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Laugold bis Laus (Bd. 2, Sp. 1941 bis 1943)
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Artikelverweis Das Laugold, des -es, plur. inus. in einigen besonders Oberdeutschen Gegenden, falsches, unechtes Gold, doch nur von dünnen Messingblättchen, welche zur Nachahmung solcher Goldblättchen geschlagen, und gemeiniglich zu Flintern verarbeitet werden; Rauschgold, Knastergold. Daher die Laugoldschläger, welche das Messing zu solchen dünnen Blättern schlagen, und an andern Orten Flintenschläger, Flinterer heißen. Lau, lou bedeutete ehedem falsch, unecht, und in der Rothwälschen Diebessprache hat loe diese Bedeutung noch, und Loeformat sind daselbst falsche Briefe. Es scheinet mit lau und vielleicht mit dem vorigen läugnen und dessen Stammworte laugen verwandt zu seyn.
 
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Die Lauigkeit, plur. inus. der Zustand eines Körpers, da er lau ist, wofür doch Laulichkeit üblicher ist.
 
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Die Lauine, S. Adelung Lauwine.
 
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Laulich, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, ein wenig lau, ob es gleich, da sich die Grade der Wärme nicht so genau bestimmen lassen, sehr oft auch für lau gebraucht wird. Lauliches Wasser. Das Wasser laulich werden lassen. Ingleichen figürlich, des pflichtmäßigen oder doch gewöhnlichen Eifers beraubt. Eine lauliche Liebe. Das Christenthum sehr laulich üben.
 
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Die Laulichkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es laulich ist, so wohl eigentlich als figürlich. Die Laulichkeit des Gemüthes gegen Gott, der Zustand schwächerer Neigungen gegen Gott, als gegen andere Dinge, deren merklichere Grade Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit sind; im Gegensatze der Inbrunst.
 
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Der Läumund, S. Adelung Leumund.
 
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Die Laune, plur. die -n, ein altes Wort, welches ehedem nur in den gemeinen Sprecharten üblich war, seit einiger Zeit aber auch in die edlere Schreibart aufgenommen ist. Es bedeutet,
   1. * Die Gesichtsbildung eines Menschen, und in weiterer Bedeutung, die äußere Gestalt eines jeden Dinges; welche Bedeutung im Deutschen nur noch einige Spuren hinterlassen hat, aus den verwandten Sprachen aber desto erweislicher ist. Bey dem Ulphilas ist Lynne die Gesichtsbildung, im Schwedischen Lund das Gesicht, und im Wallisischen Llun eine jede Gestalt. In den Deutschen Mundarten kommen dessen Ableitungen noch von einigen besondern zufälligen Gestalten des Gesichtes vor. Dahin gehöret das Nieders. lunen, sauer sehen, lunsk, tückisch aussehend, lünschen, das Maul hängen, schmollen, das Oberdeutsche launen, mürrisch von der Seite sehen, und vielleicht auch das Nieders. lünfen, lünsken, still vor sich hin sehen,

[Bd. 2, Sp. 1942]


