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Lêckerbissen bis Lêderbereiter (Bd. 2, Sp. 1964 bis 1965)
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Artikelverweis Der Lêckerbissen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Leckerbißchen, Oberd. Leckerbißlein, ein leckerer oder leckerhafter Bissen, und in weiterer Bedeutung, eine jede schmackhafte Speise.
 
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Die Lêckerey, plur. die -en. 1) Eine leckerhafte Speise, ein Leckerbissen. Doch auch Wasser und Brot schmeckten mir besser, als seine Leckereyen, Weiße. 2) Figürlich auch das ungeordnete Bestreben sich sinnliche Vergnügungen zu verschaffen; daher es im Oberdeutschen theils für körperliche Wollust, theils aber auch für nichtswürdiges Betragen vorkommt. S. 1. 2. der Lecker.
 
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Lêckerhaft, -er, -este, adj. et adv. welches für lecker, in beyden Bedeutungen, am meisten aber in der ersten gebraucht wird. Leckerhafte Speisen.
 
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Die Lêckerhaftigkeit, plur. inus. die ungeordnete Neigung zu leckern Speisen und Gegenständen, in der ersten Bedeutung dieses Wortes.
 
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Das Lêckermaul, des -es, plur. die -mäuler, Diminut. das Leckermäulchen, im gemeinen Leben, eine leckere, leckerhafte Person; Nieders. Leckertäne.
 
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Der Lêckwein, des -es, plur. inus. außer von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e. 1) In einigen Gegenden, besonders Ungarns, Wein, welcher aus den reifsten und besten Beeren von selbst heraus lecket oder tröpfelt, und welcher auch Tropfwein, am häufigsten aber Ausbruch genannt wird. 2) Wein, welcher aus dem Hahne eines Fasses oder neben dem Zapfen heraus lecket; Traufwein, Tropfwein.
 
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Das Lêckwêrk, des -es, plur. die -e, in den Salzsiedereyen, eine Anstalt, wo die Sohle von oben aus den Rinnen tropfenweise in die Kasten fallen muß, S. Gradierwerk. Von lecken, tropfenweise heraus rinnen.
 
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Die Lectiōn, plur. die -en, aus dem Latein. Lectio, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Stück eines Buches oder Kapitels aus der Bibel, welches in der Kirche vorgelesen wird. Dergleichen Lectionen die Evangelien und Episteln sind. Daher einem die Lection lesen, im gemeinen Leben, ihm einen derben Verweis geben; im Oberdeutschen Lezge. In den niedern Schulen auch dasjenige, was den Kindern zu lesen, zu lernen, oder zu schreiben aufgegeben wird. Nieders. Lekse. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird auch ein Hörsaal, ein Auditorium, eine Legge genannt.
 
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Das Lêder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nom. sing. die zubereitete oder gegärbte Haut der Thiere. Kalbsleder, Ochsenleder, Rindsleder, Schafleder u. s. f. Leder bereiten. Auch aus Leder bereitete Dinge

[Bd. 2, Sp. 1965]


werden zuweilen nur das Leder schlechthin genannt. So wird den Pferden ein Leder gelegt, wenn man ihnen einen ledernen Riemen durch die Haut ziehet, S. Hagrseil. So auch in Handleder, Oberleder u. s. f. In der R. A. von Leder ziehen, d. i. den Degen ziehen, scheint es die lederne Scheide oder auch das lederne Degengehenk zu bezeichnen. Indessen bedeutet diese R. A. im Niedersächsischen auch so viel, als sich auskleiden.
   Herr steet ab drat
   Zu füssen von eurem pferdt,
   Gewindt von leder ewr gut schwert,
   Theuerd. Kap. 38. Sprichw. Aus andrer Leute Leder ist gut Riemen schneiden, d. i. auf andrer Leute Kosten ist gut freygebig seyn. Von dem Unterschiede zwischen Haut, Fell und Leder, S. Adelung Fell. In den niedrigen Sprecharten und im verächtlichen Verstande bezeichnet es zuweilen auch die Haut. Einem über das Leder kommen, oder ihm das Leder gärben, ihn derb ausprügeln.
   Anm. Schon im Schwabenspiegel Leder, im Nieders. Ledder, Leer, Lier, bey dem Ulphilas Alethr, im Wallis. Lledr, im Angels. Lether, im Engl. Leather, im Schwed. Läder. Ohne Zweifel ist der Begriff der Bedeckung der herrschende in diesem Worte, so daß es ein Geschlechtsverwandter von Kleid, Laden, Lied, ein Deckel, u. s. f. ist.
 
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Der Lêderband, des -es, plur. die -bände, der aus Leder verfertigte Band eines Buches; zum Unterschiede von einem Hornbande, Pergamentbande u. s. f.
 
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Der Lêderbereiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher aus Häuten Leder bereitet; ein Gärber, Lederer, im Nieders. Ledertauer, von tauen, gärben, bereiten, Engl. to taw, Angels. tawian.

 

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