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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Laufdohne bis Lāuffūß (Bd. 2, Sp. 1933 bis 1937)
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Artikelverweis Die Laufdohne, plur. die -n, bey den Jägern, Dohnen oder Schlingen, welche nahe über der Erde oder auf der Erde aufgestellet werden, allerhand Federwildbret darin zu fangen; Laufschlingen, Laufschneißen, das Bodengericht, Erdgericht. Entweder weil sie auf dem Boden gleichsam hinlaufen, oder auch weil die Vögel im Laufen darin gefangen werden.
 
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Die Laufel, plur. die -n. 1) Eine Laufdohne, und überhaupt eine jede Schlinge zum Vogelfangen. 2) Bey den Jägern werden auch die kleinen Pfade der Hühner im Grase und des Viehes um die Wälder Laufeln oder Gelaufen genannt; zum Unterschiede von den Fährten anderer Thiere.
 
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Laufen, verb. irreg. neutr. welches in den meisten Fällen das Hülfswort seyn erfordert. Ich laufe, du läufst, er läuft, (oft auch schon du laufst, er lauft;) Imperf. ich lief; Mittelw. gelaufen, (in den niedrigen Sprecharten geloffen;) Imperat. lauf. Es druckt überhaupt eine beschleunigte Bewegung aus, eine Bewegung, welche schneller ist, als gewöhnlich.
   1. In der engsten Bedeutung, von der beschleunigten Bewegung vermittelst der Füße; zum Unterschiede so wohl von dem Gehen, als auch von dem Springen.
   1) Eigentlich. Lauf nicht eher, als man dich jagt. Mancher läuft ungejagt. Ich fange an zu laufen, er läuft nach, und lief mir immer hinten drein, Raben. Es kam ein Hase gelaufen, S. Adelung Kommen. Du liefest was man laufen kann. Mit jemanden in die Wette, oder um die Wette laufen. Sich müde laufen, sich lahm laufen, sich aus dem Athem laufen, wo es, so wie alle Reciproca, das Hülfswort haben erfordert. Sie liefen über Macht nach dem Gebüsche

[Bd. 2, Sp. 1934]