figürlich nachdenken, im Mecklenburg. nalünsen, und nach etwas forschen im Osnabrück. lünsken, wenn nicht vielmehr diese letztern Zeitwörter zu unserm lauschen gehören. Aus allem scheinet zu erhellen, daß der Begriff des Sehens in diesem Worte der herrschende, und daß es ein Seitenverwandter von Glanz, Flinkern, Lahn u. s. f. ist.
   2. Figürlich.
   1) * Die Art und Weise, die Art, wie ein Ding da ist; eine im Deutschen fremde Bedeutung, welche sich aber noch in dem Schwedischen Lund und Lynne befindet, welche so wohl allein, als in allerley Zusammensetzungen üblich sind. Allälund bedeutet daselbst auf alle Art und Weise, annorlunda auf andere Art, hurulunda wie, margalunda auf mancherley Art, Lunderni die Gemüthsfähigkeit, ingenium u. s. f.
   2) In engerer Bedeutung, die Stellung des Gemüthes, die Einrichtung des Veränderlichen in demselben, in einzelnen Fällen, besonders so fern sich selbige durch äußere Merkmahle an den Tag legt.
   (a) Überhaupt. Bey guter Laune seyn, aufgeräumt seyn. Die mürrische, närrische Laune haben. Üble Laune, Unmuth. Ich kenne ihre Launen zu gut, als daß ich mich auf sie verlassen könnte. Er hat die ernsthafte, die philosophische, die lustige Laune, sein Gemüth ist jetzt zur Ernsthaftigkeit, zum Philosophiren, zur Lustigkeit bestimmt. Ich ward so vorsichtig, daß ich jede Veränderung meiner Laune, wie der Arzt das Maß des Pulsschlages, auszuspähen suchte, Hermes. Von guter Laun ist er dabey, Weiße. Er hat es nicht in der Laune, heißt im Niedersächsischen, der Kopf stehet ihm nicht darnach, er ist nicht dazu aufgelegt. Zuweilen, besonders im gemeinen Leben, auch von zufälligen körperlichen Neigungen. Er schläft beständig, und ich weiß nicht, was ich von dieser Laune sagen soll. Der Trieb nach dem Essen zu schlafen wird im gemeinen Leben Meißens im Scherze die Zwenkische Laune genannt, zu welcher Benennung ein Bürgermeister aus dem kleinen Orte Zwenka Anlaß gegeben haben soll. In Baiern ist launlen schlummern. Auch gewisse epidemische Krankheiten, besonders geringerer Art, z. B. Schnupfen, Flüsse, Husten u. s. f. heißen im gemeinen Leben Launen.
   (b) In engerer Bedeutung, gewisse besondere Arten der Gemüthsstellung und deren Äußerung durch Mienen und Worte. (α) Mürrische, verdrießliche Gemüthsstellung und deren Äußerung, besonders im gemeinen Leben Ober- und Nieder Deutschlandes. Laß ihn gehen, er hat die Laune. (β) Gute Gemüthstellung, Aufgeräumtheit. Ihre Laune war eben nöthig, um mich aufzuheitern. (γ) Derjenige Zustand des Gemüthes und der Einbildungskraft, da man den Dingen durch Umkehrung der gewöhnlichen Begriffe das Ansehen der Neuheit zu geben sucht; wenn man z. B. sich das Ansehen gibt, daß man die Tugend lächerlich, und das Laster angenehm vorstellen wolle. In dieser Bedeutung ist es besonders in den neuern Werken des Witzes aufgenommen worden, das Engl. Humour auszudrucken. So sagt man von Yorick, er habe eine unnachahmliche Laune; wo es auch zuweilen für Wirkungen dieser Laune, für launige Einfälle gebraucht wird.
   Anm. In dieser ganzen zweyten figürlichen Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern Lune, im Niedersächsischen Lune, im Schwed. Luna und Lund, im Finnländischen Luondo und Luonnon. Wachter leitet es in derselben von dem Griechischen ελαυγεσθαι, Frisch und Ihre aber von dem Lat. Luna, der Mond, ab, weil dieser einen merklichen Einfluß in die menschliche Gemüthsstellung haben soll. Allein, man darf wohl nicht erst erinnern, wie gezwungen und seltsam eine solche Ableitung ist.

[Bd. 2, Sp. 1943]


Die oben angenommene Abstammung ist so wohl wahrscheinlicher und fruchtbarer, als auch dem Gange der menschlichen Ideen, besonders in der Deutschen Sprache, gemäßer. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Laun.
 
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Launig, -er, -ste, adj. et adv. von dem vorigen Hauptworte, Laune habend, in derselben gegründet, doch nur in den beyden letzten engsten Bedeutungen, gute, angenehme, lustige Laune habend, und darin gegründet; ein von den neuern eingeführtes Wort, wofür andere mit wenigerm Beyfalle launenhaft versucht haben. Ein launiger Schriftsteller. Launige Einfälle. Der launigste Ton, Less.
 
