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Lêcker bis Lectiōn (Bd. 2, Sp. 1963 bis 1964)
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Artikelverweis  Lêcker, -er, -ste, adj. et adv. 1) Sehr schmackhaft, im hohen Grade wohl schmeckend; leckerhaft. Eine leckere Speise. Hohle dir ferner Papageyen zum leckeren Fraß, Zachar. Lecker leben, in weiterer Bedeutung, sich die schmackhaftesten Nahrungsmittel zu verschaffen wissen. 2) Geneigt, nur schmackhafte Nahrungsmittel zu genießen. Lecker seyn. Ein leckerer Mensch, im gemeinen Leben ein Leckermaul. Auch figürlich, im vertraulichen Scherze, fein prüfend, geneigt nur das Beste zu wählen. S. Adelung Ekel, das Beywort.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls lecker, im Schwed. lecker. Im Bretagnischen sind Lickeres Leckerbissen. Ohne Zweifel von lecken, lambere, wozu auch das Griech. γλυκερος, süß, und das Lat. mit der Vorsylbe de verlängerte delicatus zu gehören scheinet.
 
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1. Der Lêcker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein in den vertraulichen Sprecharten, besonders Niedersachsens übliches Wort, einen lebhaften Grad einer sinnlichen Begierde zu bezeichnen. Der Lecker steht ihm darnach, er ist darnach lüstern. 2) Ein leckerer oder leckerhafter Mensch, der sich nur die schmackhaftesten Speisen zu verschaffen sucht. Noch mehr in weiterer und figürlicher Bedeutung, ein Mensch, welcher aus der Befriedigung seiner sinnlichen Begierden sein vornehmstes Geschäft macht. Ein junger Lecker. Gemeiniglich im verächtlichen Verstande, von einem Menschen, welcher nur sinnliche Vergnügungen ohne Wahl so wohl der Gegenstände als der Mittel sucht; in welcher großen Theils veralteten Bedeutung dieses Wort im Angels. Licera, im Engl. Licker, im alt Franz. Lichard, im Ital. Leccardo, im mittlern Lat. Leccator lautet, welche auch oft einen nichtswürdigen Menschen, einen Lotterbuben bedeuten. Bey dem Pictorius ist Leckerbube so viel als Lotterbube, in einer alten handschriftlichen Übersetzung der Bibel Leckerinen eine Hure, bey dem Altenstaig lickeren mit List faben, und im Flandrischen lak wollüstig, geil; daher es noch dahin stehet, ob es nicht, wenigstens in einigen Fällen, nicht

[Bd. 2, Sp. 1964]


so wohl zu dem vorigen lecker, als vielmehr zu lügen, belugsen, oder andern ähnlichen Wörtern gehöret. Gottsched glaubte, es käme von läcken, springen, her, und erklärte einen jungen Lecker durch einen jungen Springer.
 
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2. Der Lêcker, des -s, plur. ut nom. sing. zunächst von dem Zeitworte lecken. 1) Die Zunge, das Werkzeug des Leckens; doch nur im Oberdeutschen, wo besonders die Zunge des Rindviehes diesen Nahmen führet. Auch bey den Jägern wird die Zunge des Hirsches eben so oft ein Lecker als ein Graser und Weidemesser genannt. 2) Eine Person, welche leckt, wo auch im weiblichen Geschlechte die Leckerinn üblich ist; doch beyde nur in den Zusammensetzungen Tellerlecker und Speichellecker, einen niedrigen Schmarotzer und Schmeichler zu bezeichnen, welche Bedeutung das Wort Lecker auch in dem zusammen gesetzten Hoflecker für sich allein zu haben scheinet. Im Altenstaigs Vocabulario bey dem Frisch wird Lickerung durch blanditiae übersetzt.
 
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Der Lêckerbissen, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Leckerbißchen, Oberd. Leckerbißlein, ein leckerer oder leckerhafter Bissen, und in weiterer Bedeutung, eine jede schmackhafte Speise.
 
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Die Lêckerey, plur. die -en. 1) Eine leckerhafte Speise, ein Leckerbissen. Doch auch Wasser und Brot schmeckten mir besser, als seine Leckereyen, Weiße. 2) Figürlich auch das ungeordnete Bestreben sich sinnliche Vergnügungen zu verschaffen; daher es im Oberdeutschen theils für körperliche Wollust, theils aber auch für nichtswürdiges Betragen vorkommt. S. 1. 2. der Lecker.
 
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Lêckerhaft, -er, -este, adj. et adv. welches für lecker, in beyden Bedeutungen, am meisten aber in der ersten gebraucht wird. Leckerhafte Speisen.
 
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Die Lêckerhaftigkeit, plur. inus. die ungeordnete Neigung zu leckern Speisen und Gegenständen, in der ersten Bedeutung dieses Wortes.
 
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Das Lêckermaul, des -es, plur. die -mäuler, Diminut. das Leckermäulchen, im gemeinen Leben, eine leckere, leckerhafte Person; Nieders. Leckertäne.
 
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Der Lêckwein, des -es, plur. inus. außer von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e. 1) In einigen Gegenden, besonders Ungarns, Wein, welcher aus den reifsten und besten Beeren von selbst heraus lecket oder tröpfelt, und welcher auch Tropfwein, am häufigsten aber Ausbruch genannt wird. 2) Wein, welcher aus dem Hahne eines Fasses oder neben dem Zapfen heraus lecket; Traufwein, Tropfwein.
 
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Das Lêckwêrk, des -es, plur. die -e, in den Salzsiedereyen, eine Anstalt, wo die Sohle von oben aus den Rinnen tropfenweise in die Kasten fallen muß, S. Gradierwerk. Von lecken, tropfenweise heraus rinnen.
 
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Die Lectiōn, plur. die -en, aus dem Latein. Lectio, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Stück eines Buches oder Kapitels aus der Bibel, welches in der Kirche vorgelesen wird. Dergleichen Lectionen die Evangelien und Episteln sind. Daher einem die Lection lesen, im gemeinen Leben, ihm einen derben Verweis geben; im Oberdeutschen Lezge. In den niedern Schulen auch dasjenige, was den Kindern zu lesen, zu lernen, oder zu schreiben aufgegeben wird. Nieders. Lekse. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird auch ein Hörsaal, ein Auditorium, eine Legge genannt.

 

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