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Laugensalz bis Laune (Bd. 2, Sp. 1940 bis 1941)
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Artikelverweis Das Laugensalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, S. Adelung Laugenartig. Die Potasche, das Weinsteinsalz und die Soda sind solche Laugensalze, und werden, so fern sie aus der Asche gelauget werden, auch Aschensalz genannt. S. Alkali.
 
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Die Laughütte, plur. die -n, in den Alaunwerken, diejenige Hütte, oder derjenige Theil der Hütte, in welcher der Alaun ausgelauget wird; zum Unterschiede von der Siedehütte.
 
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Laugicht, oder Laugig, adj. et adv.S. Adelung Laugenhaft.
 
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Läugnen, verb. reg. act. 1) * Verhehlen, verschweigen; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Johannes bekannte und läugnete nicht, und er bekannte: ich bin nicht Christus, Joh. 1, 20. 2) Sein Urtheil von der Unwahrheit oder Unrichtigkeit eines Satzes fällen, verneinen, für falsch erklären. Ich läugne den voraus gesetzten Satz, erkläre ihn für unrichtig. Titius läugnete, daß er Cajum gesehen habe, verneinete, daß er ihn gesehen habe. Ich läugne die Folge, erkläre sie für falsch und unrichtig. In vielen Fällen ist dafür verneinen üblicher, z. B. ein verneinender Satz. Auch die biblische R. A. Gott läugnen, den Vater und den Sohn läugnen, dessen Daseyn verneinen, 1 Joh. 2, 22, 23, fängt an zu veralten, wenn es nicht den Nebenbegriff der folgenden Bedeutung mit einschließet. Indessen sagt man doch noch ein Gottesläugner, der Gottes Daseyn verneinet. 3) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, wider seine Überzeugung, oder besseres Wissen, verneinen. Da läugnete Sara und sprach: ich habe nicht gelachet, 1 Mos. 18, 15. Wer seine Missethat läugnet, dem wirds nicht gelingen, Sprichw. 28, 13. Eine begangene That läugnen. Der Dieb läugnet alles. Läugne es nur nicht. 4) * Figürlich, wider sein Wesen, wider seine Eigenschaften, wider seine wahre Gesinnung handeln; eine veraltete Bedeutung, wofür verläugnen üblicher ist. Sich selbst kann Gott nicht läugnen, 2 Tim. 2, 13.
   Statt des ungewöhnlichern Hauptwortes die Läugnung ist außer der Zusammensetzung das Läugnen üblicher, obgleich jenes noch bey dem Opitz vorkommt:
   Denn daß viel Sachen so haben den Beginn,
   Ist aller Läugnung frey, kann nicht geläugnet werden.
   Anm. In allen obigen Bedeutungen schon bey dem Ulphilas laugnjan, im Tatian laugnan, im Nieders. lögnen, löchnen,

[Bd. 2, Sp. 1941]


im Oberd. aber laugnen, im Isländ. legna und ohne Gaumenlaut leyna, bey den nördlichen Engländern to lean. Die Endsylbe -nen zeiget schon, daß dieses Zeitwort ein Intensivum ist. Das Stammwort heißt laugen, welches in eben dieser Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern so wohl, als im Schwabenspiegel und bey dem Hornegk vorkommt. Allein die heutige Bedeutung ist nur noch ein Überbleibsel einer weit ausgebreitetern, indem dieses Wort eigentlich verbergen, verhehlen und verbergen seyn bedeutete. Im Wallis. ist Ilechu verborgen seyn, im Schwed. löna, ehedem klauna, verbergen, bey dem Ulphilas analaugn verborgen, analaugniba heimlich, und galaugnjan verhehlen, womit auch das veraltete Lage, heimliche Nachstellung, verwandt ist. Aus allem erhellet, daß dieses Wort zu dem Geschlechte des Wortes Loch, Lücke u. s. f. gehöret. Da das a in allen verwandten Sprachen und Mundarten so merklich hervor sticht, so schreibt man es auch richtiger läugnen als leugnen. S. auch Lüge, Lügen und Laugold.
 