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Launisch, -er, -te, adj. et adv. gleichfalls von dem vorigen Hauptworte, welches im gemeinen Leben, doch nur von übler, böser Laune üblich ist, und daselbst oft läunisch, Nieders. lünsk, lautet. So bedeutet es daselbst tückisch, mürrisch, verdrießlich, unmuthig. Er wird zornig und launisch auf ihr, Luther in der Kirchen-Postille. Im gemeinen Leben nennet man ein Thier läunisch, wenn es unmuthig ist, und nicht fressen will. Einige Schriftsteller gebrauchen es sehr ungeschickt für das vorige launig, machen aber dadurch, daß sich der diesem Worte anklebende unangenehme und niedrige Nebenbegriff nothwendig mit eindrängt, der überhaupt den meisten neuern Bey- und Nebenwörtern auf -isch anklebet. Dem Lazius bey dem Frisch zu Folge ist in Kärnthen und Steiermark auch launig für launisch, unmuthig, üblich, und Hagen sagt bey dem Pez von einer Königinn von Maschau, daß sie bisweilen unlewntig, d. i. im Kopfe verrückt, gewesen. S. auch Wetterläunisch.
 
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Die Laure, Lauren u. s. f. S. Adelung Lauer, Lauern.
 
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Die Laus, plur. die Läuse, Diminut. das Läuschen, Oberd. Läuslein, ein Nahme verschiedener kleiner kriechender Insecten, deren Kriechen auf der Haut eine merkliche Empfindung macht. Dahin gehöret die Blattlaus, Aphis L. von welcher es verschiedene, theils geflügelte, theils ungeflügelte Arten gibt, welche sich auf den Pflanzen aufhalten, und von ihrem Safte leben. Von dieser Art sind die kleinen grünen Läuse an den Nelken. In engerer Bedeutung ist die Laus ein ungeflügeltes Insect, welches ein Maul mit einem Stachel hat, und sich an Menschen und Thieren aufhält, von deren Blute es lebt, und denselben durch Kriechen und Saugen beschwerlich wird, Pediculus L. Läuse haben, Läuse suchen u. s. f. In den niedrigen Sprecharten hat man von diesem verächtlichen Insecte, welches nur ein Kostgänger niedriger und unreinlicher Leute ist, verschiedene figürliche R. A. Er prangt, wie eine Laus auf einem Sammetkragen, sagt man von einem armen Menschen, der sich mit fremden Kleidern oder Vorzügen brüstet. Er sitzt so sicher, wie eine Laus zwischen zwey Nägeln, er befindet sich in der augenscheinlichsten Gefahr. Er würde eine Laus schinden um des Balges willen, eine Beschreibung eines im höchsten Grade filzigen Menschen. Sich eine Laus in den Pelz setzen, sich einen lästigen Menschen, oder eine beschwerliche Sache auf den Hals laden. Die Laus läuft ihm über die Leber, heißt es von einem, der leicht unwillig wird, wofür Kaisersberg sagt, das Würmlein ist ihm bald in die Nase geloffen. Er weiß einer jeden Laus eine Stelze zu machen, eine Beschreibung eines Menschen, der in fremden Angelegenheiten sehr weise ist. Eine Laus im Ohre haben, ein böses Gewissen u. s. f. Die Läuse der Thiere bekommen ihren Nahmen von den Thieren, auf welchen sie sich aufhalten. So hat man Hundsläuse, Schafläuse, Hühnerläuse, Bienenläuse u. s. f.
   Anm. In den Monseeischen Glossen Luus, im Nieders. Luus, im Angels. Lus, im Engl. Louse, im Schwed. Lus, im Bretagnischen Laou, bey den Krainerischen Wenden Vsh. Frisch

[Bd. 2, Sp. 1944]


leitet es von dem Wend. lizu, kriechen, ab, mit welchem unser los verwandt zu seyn scheinet; Ihre hingegen bringt das Bretagnische lous, schändlich, unrein, oder das Griech. λυσσα, welches eine Art Würmer auf den Zungen der Hunde bedeutet, in Vorschlag. Das Verächtliche dieses Thieres und seines Nahmens klebt auch allen folgenden Ableitungen und Zusammensetzungen an, daher man sie in der edlen und anständigen Sprechart gern vermeidet. In der Rothwälschen Diebessprache wird eine Laus Hanswalter und Kimmer genannt.

 

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