Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Lästerer bis Lasterthat (Bd. 2, Sp. 1919 bis 1921)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Lästerer, des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte lästern. 1) So fern dasselbe ehedem zerfetzen, auf eine ungebührliche Art zerreißen oder zerschneiden bedeutete, pflegen die Stadtfleischer so wohl die Dorffleischer als auch alle übrige Pfuscher ihres Handwerkes Lästerer zu nennen, weil sie dem Vorgeben nach das Fleisch nicht so geschickt und reinlich ausschlachten können. 2) Von der jetzt gewöhnlichern Bedeutung des Zeitwortes, der einen andern schändlicher und erdichteter Unvollkommenheiten beschuldiget, ein grober Verleumder. Ein Lästerer der Majestät. Ein Gotteslästerer, der Gott grober Unvollkommenheiten beschuldiget; bey dem Notker Kegotsehelto.
   Anm. Schon bey dem Notker Lasterar für Verleumder. Das weibliche Geschlecht Lästerinn, (um des Wohlklanges für Lästererinn,) kommt in der Deutschen Bibel vor. Ihre Weiber sollen ehrbar seyn, nicht Lästerinne, (Lästerinnen,) 1 Tim. 3, 11. Den alten Weibern, daß sie nicht Lästerin (Lästerinnen) seyn, Tit. 2, 3.
 
Artikelverweis 
Lasterfrey, adj. et adv. frey von Lastern, in der letzten Bedeutung dieses Hauptwortes.
 
Artikelverweis 
Lasterhaft, -er, -este, adj. et adv. Fertigkeit zur möglichsten Ausübung schändlicher, und in weiterer Bedeutung, böser

[Bd. 2, Sp. 1921]


Neigungen, und in dieser Fertigkeit gegründet. Ein lasterhafter Mensch. Lasterhaft seyn. Lasterhafte Neigungen, Gedanken, Begierden. Lasterhaft leben. Das ungewöhnlichere Oberdeutsche lasterhaftig kommt in der veralteten Bedeutung für schändlich noch bey dem Opitz vor: die lasterhaftig dich verspotten.
 
Artikelverweis 
Die Lasterhaftigkeit, plur. inus. die Fertigkeit zu Lastern, so fern dieses Wort ehedem eine mit Schande verbundene Übertretung des Gesetzes bedeutete. Da aber jetzt Laster von dieser Fertigkeit gebraucht wird, so kommt jenes nunmehr seltener vor.
 
Artikelverweis 
Das Lasterlêben, des -s, plur. inus. ein lasterhaftes Leben; am häufigsten bey den Dichtern der vorigen Zeiten.
 
Artikelverweis 
Lästerlich, -er, -ste, adj. et adv. 1. Von dem Hauptworte Laster. 1) * Strafbar, wider das Gesetz streitend oder handelnd; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, in welcher lastarlihh schon bey dem Kero vorkommt.
   Ee ich ir lege lasterlichen bi
   Ee lies ich mich schern vnd villen,
   Reinmar der Alte; ehe ich ihr auf eine unerlaubte Art beywohnen wollte. 2) Schändlich; eine noch im gemeinen Leben übliche Bedeutung. Er hat mich lästerlich betrogen. 2. Von dem Zeitworte lästern, in einer Lästerung gegründet, derselben ähnlich oder gleich. Lästerlich wider die Obrigkeit reden. Lästerliche Reden.
 
Artikelverweis Das
Lästermaul, des -es, plur. die -mäuler, eine lästernde Person, in der letzten Bedeutung des Zeitwortes. Sprichw. 4, 24.
 
Artikelverweis 
Lästern, verb. reg. act. von dem Hauptworte Laster, in dessen sämmtlichen Bedeutungen es ehedem üblich war. 1) * Verstümmeln, zerfetzen, verunstalten, dilacerare; in welcher Bedeutung im gemeinen Leben noch zerlästern üblich ist, S. dasselbe. 2) * Schänden; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, von welcher Frisch einige Beyspiele anführet. Die Frauen lästern, sagte man ehedem in eben der Bedeutung, in welcher wir jetzt das Zeitwort schänden gebrauchen. 3) Aus Vorsatz schändliche oder grobe Unvollkommenheiten wider die Wahrheit von jemanden sagen, jemandes Ehre auf eine grobe Art durch Worte schänden. Die Obrigkeit lästern. Jemanden lästern. Gott lästern. Daher die Lästerung, plur. die -en, so wohl die Handlung, als auch die Lästerrede selbst. Lästerungen wider jemanden ausstoßen. Anm. In der letzten Bedeutung schon im Isidor lastron, im Ottfried gilastoron, im Notker lasteren, im Dän. laste.
 
Artikelverweis 
Die Lästerrede, plur. die -n, eine Rede, worin man aus Vorsatz jemandes Ehre durch Worte schändet, ihm grobe, schändliche Unvollkommenheiten beymisset; Lästerworte. Eine solche Schrift wird eine Lästerschrift oder Pasquill genannt.
 
Artikelverweis 
Der Lasterstein, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Stein, auf welchem oder mit welchem gewisse Verbrecher zu ihrer Schande öffentlich zur Schau ausgestellet werden, von Laster, so fern es ehedem Schande bedeutete; der Schandstein.
 
Artikelverweis 
Die Lasterthat, plur. die -en, eine lasterhafte That.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: