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Landleute bis Landmünze (Bd. 2, Sp. 1889 bis 1890)
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Artikelverweis Die Landleute, sing. car. 1) Leute, d. i. Personen, welche auf dem Lande leben, im Gegensatze der Stadtleute; in der härtern Sprechart, das Landvolk. 2) Die zu einem Landgerichte gehörigen, einem Landgerichtsherren unterworfenen Leute; nur in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. im Österreichischen. S. Adelung Landmann und Landsmann. Ottfried nennet auch die Menschen, als Bewohner der Erde, Lantleute.
 
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Ländlich, adj. et adv. 1) In einem Lande üblich, bey dessen Einwohnern gewöhnlich; eine größten Theils veraltete Bedeutung. Die ländliche Sprache, die Landessprache. Im Hochdeutschen kennet man es nur in dem Sprichworte ländlich, sittlich, d. i. ein jedes Land hat seine Sitten, seine Gewohnheiten.
   Die Einfalt macht, daß ländlich sittlich heißt.
   Ein weiser Mann ist Schöpfer seiner Sitten,
   Haged. 2) * Freundlich, leutselig, wie es den Einwohnern eines Landes gegen einander geziemet; eine nur im Oberdeutschen bekannte Bedeutung. Ein ländliches Volk, Stumpf. 3) Dem Lande, im Gegensatze der Stadt, gemäß, in demselben und den allda üblichen Gebräuchen und Gewohnheiten gegründet. Eine stille ländliche Gegend. Eine ländliche Mahlzeit. Ein ländlich freyer Scherz, Weiße.
   Der du mit holden Gesprächen
   Oft die ländliche Muse durch Flur und Auen begleitet,
   Zachar.
 
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Die Landlust, plur. car. eine Lust, ein Vergnügen auf dem Lande; im Gegensatze einer Stadtlust. Ingleichen das Landleben als eine Lust, ein Vergnügen betrachtet.
 
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Die Landmacht, plur. car. die Macht, d. i. das Kriegesheer, zu Lande; im Gegensatze der Seemacht.
 
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Der Landmann, des -es, plur. die Landmänner und Landleute. 1) * In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Österreich, ein im Lande ansässiger Mann, d. i. Ritter, ein Landstand; Plur. Landmänner. Mann hat hier noch die alte hohe Bedeutung eines Ritters. 2) * Der Beysitzer eines Landgerichtes, doch nur in einigen Gegenden, z. B. der Schweiz; Plur. Landmänner. 3) * Der Unterthan eines Landgerichtsherren, gleichfalls nur in einigen Oberdeutschen Gegenden; Plur. Landleute. 4) * Eine männliche Person, so fern sie aus einem Lande oder Bezirke ist, ein einheimischer Mann, so wohl im Oberdeutschen,

[Bd. 2, Sp. 1890]


als auch im Niederdeutschen, wo er dem Burenmanne entgegen gesetzet ist; Plur. Landleute. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung unbekannt; in der Schweiz hingegen sagt man auch im Fämin. die Landmänninn. 5) Ein Mann, d. i. Person männlichen Geschlechtes, vom Lande, im Gegensatze eines Stadtmannes; Fämin. Landfrau, Landjungfer, Landmädchen, Plur. Landleute. 6) * Im Oberdeutschen endlich wird es auch für Landsmann gebraucht, (S. dieses Wort,) welches im Hochdeutschen gleichfalls fremd ist.
 
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Die Landmark, plur. die -en, die Mark, d. i. Gränze, eines Landes oder Landgerichtes, und die körperlichen Zeichen derselben.
 
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Der Landmarschall, des -es, plur. die -schälle, der Marschall eines Landes, d. i. einer Provinz, ein vornehmer Landesbeamter, der, wenn er diese Würde erblich besitzet, Erblandmarschall genannt wird, und wenn ein Hof mehrere Provinzen besitzet, von dem Hofmarschalle noch verschieden ist. Daher die Landmarschallinn, dessen Gemahlinn, das Landmarschallsamt, so wohl dessen Amt und Würde, als auch dessen Gericht. S. Adelung Marschall.
 
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Der Landmêsser, des -s, plur. ut nom. sing. ein vereidigter Feldmesser, welcher sein Amt in einer gewissen ganzen Provinz ausübet.
 
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Die Lánd-Milīz, plur. inus. der Ausschuß von den wehrhaften Einwohnern eines Landes, d. i. einer Provinz, besonders von den Landleuten, das Land im Nothfalle zu vertheidigen; der Landausschuß. Im gemeinen Leben wird ein Individuum solcher Miliz auch wohl ein Landmilizer genannt. S. Adelung Miliz.
 
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Der Landmolch, des -es, plur. die -e, eine Art Molche oder Salamander, welche sich auf dem trocknen Lande aufhalten; zum Unterschiede von den Wassermolchen.
 
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Die Landmünze, plur. die -n. 1) Die in einem Lande eingeführte, von dem Landesherren geprägte Münze, zum Unterschiede von der fremden oder auswärtigen Münze; in welcher Bedeutung der Plural nur von mehrern Arten üblich ist. 2) In Baiern ist die Landmünze eine Art individueller Rechnungsmünze, welche daselbst 21/2 Kreuzer oder 10 Pfennige gilt. 24 Landmünzen machen daselbst einen Gulden.

 

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