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Lausche bis Läusesalbe (Bd. 2, Sp. 1944 bis 1945)
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Artikelverweis Die Lausche, plur. inus. der Zustand, die Handlung, da man auf etwas lauschet, oder lauert; die Lauer. Auf der Lausche sitzen, sitzen und auf etwas lauschen oder lauern. Auf die Lausche gehen. In den gemeinen Sprecharten einiger Gegenden, z. B. Thüringens, die Lusche.
 
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Lauschen, verb. reg. neutr. mit den Hülfswörtern haben und seyn. 1) Horchen, in der vertraulichen so wohl als edlen Schreibart, und mit dem Hülfsworte haben. An der Thür stehen und lauschen.
   Der Enkel hab ein lauschend Ohr
   Und steh und gaff uns an,
   Gleim.
   Das Volk der Luft
   Lauscht auf ihr Lied, versteckt in dunkles Laub;
   Die kleine Lalage lauscht auch darauf, Kleist nach Hrn. Stosch Anführung. 2) Im Verborgenen auf etwas warten, etwas im Verborgenen zu erblicken, zu erhaschen suchen, auch im guten, wenigstens gleichgültigen Verstande, so wie lauern gemeiniglich im nachtheiligen gebraucht wird; gleichfalls mit dem Hülfsworte haben.
   Dort hätte sie gelauscht, hier hätt ich lauschen wollen,
   Gell.
   Da lauschen furchtsame Nymphen
   Nur halb durchs junge Gesträuche bedeckt,
   Uz. S. auch Belauschen. 3) Sich im Staube der Unthätigkeit, so wohl dem Leibe als dem Gemüthe nach befinden, einen geringern Grad des Schlummers zu bezeichnen; auch mit dem Hülfsworte haben. Im Bette lauschen, im Bette liegen und der stillen Ruhe pflegen ohne zu schlummern.
   Mir scheint kein Großer gleich,
   Wenn ich entzückt in deinen Armen lausche,
   Haged. In dieser Bedeutung ist es auch in den gemeinen Mundarten nicht unbekannt. 4) Sich in der Stille, im Verborgenen nähern, schleichen; in der vertraulichen Sprechart, und mit dem Hülfsworte seyn. Einzeln sind wir durch verschiedene Thore einher gelauscht, Weiße.
   Anm. In der ersten und zweyten Bedeutung bey den Schwäbischen Dichtern luzen, in der Schweiz loßen, im Nieders. lustern, im Hannöv. glustern, in den gemeinen Mundarten Oberdeutschlandes laustern. Ein Laustrer an der Wand hört seine eigne Schand. Es gehöret in diesen beyden ersten Bedeutungen zu dem noch im Oberdeutschen üblichen losen, hören, von welchem es, so wie laustern, das Intensivum zu seyn scheinet, Engl. to listen, bey dem Ulphilas hlausjan, Griech. κλυσαι, Wend. klauszyti, im Schwed. lyda. Loset sines uuortes, er höret sein Wort, Ottfr.
   Losa, losa, wie die vogel singent
   Das in oren sanfte tuot,
   Graf Conrad von Kirchberg. Im Angels. bedeutet daher Hlyst, im Wallis. Clust, und in der Rothwälschen Diebessprache Leisling, das Ohr. Bey den Oberdeutschen Jägern ist verlusen so viel als verhören, d. i. genau auf etwas hören und merken, lauschen. S. Adelung Laut, Losung, Lesen. In den zwey letzten Bedeutungen stammet es zunächst von dem noch bey dem Hornegk befindlichen Lauß, ein verborgener

[Bd. 2, Sp. 1945]


Ort, ab, daher auch laußen bey ihm, so wie loschen bey dem Notker, verborgen seyn bedeutet. Luzzenter ist in Boxhorns Glossen verborgen. S. 2. Lausen, Leise, Lase, Klause u. s. f. Beyde Hauptbedeutungen lassen sich indessen sehr gut mit einander vereinigen und aus einander herleiten.
 
Artikelverweis Das
Lauschgarn, des -es, plur. die -e, in der Jägerey, zarte Garne, welche man des Abends und Morgens vor die Hölzer stellet, Hasen und Füchse damit zu belauschen; das Lauschnetz, Lucknetz, von lugen, sehen, oder belugsen, berücken.
 
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Der Läusebaum, des -es, plur. die -bäume, ein Nahme verschiedener Bäume und Stauden, deren Theile die Läuse an Menschen und Vieh vertreiben sollen. 1) Der Elsebeere, Rhamnus frangula L. deren Holz auch Läuseholz genannt wird, wenn es hier nicht aus Elsebeere verderbt ist, S. dieses Wort. 2) Der Heckenkirsche oder Zaunkirsche, Lonicera Xylosteum L. S. Heckenkirsche.
 
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Der Läusekamm, des -es, plur. die -kämme, ein Kamm mit engen Zähnen, das Ungeziefer damit von dem Kopfe zu bringen.
 
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Die Läusekrankheit, plur. inus. eine Krankheit, bey welcher durch die verdorbenen Säfte eine Menge Läuse ausgebrütet werden; Phthiriasis, Pediculatio, die Läusesucht. Sie entstehet gemeiniglich aus großer Unreinigkeit, verbindet sich aber auch zuweilen mit der fetten Krätze.
 
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Das Läusekraut, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -kräuter, ein Nahme verschiedener Kräuter, welche die Läuse bey den Menschen vertreiben sollen. So sind der Mäusepfeffer, Stachys silvatica L. der gemeine Hahnenkamm, Rhinanthus Crista galli, das Rödelkraut mit seinen Arten, Pedicularis, der Kellerhals, Daphne mezereon, und vielleicht noch andere mehr unter diesem Nahmen bekannt, wo vielleicht auch einige Ähnlichkeit in der Gestalt des Samens zu der Benennung Anlaß gegeben haben kann.
 
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1. † Lausen, verb. reg. act. in der niedrigen Sprechart, Läuse suchen und abnehmen. Narren muß man mit Kolben lausen. Ingleichen nach einer eben so niedrigen Figur, jemanden den Beutel lausen, ihm Geld abschwatzen.
 
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2. † Lausen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, zaudern, fehlerhaft langsam seyn; auch nur in den niedrigen Sprecharten, wo auch wohl ein solcher Zauderer ein Lauser genannt wird. Ingleichen figürlich, im Ausgeben zauderhaft, karg, geitzig seyn. Daher ein Lauser, ein karger Filz. Es scheinet hier von lauschen, verborgen seyn, schleichen, oder vielmehr von laß, träge, abzustammen, und den verächtlichen Nebenbegriff der ihm anklebet, bloß dem Gleichlaute mit dem vorigen Worte zu danken zu haben. S. 2. Lausig.
 
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Der Lauser, des -s, plur. ut nom. sing. S. das vorige.
 
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Die Läusesalbe, plur. doch nur von mehrern Arten, die -n, eine Salbe wider die Läuse.

 

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