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Lêchzen bis 2. Der Lêcker (Bd. 2, Sp. 1961 bis 1964)
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Artikelverweis  Lêchzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutet, 1) vor großer Dürre oder Trockenheit Risse, Spalten bekommen. Darum, daß die Erde lechzet,

[Bd. 2, Sp. 1962]


weil es nicht regnet, Jer. 14, 4. Besonders wird es von hölzernen Gefäßen gebraucht, wenn sie trocken werden, so daß sich die Fugen von einander geben, und der darin befindliche flüssige Körper heraus rinnet. In beyden Fällen ist es nur im Oberdeutschen und zuweilen auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen üblich, welche dafür gemeiniglich rinnen, im gemeinen Leben aber lecken gebrauchen. Im Oberdeutschen sagt man auch verlechzen und zerlechzen in eben diesem Verstande. 2) In engerer Bedeutung, durch Öffnung des Mundes und öftere Ausstoßung des Athems eine große Dürre des Mundes und den höchsten Grad des Durstes zu erkennen geben, sehr dursten, und figürlich, den höchsten Grad der Begierde nach etwas empfinden. Wie ein Wild, wenn es vor großer Brunst lechzet und läuft, Jer. 2, 24. Wie ein Fußgänger, der durstig ist, lechzet sie, Sir. 26, 15. Vor Durst, vor Begierde lechzen. Ein lechzendes Verlangen.
   Anm. Die Endsylbe zen zeigt an, daß dieses Zeitwort ein Intensivum ist. Das einfache lechen kommt noch zuweilen im Oberdeutschen vor, und ist mit 1, 2 Lache, dem Oberdeutschen Klack (S. dasselbe,) unserm leck und lecken, Loch u. s. f. verwandt.
 
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Lêck, adj. et adv. welches mit dem vorigen Worte Eines Geschlechtes ist, und nur im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, von hölzernen zusammen gesetzten Gefäßen gebraucht wird, wenn sich vor Trockenheit die Fugen aus einander gehen, und folglich den flüssigen Körper ein- oder ausrinnen lassen, lechzend, rinnend. Der Eimer wird leck. Ein leckes Faß. Das Schiff wird leck, wenn das Wasser durch die Fugen eindringt. Sein leckes Schiff, Schleg. Im Niedersächsischen wird dafür auch spack gebraucht.
   Anm. Im Oberd. lech, im Holländ. gleichfalls leck, im Engl. leak, im Schwed. läck, im Angels. hlaeck, im Isländ. lek. S. das folgende.
 
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Der Lêck, des -es, plur. die -e, am häufigsten in Niedersachsen, besonders in der Schifffahrt, ein Ritz, eine Spalte in einem hölzernen Gefäße, durch welche das Wasser hinein dringet. Das Schiff hat einen Leck bekommen. Holländ. Leck und Lecke, Engl. Leak, Griech. λακις. S. Adelung Lechzen.
 
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Die Leckāsie, plur. inus. in der Seehandlung und Schifffahrt, der Verlust, welchen man an flüssigen Waaren durch das Auslecken leidet. Franz. Leccage. S. 2. Lecken.
 
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Die Lêcke, plur. die -n. 1) In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, wie das vorige Leck. 2) Von dem Zeitworte lecken, lambere, ist in der Landwirthschaft die Lecke oder Salzlecke, der Trog, ja ein jeder Ort, wo man dem Rind- und Schafviehe Salz zu lecken gibt.
 
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1. Lêcken, springen, S. Adelung Läcken.
 
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2. Lêcken, verb. reg. neutr. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte seyn, tropfenweise aus einem Gefäße fließen, von flüssigen Körpern, besonders wenn sie durch einen Leck, einen Spalt, dringen. Aller Wein ist aus dem Fasse geleckt. Auf welche Art es doch nur selten vorkommt. 2) Am häufigsten mit dem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben, von Gefäßen, den flüssigen Körper durch einen Leck ein- oder ausrinnen lassen; rinnen, bey den Böttchern drahnen, d. i. thränen. Das Faß leckt. Das Schiff hat geleckt. Figürlich sagt man auch wohl leckende Augen haben, für triefende, rinnende. Die Lichter lecken, wenn sie den geschmolzenen Talg an dem Lichte herab rinnen lassen, welches auch laufen und rinnen genannt wird.
   Anm. Im Oberdeutschen lechen, im Schwed. läcka, im Isländ. lecka, ohne Zweifel von Leck, eine Spalte, Ritze.

[Bd. 2, Sp. 1963]


S. auch Lechzen; oder auch, besonders in der ersten Bedeutung von Lache, Lauge, so daß der Begriff der Flüssigkeit der herrschende ist. Im Braunschweigischen ist es auch in thätiger Gestalt für sprengen üblich. Da kommt der Amtmann, heißt es daselbst zuweilen, den muß man lecken, d. i. Wasser sprengen, damit sich der Staub setze; über welchen Ausdruck ein Hochdeutscher freylich allerley Glossen macht.
 
