker lare, im Angels. gelaer, im Griech. λαγαρος.
 
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Der Leerbaum, die Leertanne, in einigen Gegenden, Nahmen des Lärchenbaumes, S. dieses Wort.
 
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Der Lēerbếcher, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Papiermachern, ein kleines hölzernes Gefäß, womit der Zeug aus dem Löcherbaume geleeret, d. i. geschöpfet wird. S. Adelung Leerfaß.
 
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1. Die Leere, S. Adelung Lehre.
 
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2. Die Leere, plur. inus. von leer, der Zustand, da ein Ding oder Ort leer ist; ingleichen ein leerer Raum. Pracht und Größe lassen oft eine schreckliche Leere in der Seele zurück, Sonnenf.
 
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Leeren, verb. reg. act. leer machen; am häufigsten in der höhern Schreibart, wofür im gemeinen Leben ausleeren üblicher ist. Die Becher, die Gläser leeren, sie austrinken.
   Erfülle, was der Krieg geleert,
   Erfüll uns die Provinzen,
   Raml.
   Indeß der Überfluß auf jede seiner Spuren
   Ein ganzes Füllhorn leert,
   Raml. Bey dem Stryker laeren.
 
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Das Lēerfáß, des -sses, plur. die -fässer, bey den Papiermachern, ein Eimer mit einem Handgriffe, die gestampften Lumpen damit aus dem Löcherbaume zu schöpfen. S. Adelung Leerbecher.
 
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Lêffeln, S. Adelung Läffeln.
 
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Die Lêfze, plur. die -n, ein im Oberdeutschen für Lippe übliches Wort, welches im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt, außer daß man es zuweilen von großen ungestalten Lippen, ingleichen von den herab hangenden Lippen der Thiere gebraucht, welche Bedeutung in der Endung ze gegründet zu seyn scheinet. Ein Hund mit großen herab hangenden Lefzen. Indessen ist diese Nebenbedeutung dem Worte nicht wesentlich, indem es im Oberdeutschen, da wo es gangbar ist, in allen, selbst in den von Herrn Stosch verworfenen Fällen für unser Lippe üblich ist, auch bey dem Kero, Notker, Willeram und andern häufig dafür gebraucht wird. Wenn es 1 Mos. 11, 1 heißt, die Welt habe einerley Zunge und Sprache gehabt, so stehet dafür in den ältern Bibeln des 15ten Jahrhundertes, sie sey eines Lefzens oder Lepsens gewesen, und in dem zu Basel 1523 gedruckten neuen Testamente Luthers wird Lippe als ein dort unverständliches Wort durch Lefftze erkläret;

[Bd. 2, Sp. 1969]


hundert anderer Beyspiele zu geschweigen. In einigen obgleich wenigen Fällen wird es im Hochdeutschen auch figürlich gebraucht, wo das Wort Lippe nicht so gangbar ist. So wird das nieder gedrückte schräge Feld über dem Aufschnitte einer Flöte die Oberlefze, das kleinere Feld aber die Unterlefze genannt. Ja im Oberd. kommt es zuweilen von einem jeden Rande vor.
   Anm. Bey dem Kero und Notker Lefsa, bey dem Willeram nur Leffa, bey den Schwäbischen Dichtern und spätern Oberdeutschen Schriftstellern mit versetztem Zischlaute Lespe und Lesfe. S. Adelung Lippe.
 
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Die Lêfzenschnêcke, S. Adelung Schwimmschnecke.

 

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