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2. Laugen bis Läugnen (Bd. 2, Sp. 1939 bis 1940)
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Artikelverweis  2. Laugen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. Man sagt im gemeinen Leben, ein Faß Lauge, wenn der darin befindliche flüssige Körper nach dem frischen Holze des Fasses schmeckt. Ein weingrünes Faß, worin schon Wein gelegen, lauget nicht mehr von dem frischen Holze. Vielleicht von lau, welches in einigen Gegenden, so wie laff, ungeschmackt, kraftlos bedeutet, wenn es nicht eine Figur der zweyten Bedeutung des vorigen Wortes ist.
 
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Laugenartig, -er, -ste, adj. et adv. der Lauge an Art gleich oder ähnlich, laugenhaft. Ein laugenartiger Geschmack. Ein laugenartiges Salz, in der Chymie, eine Art Salzes, welches der Lauge an Geschmack gleichet, und zwar in fester

[Bd. 2, Sp. 1940]


Gestalt erscheinet, aber gemeiniglich an der Luft zu einer Lauge zerfließet, und alsdann Oleum per deliquium genannt wird; alkalisches Salz, Laugensalz.
 
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Die Lāugenásche, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -n, ausgelaugte Asche, aus welcher das Salz und die Schärfe bereits durch Wasser ausgezogen ist. Bey den Wäscherinnen wird sie auch Beuchasche, und bey den Seifensiedern Seifensiederasche genannt.
 
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Laugenhaft, adj. et adv. der Lauge an Geruch oder Geschmacke ähnlich; alkalinisch, im gemeinen Leben laugicht oder laugig. Ein laugenhaftes Wasser, eine Art mineralischen Wassers, welches nach der Abrauchung ein mineralisches Alkali gibt, und der Lauge an Geschmack ähnlich ist.
 
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Der Laugenkorb, des -es, plur. die -körbe, in der Hauswirthschaft, ein grob geflochtener Korb, in welchen man den Laugensack oder das Laugentuch, d. i. den Sack mit Asche, hänget, um das Wasser, welches man zu Lauge machen will, dadurch zu seihen.
 
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Das Laugenkraut, des -es, plur. inus. eine Pflanze, siehe Wohlverley.
 
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Der Laugensack, des -es, plur. die -säcke, S. Adelung Laugenkorb.
 
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Das Laugensalz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, S. Adelung Laugenartig. Die Potasche, das Weinsteinsalz und die Soda sind solche Laugensalze, und werden, so fern sie aus der Asche gelauget werden, auch Aschensalz genannt. S. Alkali.
 
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Die Laughütte, plur. die -n, in den Alaunwerken, diejenige Hütte, oder derjenige Theil der Hütte, in welcher der Alaun ausgelauget wird; zum Unterschiede von der Siedehütte.
 
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Laugicht, oder Laugig, adj. et adv.S. Adelung Laugenhaft.
 
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Läugnen, verb. reg. act. 1) * Verhehlen, verschweigen; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Johannes bekannte und läugnete nicht, und er bekannte: ich bin nicht Christus, Joh. 1, 20. 2) Sein Urtheil von der Unwahrheit oder Unrichtigkeit eines Satzes fällen, verneinen, für falsch erklären. Ich läugne den voraus gesetzten Satz, erkläre ihn für unrichtig. Titius läugnete, daß er Cajum gesehen habe, verneinete, daß er ihn gesehen habe. Ich läugne die Folge, erkläre sie für falsch und unrichtig. In vielen Fällen ist dafür verneinen üblicher, z. B. ein verneinender Satz. Auch die biblische R. A. Gott läugnen, den Vater und den Sohn läugnen, dessen Daseyn verneinen, 1 Joh. 2, 22, 23, fängt an zu veralten, wenn es nicht den Nebenbegriff der folgenden Bedeutung mit einschließet. Indessen sagt man doch noch ein Gottesläugner, der Gottes Daseyn verneinet. 3) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, wider seine Überzeugung, oder besseres Wissen, verneinen. Da läugnete Sara und sprach: ich habe nicht gelachet, 1 Mos. 18, 15. Wer seine Missethat läugnet, dem wirds nicht gelingen, Sprichw. 28, 13. Eine begangene That läugnen. Der Dieb läugnet alles. Läugne es nur nicht. 4) * Figürlich, wider sein Wesen, wider seine Eigenschaften, wider seine wahre Gesinnung handeln; eine veraltete Bedeutung, wofür verläugnen üblicher ist. Sich selbst kann Gott nicht läugnen, 2 Tim. 2, 13.
   Statt des ungewöhnlichern Hauptwortes die Läugnung ist außer der Zusammensetzung das Läugnen üblicher, obgleich jenes noch bey dem Opitz vorkommt:
   Denn daß viel Sachen so haben den Beginn,
   Ist aller Läugnung frey, kann nicht geläugnet werden.
   Anm. In allen obigen Bedeutungen schon bey dem Ulphilas laugnjan, im Tatian laugnan, im Nieders. lögnen, löchnen,

[Bd. 2, Sp. 1941]


im Oberd. aber laugnen, im Isländ. legna und ohne Gaumenlaut leyna, bey den nördlichen Engländern to lean. Die Endsylbe -nen zeiget schon, daß dieses Zeitwort ein Intensivum ist. Das Stammwort heißt laugen, welches in eben dieser Bedeutung schon bey den Schwäbischen Dichtern so wohl, als im Schwabenspiegel und bey dem Hornegk vorkommt. Allein die heutige Bedeutung ist nur noch ein Überbleibsel einer weit ausgebreitetern, indem dieses Wort eigentlich verbergen, verhehlen und verbergen seyn bedeutete. Im Wallis. ist Ilechu verborgen seyn, im Schwed. löna, ehedem klauna, verbergen, bey dem Ulphilas analaugn verborgen, analaugniba heimlich, und galaugnjan verhehlen, womit auch das veraltete Lage, heimliche Nachstellung, verwandt ist. Aus allem erhellet, daß dieses Wort zu dem Geschlechte des Wortes Loch, Lücke u. s. f. gehöret. Da das a in allen verwandten Sprachen und Mundarten so merklich hervor sticht, so schreibt man es auch richtiger läugnen als leugnen. S. auch Lüge, Lügen und Laugold.

 

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