zu, Less. Der Dieb ist in das Haus gelaufen. Mit dem Kopfe wider die Wand laufen. Bey den Jägern läuft der Rehbock auf das Blatt, wenn er dem vermittelst eines Baumblattes von dem Jäger nachgemachten Rufe des Rehes nacheilet, welches auch auf Reitzen laufen genannt, und von allen andern Thieren gebraucht wird, welche man vermittelst eines nachgemachten Schalles anlocket. In einigen wenigen Fällen stehet dieses Zeitwort, ob es gleich ein Neutrum ist, bey einem Hauptworte in der vierten Endung. Bothschaft laufen, im gemeinen Leben, einen Fußbothen abgeben, welches auch Post laufen genannt wird. Sturm laufen. Seine Straße, seinen Weg laufen, sich schnell entfernen, am häufigsten im Imperativo, lauf deine Straße, für gehe fort, wofür man auch wohl in der zweyten Endung sagt, seiner Wege, seiner Straße laufen oder gehen. Das Pferd läuft einen guten Trab.
   2) Figürlich. (a) Von einigen Thieren sagt man, daß sie laufen, wenn sie sich begatten, weil sie alsdann weiter und mehr als gewöhnlich zu laufen pflegen. So gebraucht man es von den Hunden, und in der Jägerey auch von den Dachsen. Von andern Thieren sind andere Zeitwörter üblich. In diesem Verstande ist zugleich das Hülfswort haben üblich, wenigstens im Hochdeutschen. Der Hund, die Hündinn hat gelaufen, hat sich begattet. Belaufen und läufig sind in einem etwas weitern Umfange der Bedeutung üblich. Bey den Fischern wird es von den Aalen für gebähren, gleichfalls mit dem Hülfsworte haben gebraucht. Die Aale haben gelaufen, weil sie lebendige Jungen zur Welt bringen, dagegen von Eyer legenden Fischen leichen üblich ist. (b) Oft und viel gehen; nicht selten mit einem verächtlichen Nebenbegriffe. Den ganzen Tag herum laufen, müßig. In der Stadt herum laufen. Er läuft gewiß auf den Dörfern herum betteln. Alle Tage in die Spielhäuser laufen. (c) Den Ort oder einen Zustand eilfertig verändern; gleichfalls im verächtlichen Verstande. Der Schuldner ist davon gelaufen. Aus einem Kloster, aus dem Dienste laufen. Jemanden laufen lassen, auch figürlich, sich nicht weiter mit ihm abgeben. (d) Sich eifrig um etwas bewerben; gleichfalls im verächtlichen Verstande. Nach einem Amte laufen. In seyn Verderben laufen.
   2. Von der schnellen Bewegung verschiedener leblosen Körper. Das Schiff läuft in den Hafen, ist auf den Grund gelaufen. Die Post wird bald ablaufen. Die Sonne läuft um die Erde, die Erde um den Mond. Das Rad läuft um. Die Sanduhr läuft nicht mehr, der Sand in der Uhr. Die Uhr ist abgelaufen, die Kette in der Uhr. Es lief mir ein Schauer über die Haut. Die Milch läuft zusammen, wenn sie gerinnet, S. Adelung Lab. Besonders von allen Arten flüssiger Körper. Die Sale läuft in die Elbe, die Oder in die Ostsee; wofür doch fließen und sich ergießen üblicher sind. Das Blut lief aus der Wunde. Der Schweiß lief ihm über das Gesicht. Die Thränen liefen ihm über die Wangen. In der anständigern Sprechart sind auch hier die Zeitwörter fließen und rinnen üblicher. Das Wasser läuft mir in die Schuhe, es läuft in den Keller. Die Lichter laufen, oder lecken, wenn die um den Docht befindliche Vertiefung sich mit geschmolzenem Talge anfüllet, und überläuft. Nach einer bey flüssigen Körpern sehr gewöhnlichen Figur wird bey diesem Zeitworte, so wie bey andern ähnlichen, das Gefäß anstatt des darin befindlichen flüssigen Körpers gesetzt. Das Faß läuft, d. i. der Wein im Fasse läuft aus, das Faß ist leck. Die Schiffe liefen halb voll Wasser, das eingedrungene Wasser füllete die Schiffe halb an. Die Augen laufen ihm voll Wasser, die Thränen treten ihm in die Augen. Auch gebraucht man figürlich dieses Wort von der Zeit

[Bd. 2, Sp. 1935]


