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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lêbtage bis 2. Lêcken (Bd. 2, Sp. 1961 bis 1962)
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Artikelverweis † Die Lêbtage, ein nur im gemeinen Leben in der vierten Endung des Plurals, und zwar nur mit den possessiven Fürwörtern mein, dein, sein, u. s. f. übliches Wort, für Lebenstage, Lebenszeit. Daß du den Herrn fürchtest du und deine Kinder alle eure Lebetage, (Lebtage) 5 Mos. 6, 2. Auf daß es uns wohl gehe alle unser Lebtage, v. 24. Ich werde mich scheuen alle mein Lebtage, Es. 38, 15.
   Großer weder ichs alle mein
   Lebtag ye mer hab gesehen,
   Theuerd. Ich habe ihn mein Lebtage nicht gesehen, in meinem Leben nicht. Wo das Fürwort gemeiniglich um sein letztes e gebracht wird.
 
Artikelverweis Die
Lêbzeiten, sing. inus. auch nur in der Sprache des täglichen Umganges in den R. A. bey meinen Lebzeiten, so lange ich lebe, bey seinen Lebzeiten, als er noch lebte u. s. f.
 
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Das Lēch, im Hüttenbaue, S. Adelung Leg.
 
Artikelverweis 
Das Lchel, S. Adelung Lägel.
 
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Lêchzen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. Es bedeutet, 1) vor großer Dürre oder Trockenheit Risse, Spalten bekommen. Darum, daß die Erde lechzet,

[Bd. 2, Sp. 1962]


weil es nicht regnet, Jer. 14, 4. Besonders wird es von hölzernen Gefäßen gebraucht, wenn sie trocken werden, so daß sich die Fugen von einander geben, und der darin befindliche flüssige Körper heraus rinnet. In beyden Fällen ist es nur im Oberdeutschen und zuweilen auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen üblich, welche dafür gemeiniglich rinnen, im gemeinen Leben aber lecken gebrauchen. Im Oberdeutschen sagt man auch verlechzen und zerlechzen in eben diesem Verstande. 2) In engerer Bedeutung, durch Öffnung des Mundes und öftere Ausstoßung des Athems eine große Dürre des Mundes und den höchsten Grad des Durstes zu erkennen geben, sehr dursten, und figürlich, den höchsten Grad der Begierde nach etwas empfinden. Wie ein Wild, wenn es vor großer Brunst lechzet und läuft, Jer. 2, 24. Wie ein Fußgänger, der durstig ist, lechzet sie, Sir. 26, 15. Vor Durst, vor Begierde lechzen. Ein lechzendes Verlangen.
   Anm. Die Endsylbe zen zeigt an, daß dieses Zeitwort ein Intensivum ist. Das einfache lechen kommt noch zuweilen im Oberdeutschen vor, und ist mit 1, 2 Lache, dem Oberdeutschen Klack (S. dasselbe,) unserm leck und lecken, Loch u. s. f. verwandt.
 
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Lêck, adj. et adv. welches mit dem vorigen Worte Eines Geschlechtes ist, und nur im gemeinen Leben, besonders der Niedersachsen, von hölzernen zusammen gesetzten Gefäßen gebraucht wird, wenn sich vor Trockenheit die Fugen aus einander gehen, und folglich den flüssigen Körper ein- oder ausrinnen lassen, lechzend, rinnend. Der Eimer wird leck. Ein leckes Faß. Das Schiff wird leck, wenn das Wasser durch die Fugen eindringt. Sein leckes Schiff, Schleg. Im Niedersächsischen wird dafür auch spack gebraucht.
   Anm. Im Oberd. lech, im Holländ. gleichfalls leck, im Engl. leak, im Schwed. läck, im Angels. hlaeck, im Isländ. lek. S. das folgende.
 
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Der Lêck, des -es, plur. die -e, am häufigsten in Niedersachsen, besonders in der Schifffahrt, ein Ritz, eine Spalte in einem hölzernen Gefäße, durch welche das Wasser hinein dringet. Das Schiff hat einen Leck bekommen. Holländ. Leck und Lecke, Engl. Leak, Griech. λακις. S. Adelung Lechzen.
 
Artikelverweis 
Die Leckāsie, plur. inus. in der Seehandlung und Schifffahrt, der Verlust, welchen man an flüssigen Waaren durch das Auslecken leidet. Franz. Leccage. S. 2. Lecken.
 
Artikelverweis 
Die Lêcke, plur. die -n. 1) In einigen, besonders Oberdeutschen Gegenden, wie das vorige Leck. 2) Von dem Zeitworte lecken, lambere, ist in der Landwirthschaft die Lecke oder Salzlecke, der Trog, ja ein jeder Ort, wo man dem Rind- und Schafviehe Salz zu lecken gibt.
 
Artikelverweis 
1. Lêcken, springen, S. Adelung Läcken.
 
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2. Lêcken, verb. reg. neutr. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1) Mit dem Hülfsworte seyn, tropfenweise aus einem Gefäße fließen, von flüssigen Körpern, besonders wenn sie durch einen Leck, einen Spalt, dringen. Aller Wein ist aus dem Fasse geleckt. Auf welche Art es doch nur selten vorkommt. 2) Am häufigsten mit dem Hülfsworte haben, im gemeinen Leben, von Gefäßen, den flüssigen Körper durch einen Leck ein- oder ausrinnen lassen; rinnen, bey den Böttchern drahnen, d. i. thränen. Das Faß leckt. Das Schiff hat geleckt. Figürlich sagt man auch wohl leckende Augen haben, für triefende, rinnende. Die Lichter lecken, wenn sie den geschmolzenen Talg an dem Lichte herab rinnen lassen, welches auch laufen und rinnen genannt wird.
   Anm. Im Oberdeutschen lechen, im Schwed. läcka, im Isländ. lecka, ohne Zweifel von Leck, eine Spalte, Ritze.

[Bd. 2, Sp. 1963]


S. auch Lechzen; oder auch, besonders in der ersten Bedeutung von Lache, Lauge, so daß der Begriff der Flüssigkeit der herrschende ist. Im Braunschweigischen ist es auch in thätiger Gestalt für sprengen üblich. Da kommt der Amtmann, heißt es daselbst zuweilen, den muß man lecken, d. i. Wasser sprengen, damit sich der Staub setze; über welchen Ausdruck ein Hochdeutscher freylich allerley Glossen macht.

 

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