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Laßkopf bis Last (Bd. 2, Sp. 1917)
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Artikelverweis Der Laßkopf, des -es, plur. die -köpfe, ein Schröpfkopf, ein Gefäß, vermittelst des Schröpfens Blut zu lassen.
 
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Läßlich, -er, -ste adj. et adv. ein nur im Oberdeutschen für erläßlich, oder vielmehr erlaßlich übliches Wort. Eine läßliche Sünde, welche erlassen, d. i. vergeben, werden kann. Läßlich sündigen. S. Adelung Laßsünde.
 
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Das Laßmännchen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, eine männliche Figur in manchen Kalendern, woran die verschiedenen Arten des Blut- oder Aderlassens abgebildet sind; das Aderlaßmännchen.
 
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Der Làßraum, des -es, plur. die -räume. S. Adelung Laßgut.
 
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Das Laßreis, des -es, plur. die -er, im Forstwesen, Reiser oder junge Stämme, welche man auf einem Gehaue Laubholzes zur Fortpflanzung stehen lässet; Hägereiser, Vorständner, im Oberd. Bannreitel, vermuthlich für Bannreiser.
 
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Die Laßsünde, plur. die -n, in der Römischen Kirche, eine läßliche Sünde oder Erlaßsünde, eine geringe Sünde, welche leicht erlassen oder vergeben werden kann; zum Unterschiede von einer Todsünde.
 
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Die Laßwiese, plur. die -n, eine gegen einen Erbzins einem andern überlassene Wiese, S. Adelung Laßgut.
 
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Der Laßzapfen, des -s, plur. ut nom. sing. in einigen Gegenden, ein Zapfen in einem Fasse, den darin befindlichen flüssigen Körper nach Belieben ausfließen zu lassen, wovon der Hahn eine Art ist; die Zapfröhre, Epistomium.
 
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Das Laßzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zeichen im Kalender, womit die beste Zeit zum Aderlassen angedeutet wird.
 
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Der Laßzins, des -es, plur. die -e, der Erbzins für ein Laßgut, S. dieses Wort.
 
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Die Last, plur. die -en. 1. Eine Unvollkommenheit, ein Mangel, und in engerer Bedeutung, eine sittliche Unvollkommenheit; in welchem nunmehr veralteten Verstande man nur noch sagt, einem etwas zur Last legen, ihn dessen beschuldigen, ihm ein Versehen, einen moralischen Fehler Schuld geben, und ihn deßwegen tadeln. Man legte es ihm sehr zur Last, daß er ausgeblieben war, man tadelte ihn deßwegen sehr. Daß diese Bedeutung ehedem von weiterm Umfange gewesen, erhellet aus dem Isländ. Last und Laust, welches noch einen jeden physischen oder sittlichen Fehler bedeutet, und aus dem Griech. λαισ und λαισθ, Schande. S. Adelung Laster, welches noch davon abstammet, und Verletzen, dessen letzte Hälfte gleichfalls hierher gehöret.
   2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein hoher Grad der Schwere und ein sehr schweres Ding selbst.
   1) Ein hoher Grad der drückenden Schwere, als ein Abstractum und ohne Plural. (a) Eigentlich. Der Stein hat eine rechte Last, einen hohen Grad der Schwere. Bücher haben eine große Last. Der Grund ist wegen der Last des Hauses ausgewichen. Die Säule ist für die Last des Gebäudes, welche sie tragen soll, zu schwach. Im weitesten Verstande ist in der Naturlehre die Last eine jede Kraft, welche eine Bewegung hindert, oder derselben entgegen gesetzt ist, im Gegensatze der Kraft im engern Verstande, wo zugleich der Begriff des hohen Grades verschwindet. (b) Figürlich. α) Die Empfindung dieses hohen Grades der drückenden körperlichen Schwere; doch nur in einigen Fällen. Viele Last von etwas haben. β) Die Eigenschaft eines Dinges, da es von uns mit einem großen Grade des Widerwillens, oder mit einer hohen Empfindung des Beschwerlichen, des Unangenehmen, gethan oder gelitten wird. Die Last der Geschäfte. Unter der Last der

[Bd. 2, Sp. 1918]


