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Öffner bis Öhl (Bd. 3, Sp. 588 bis 590)
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Artikelverweis Der Öffner, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Seidenwebern, ein grober Kamm von knöchernen oder elfenbeinernen Zähnen, vermittelst dessen die Kette aufgebäumet wird. Auch bey andern Webern führet der Riedkamm diesen Nahmen. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort auch Afner, Affner; indessen scheinet es doch von öffnen abzustammen.
 
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Die Öffnung, plur. die -en, so wohl die Handlung des Öffnens, ohne Plural, als auch der geöffnete Ort selbst. In der ersten Bedeutung der Handlung ist es in allen Fällen des Zeitwortes üblich. Die Öffnung der Thür, eines Briefes, der Augen u. s. f. Ingleichen der Zustand, da man offenen Leibes ist. Öffnung haben, bekommen. Keine Öffnung haben, verstopft seyn. In der Bedeutung eines geöffneten Ortes ist es in der edlen und anständigen Sprechart von eben so weitem Umfange als das Zeitwort selbst, indem es jeden Ort bedeutet, durch welchen der freye Zu- oder Ausgang zu oder aus einem eingeschlossenen oder verschlossenen Raume verstattet wird, welchen Ort man im gemeinen Leben ein Loch nennet. Eine Öffnung in ein Geschwür machen. Die Öffnung in der Bouteille u. s. f. Notker gebraucht Offenunga in der veralteten Bedeutung der Offenbarung.
 
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Das Öffnungsrêcht, des -es, plur. die -e, das Recht, nach welchem der Besitzer eines Schlosses gehalten ist, dasselbe dem Lehensherren zu allen Zeiten, oder auch nur in einigen Fällen zu öffnen, d. i. ihm den freyen Zugang zu demselben zu verstatten; Jus aporturae
 
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Oft, - öfter, am öftesten, adv. 1) Mehr als Ein Mahl, ohne den Nebenbegriff der Vielheit; mehrmahls. Ein gutes Wort richtet oft mehr aus, als ein böses. Man sagt oft ein Wort, welches man nicht so meinet. Besonders mit den Partikeln wie und so. Wie oft? Antw. Nur Ein Mahl, zwey Mahl, drey Mahl u. s. f. Erinnere ihn daran, so oft du ihn siehest. Ich sehe

[Bd. 3, Sp. 589]


ihn öfter als du, Cajus aber am öftesten. Eine Übermaße von Freude verursacht den Tod öfter als man wohl denkt. 2) In engerer Bedeutung, mit dem Nebenbegriffe der Vielheit; vielmahls. Unverhofft kommt oft. Ich habe es dir schon oft gesagt. Es geschiehet oft, daß man nicht weiß was man sagt. Schreibe mir fein oft. Das habe ich schon oft gehöret. Ich habe dich oft genug gewarnet. Nicht oft. Gar oft, sehr oft. Mehr als zu oft, sehr oft. Das geschiehet nur mehr als zu oft. Ich habe dir es schon so oft gesagt, sehr oft. Wie oft habe ich zu dir hingeseufzet? Dusch. Denn oft, wenn wir im Schatten bey der Herde sitzen, dann reden wir von dir, Geßn. Wer oft schwöret, sündiget oft, Sir. 23, 12.
   Anm. Schon im Isidor, bey dem Kero, Ottfried u. s. f. ofto, bey dem Ulphilas ufta, im Angels. und Isländ. oft, im Dän. und Schwed. ofte, ofta, im Engl. often. Es ist aller Anschein vorhanden, daß es mit dem Angels. und Engl. eft, dem Goth. aftra, dem Isländ. aptur, und dem Griech. αψ und αυθσι, wiederum, nochmahls, zu dem Geschlechte des im Hochdeutschen veralteten aber, wiederum, gehöret. Das Lat. saepe, unterscheidet sich von der Stammsylbe ab, of, bloß durch den zufälligen Zischlaut. Ehedem war es auch als ein Beywort üblich, wofür im Tatian oftiga vorkommt. Statt des Beywortes gebrauchen wir jetzt das folgende öfter und oftmahlig. Der Superlativ am öftesten, und in einigen Gegenden zum öftesten, ist analogisch völlig richtig, er wird aber doch im gemeinen Leben öfter gebraucht, als in der edlen Schreibart.
 
