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Laub bis Laubfall (Bd. 2, Sp. 1925 bis 1928)
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Artikelverweis Das Laub, des -es, plur. inus. die Blätter der Bäume und Sträuche. 1. Eigentlich, als ein Collectivum und ohne Plural, wo es im engern und gewöhnlichern Verstande nur von den breitern Blättern der zu dem so genannten Laubholze gehörigen Bäume und Sträuche gebraucht wird, zum Unterschiede von den Nadeln oder Tangeln des Schwarzholzes. Im Frühlinge wenn die Bäume wieder junges Laub bekommen. Das Laub fällt ab. Laub streifen, das Laub von den Bäumen streifen. Eichenlaub, Lindenlaub, Weinlaub u. s. f. 2. Figürlich. 1) Dem Laube der Bäume ähnliche Zierathen bey den Künstlern, wo zuweilen, z. B. bey den Schlössern, auch der Plural die Laube üblich ist. 2) In der Deutschen Karte wird die grüne Farbe, weil sie das Blatt eines Baumes vorstellet, Laub genannt. Daher der Laubkönig, der Laubober, das Laubdaus u. s. f. 3) Diejenige Zeit, in welcher die Bäume frisches Laub bekommen; in welchem Verstande es im Forstwesen, von dem Laubholze gebraucht, so viel als ein Jahr bedeutet. Der Schlag stehet schon im dritten, vierten u. s. f. Laube. Von dem Schwarzholze hingegen sagt man, der Schlag stehe in der zweyten, dritten u. s. f. Krone, Querl oder Gipfel. 4) In einigen Gegenden, vermuthlich Oberdeutschlandes, bedeutet es auch denjenigen Antheil, welchen ein Gut an dem Genuß eines Waldes hat. Ein vollständiges Bauerngut hat daselbst das ganze Laub, ein Gütchen nur ein halbes Laub. Frisch, der diese Bedeutung aus dem Besold hat, setzet hinzu, daß das ganze Laub bisweilen fünf oder sechs Klafter (vermuthlich geschlagenes Holz,) ausmache. Vermuthlich ist dieser Gebrauch noch ein Überbleibsel der alten Bedeutung des Wortes Laub, da es auch ein Wald, oder einen Theil desselben bedeutete; in welchem Verstande Lo bey den Schwäbischen Dichtern, Lob für Bäume im Schwabenspiegel, und Lew, Löf, im alten Schwed. vorkommen. Anm. In dem heutigen Verstande als ein Collectivum schon bey dem Ottfried und Notker Loub, bey dem Ulphilas Lauf, im Angels. Leaf, Laef, im Nieders. Loof, im Engl. Leaf, im Dän. Lov, und im Schwed. Löf; entweder, wie Wachter glaubt, von der Bedeckung, weil das Laub die Bedeckung, Bekleidung der Bäume ausmacht, S. Adelung Laube; oder auch von der beweglichen Beschaffenheit der Blätter, da denn dieses Wort zu Laff, Lappen und laufen gehören würde; oder endlich auch, wegen ihrer breiten dünnen Beschaffenheit, um welcher willen auch die flache Hand im Wallis. Llaw, und im Friesischen Lofa

[Bd. 2, Sp. 1927]


genannt wird. Ehedem wurde Laub auch häufig von einzelnen Blättern gebraucht, und da findet man im Plural so wohl Laube, als Läuber. Jenes kommt in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor, dieses bey Heinrichen von Veldig:
   Es habent die kalten nehte getan
   Das die Loiber an der linden
   Winterliche val gestan; für die Blätter. Daher kommt es vermuthlich auch, daß man noch im gemeinen Leben sagt, er zittert wie ein Äspenlaub, S. dieses Wort, ingleichen Lauberhütte. Im Lettischen bedeutet Lapas noch jetzt ein Blatt.
 
Artikelverweis Der
Laubapfel, S. Adelung Gallapfel.
 
Artikelverweis 
Das Laubband, des -es, plur. die -bänder, bey den Schlössern, ein Thürband, in welchem das Blech nach allerley dem Laube ähnlichen Zügen ausgeschnitten ist.
 
Artikelverweis 
Das Lāubdách, des -es, plur. die -dcher, ein Dach von Laub. Die Schafe, die sich ängstlich unter diesem Laubdache gesammelt, schütteln den Regen von der triefenden Wolle, Geßn.
 
