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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Der Lauer bis Laufbrücke (Bd. 2, Sp. 1930 bis 1933)
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Artikelverweis  1. Der Lauer, eine lauernde Person, S. Adelung Lauerer.
 
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2. Die Lauer, plur. inus. von dem Zeitworte lauern, die Handlung, der Zustand da man lauert; am häufigsten mit dem Vorworte auf. Auf der Lauer stehen. Jemanden auf die Lauer stellen. Ich bin hier schon fünf Tage auf der Lauer. Im Nieders. und Dän. Luur.
 
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Der Lauerer, am häufigsten zusammen gezogen Laurer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche lauert. Und sie hielten

[Bd. 2, Sp. 1931]


auf ihn und sandten Laurer aus, Luc. 20, 20. Im gemeinen Leben, besonders einiger Mundarten, wird es häufig noch weiter in Laur zusammen gezogen, einen tückischen, boßhaften Menschen zu bezeichnen, wo es oft auch überhaupt ein allgemeines Schimpfwort ist. Bauern sind Lauren. Du Laur, du bist ein vntrewer wicht, Theuerd. Kap. 24. Da Laurerinn im weiblichen Geschlechte das Gehör beleidiget, so gebraucht man der Laurer am häufigsten von beyden Geschlechtern.
 
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Die Lauergrube, plur. die -n, Gruben, worin man auf das Wildbret zu lauern pfleget.
 
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Lauern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Scharf auf etwas sehen oder hören, um es zu Gesicht zu bekommen oder mit dem Gehöre zu entdecken, und in weiterer Bedeutung, warten bis etwas geschehe. Auf etwas lauern, warten bis man es erblickt. An der Thür lauern, horchen. Auf eine bequeme Gelegenheit lauern. Gemeiniglich gebraucht man es auch in dieser allgemeinern Bedeutung nur im Scherze oder nachtheiligen Verstande. S. auch Ablauern und Belauern. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, im Verborgenen zu eines andern Schaden oder Untergang lauern, warten bis einem andern Dinge ein Übel widerfahre, oder um demselben selbst ein Übel zuzufügen. Die Katze lauert auf die Maus, der Fuchs auf die Hühner. Wenn jemand Haß trägt wider seinen Nächsten und lauert auf ihn, und macht sich über ihn u. s. f. 5 Mos. 19, 20. Einem auf den Dienst lauern, ihm nachstellen, auf Gelegenheit lauern, ihm zu schaden. S. auch Lauschen.
   Anm. Im Nieders. luren, gluren, kukeluren, im Dän. lure, Schwed. lura, Engl. to leer und lurk, Isländ. hlera. Es ist das Intensivum von dem noch in der Oberpfalz üblichen lauen, sehen, welches mit dem Oberd. lugen, sehen, genau verwandt ist. Es bedeutet also eigentlich lange und scharf auf etwas sehen. Siehe Beluchsen und Lugen. Es ist also zunächst von dem Sehen hergenommen, so wie das verwandte lauschen zunächst von dem Sinne des Gehöres entlehnet ist. Im Schwed. bedeutet Ljura das Fenster, welches im Slavon. Djura heißt, woraus sich zugleich das Niedersächs. türen für lauern erklären lässet. Unser lauern ist mit dem Nieders. luren, gluren, plieren, und Engl. to leer und lower, mit zusammen gedruckten Augen sehen, ingleichen tückisch ansehen, genau verwandt, indem solche nur besondere Arten der scharfen Bemühung zu sehen sind. Lauren für lauern ist ein Fehler harter Mundarten. Das Nieders. luren hat noch zwey andere Bedeutungen, welche allem Ansehen nach von verschiedenen Stämmen sind. Es bedeutet auch, 1) ankörnen, anlocken, und figürlich mit falscher Hoffnung betrügen, wo es mit dem Franz. leurrer und Engl. to lure, einerley ist. Hier ist es ohne Zweifel aus dem Hochdeutschen ludern zusammen gezogen, indem die Niedersachsen das d zwischen zwey Vocalen in tausend andern Fällen zu verbeißen pflegen. 2) Träge, unlustig seyn, wo es aus lau, faul, träge, entstanden zu seyn scheinet. Im Schwed. ist Lurk ein träger, fauler Mensch.
 
