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Lauterlich bis Lawine (Bd. 2, Sp. 1950 bis 1952)
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Artikelverweis * Lauterlich, adj. et adv. welches im Hochdeutschen veraltet ist, in manchen Provinzen aber für lauter, selbst als ein Nebenwort, gebraucht wird.
 
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Läutern, verb. reg. act. lauter machen. 1. Von lauter, so fern es ehedem auch hell, klar bedeutete. 1) Eigentlich; welche Bedeutung doch im Hochdeutschen selten ist.
   Dir grünet Berg und Thal, dir läutert sich die Luft,
   Opitz. Im Forstwesen werden die Hölzer und Wälder geläutert, oder gelichtet, wenn sie zu dick sind, und einige Bäume heraus gehauen werden. Bey den Hutmachern wird der Zeug geläutert, wenn er mit dem Fachbogen ganz aus einander getrieben und locker gemacht wird. 2) Figürlich, klar, deutlich, verständlich machen, wo es doch nur in dem zusammen gesetzten erläutern üblich ist. In den Rechten hat sich noch das einfache Zeitwort, obgleich in einem veränderten Verstande erhalten. Eine Partey läutert daselbst, nicht wenn sie den von dem Richter gegebenen Bescheid oder dessen gefälltes Urtheil erläutert oder erkläret, sondern wenn sie von eben demselben Richter eine Erklärung oder Milderung eines dunkel oder unbillig scheinenden Urtheils oder Bescheides verlanget. Im mittlern Lat. leuterare, daher es in der gemeinen Sprechart der Rechte auch mit der Lateinischen Endung leuteriren üblich ist, wo auch diejenige Partey, welche läutert, der Läuteránt, die andere aber der Läuterat genannt wird. 2. In engerer Bedeutung, von allem geringern beygemischten Zusatze befreyen, so wohl eigentlich als figürlich. Metalle werden durch das Feuer geläutert; wo doch im Hüttenbaue andere Ausdrücke üblich sind. Geläutertes Gold. Flüssige Körper werden durch Abseihen, Filtriren u. s. f. geläutert. Den Zucker läutern, ihn zu einem Syrupe kochen und vermittelst Wassers und Eyweißes von aller Unreinigkeit befreyen. Den Branntwein läutern, ihn nochmahls abziehen. Butter läutern, durch Schmelzen. Honig läutern u. s. f. Die Kürschner läutern die Felle, wenn sie das Fett aus den Haaren mit einem heißen Körper wegschaffen, die Weißgärber die Häute, wenn sie den Kalk durch mehrmahliges Spülen und Waschen heraus schaffen.
   So auch die Läuterung in allen obigen Fällen.
   Anm. Bey dem Notker liuteren, luoten, bey dem Willeram luiteren, in dem alten Fragmente auf Carls Feldzug bey dem Schilter gelutteren, im Nieders. luttern, im Dän. und Schwed. luttre.
 
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Der Lauterstall, des -es, plur. car. eine Krankheit der Pferde, da sie das getrunkene Wasser so hell und lauter als sie es getrunken

[Bd. 2, Sp. 1951]


haben, wieder ausharnen; der lautere Stall, in den niedrigern Sprecharten die kalte Pisse, die Strahlpisse, Nieders. Luttermige.
 
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Lauwarm, adj. et adv. lau, der Wärme nach. Lauwarmes Wasser, laues. Den Wein nur lauwarm machen, lau. Das angehängte warm soll diese Bedeutung des Wortes lau von andern unterscheiden, indem es in manchen Gegenden auch für kraftlos, unschmackhaft, flau, gebraucht wird. Engl. lukewarm.
 
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Die Lauwine, plur. die -n, ein nur in den Schweizerischen Alpengegenden übliches Wort, eine von den Bergen herab fallende Masse Schnee zu bezeichnen. Eine Schnee oder Berglauwine, ein Klumpen Schnee, welcher von den steilen Bergen rollt, sich im Herabfallen vergrößert, und oft ganze Häuser und Dörfer bedecket, welche auch nur schlechthin eine Lauwine, Lawine, und verderbt eine Lauine, Lähne, Löwinn u. s. f. genannt wird. Eine Windlauwine, wenn sie von dem Winde los gerissen wird, oder auch schnell wie ein Wind daher fähret, und auch Staublauwine heißt, weil sie alles mit einem Schneestaube bedeckt; zum Unterschiede von einer Schlag- oder Grundlauwine, welche nicht so geschwind daher fährt, aber alles zu Boden schlägt, ja Bäume, Felsen und Berge mit aus dem Grunde reißet. Im mittlern Lat. Lavanchia, Lauina, in der Dauphinee Lavange, in andern Französischen Gegenden Avalange, Avalanche, in Savoyen Lavanche. Wohl nicht, wie Stumpf und nach ihm Frisch glauben, von dem Oberdeutschen leinen, aufthauen, weil solche Lauwinen am häufigsten bey dem Anfange des Thauwetters zum Vorscheine kommen, sondern unstreitig von dem Lat. labi, fallen; daher die Lauwinen auch an einigen Orten Schneeschlüpfen genannt werden. Schon Isidor sagt: Lavina, lapsum inserens. Und an einem andern Orte: Labina, eo quod ambulantibus lapsum inserat, dicta per derivationem a labe. Daher Labina im mittlern Lateine auch von einer morastigen Gegend gebraucht wurde. S. Adelung Murre.
 
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Der Lavêndel, des -s, plur. inus. eine Pflanze, welche wohl riechende Blumen hat, und in dem mittägigen Europa einheimisch ist, von wannen sie auch ihren Nahmen mit zu uns gebracht hat; Lavandula L. Die Spieke ist eine Art derselben. Im Engl. Lavender, Franz. Lavande, Ital. Lavanda, Lavandola; alle von dem Lat. Lavendula, welches Voß von lavare herleitet, weil man sich dieser Pflanze vor Alters bey dem Baden und Waschen bedienet.
 
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Die Lavete, S. Adelung Laffete.
 
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Der Lavêtzstein, des -es, plur. die -e, eine besonders im Oberdeutschen übliche Benennung eines weichen thonartigen Steines, welcher eigentlich ein mit Glimmer vermischter Seifstein ist, und häufig zu Töpfen, Tiegeln und andern Gefäßen verarbeitet wird, daher er auch Topfstein heißt. Der Nahme ist aus dem Ital. Lavezzo, eine Pfanne, welches wieder von dem Lat. Lebes herkommt, er bedeutet also eben das, was der mehr Hochdeutsche Nahme Topfstein sagen will.
 
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Laviren, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich in der Seefahrt üblich ist, und diejenige Art zu segeln bezeichnet; da man bey widrigem Winde bald nach der einen bald nach der andern Seite zu segelt, und also zwar sehr wenig in der Länge fortrückt aber doch den Cours behält. Im gemeinen Leben auch wohl figürlich, in Erwartung bequemer Gelegenheit sich leidentlich verhalten. Nieders. und Holländ. laveren, Franz. louvoyer, Engl. to laveer, Dän. lovere. Vielleicht von lau, flau, so fern es in einigen Gegenden auch matt, kraftlos bedeutet.

[Bd. 2, Sp. 1952]



 
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Das Lavōr, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Waschbecken; aus dem Franz. Lavoir, im mittlern Lat. Lavarium.
 
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Die Lawine, S. Adelung Lauwine.

 

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