Arbeit erliegen. Sich unter der Last der Jahre krümmen. So hält uns die Gelassenheit auch unter der Last der widrigsten Begebenheiten aufrecht, Gell.
   2) Ein mit dieser drückenden Schwere begabtes Ding.
   (a) Eigentlich, wo α) in der weitesten Bedeutung, in der Naturlehre ein jeder Körper, welcher der Bewegung widerstehet, eine Last genannt wird, im Gegensatze der Kraft im engern Verstande; wo zugleich der ganze Nebenbegriff des hohen Grades der Schwere verschwindet. β) In engerer Bedeutung ist Last in manchen Fällen so viel als Ladung überhaupt, auch ohne den Nebenbegriff der Schwere. So ist auf den Floßen die Oberlast oder Oblast dasjenige, was auf ein Floß geladen wird, im Gegensatze der Unterlast, oder des Floßes selbst. Die Unterlast in den Schiffen ist, was in den untersten Raum geladen wird, S. Ballast. Auch auf den Lastwägen höret man zuweilen von der Vorder- und Hinterlast, d. i. der vordern und hintern Ladung. γ) In der gewöhnlichsten Bedeutung, ein mit drückender Schwere versehener Körper. Oft erliegt das Saumroß unter der Last, welche es tragen muß. Diese Säulen tragen eine gewaltige Last. Welche Lasten trägt nicht ein Schiff! Ein Fauler ist eine unnütze Last der Erde.
   (b) Figürlich. α) ein Körper von gewisser bestimmter Schwere; wo dieses Wort zugleich ein Körpermaß ist, welches doch auf verschiedene Art gebraucht wird, aber überhaupt so viel zu bedeuten scheinet, als man auf einen Wagen laden kann. Der innere körperliche Raum eines Schiffes wird nach Lasten bestimmt, und da ist eine Last so viel als zwölf Tonnen. Ein Schiff von 150 Last. In Niedersachsen, besonders in den Seestädten, wird besonders das Getreide sehr häufig nach Lasten berechnet. So hält eine Last Getreide in Hamburg 3 Wispel, 30 Scheffel, 60 Faß oder 120 Himten; in Bremen 4 Quart, 40 Scheffel, 160 Viertel oder 640 Spint; in Lübeck 8 Drömt, 24 Tonnen, 96 Scheffel oder 384 Faß; in Stralsund 8 Drömt, 32 Tonnen, 96 Scheffel oder 384 Viertel; in Danzig 33/4 Malter, oder 60 Scheffel, dagegen eine Sacklast, deren sich die Bäcker daselbst bedienen, 5 Malter oder 80 Scheffel hält; in Curland 48 bis 60 Loof; in Westphalen 15 Malter oder 60 Scheffel; im Hannöverischen seit 1751 2 Wispel, 16 Malter oder 96 Himten; in Cöln 20 Malter oder 480 Faß u. s. f. An einigen Orten ist sie auch ein Maß flüssiger Dinge. So hat eine Last Bier in Danzig 6 Faß, 12 Tonnen oder 1080 Stoff oder Quartier, eine Last Wein aber 2 Faß, 8 Orhoft, 12 Ahm, 48 Anker oder 240 Viertel. An andern werden auch außer dem Getreide noch verschiedene andere Arten trockner Dinge nach Lasten gemessen. So hält eine Last Bücklinge in dem Niedersächsischen 20 Stroh, eine Last Häringe, Salz oder Steinkohlen aber 12 Tonnen. Eine Last Kupfer hält in Goslar 151/2 Zentner oder 1550 Pfund, eine Last Schiefersteine aber 171/2 Zentner. In Lübeck ist es sogar ein Flächenmaß des artbaren Landes, wo eine Last Land 60 bis 80 Quadratruthen ist, d. i. so viel Land als zur Aussaat einer Last Getreides erfordert wird. In allen diesen Fällen, wo das Wort ein bestimmtes Maß bezeichnet, bleibt es, wie andere Wörter dieser Art, im Plural, wenn eine Zahl- oder gleichgültiges Beywort voran stehet, unverändert; zwey Last Korn, viele Last Häringe, nicht Lasten. β) Im gemeinen Leben wird es im Singular sehr häufig für sehr viel, von einer unbestimmten Menge gebraucht. Eine Last Geldes haben, sehr vieles Geld. Ist das nicht eine Last Menschen! Es fiel eine Last Steine von dem Dache. Eine Last Schläge bekommen. γ) Eine jede Sache, welche man mit einem hohen Grade der Empfindung des Beschwerlichen erduldet, wo es so wohl im Singular allein gebraucht wird. Des Tages Last und Hitze tragen. Eine schwere

[Bd. 2, Sp. 1919]


Last auf dem Halse haben. Unter der Last erliegen. Einem eine Last aufbürden. Einem eine Last abnehmen. Müßiggänger, denen die Zeit eine Last ist. Seine Last mit etwas haben. Die ganze Last allein auf sich haben. Alle diese Besuche sind mir eine Last, oder sind mir sehr zur Last. Er wird mir sehr zur Last. Sich selbst zur Last leben. Einem zur Last fallen. Als auch im Plural von einzelnen beschwerlichen Dingen. So pflegt man die Abgaben an die Obrigkeit und alle gegen den Grund- und Landesherren auf sich habende Verbindlichkeiten häufig Lasten, Onera, zu nennen. Das Land hat viele Lasten zu tragen. Bürgerliche Lasten. Im Oberdeutschen und Niedersächsischen wird auch ein jeder Auftrag, ein jeder Befehl eine Last genannt, wo doch der Begriff des Beschwerlichen verschwindet. Von seinem Principale Last haben, d. i. Auftrag.
   Anm. Im Nieders. Dän. und Schwed. gleichfalls Last, im Pohln. Laszt, im Engl. Load, (S. Adelung Loth,) alle, so fern dieses Wort zunächst den Begriff der drückenden Schwere hat, von laden, welches im Dän. lässe und im Schwed. lassa lautet. Schon im Griech. bey dem Suidas ist λαισον lästig. Siehe indessen auch Laster. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Last, in welchem auch Haller es gebraucht. Eben daselbst hat es im Plural auch Läste für Lasten. S. Ballast, wo auch das männliche Geschlecht beybehalten worden.

 

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