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Läufer bis Laufgraben (Bd. 2, Sp. 1935 bis 1937)
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Artikelverweis Der Läufer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte laufen. 1) Eine Person, welche läuft, Fämin. die Läuferinn. Er ist ein guter Läufer, läuft gut, d. i. schnell. Besonders sind die Läufer auf besondere Art gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen oder Pferde ihres Herren herlaufen. Ehedem pflegte man auch die Fußbothen Läufer zu nennen, wie in einigen Oberdeutschen Gegenden wohl noch jetzt geschiehet. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung einige Mahl vor. Auch im Hochdeutschen kennet mann es in dieser Bedeutung in dem zusammen gesetzten Bothenläufer. In manchen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit. So nennet man in vielen Gegenden einen Aufseher über eine Waldung zu Fuß einen Heideläufer, zum Unterschiede von einem Heidereiter. Im Niedersächsischen werden die Karrenschieber bey der Deicharbeit Läufer genannt. In dem Schachspiele führen zwey Officiers, welche über Eck das ganze Schachbret durchlaufen können, den Nahmen der Läufer. Sie sind aber ursprünglich Elephanten, dagegen unser Elephant in dem Schachspiele bey den Morgenländern ein Kamehl oder Dromedar ist.
   2) Von Thieren, mit dem Begriffe der Geschwindigkeit in Ansehung des Laufes. So sagt man von einem schnell laufenden Pferde, daß es ein guter Läufer sey. Aber ein schnell laufendes Pferd oder Kamehl überhaupt einen Läufer zu

[Bd. 2, Sp. 1936]


nennen, wie in der Deutschen Bibel mehrmahls geschiehet, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. In vielen einzelnen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit entweder ganz oder doch zum Theil. Bey den Vogelstellern wird ein abgerichteter Vogel, welcher auf dem Vogelherde herum läuft und singt, der Läufer genannt. Junge entwöhnte Schweine werden so lange bis sie das erste Mahl sich begatten, in der Landwirthschaft Läufer genannt, vermuthlich weil man sie in dieser Zeit frey herum laufen lässet.
   3) Ingleichen von leblosen, aber beweglichen Dingen, in verschiedenen einzelnen Fällen. So heißt in den Mühlen der obere Mühlstein, welcher sich auf dem untern unbeweglichen herum drehet, der Läufer. Bey denjenigen, welche mit geriebenen Farben zu thun haben, ist der Läufer der kleinere bewegliche Stein in Gestalt eines Kegels, mit welchem die Farbe auf dem Reibesteine zerrieben wird. In der Seefahrt werden die beweglichen Stücke auf dem Jacobsstabe Läufer genannt. Bey den Tuchbereitern ist der Läufer das bewegliche Blatt an der Tuchschere, im Gegensatze des Liegers, oder des unbeweglichen. Die Ranken an den Erdbeeren und andern Pflanzen, sind häufig unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Eine Art wilden oder Weidenhopfens heißt Läufer, weil er sich zeitlich von der Hitze aufthut, und so wohl seinen Samen, als das Mehl laufen läßt. Der Läufer der Seiler ist ein in der Wand stehendes bewegliches Rad, ein Seil mit vier Haken daran zu spinnen; das Seilerrad, der Wirbel. An den Thorwegen der Meierhöfe ist der Läufer ein gerade stehendes Holz an der Seite, wo die Haspen sind, welches unten einen in einer Pfanne beweglichen Zapfen hat, oben aber wie ein Cylinder gestaltet ist, damit es in eine Angel gehen könne. Eine abgelaufene Spule, auf welcher nicht Wolle genug gewunden gewesen, heißt bey den Tuchmachern ein Läufer, und unter den Gränzsteinen sind diejenigen, welche zwischen den Haupt- und Ecksteinen stehen, und gleichsam mit unter laufen, unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Die Mäurer nennen diejenigen Mauersteine, welche nach der Länge der Mauer gehen, Läufer, zum Unterschiede von den Bindern, welche sich nach der Dicke erstrecken. In der Musik macht man einen Läufer, wenn man von einer Note zu einer andern entferntern alle der Scale gemäß dazwischen liegende Tonstufen in der Geschwindigkeit mit berühret.
   Anm. Im Nieders. Looper, im Oberd. Laufer, weil man daselbst in der zweyten und dritten Person du laufst, er lauft, sagt. Im Hochdeutschen, wo das a in dieser Person am häufigsten in ein ä übergeht, ist daher auch Läufer üblicher.
 
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Die Läuferbüchse, plur. die -n, an einigen Orten, diejenige Büchse, worin die Bothenläufer ihre Briefschaften tragen
 
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Der Läuferplatz, des -es, plur. die -plätze, bey den Vogelstellern, derjenige Platz auf dem Vogelherde, auf welchem die Läufer oder Läufervögel zum Herumlaufen angestellt sind.
 
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Der Läufervogel, des -s, plur. die -vögel, eben daselbst, ein auf dem Vogelherde zum Herumlaufen angefesselter Lockvogel; ein Läufer.
 
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Der Läuferzug, des -es, plur. die -züge, eben daselbst, zarte lederne Riemchen, welche den Lockvögeln um den Leib geleget werden, sie daran zu befestigen oder anzuläufern.
 
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Der Lauffaden, des -s, plur. die -fäden, bey den Jägern, ein Faden, an welchem sich das Ingarn oder der Busen eines spiegeligen Garnes hin und wieder ziehen lässet.
 
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Das Lauffeuer, des -s, plur. ut nom. sing. in einer langen Reihe gestreuetes Schießpulver, eine Mine oder andere Ladung damit anzuzünden, weil das Feuer diese Reihe in der Geschwindigkeit gleichsam durchläuft. Auch diejenige Art zu

[Bd. 2, Sp. 1937]


feuern bey den Soldaten, wo ein Gewehr in der Geschwindigkeit nach dem andern abgefeuert wird, ein Lauffeuer genannt.
 
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Der Lāuffūß, des -es, plur. die -füße, Füße, welche zum Laufen dienen, besonders bey den Insecten; zum Unterschiede von den Scheren, den Schwimmfüßen und Springfüßen.
 
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Das Laufgêld, des -es, plur. inus. bey einigen Handwerkern und Künstlern, das Reisegeld, welches der Herr oder Meister einem von einem andern Orte her verschriebenen Gesellen vergütet. In einigen Gegenden wird auch das Handgeld oder Werbegeld, welches man einem angeworbenen Soldaten gibt, um eben dieser Ursache willen das Laufgeld genannt.
 
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Das Laufgerüst, des -es, plur. die -e, in der Baukunst, eine breterne Brücke, vermittelst welcher man auf das Baugerüst gelangt; in dem Hüttenbaue die Laufbrücke.
 
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Der Laufgraben, des -s, plur. die -gräben, in der Kriegsbaukunst, ein Graben mit einer Brustwehre, welchen die Belagerer auf einen belagerten Ort zu führen, um sich demselben ohne Gefahr zu nähern; vermuthlich weil solche Gräben bey dem Sturmlaufen vorzüglich nützlich sind. Franz. les Approches, Tranchées. Es ist im Plural am üblichsten, weil gemeiniglich mehrere geführet werden.

 

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