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Das Laugold, des -es, plur. inus. in einigen besonders Oberdeutschen Gegenden, falsches, unechtes Gold, doch nur von dünnen Messingblättchen, welche zur Nachahmung solcher Goldblättchen geschlagen, und gemeiniglich zu Flintern verarbeitet werden; Rauschgold, Knastergold. Daher die Laugoldschläger, welche das Messing zu solchen dünnen Blättern schlagen, und an andern Orten Flintenschläger, Flinterer heißen. Lau, lou bedeutete ehedem falsch, unecht, und in der Rothwälschen Diebessprache hat loe diese Bedeutung noch, und Loeformat sind daselbst falsche Briefe. Es scheinet mit lau und vielleicht mit dem vorigen läugnen und dessen Stammworte laugen verwandt zu seyn.
 
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Die Lauigkeit, plur. inus. der Zustand eines Körpers, da er lau ist, wofür doch Laulichkeit üblicher ist.
 
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Die Lauine, S. Adelung Lauwine.
 
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Laulich, -er, -ste, adj. et adv. eigentlich, ein wenig lau, ob es gleich, da sich die Grade der Wärme nicht so genau bestimmen lassen, sehr oft auch für lau gebraucht wird. Lauliches Wasser. Das Wasser laulich werden lassen. Ingleichen figürlich, des pflichtmäßigen oder doch gewöhnlichen Eifers beraubt. Eine lauliche Liebe. Das Christenthum sehr laulich üben.
 
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Die Laulichkeit, plur. inus. der Zustand eines Dinges, da es laulich ist, so wohl eigentlich als figürlich. Die Laulichkeit des Gemüthes gegen Gott, der Zustand schwächerer Neigungen gegen Gott, als gegen andere Dinge, deren merklichere Grade Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit sind; im Gegensatze der Inbrunst.
 
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Der Läumund, S. Adelung Leumund.
 
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Die Laune, plur. die -n, ein altes Wort, welches ehedem nur in den gemeinen Sprecharten üblich war, seit einiger Zeit aber auch in die edlere Schreibart aufgenommen ist. Es bedeutet,
   1. * Die Gesichtsbildung eines Menschen, und in weiterer Bedeutung, die äußere Gestalt eines jeden Dinges; welche Bedeutung im Deutschen nur noch einige Spuren hinterlassen hat, aus den verwandten Sprachen aber desto erweislicher ist. Bey dem Ulphilas ist Lynne die Gesichtsbildung, im Schwedischen Lund das Gesicht, und im Wallisischen Llun eine jede Gestalt. In den Deutschen Mundarten kommen dessen Ableitungen noch von einigen besondern zufälligen Gestalten des Gesichtes vor. Dahin gehöret das Nieders. lunen, sauer sehen, lunsk, tückisch aussehend, lünschen, das Maul hängen, schmollen, das Oberdeutsche launen, mürrisch von der Seite sehen, und vielleicht auch das Nieders. lünfen, lünsken, still vor sich hin sehen,

[Bd. 2, Sp. 1942]