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Öfter, adj. et adv. von dem vorigen Nebenworte, in dessen ersten Bedeutung, mehrmahlig, mehr. Die Belagerten thaten öftere Ausfälle, mehrmahlige. Es wurden öftere Schlachten geliefert, mehrere, verschiedene. Der öftere Gebrauch des Abendmahles. Zum öftern, mehrmahls. Ingleichen als ein Nebenwort. Den Menschen habe ich schon öfter gesehen, mehrmahls. Ich habe den Brief öfter durchgelesen, mehr als Ein Mahl; wo es nicht der Comparativ von oft ist. S. Adelung Öfters. In der zweyten Bedeutung des Wortes oft, für vielmahls, ist oftmahlig üblich.
   Anm. Die meisten Sprachlehrer halten dieses Beywort für den Comparativ von dem vorigen oft. Allein es ist eben so gut ein eigenes Beywort als ober, nieder, äußer, hinter, vorder, sauer u. s. f. weil wir eine eigene Ableitungssylbe -er haben, welche Beywörter bildet, besonders aus solchen Nebenwörtern, welche nicht als Adjective gebraucht werden können, wie außen, oben, unten, hinten, oft. Der Comparativ ist um des Wohlklanges willen wenig üblich, aber der Superlativ öfterste kommt in der vertraulichen Sprechart oft genug vor, besonders als ein Nebenwort, am öftersten, zum öftersten, für das minder übliche am öftesten, zum öftesten. Dieser Superlativ könnte nicht Statt finden, wenn öfter der Comparativ wäre, weil die Beywörter das r des Comparativs im Superlative wieder wegwerfen. S. Adelung Hinter.
 
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Öfters, adv. von dem vorigen Beyworte, welches für öfter, mehrmahls, mehr als Ein Mahl, nur im gemeinen Leben üblich ist. Man spricht öfters etwas, was man nicht so meint. Ich habe dich schon öfters gesehen. Wie öfters, für wie oft, ist im Hochdeutschen ungangbar.
   Und wie öfters bläht die hohe Dame
   Nichts als ihr Nahme?
   Zach.
 
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Oftmahlig, adj. von dem Nebenworte oft in dessen zweyten Bedeutung, was oft oder vielmahls ist oder geschiehet; vielmahlig. Ihre oftmahligen Zusammenkünfte. Die oftmahlige Wiederholung. Meine oftmahligen Schreiben.

[Bd. 3, Sp. 590]



 
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Oftmahls, das Nebenwort des vorigen Beywortes, für oft, in dessen zweyten Bedeutung; im gemeinen Leben auch oftmahlen und öftermahls. Ich habe es ihm schon oftmahls gesagt, schon oft. Er errettete sie oftmahls, Ps. 106, 43. So wohl dieß als das vorige, werden in der edlen Schreibart gern vermieden, außer daß die Dichter sie zuweilen um des Sylbenmaßes willen gebrauchen.
   Vernunft, zu oftmahls sclavisch, ergriff jetzt die Partey
   Der mächtigern Begierden,
   Dusch.
 
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Oh! S. 1 O.
 
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Der Oheim, zusammen gezogen der Ohm, des -es, plur. die -e, Fämin. die Oheime, zusammen gezogen die Ohme, plur. die -n, des Vaters oder der Mutter Bruder, und im Fämin. des Vaters oder der Mutter Schwester. Es ist in den gemeinen Sprecharten Ober- und Nieder-Deutschlandes am üblichsten, kommt aber auch in der Kanzelleysprache vor, wo der Kaiser die weltlichen Churfürsten, so wie die meisten altfürstlichen, Oheim zu nennen pflegt; vermuthlich so fern dieses Wort ehedem, wie aus dem Frisch erhellet, auch des Bruders und der Schwester Kinder zu bezeichnen pflegte, wofür jetzt die Wörter Neffe und Nichte üblicher sind, so daß die Neffen und Nichten so wohl ihrer Ältern Geschwister, als auch diese jene Oheim nannten. Im Bremischen wird des Bruders oder der Schwester Kind noch jetzt auf dem Lande Öhm und Öhme genannt. Der Großoheim oder Großohm, des Vaters oder der Mutter Oheim. Das weibliche Oheime und Ohme scheint seltener gebraucht zu werden; indessen kommt es doch Amos 6, 10 für Muhme vor: ein jeglicher muß seine Ohme nehmen.
   Anm. In dem alten Fragmente auf Carln den Großen Ohein, in Schwaben und der Schweiz noch jetzt Ohan, Ohen, Ohein, im Nieders. Ohm, im Diminut. Öhmken, Öhmke, im Angels. Eam. In dem alten Augsburg. Stadtrechte bey dem Schilter heißt es: Wer die frunt sien, die einen zer echt bringen mugen. Das fullen sin des mannes vater und sin mutter, wip und kint, bruder und swester, bruder kinde und swester chinde, vettern und vettern chinde, öhan und öhaus kind. Wasen unt Mumen und iro chinde. Frisch ließ es, freylich gezwungen genug, von dem Latein. Avunculus abstammen. Weit wahrscheinlicher ist es, daß es mit dem alten Amme, Mutter, Ahn, und, so fern es auch einen Neffen bedeutet, mit Enkel und Enke verwandt ist, und überhaupt einen nahen Verwandten bedeutet, so wie Muhme und Mamma, Mutter, auf gleiche Art verwandt sind. Schon im Arab. bedeutet Am, dem Bremisch-Nieders. Wörterbuche zu Folge, einen Vaterbruder. In den Münzen werden an einigen Orten noch die zünftigen Arbeiter Ohme oder Ohmen, und ihre Zunft oder Gesellschaft die Ohmschaft, Öhenschaft, genannt; woraus denn erhellet, daß es auch in weiterer Bedeutung von einem jeden Verbundenen, in Gesellschaft und Gemeinschaft stehenden gebraucht worden.
 