und der schnellen Fortpflanzung einiger anderer unkörperlichen Dinge. Die Zeit verläuft, vergehet. Der laufende Monath, das laufende Jahr, im gemeinen Leben, das gegenwärtige. Es läuft ein Gerücht, es breitet sich aus.
   3. In vielen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit, oder wird doch merklich vermindert. So wird im Bergbaue das Wort laufen anstatt gehen, ja oft für tragen gebraucht, besonders in der Zusammensetzung auflaufen. Besonders gehören hierher verschiedene großen Theils figürliche R. A. Bey einer Sache Gefahr laufen, in Gefahr gerathen. Du wirst keine Gefahr laufen, in keine Gefahr gerathen. Mein Beutel lief Gefahr, gestohlen zu werden. Ich habe von ungefähr ein Wort davon laufen lassen, es ist mir ein Wort davon entfahren. Das läuft wider die Ehre, streitet wider dieselbe, ist ihr zuwider. Das läuft wider den Stand der natürlichen Freyheit. Das würde wider die Wahrheit laufen. Das läuft nicht in mein Fach, gehöret nicht in dasselbe, schlägt nicht dahin ein. Die Sache wird auf ein Trauern hinaus laufen, wird sich damit endigen. Worauf wird das hinaus laufen? was wird das für ein Ende nehmen? Das läuft auf Eins hinaus, ist einerley. Ingleichen, für sich erstrecken. Die Küste läuft südwest. Das Gebirge läuft nach Morgen. Manche Pflanzen lassen ihre Zweige und Ranken auf der Erde hin laufen, sich nahe über der Erde ausbreiten.
   Anm. Schon bey dem Kero lauffan, bey dem Ottfried laufan, bey dem Willeram lofen, (wovon das gemeine Mittelwort geloffen abstammet,) im Nieders. lopen, im Isländ. hleipa, im Dän. lobe, und Schwed. löpa. Es bezeichnet überhaupt eine geschwinde Bewegung, daher ist bey dem Ulphilas hlaupan, Angels. hleapan, Engl. to leap, springen, tanzen, S. Adelung Galopp. Auch das Griech. λαφθαζειν, eilen, und Hebr. 05d705dc05e3, gehen, vergehen, durchstechen, gehören zu dem Geschlechte dieses Wortes. Im gemeinen Leben hat man sehr viele Wörter, die besondern Arten des Laufens zu bezeichnen. Unserer rennen, traben und anderer mehr nicht zu gedenken, heißt hin und her laufen im Nieders. bißen, geschwinde laufen eben daselbst klauen, klepen, (S. Klepper,) kilen, kiddeln, und mit kurzen Schritten laufen in eben dieser Mundart zwickern, putjen, padjen, peideln, packern u. s. f.
 
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Der Läufer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte laufen. 1) Eine Person, welche läuft, Fämin. die Läuferinn. Er ist ein guter Läufer, läuft gut, d. i. schnell. Besonders sind die Läufer auf besondere Art gekleidete Bedienten, welche vor dem Wagen oder Pferde ihres Herren herlaufen. Ehedem pflegte man auch die Fußbothen Läufer zu nennen, wie in einigen Oberdeutschen Gegenden wohl noch jetzt geschiehet. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung einige Mahl vor. Auch im Hochdeutschen kennet mann es in dieser Bedeutung in dem zusammen gesetzten Bothenläufer. In manchen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit. So nennet man in vielen Gegenden einen Aufseher über eine Waldung zu Fuß einen Heideläufer, zum Unterschiede von einem Heidereiter. Im Niedersächsischen werden die Karrenschieber bey der Deicharbeit Läufer genannt. In dem Schachspiele führen zwey Officiers, welche über Eck das ganze Schachbret durchlaufen können, den Nahmen der Läufer. Sie sind aber ursprünglich Elephanten, dagegen unser Elephant in dem Schachspiele bey den Morgenländern ein Kamehl oder Dromedar ist.
   2) Von Thieren, mit dem Begriffe der Geschwindigkeit in Ansehung des Laufes. So sagt man von einem schnell laufenden Pferde, daß es ein guter Läufer sey. Aber ein schnell laufendes Pferd oder Kamehl überhaupt einen Läufer zu

[Bd. 2, Sp. 1936]