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Der Lauf, des -es, plur. die Läufe, von dem Zeitworte laufen. 1. Die Handlung, oder vielmehr der Zustand da ein Ding läuft; gemeiniglich, einige wenige Fälle ausgenommen, ohne Plural. 1) In eigentlicher und weiterer Bedeutung, der beschleunigte Gang eines Thieres, die schnelle Bewegung eines Körpers; wo es in den meisten Fällen üblich ist, in welchen das Zeitwort gebraucht wird. Einen Hasen im vollen Laufe schießen. Jemanden im vollen Laufe aufhalten. Stracks Laufs, für hurtig, auf der Stelle, Apostelg. 16, 11, Kap. 21, 1, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Schafe nach dem Laufe verkaufen, wie sie einzeln aus der Hürde heraus kommen, ohne

[Bd. 2, Sp. 1932]


sie auszusuchen. Den Lauf eines Flusses hemmen. Den Lauf der Sterne beobachten, ihre kreisförmige Bewegung. Sich auf den Himmelslauf verstehen, auf den Lauf der Himmelskörper. Der schnelle Lauf der Zeit. Ottfried gebraucht in dieser eigentlichern Bedeutung das Wort Louft auch im Plural: Folgeta in then louftin. 2) Figürlich. (a) * Die Begattung der Thiere und die Zeit, wenn sie sich zu begatten pflegen; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher Luther dieses Wort einige Mahl gebraucht. Wenn der Lauf der Frühlingsherde war, 1 Mos. 30, 41. In der Spätlinge Lauf, V. 42. Wenn die Zeit des Laufs kam, Kap. 31, 10. (b) Der Fortgang einer Sache. Der Tod unterbrach den Lauf der Siege Alexanders, oder, unterbrach die Siege Alexanders in ihrem besten Laufe. Was seiner eingebildeten Glückseligkeit in ihrem Laufe entgegen stehet. Seiner Einbildungskraft freyen Lauf lassen. Der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen. Ich will der Sache ihren Lauf lassen. Am Ende unsers Laufes, unsers Lebens. Der Lebenslauf, der Erfolg der Begebenheiten während des Lebens einer Person, und deren Erzählung; in welcher Bedeutung man auch wohl im Plural die Lebensläufe sagt. (c) In engerer Bedeutung, die in dem Wesen der Dinge gegründete Bestimmung ihrer Veränderungen. Der Lauf der Natur, der ganze Inbegriff der Veränderungsgesetze aller erschaffenen Dinge. Man bemerket, daß in dem gemeinen Laufe der Dinge einerley Erfolge oft wieder kommen. Der Lauf der Welt, oder der Welt Lauf, die Gewohnheit der Menschen in der Welt, ihre gewöhnliche Art zu denken und zu handeln. (d) In den Zusammensetzungen Zeitläufte, Kriegesläufte, ist noch das sonst veraltete Lauft, aber nur allein im Plural üblich. Kriegsläufte, Krieg und Kriegszeiten. Zeitläufte, die Zeiten in Ansehung der Veränderungen in denselben. Im Oberdeutschen ist es auch außer der Zusammensetzung üblich. Wegen damahliger trübseliger Läufte, Gryph. d. i. Zeitumstände. Nieders. Luften.
   2. Das Werkzeug, vermittelst dessen ein Thier läuft; in welchem Verstande die Jäger die Beine aller vierfüßigen wilden Thiere Läufe und Läufte zu nennen pflegen. Der Hinterlauf oder Hinterlauft, der Vorderlauf oder Vorderlauft. Einem Hasen einen Lauf abschießen.
   3. Dasjenige worauf ein Ding läuft, oder sich schnell bewegt, ingleichen der Raum, in welchem es läuft, in verschiedenen einzelnen Fällen. Der Lauf eines Flusses, dessen Bett oder Canal; besonders im Niederdeutschen. Ein von Bretern gemachter Gang für die Karrenschieber wird häufig ein Lauf genannt. Bey den Jägern ist der Lauf oder Laufplatz derjenige Platz, auf welchem das Wild bey dem Abjagen vorlaufen muß. In der Anatomie ist der Lauf eines von den sieben Beinen des Vorderfußes, welches sechs Seiten hat, und den Beinen des Schienbeines zur Grundlage dienet; Os balistae, Aitragalus. An einem Schießgewehre, besonders kleinerer Art, ist der Lauf die hohle Röhre, in welche man die Kugel hinein laufen lässet. An den Kanonen wird er die Seele genannt. Bey den Mörsern hingegen behält er den Nahmen des Laufes, wo er der Kammer und dem Stoße oder Boden entgegen gesetzet wird. Die Siebmacher pflegen den runden Reifen eines Siebes, welcher sonst die Trommel heißt, auch den Lauf zu nennen; und an den Mühlen ist der Lauf oder die Zarge die breterne Einfassung des untern Mühlsteines, gegen welche der Läufer oder der obere Mühlstein das gemahlne Getreide, so wie er es zermalmet hat, hinstößet.
   Es stehet dahin, ob das Wort Lauf zu diesen letzten Fällen, wo es einen hohlen Raum bedeutet, nicht vielmehr zu einem andern Stamme gehöret, von welchem auch Laube, in der