Artikelverweis 
Die Laube, plur. die -n, überhaupt ein bedeckter, vor der Witterung verwahrter Ort; in welchem Verstande es nur noch in einem doppelten Verstande üblich ist. 1) Ein oben bedecktes Gebäude, ein Schoppen; ingleichen ein oben bedeckter aber an den Seiten offener Theil eines Gebäudes, in welchem Verstande es ehedem so wohl im Ober- als Niederdeutschen sehr üblich war, und in manchen Gegenden auch noch nicht ganz veraltet ist, ein Vorhaus, eine Gallerie, eine Halle, einen Ärker, Altan, einen auf Säulen stehenden und an den Seiten offenen Saal, und andere Gebäude dieser Art zu bezeichnen. Eine solche Laube, oder ein an den Seiten offenes Zimmer, wird Richt. 3, eine Läube und Sommerläube genannt, wofür Michaelis das Wort Cabinet und Sommer-Cabinet gebraucht. Im Nieders. Löve, Löving, im mittlern Lat. Lobium, Lobia, Laupia, im Oberd. ehedem auch Loube, Leuff. Daher nannte man eine auf Säulen stehende Gallerie, eine Säulenlaube, wenn sie aber Bogen an den Seiten hatte, eine Bogenlaube. 2) Am üblichsten ist es im Hochdeutschen von einer mit grünen Gewächsen umzogenen Hütte. Eine Jasminlaube, Lindenlaube, Weinlaube u. s. f. Eine grüne Laube, zum Unterschiede von einer Laube in der ersten Bedeutung. Ein gepflanzter Weinstock soll sich wie eine kühle Laube um die Fenster wölben. In den Lustgärten pflegt man auch wohl ganze mit grünen Gewächsen oben überwachsene Gänge Lauben zu nennen.
   Anm. In der zweyten Bedeutung im Nieders. Löve und im Wend. Lubia. Es kann so wohl der Begriff der Bedeckung in diesem Worte der herrschende seyn, als auch der durchstreichenden Luft, (S. Adelung Lüften,) als endlich auch eines Gebäudes überhaupt. In dem letztern Falle würde das Schwed. Loft, der oberste Theil des Hauses, dahin gehören, welches Ihre mit dem Wallis. Lloft, tabulatum, von dem Bretagnischen lae, lahe, hoch, ableitet. Auch in einigen Deutschen Gegenden scheinet man den obersten Theil eines nach morgenländischer Art flachen Daches ehedem die Laube genannt zu haben. Im Schwed. wird auch eine Dreschtenne Lofwe und Loge genannt, entweder so fern sie in den ältesten Zeiten gleichfalls eine oben bedeckte Laube war, oder auch vom Wallis. Llawr, der Boden, und lofwa, eben, flach. S. Laub. So fern Laube ein Gebäude, einen Wohnort überhaupt bedeutet, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Endung -leben an so vielen Niedersächsischen und Fränkischen Nahmen der Dörfer und Städte davon abstamme.
 
Artikelverweis 
1. Lauben, in dem Zeitworte erlauben, S. dasselbe.

[Bd. 2, Sp. 1928]



 
Artikelverweis 
2. * Lauben, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, Laub bekommen; ein veraltetes Zeitwort.
   In dem Aberellen
   So die bluomen springen
   So louben die linden,
   Heinr. von Veldig. In einigen Gegenden ist es auch als ein Activum üblich, des Landes berauben, oder das Laub der Bäume abstreifen, für ablauben, und in der höhern Schreibart entlauben.
 
Artikelverweis Das
Lauberhuhn, des -es, plur. die -hühner, ein an einigen Orten übliches Zinshuhn, welches die Unterthanen dem Grundherren zur Erkenntniß seines Grundrechtes entrichten. Entweder als eine verderbte Aussprache für Leibhuhn, welchen Nahmen ein solches Zinshuhn gleichfalls führet, oder auch so fern es von jeder Laube, d. i. Wohnhause, gegeben wird. Frisch vermuthet, daß ein solches Huhn für die Freyheit das Holz im Walde genießen zu dürfen gegeben werde, S. Adelung Laub 2. 4), welches denn freylich durch eine genauere Kenntniß der eigentlichen Beschaffenheit dieser Lauberhühner entschieden werden muß.
 
Artikelverweis 
Die Lauberhütte, plur. die -n, eine grüne mit Zweigen bedeckte Hütte; ein nur im gemeinen Leben für Laubhütte oder Laube übliches Wort, besonders wenn von den festlichen Laubhütten der Juden die Rede ist, in welcher Bedeutung dieses Wort in der Deutschen Bibel Laubhütte lautet. Daher das Lauberhüttenfest, dasjenige Fest der Juden, an welchem sie unter Laubhütten essen müssen, in der Deutschen Bibel, das Fest der Laubhütten, das Laubhüttenfest und das Fest der Landrüst, welcher letztere Ausdruck völlig veraltet ist. Wenn die Sylbe er nicht bloß ein Einschiebsel gemeiner Mundarten ist, so scheinet Lauber hier der alte Oberdeutsche Plural von Laub zu seyn. Indessen ist auch im Oberdeutschen ein Laubertag ein festlicher Tag, welchen man entweder in Lauben, d. i. großen frey stehenden Sälen, oder auch in grünen Sommerlauben zubringt; daher Bluntschli einen weltlichen Festtag, einen Gallatag überhaupt, einen Laubertag nennet. Im Nieders. heißt eine Laubhütte gleichfalls Lövering.
 
Artikelverweis 
Der Lauberzug, des -es, plur. die -züge, bey den Schlössern, ein Zierath in Gestalt eines Laubwerkes; von dem veralteten Oberdeutschen Plural des Wortes Laub, ein Blatt, gleichsam ein Blätterzug.
 
Artikelverweis 
Der Laubfall, des -es, plur. inus. in dem Forstwesen, das Abfallen des Laubes von den Bäumen, und die Zeit, wenn dasselbe abzufallen pflegt; daher man im Scherze auch wohl den Herbst den Laubfäller nennet.

 

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