figürlich nachdenken, im Mecklenburg. nalünsen, und nach etwas forschen im Osnabrück. lünsken, wenn nicht vielmehr diese letztern Zeitwörter zu unserm lauschen gehören. Aus allem scheinet zu erhellen, daß der Begriff des Sehens in diesem Worte der herrschende, und daß es ein Seitenverwandter von Glanz, Flinkern, Lahn u. s. f. ist.
   2. Figürlich.
   1) * Die Art und Weise, die Art, wie ein Ding da ist; eine im Deutschen fremde Bedeutung, welche sich aber noch in dem Schwedischen Lund und Lynne befindet, welche so wohl allein, als in allerley Zusammensetzungen üblich sind. Allälund bedeutet daselbst auf alle Art und Weise, annorlunda auf andere Art, hurulunda wie, margalunda auf mancherley Art, Lunderni die Gemüthsfähigkeit, ingenium u. s. f.
   2) In engerer Bedeutung, die Stellung des Gemüthes, die Einrichtung des Veränderlichen in demselben, in einzelnen Fällen, besonders so fern sich selbige durch äußere Merkmahle an den Tag legt.
   (a) Überhaupt. Bey guter Laune seyn, aufgeräumt seyn. Die mürrische, närrische Laune haben. Üble Laune, Unmuth. Ich kenne ihre Launen zu gut, als daß ich mich auf sie verlassen könnte. Er hat die ernsthafte, die philosophische, die lustige Laune, sein Gemüth ist jetzt zur Ernsthaftigkeit, zum Philosophiren, zur Lustigkeit bestimmt. Ich ward so vorsichtig, daß ich jede Veränderung meiner Laune, wie der Arzt das Maß des Pulsschlages, auszuspähen suchte, Hermes. Von guter Laun ist er dabey, Weiße. Er hat es nicht in der Laune, heißt im Niedersächsischen, der Kopf stehet ihm nicht darnach, er ist nicht dazu aufgelegt. Zuweilen, besonders im gemeinen Leben, auch von zufälligen körperlichen Neigungen. Er schläft beständig, und ich weiß nicht, was ich von dieser Laune sagen soll. Der Trieb nach dem Essen zu schlafen wird im gemeinen Leben Meißens im Scherze die Zwenkische Laune genannt, zu welcher Benennung ein Bürgermeister aus dem kleinen Orte Zwenka Anlaß gegeben haben soll. In Baiern ist launlen schlummern. Auch gewisse epidemische Krankheiten, besonders geringerer Art, z. B. Schnupfen, Flüsse, Husten u. s. f. heißen im gemeinen Leben Launen.
   (b) In engerer Bedeutung, gewisse besondere Arten der Gemüthsstellung und deren Äußerung durch Mienen und Worte. (α) Mürrische, verdrießliche Gemüthsstellung und deren Äußerung, besonders im gemeinen Leben Ober- und Nieder Deutschlandes. Laß ihn gehen, er hat die Laune. (β) Gute Gemüthstellung, Aufgeräumtheit. Ihre Laune war eben nöthig, um mich aufzuheitern. (γ) Derjenige Zustand des Gemüthes und der Einbildungskraft, da man den Dingen durch Umkehrung der gewöhnlichen Begriffe das Ansehen der Neuheit zu geben sucht; wenn man z. B. sich das Ansehen gibt, daß man die Tugend lächerlich, und das Laster angenehm vorstellen wolle. In dieser Bedeutung ist es besonders in den neuern Werken des Witzes aufgenommen worden, das Engl. Humour auszudrucken. So sagt man von Yorick, er habe eine unnachahmliche Laune; wo es auch zuweilen für Wirkungen dieser Laune, für launige Einfälle gebraucht wird.
   Anm. In dieser ganzen zweyten figürlichen Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern Lune, im Niedersächsischen Lune, im Schwed. Luna und Lund, im Finnländischen Luondo und Luonnon. Wachter leitet es in derselben von dem Griechischen ελαυγεσθαι, Frisch und Ihre aber von dem Lat. Luna, der Mond, ab, weil dieser einen merklichen Einfluß in die menschliche Gemüthsstellung haben soll. Allein, man darf wohl nicht erst erinnern, wie gezwungen und seltsam eine solche Ableitung ist.

[Bd. 2, Sp. 1943]


Die oben angenommene Abstammung ist so wohl wahrscheinlicher und fruchtbarer, als auch dem Gange der menschlichen Ideen, besonders in der Deutschen Sprache, gemäßer. Im Oberdeutschen ist es männlichen Geschlechtes, der Laun.

 

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