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Landpfarre bis Landreiter (Bd. 2, Sp. 1890 bis 1891)
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Artikelverweis Die Landpfarre, plur. die -n, eine Pfarre auf dem Lande; zum Unterschiede von einer Stadtpfarre. Daher der Landpfarrer.
 
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Der Landpfênnig, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -e, in einigen Gegenden, die Landessteuer, die durch das ganze Land eingeführte Steuer von liegenden Gründen, besonders auf dem Lande. In engerer Bedeutung ist im Osnabrückischen der Landpfennig die auf einem Grundstücke haftende Abgabe, welche der Käufer jährlich an den Verkäufer vergüten muß, weil die Abgaben daselbst auf dem Besitzer nicht aber auf dem Grundstücke haften, und folglich auch nicht mit zu dem Käufer übergehen.
 
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* Der Landpflêger, des -s, plur. ut nom. sing. eine im Hochdeutschen veraltete, im Oberdeutschen aber noch gangbare Benennung, 1) eines obrigkeitlichen Voresetzten einer ganzen Provinz oder doch eines beträchtlichen Theiles derselben, dessen Pflege, d. i. Aufsicht, das Land anvertrauet ist, eines Statthalters, Gouverneurs, Landvogtes u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt der Ausdruck in diesem Verstande noch sehr häufig vor. 2) In geringerer Bedeutung ist der Landpfleger im Oberdeutschen der Vorgesetzte eines obrigkeitlichen Kammeramtes auf dem Lande, entweder so fern solches aus einem ehemahligen Landgerichte in der dritten Bedeutung dieses Wortes entstanden ist, oder auch, weil ihm zunächst das Land mit Ausschließung der Stadt anvertrauet ist. In Nürnberg führen fünf Rathsherren,

[Bd. 2, Sp. 1891]


welche die Aufsicht über die sämmtlichen Güter des Rathes außer der Stadt haben, und welchen die Pfleger und Kastner untergeordnet sind, den Nahmen der Landpfleger. Sie zusammen genommen machen das Landpflegeamt aus.
 
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Die Landplage, plur. die -n, eine Plage, d. i. ein Übel, welche ein ganzes Land, dessen sämmtliche Einwohner drücket. So sind Krieg, Pest, allgemeiner Mißwachs u. s. f. Landplagen.
 
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Die Land-Polizey, plur. inus. die Polizey auf dem Lande; im Gegensatze der Stadt-Polizey. Beyde sind Theile der Landes-Polizey.
 
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Der Landrath, des -es, plur. die -räthe. 1) In einigen Gegenden, der Beysitzer eines Landgerichtes, besonders eines adeligen Landgerichtes. In andern Provinzen sind es gewisse adelige Landstände, welche theils in allgemeinen Angelegenheiten der Ritterschaft zu Rathe gezogen werden, theils auch die Landesabgaben verwalten, daher sie im Lüneburgischen auch Schatzräthe heißen. 2) In der Schweiz wird, wenigstens in einigen Cantons, der Senat oder das Raths-Collegium eines ganzen Cantons der Landrath genannt.
 
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Der Landrauch, S. Adelung Heerrauch.
 
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Die Landrauke, plur. inus. eine Art der Rauke, welche auf den sumpfigen Wiesen des mitternächtigen Europa wächset, zum Unterschiede von der Sumpfrauke und dem Wasserrettige; Sisymbrium terrestre L.
 
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Das Landrêcht, des -es, plur. die -e. 1) Die Sammlung oder der Inbegriff der in einem Lande, d. i. einer Provinz, üblichen bürgerlichen Rechte, das Provinzial-Recht; zum Unterschiede so wohl von dem Römischen Rechte, dem kanonischen Rechte und dem Lehnrechte, als auch von dem Stadtrechte. Es wird hier collective, so wohl im Singular als im Plural gebraucht. Schon bey dem Notker Lantrechtiu. Das Sächsische Landrecht, das Schwäbische Landrecht. 2) In einigen Ländern, z. B. in einigen Helvetischen Cantons, ist das Landrecht so wohl dem Bergrechte, als auch dem Stadtrechte entgegen gesetzet, und da begreift jenes den Inbegriff der auf dem flachen Lande eingeführten Rechte. 3) Im Oberdeutschen, besonders in Schlesien, Böhmen und andern Provinzen, ist das Landrecht so viel als ein Landgericht in der ersten Bedeutung dieses Wortes, vor welchem die gemeinen Landessachen, und Dinge, welche die Güter der Adeligen betreffen, abgehandelt werden. In Schlesien hat fast jede Provinz ihr eigenes Landrecht, in welchem gemeiniglich der Landeshauptmann den Vorsitz hat, welchem der Landrichter, der Landkanzler, mehrere Landschöppen oder Landrechtsbeysitzer, der Landschreiber u. s. f. untergeordnet sind. Das kaiserlich königliche Landrecht in Nieder-Österreich bestehet aus einem obersten Landrichter, mehrern Landräthen als Beysitzern, einem Landschreiber u. s. f. S. auch Landgericht.
 
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Der Landrêgen, des -s, plur. ut nom. sing. ein anhaltender Regen, welcher sich über ein ganzes Land erstrecket; zum Unterschiede von einem Strichregen. Im gemeinen Leben beleget man mit diesem Nahmen einen ganze Tage anhaltenden Regen, bey welchem der ganze Horizont bezogen ist.
 
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Der Landreiter, des -s, plur. ut nom. sing. ein obrigkeitlicher geringer Bedienter zu Pferde, welcher das Land zu bereiten, und auf die Übertreter der Polizey, der Wald- und Forstordnungen, der Zölle u. s. f. ein wachsames Auge hat, und in einigen Gegenden auch Land-Dragoner, Ausreiter, Überreiter genannt wird. In der Mark Brandenburg wird der einem solchen Landreiter angewiesene Bezirk die Landreiterey genannt, mit welchem Worte man zuweilen auch dessen Wohnung und dessen Amt bezeichnet.

[Bd. 2, Sp. 1892]


 

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