nennen, wie in der Deutschen Bibel mehrmahls geschiehet, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. In vielen einzelnen Fällen verschwindet der Begriff der Geschwindigkeit entweder ganz oder doch zum Theil. Bey den Vogelstellern wird ein abgerichteter Vogel, welcher auf dem Vogelherde herum läuft und singt, der Läufer genannt. Junge entwöhnte Schweine werden so lange bis sie das erste Mahl sich begatten, in der Landwirthschaft Läufer genannt, vermuthlich weil man sie in dieser Zeit frey herum laufen lässet.
   3) Ingleichen von leblosen, aber beweglichen Dingen, in verschiedenen einzelnen Fällen. So heißt in den Mühlen der obere Mühlstein, welcher sich auf dem untern unbeweglichen herum drehet, der Läufer. Bey denjenigen, welche mit geriebenen Farben zu thun haben, ist der Läufer der kleinere bewegliche Stein in Gestalt eines Kegels, mit welchem die Farbe auf dem Reibesteine zerrieben wird. In der Seefahrt werden die beweglichen Stücke auf dem Jacobsstabe Läufer genannt. Bey den Tuchbereitern ist der Läufer das bewegliche Blatt an der Tuchschere, im Gegensatze des Liegers, oder des unbeweglichen. Die Ranken an den Erdbeeren und andern Pflanzen, sind häufig unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Eine Art wilden oder Weidenhopfens heißt Läufer, weil er sich zeitlich von der Hitze aufthut, und so wohl seinen Samen, als das Mehl laufen läßt. Der Läufer der Seiler ist ein in der Wand stehendes bewegliches Rad, ein Seil mit vier Haken daran zu spinnen; das Seilerrad, der Wirbel. An den Thorwegen der Meierhöfe ist der Läufer ein gerade stehendes Holz an der Seite, wo die Haspen sind, welches unten einen in einer Pfanne beweglichen Zapfen hat, oben aber wie ein Cylinder gestaltet ist, damit es in eine Angel gehen könne. Eine abgelaufene Spule, auf welcher nicht Wolle genug gewunden gewesen, heißt bey den Tuchmachern ein Läufer, und unter den Gränzsteinen sind diejenigen, welche zwischen den Haupt- und Ecksteinen stehen, und gleichsam mit unter laufen, unter dem Nahmen der Läufer bekannt. Die Mäurer nennen diejenigen Mauersteine, welche nach der Länge der Mauer gehen, Läufer, zum Unterschiede von den Bindern, welche sich nach der Dicke erstrecken. In der Musik macht man einen Läufer, wenn man von einer Note zu einer andern entferntern alle der Scale gemäß dazwischen liegende Tonstufen in der Geschwindigkeit mit berühret.
   Anm. Im Nieders. Looper, im Oberd. Laufer, weil man daselbst in der zweyten und dritten Person du laufst, er lauft, sagt. Im Hochdeutschen, wo das a in dieser Person am häufigsten in ein ä übergeht, ist daher auch Läufer üblicher.
 
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Die Läuferbüchse, plur. die -n, an einigen Orten, diejenige Büchse, worin die Bothenläufer ihre Briefschaften tragen
 
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Der Läuferplatz, des -es, plur. die -plätze, bey den Vogelstellern, derjenige Platz auf dem Vogelherde, auf welchem die Läufer oder Läufervögel zum Herumlaufen angestellt sind.
 
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Der Läufervogel, des -s, plur. die -vögel, eben daselbst, ein auf dem Vogelherde zum Herumlaufen angefesselter Lockvogel; ein Läufer.
 
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Der Läuferzug, des -es, plur. die -züge, eben daselbst, zarte lederne Riemchen, welche den Lockvögeln um den Leib geleget werden, sie daran zu befestigen oder anzuläufern.
 
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Der Lauffaden, des -s, plur. die -fäden, bey den Jägern, ein Faden, an welchem sich das Ingarn oder der Busen eines spiegeligen Garnes hin und wieder ziehen lässet.
 
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Das Lauffeuer, des -s, plur. ut nom. sing. in einer langen Reihe gestreuetes Schießpulver, eine Mine oder andere Ladung damit anzuzünden, weil das Feuer diese Reihe in der Geschwindigkeit gleichsam durchläuft. Auch diejenige Art zu

[Bd. 2, Sp. 1937]


feuern bey den Soldaten, wo ein Gewehr in der Geschwindigkeit nach dem andern abgefeuert wird, ein Lauffeuer genannt.
 
Artikelverweis 
Der Lāuffūß, des -es, plur. die -füße, Füße, welche zum Laufen dienen, besonders bey den Insecten; zum Unterschiede von den Scheren, den Schwimmfüßen und Springfüßen.

 

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