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Das Öhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten und Quantitäten, die -e, ein von sich selbst flüssiges Fett, ein fetter flüssiger Körper, welcher sich im Wasser gar nicht, oder doch nur wenig auflösen lässet, mit einer von Rauch und Ruß begleiteten Flamme brennet, und nach der Destillation eine kohlichte Substanz zurück lässet. 1) Eigentlich. Aus einem Körper das Öhl destilliren. Das Öhl aus den Früchten pressen. Öhl schlagen, es durch Stampfen aus den Samen heraus bringen. Wesentliches Öhl, welches den Geruch derjenigen vegetabilischen Substanz, aus welcher es gezogen worden, hat, wie Nelkenöhl, Zimmtöhl u. s. f. Brennzliches Öhl, ein jedes Öhl, welches durch die Destillation bey einem Grade der Wärme erhalten worden, welcher über den Grad der Wärme des siedenden Wassers gehet, und daher angebrannt

[Bd. 3, Sp. 591]


riecht und schmeckt; empyrevmatisches Öhl. Öhl brennen, in der Lampe. Öhl in das Feuer gießen oder schütten, figürlich, eine jede Leidenschaft noch heftiger machen. In engerer Bedeutung pflegt man diejenige Art des Öhles, deren man sich in gewissen Fällen am häufigsten bedienet, nur Öhl schlechthin zu nennen. Es ist unter Öhl in der Deutschen Bibel beständig Baumöhl zu verstehen, (S. die folgenden Zusammensetzungen,) und in der Hauswirthschaft pflegt man das Lein- und Rübsenöhl, dessen man sich zum Brennen in den Hauslampen bedienet, nur Öhl schlechthin zu nennen. Das Öhl der Kupferdrucker ist Nußöhl, und das Öhl der Mahler Leinöhl, S. Öhlfirniß. 2) Figürlich werden gewisse durch die Kunst bereitete flüssige Körper, wegen einer ähnlichen Consistenz, zuweilen Öhle genannt, dahin das Arseniköhl, Weinsteinöhl, Vitriolöhl, Kupferöhl u. s. f. gehören, S. diese Wörter.
   Anm. Schon im Isidor Ole, bey dem Ottfried Oli, im Nieders. Ölje, bey dem Ulphilas Alev, im Schwed. Olja, im Angels. Ele, im Engl. Oil, im Böhm. Oleg, im Krainerischen Vojle, im Pohln. Oley, im Franz. Huile, im Ital. Oglio, im Lat. Oleum, im Griech. ελαιον, selbst in Patagonien Oli, und auf den Cocos-Inseln Lolo. Ihre lässet es von dem alten noch Schwed. ala, alere, abstammen, weil es dem Feuer Nahrung gibt, oder auch von ala, anzünden, und dem alten Eld, Aeld, Feuer. Allein es scheinet auch ohne diese Eigenschaft einen jeden flüssigen, besonders dicklichen Körper bezeichnet zu haben; daher ist im Angels. Eala, im Engl. Ale, im Schwed. Oel, im Isländ. Aul, im Lettischen Allus, im Esthnischen Olei, Oellut, und in einigen Niedersächsischen Gegenden Öhl, Bier, womit auch das Griech. ουλαι bey dem Eustathius überein kommt. In den nördlichen Mundarten ist Elbe, Elf, ein Fluß, und sogar im Patagonischen bedeutet Oli das Wasser. Gottsched hatte den sonderbaren Einfall, dieses Wort ohne h Oel oder Öl zu schreiben, bloß weil das Latein. Oleum, wovon er es ableitete, kein h hat. Die Ableitung war sehr ungegründet; gleich als wenn das ganze nördliche Europa nicht eher ein flüssiges Fett, oder einen flüssigen Körper überhaupt hätte benennen können, als bis es solches erst von den Römern lernen müssen. Hätte es aber auch mit der Abstammung seine Richtigkeit, so wäre es doch billig, daß ein Wort, welches durch Wegwerfung der Endsylben und durch Veränderung des Selbstlautes ein ganz Deutsches Ansehen bekommen, sich auch in der Schreibart bequemet, welche vor den flüssigen Buchstaben ein h erfordert, S. Adelung H.