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Lauchfarbe bis Lauern (Bd. 2, Sp. 1930 bis 1931)
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Artikelverweis Die Lauchfarbe, plur. inus. ein Abstractum, eine gelblich grüne Farbe zu bezeichnen, welche ein wenig in das Braune fällt, den Übergang in dasselbe ausmacht, und der grünen Farbe des Knoblauches gleichet. Die Olivenfarbe ist eine Abänderung derselben. Daher lauchfarbig oder lauchgrün, adj. et adv. diese Farbe habend.
 
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Der Lauck, des -es, plur. die -e, ein Fisch, S. 1. Lauge.
 
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Das Laūdanum, des -ni, plur. car. ein schleimiges Harz, welches in gewissen Jahreszeiten aus den Blättern einiger Arten der Cisten Staude oder Cisten-Rose schwitzet, und in Griechenland und auf den Griechischen Inseln gesammelt wird. Der Nahme, welcher auch Ladanum lautet, ist ausländisch.
 
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Die Laue, plur. die -n, eine Art Fische, S. 1. Lauge.
 
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Lauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, lau seyn, S. Adelung Lau.
 
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1. Der Lauer, des -s, plur. inus. in den Weinländern, ein geringes Getränk für das Gesinde und die Arbeiter, welches man erhält, wenn man nach ausgekeltertem Moste Wasser auf die Treber oder Trestern gießet, solche noch Ein Mahl presset, und den erhaltenen Most vergähren lässet; Nachwein, Tresterwein, Treberwein, Wassermost, Lauerwein. Im gemeinen Leben wird dieses Wort häufig in Glaur, Leir, Lurke, Lorke u. s. f. verderbt, mit welchen letztern Nahmen man auch wohl ein jedes schlechtes unschmackhaftes und kraftloses Getränk im verächtlichen Verstande zu belegen pflegt. Auch aus den Äpfeln, wird nach ausgepreßtem Äpfelmoste ein solcher Lauer auf ähnliche Art bereitet. Im Latein. und Ital. Lora. Ohne Zweifel von lau, unschmackhaft, flau, S. diese Wörter. Die Endsylbe -er bezeichnet ein Subject, ein Ding, von welchem etwas gesagt wird.
 
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1. Der Lauer, eine lauernde Person, S. Adelung Lauerer.
 
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2. Die Lauer, plur. inus. von dem Zeitworte lauern, die Handlung, der Zustand da man lauert; am häufigsten mit dem Vorworte auf. Auf der Lauer stehen. Jemanden auf die Lauer stellen. Ich bin hier schon fünf Tage auf der Lauer. Im Nieders. und Dän. Luur.
 
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Der Lauerer, am häufigsten zusammen gezogen Laurer, des -s, plur. ut nom. sing. eine Person, welche lauert. Und sie hielten

[Bd. 2, Sp. 1931]


auf ihn und sandten Laurer aus, Luc. 20, 20. Im gemeinen Leben, besonders einiger Mundarten, wird es häufig noch weiter in Laur zusammen gezogen, einen tückischen, boßhaften Menschen zu bezeichnen, wo es oft auch überhaupt ein allgemeines Schimpfwort ist. Bauern sind Lauren. Du Laur, du bist ein vntrewer wicht, Theuerd. Kap. 24. Da Laurerinn im weiblichen Geschlechte das Gehör beleidiget, so gebraucht man der Laurer am häufigsten von beyden Geschlechtern.
 
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Die Lauergrube, plur. die -n, Gruben, worin man auf das Wildbret zu lauern pfleget.
 
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Lauern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1) Scharf auf etwas sehen oder hören, um es zu Gesicht zu bekommen oder mit dem Gehöre zu entdecken, und in weiterer Bedeutung, warten bis etwas geschehe. Auf etwas lauern, warten bis man es erblickt. An der Thür lauern, horchen. Auf eine bequeme Gelegenheit lauern. Gemeiniglich gebraucht man es auch in dieser allgemeinern Bedeutung nur im Scherze oder nachtheiligen Verstande. S. auch Ablauern und Belauern. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, im Verborgenen zu eines andern Schaden oder Untergang lauern, warten bis einem andern Dinge ein Übel widerfahre, oder um demselben selbst ein Übel zuzufügen. Die Katze lauert auf die Maus, der Fuchs auf die Hühner. Wenn jemand Haß trägt wider seinen Nächsten und lauert auf ihn, und macht sich über ihn u. s. f. 5 Mos. 19, 20. Einem auf den Dienst lauern, ihm nachstellen, auf Gelegenheit lauern, ihm zu schaden. S. auch Lauschen.
   Anm. Im Nieders. luren, gluren, kukeluren, im Dän. lure, Schwed. lura, Engl. to leer und lurk, Isländ. hlera. Es ist das Intensivum von dem noch in der Oberpfalz üblichen lauen, sehen, welches mit dem Oberd. lugen, sehen, genau verwandt ist. Es bedeutet also eigentlich lange und scharf auf etwas sehen. Siehe Beluchsen und Lugen. Es ist also zunächst von dem Sehen hergenommen, so wie das verwandte lauschen zunächst von dem Sinne des Gehöres entlehnet ist. Im Schwed. bedeutet Ljura das Fenster, welches im Slavon. Djura heißt, woraus sich zugleich das Niedersächs. türen für lauern erklären lässet. Unser lauern ist mit dem Nieders. luren, gluren, plieren, und Engl. to leer und lower, mit zusammen gedruckten Augen sehen, ingleichen tückisch ansehen, genau verwandt, indem solche nur besondere Arten der scharfen Bemühung zu sehen sind. Lauren für lauern ist ein Fehler harter Mundarten. Das Nieders. luren hat noch zwey andere Bedeutungen, welche allem Ansehen nach von verschiedenen Stämmen sind. Es bedeutet auch, 1) ankörnen, anlocken, und figürlich mit falscher Hoffnung betrügen, wo es mit dem Franz. leurrer und Engl. to lure, einerley ist. Hier ist es ohne Zweifel aus dem Hochdeutschen ludern zusammen gezogen, indem die Niedersachsen das d zwischen zwey Vocalen in tausend andern Fällen zu verbeißen pflegen. 2) Träge, unlustig seyn, wo es aus lau, faul, träge, entstanden zu seyn scheinet. Im Schwed. ist Lurk ein träger, fauler Mensch.

 

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