[Bd. 2, Sp. 1933]


Bedeutung eines bedeckten Raumes, herkommt. Lop, Löp ist im Schwed. und Lof im Liefländischen ein Getreidemaß, welches dort den sechsten Theil einer Tonne hält. S. Adelung Lof.
   Anm. Als das Abstractum von laufen, im Nieders. Loop, im Dän. Lop, und im Schwed. Lopp.
 
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Die Laufbahn, plur. die -en, eigentlich, ein ebener, gebahnter Platz, worin man mit einem andern um die Wette läuft. Figürlich, der Umfang von Gegenständen, mit welchen wir uns beschäftigen. Die Liebe ist die angenehmste Laufbahn für einen Dichter. Besonders der Zusammenhang der irdischen Dinge und unsere Beschäftigung mit denselben. Du stehest in der Blüthe deiner Jahre, ich aber nähere mich schon dem Ende meiner Laufbahn. Das Glück säet tausend Gefährlichkeiten in unsere Laufbahn.
 
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Das Laufband, des -es, plur. die -bänder, zwey an die Schnürbrust kleiner Kinder befestigte Bänder, woran man sie führet, wenn sie sollen laufen, d. i. gehen lernen; der Laufzaum, das Leitband, Gängelband.
 
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Die Laufbank, plur. die -bänke, ein mit Rädern versehenes Gestell, worin die Kinder laufen, d. i. gehen lernen; der Gängelwagen.
 
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Das Laufbrêt, des -es, plur. die -er, in den Seiden-Manufacturen, ein Bret voller kleinen Löcher, wodurch die Seide auf die Spulen geleitet wird. An der Buchdruckerpresse ist es ein starkes Bret, auf welchem der Karren durch Hülfe der Walze oder Rolle hin und her geschoben wird.
 
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Die Laufbrücke, plur. die -n, eine Brücke, d. i. ein Gerüst von Bretern für die Karrenschieber, so wohl im gemeinen Leben, wo es auch nur ein Lauf genannt wird, als auch im Hüttenbaue, den Eisenstein zur Gicht aufzulaufen. Ingleichen, eine schmale Brücke, bloß für Fußgänger.

 

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