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3. Lêcken, verb. reg. act. mit der Zunge an etwas hin und her fahren. Der Hund leckt sich die Wunde. An etwas lecken. Besonders um auf solche Art etwas in sich zu ziehen. Der Hund leckt das Wasser. Die Hunde sollen dein Blut lecken, 1 Kön. 21, 19. Den Staub lecken, Ps. 72, 9. Die Teller lecken, für ablecken. Die Finger nach etwas lecken, in der niedrigen Sprechart, es mit dem lebhaftesten Vergnügen genießen. In den niedrigen Sprecharten und im verächtlichen Verstande wird es auch für oft und viel küssen gebraucht. Bey den Mahlern heißt ein Gemählde geleckt, wenn die Farben auf eine gezwungene, ängstliche Art vertrieben und verschmolzen sind.
   Anm. Bey dem Ulphilas laiguan, bey dem Ottfried und Notker lechon, im Griech. λειχειν, im Nieders. licken, im Engl. to lick, im Angels. liccan, im Ital. leccare, im Franz. licher, im Lettischen lakti, schon im Hebr. 05dc05e705e7, und im Lateinischen mit dem eingeschobenen Nasenlaute lingere, so wie lambere auf ähnliche Art mit dem Nieders. labben, schlabben überein kommt. Ohne Zweifel als eine Nachahmung des durch Einleckung des Wassers verursachten Schalles, welches in den niedrigen Sprecharten auch mit dem vorgesetzten Zischlaute schlecken genannt wird.
 
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Lêcker, -er, -ste, adj. et adv. 1) Sehr schmackhaft, im hohen Grade wohl schmeckend; leckerhaft. Eine leckere Speise. Hohle dir ferner Papageyen zum leckeren Fraß, Zachar. Lecker leben, in weiterer Bedeutung, sich die schmackhaftesten Nahrungsmittel zu verschaffen wissen. 2) Geneigt, nur schmackhafte Nahrungsmittel zu genießen. Lecker seyn. Ein leckerer Mensch, im gemeinen Leben ein Leckermaul. Auch figürlich, im vertraulichen Scherze, fein prüfend, geneigt nur das Beste zu wählen. S. Adelung Ekel, das Beywort.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls lecker, im Schwed. lecker. Im Bretagnischen sind Lickeres Leckerbissen. Ohne Zweifel von lecken, lambere, wozu auch das Griech. γλυκερος, süß, und das Lat. mit der Vorsylbe de verlängerte delicatus zu gehören scheinet.
 
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1. Der Lêcker, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein in den vertraulichen Sprecharten, besonders Niedersachsens übliches Wort, einen lebhaften Grad einer sinnlichen Begierde zu bezeichnen. Der Lecker steht ihm darnach, er ist darnach lüstern. 2) Ein leckerer oder leckerhafter Mensch, der sich nur die schmackhaftesten Speisen zu verschaffen sucht. Noch mehr in weiterer und figürlicher Bedeutung, ein Mensch, welcher aus der Befriedigung seiner sinnlichen Begierden sein vornehmstes Geschäft macht. Ein junger Lecker. Gemeiniglich im verächtlichen Verstande, von einem Menschen, welcher nur sinnliche Vergnügungen ohne Wahl so wohl der Gegenstände als der Mittel sucht; in welcher großen Theils veralteten Bedeutung dieses Wort im Angels. Licera, im Engl. Licker, im alt Franz. Lichard, im Ital. Leccardo, im mittlern Lat. Leccator lautet, welche auch oft einen nichtswürdigen Menschen, einen Lotterbuben bedeuten. Bey dem Pictorius ist Leckerbube so viel als Lotterbube, in einer alten handschriftlichen Übersetzung der Bibel Leckerinen eine Hure, bey dem Altenstaig lickeren mit List faben, und im Flandrischen lak wollüstig, geil; daher es noch dahin stehet, ob es nicht, wenigstens in einigen Fällen, nicht

[Bd. 2, Sp. 1964]


so wohl zu dem vorigen lecker, als vielmehr zu lügen, belugsen, oder andern ähnlichen Wörtern gehöret. Gottsched glaubte, es käme von läcken, springen, her, und erklärte einen jungen Lecker durch einen jungen Springer.
 
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2. Der Lêcker, des -s, plur. ut nom. sing. zunächst von dem Zeitworte lecken. 1) Die Zunge, das Werkzeug des Leckens; doch nur im Oberdeutschen, wo besonders die Zunge des Rindviehes diesen Nahmen führet. Auch bey den Jägern wird die Zunge des Hirsches eben so oft ein Lecker als ein Graser und Weidemesser genannt. 2) Eine Person, welche leckt, wo auch im weiblichen Geschlechte die Leckerinn üblich ist; doch beyde nur in den Zusammensetzungen Tellerlecker und Speichellecker, einen niedrigen Schmarotzer und Schmeichler zu bezeichnen, welche Bedeutung das Wort Lecker auch in dem zusammen gesetzten Hoflecker für sich allein zu haben scheinet. Im Altenstaigs Vocabulario bey dem Frisch wird Lickerung durch blanditiae übersetzt.

 

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